Auf der Fahrt nach Burkina Fas
- Eine Reise durch Marokko -
von Charly Simonis

Götz Krieger und Yves Vidal – unsere „Rentner“ - brachen bereits am 31. Juli mit dem Allrad zur großen Reise auf. Christoph Bröhl und ich wollten sie ein Stück der Reise begleiten. So flogen wir am 4. August mit Air Berlin erst einmal nach Palma de Mallorca. Unser Anschlussflug nach Malaga hatte leider 2 ½ Stunden Verspätung, sodass wir ausgiebig unsere Eifeler Schinkenbrote nebst Kaffee genießen und viele Start und Landungen beobachten konnten. Handys sind eine tolle Erfindung – wir konnten Götz auf dem Campingplatz bei Malaga unsere Verspätung mitteilen, sodass er nicht am Flugplatz warten musste.
Um 13:00 Uhr trafen wir uns, aber wir passten kaum mehr in das voll geladene Auto. Unser Gepäck wurde auf dem Dach festgebunden und ab ging es nach Algeciras. Dort buchten wir die Fähre nach Tanger, das zu Marokko gehört, und so blieb uns der furchtbare Anblick der hohen Zäune von Ceuta, mit denen Europa sich vor Flüchtlingen schützen will, erspart.
Die
Überfahrt dauerte fast 3 Stunden, sie ging erst an der europäischen Küste
entlang. Wir saßen in der Sonne und wurden von ca. 50 Delphinen ein Stück des
Weges begleitet. Götz besorgte die Einfuhrpapiere für das Auto auf dem Schiff,
aber als wir an Land waren, sagten uns die Beamten, dass wir uns auch einen
Einreisestempel in den Pass hätten geben lassen müssen. Yves rannte mit den
Pässen in das Schiff zurück, aber der Beamte hatte seinen Schalter geschlossen.
In letzter Sekunde vor der Rückfahrt der Fähre bekam er nach ca. 45 Minuten die
notwendigen Stempel und wir konnten uns in die Schlange vor dem Zoll einreihen.
Man muss viel Geduld haben in Afrika – die Abfertigung dauerte trotz Hubkonzert
gut zwei Stunden und e
s war bereits dunkel, als wir auf den von Menschen
überfüllten Straßen mit Kompass und eifrigem Fragen den Campingplatz suchten.
Als wir ihn gefunden hatten, waren wir positiv überrascht. Er lag auf einem
Hügel und bei einem schönen Swimmingpool gab es Live-Musik für die Haute Volé
von Tanger. Wir gönnten uns ein gutes Abendessen im angeschlossenen Restaurant –
Christoph und ich bauten unser „Aldi-Zelt“ auf, während Götz und Yves ihr Zelt
auf dem Autodach hochklappten.
Am nächsten
Morgen bereitete uns Götz ein köstliches Frühstück. In dem überdachten Pick-up
hat er hinten einen Gaskocher funktionsbereit installiert und im Auto gab es
einen Kühlschrank, damit unsere afrikanische Medizin – der Pastis – immer kühl
serviert werden kann. Alsdann fuhren wir an Tetuan vorbei über Ketama
ins Riff-Gebirge, das wild zerklüftet ist und tolle Ausblicke bietet. Man
kann Landschaften nicht beschreiben, man muss sie vor dem blauen Himmel gesehen
haben. Im Riff wird Hanf angebaut und an der Straße stehen Jugendliche, die
einem Drogen aufdrängen wollen. Die Gegend gilt als kriminell und öfter kommt es
zu Überfällen. So halten wir nur kurz an, um Fotos zu machen. Unser Auto
behalten wir dabei stets im Blick. Abends kommen wir in Fez an und suchen
mit dem Kompass den Campingplatz. Polizisten stehen an vielen Kreuzungen, sie
sind ausgesprochen freundlich und begrüßen uns per Handschlag. Vielleicht sollte
man deutsche Polizisten mal für ein Praktikum nach Marokko schicken! Von ihnen
bekommt man stets genaue Auskünfte. Es ist meist 38° Grad heiß, aber im
klimatisierten Auto lässt es sich gut aushalten. Wir haben wenig Hunger, essen
tagsüber etwas Brot und trinken Kaffee. Der Camping International in Fez ist
sehr luxuriös – auch mit Schwimmbad und Restaurant – ausgestattet. Abends gönnen
wir uns ein gutes Essen und Rotwein. Der Campingwart besorgt uns für die
Besichtigung von Fez am nächsten Tag einen deutsch sprechenden offiziellen Fü
hrer,
der uns mit eigenem Auto abholt.
Die
Altstadt von Fez (Medina) hat so enge Gassen, die man sie nur zu Fuß betreten
kann. Die Waren werden auf Eseln angeliefert, die mit viel Geschrei durch die
Gassen getrieben werden. Ein Geschäft reiht sich ans andere. Die Händler sind
nicht aufdringlich und man kann sich in Ruhe alles ansehen. Wir besichtigen eine
Töpferei, wo viele Sachen mit der Hand bemalt werden. Auch einen Lederladen
besuchen wir, von wo man einen guten Ausblick auf die Gerberei hat. In einem
Bazar werden Silbersachen hergest
ellt, vor allem herrliche Teller verziert. In
einem tollen alten Palast hat ein Teppichhändler einen geschmackvollen Laden
eingerichtet, wo uns bei Pfefferminztee zahlreiche Teppiche gezeigt werden und
wo Mädchen das Knüpfen von Teppichen vorführen. Unser netter gesprächiger Führer
akzeptiert, dass wir nichts kaufen und er keine Provision bekommt. Wir kaufen
aber kräftige Eisenhaken für unser Zelt und holen Geld vom Automaten ab. Die
Führung beenden wir mit frisch gepresstem Orangensaft. Im Schwimmbad ist viel
los und die Musik schallt über den ganzen Campingplatz und nervt uns reichlich.
Abends gönnen wir uns am Pool wieder ein üppiges Abendessen (leider auch mit
Lautsprechermusik).
Marokko ist mit Burkina Faso nicht zu vergleichen. Es gibt überall Strom und Handynetze und oft Wasserleitungen. Die Straßen - auch in den Bergen - sind meist asphaltiert und gut in Ordnung. Hier im Landesinnern gibt es aber weniger Touristen. Von Fez aus fahren wir über eine Hochebene vulkanischen Ursprungs. Auf Pisten ging es weiter durch tolle Zedernwälder und wir fütterten Berberaffen, die dort leben und nicht scheu sind. In der Gegend von Mischliffen gibt es auch ein Skigebiet und auch der König hat hier ein Domizil. Yves hat die ersten Jahre seines Lebens in Ain-Levh verbracht, wo wir von Franzosen zum Tee eingeladen wurden und wo wir seine frühere Heimat besichtigten. Abends übernachteten wir auf einem Campingplatz bei Azrou, der von einem Marokkaner geleitet wurde, der in Köln studiert und nur positive Erinnerungen an seinen Deutschlandaufenthalt hat. In einem Holzofen wurde sogar morgens und abends heißes Wasser zum Duschen gemacht. Er besorgte uns Rotwein und abends gab es Gulasch mit Püree, von Götz köstlich zubereitet.

Am Dienstag
ging es weiter in den Süden. Wir tranken Kaffee in Midelt und an einem
oasenartigen Lokal mit wunderschönen Palmen gab es Pfefferminztee. Die gute
Laune war aber schlagartig vorbei, als Christoph feststellte, dass wir unterwegs
unsere beiden guten Luftmatratzen, die auf dem Autodach festgebunden waren,
verloren hatten. Ohne Matratzen ist ein Zelten für uns ältere Herren unmöglich.
Auf der Fahrt nach Eurachidia kamen wir an einem schönen Kasbah-Hotel
vorbei, bei dem man auch campen konnte. Wir reservierten sofort ein Zimmer mit
Dusche (20 Euro!) und fuhren weiter nach Eurachidia, einer modernen
Stadt, wo wir 2 Schaumstoffmatratzen kauften, die wir oben auf dem Auto
festbanden. Dann ging es zurück ins Hotel, das in einer zerklüfteten Landschaft
lag – ähnlich dem Grand Canyon. Unten war ein Flu
ss, an dem Palmen wuchsen und
Menschen wohnten. Es war sehr windig, sodass das Auto nebst Zeltdach hinter dem
Haus aufgestellt wurde. Abends aßen wir gut, Salat, Couscous mit Hähnchen und
viele Früchte u. a. Feigen. Eine Gruppe mit Italienern übernachtete auch im
Hotel.
Am Mittwoch
ging es an einem See vorbei Richtung Erfoud. An der blauen Quelle machten
wir halt und tranken eine Cola. Dort gab es ein Schwimmbad, wo meist jedoch nur
Jungen schwammen. Durch das Tal schlängelte sich ein Fluss in einer
beeindruckenden Palmenlandschaft. Es sah aus wie eine Oase, ansonsten gab es nur
eine Steinwüste, soweit man schauen konnte. Mitten darin sprang auch eine
eisenhaltige Quelle 1 m hoch und sorgte für Leben in der Wüste. Dann fuhren wir
weiter nach Rissani und von dort weiter nach Merzouga, wo die Sahara
beginnt und der Tourismus endet. Man schaute in unendliche Sandwüsten. Der Sand
war so heiß, dass man sich trotz Sandalen die Füße verbrannte. Leute mit Rheuma
ließen
sich ganz in den Sand eingraben, was für mich unvorstellbar ist. Ich
hatte nicht das Bedürfnis, die Sahara durchqueren zu müssen, sondern eher den
Wunsch, bei 42° C ins Auto zurück zu kehren und die Klimaanlage anzustellen.
Dann ging es durch große Steinwüsten Richtung Tinerhir. An der Straße gab
es ein Feld mit sehr vielen gleichmäßig angeordneten „Vulkanen“. Ein Tuareg
erklärte uns, dass es sich um ein Bewässerungssystem handele, wo Sklaven 15 m
tiefe Löcher gegraben hatten. Es gab Pfefferminztee unterm Berberzelt. Der
Campingplatz in Tinerhir hatte einen Swimmingpool, der sehr erfrischend war. Das
Essen war weniger gut und in der Nacht konnte ich das nächste WC nur im
Eilschritt erreichen.

Das Logo des Solidaritätskreises Westafrika auf unserem Allrad erzeugte allgemeine Aufmerksamkeit und sorgt für viel Gesprächsstoff. Marokko ist viel weiter entwickelt als Burkina Faso und die Araber haben eine Mentalität, die eine schnellere Entwicklung ermöglicht. Die straßenmäßige Infrastruktur ist schon toll und kaum vergleichbar. Eine Lust, hier ständig zu leben, verspüre ich nicht, sondern ich werde mir immer wieder bewusst, in welch phantastischer Landschaft mit privilegiertem Klima wir in der Eifel leben.
Heute, am
Donnerstag, den 10.08., nahmen wir erst mal ein erfrischendes Bad im
Swimmingpool. Dann ging ich meiner Verpflichtung nach, einen Kiosk zu suchen, wo
man Brot kaufen kann. Götz machte derweil Tee und Kaffee. Alsdann ging es
bergauf in das Todra-Tal, wo ein kleines Flüsschen eine tiefe Schlucht
gegraben hat. Auch viele Einheimische verbringen hier einen Urlaubstag, da es
angenehm kühl ist. Wir fuhren auf geteerten Straßen immer weiter bergauf mit
phantastischen Blicken auf Täler und Berge. Bei 2.700 m erreichten wir die
Passhöhe mit einem Blick auf Berge, die über 3.000 m hoch sind. Hier ist es
angenehm kühl und hier machten wir unsere Mittagsrast mit Brot, Schinken, Käse
und Wasser. Nach ca. 80 km erreichten wir das Dorf Agoudal. Alle Kinder
rannten auf das Auto zu und wollten Kulis und Geld haben. Sie taten so, als ob
sie mit Schaufeln Steine von der Straße entfernten, und waren recht aggressiv,
da sie von uns nichts bekamen. Es ist schon eine richtige Plage, die die
Touristen dort initiiert haben. In einem kleinen Café tranken wir Tee und
fragten, ob man auch die andere Straße nach Boumaines-Dadès nehmen kann,
die in der Karte eingezeichnet war. Man sagte uns, es sei eine 60 km lange, für
Allradautos unproblematische Piste. Die Fahrt auf dieser Piste war aber ein
nervenaufreibendes Abenteuer. Die Schotterstraße ging oft bergauf an tiefen
Abhängen ohne Sicherung entlang. Sie war breit genug für einen PKW und nicht
dramatisch gefährlich, aber oft gab es kilomet
erweit keine Ausweichstelle, wo
man einen entgegenkommenden PKW hätte vorbeifahren lassen können. So schauten
vier Augenpaare stets we
it nach vorne, um rechtzeitig ein Auto zu entdecken und
voller Angst, was man dann machen würde. Die Aussicht war phantastisch und
unbeschreiblich und in Serpentinen kletterte das Auto –teilweise in
Schrittgeschwindigkeit- immer höher bis auf über 2.000 Meter. Götz hatte schon
Angst, dass wir die Hauptstraße und den nächsten Ort nicht mehr im Hellen
erreichen würden. Als wir oben auf dem Pass waren, liefen Kamele frei herum. Wir
sahen in der Ferne einen LKW den Pass hoch kriechen und fanden eine Stelle, um
auszuweichen. Schließlich ging es abwärts zu kleinen Dörfern. Die Frauen
brachten Getreide in großen Säcken von den Feldern, während die Männer im
Schatten saßen und Tee tranken. Dann kamen wir in das Tal der Dadès –von
hoch oben konnte man in eine Schlucht hineinschauen, wo sich der Dadès entlang
schlängelte und von einem Grüngürtel umgeben war. Es gab eine tolle Schleife und
unten mittendrin ein Hochplateau. Wir fuhren bis ins Tal und fanden ein schönes
schlossartiges Hotel direkt am Fluss, wo man auch campen und gut essen konnte.
Es pfiff ein starker Wind durch das Tal, sodass wir die Zeltnägel gut
einschlugen. In der Nacht haben wir ziemlich gefroren, denn wir hatten nur dünne
Fliesschlafsäcke dabei. Außer uns gab es noch eine französische Familie und ein
italienisches Pärchen, die auch im Allrad die Gegend erkundeten und in ihren
Autodachzelten übernachteten.
Am
Freitagmorgen fuhren Götz und Yves noch mal in Tal zurück, um Fotos zu machen,
während Christoph und ich auf der Hotelterrasse Tee tranken. Als wir den Kellner
des Hotels auf das Ungleichgewicht bei der Arbeit zwischen Mann und Frau
ansprachen, behauptete er, dass die Männer alle hart in der Stadt arbeiten
würden und nur für einen Monat Urlaub in das Dorf zurückkehren würden, während
die Frauen sich nur um das Haus und den Garten kümmern müssten. Wir machten an
einem schönen Aussichts
punkt Mittagspause, schauten auf den Dadès herab und aßen
Omelett. Danach waren wir im Heimatort von Yves, wo er 10 Jahre gelebt hat. Es
ist ein großer Ort, aber nirgendwo gab es Alkohol zu kaufen. Dann ging es durch
eine Steinwüste weiter nach Ouarzazate. Immer wenn wir ein Flussbett
durchquerten, fuhr man durch eine Oase voller schöner Dattelpalmen. In
Ouarzazate übernachteten wir auf dem städtischen Campingplatz, es gab zwar
Schatten, aber die sanitären Einrichtungen waren bescheiden. Wir aßen in einem
schönen benachbarten Lokal auf der Terrasse - wie üblich Couscous mit Gemüse -
und anschließend gab es Apfelsinenscheiben mit Zimt. Das Lokal schenkte sogar
Rotwein aus, sodass wir den gekauften Rotwein nicht mitbringen mussten. Um 9 Uhr
war es dunkel und wir kletterten ins Zelt. In der Nacht ging es Christoph nicht
gut und er besuchte aus dringendem Anlass die Toilettenanlage, wo man aus
Sparsamkeitsgründen Licht und Wasser abgeschaltet hatte. Christoph und ich
besuchten in Ouarzazate eine alte Kasbah (eine Lehm-Wohnburg aus dem
Mittelalter) und die Altstadt, während Götz und Yves sich noch auf dem
Campingplatz ausruhten. Dann ging es auf Passstraßen und durch Steinwüsten rund
200 km Richtung Marakesch. Die Straße ging bis 2260 m hoch. Zum Mittagspicknick
gab es frisches Baguette und leckeren Schinken von Lidl, unserem Hoflieferant.
Dann kehrten wir –wie üblich- in einem Lokal ein und tranken Kaffee – für
Christoph gab es Pfefferminztee.
30 km vor Marakesch bogen wir links ab und es ging wieder bergauf nach Asni,
einem B
ergdorf, wo es keinen Campingplatz gab. Wir mieteten uns in einer
wunderschönen Pension ein. Im Gegensatz zu Ouarzazate ist es hier im Gebirge
angenehm kühl. Auf der Terasse gab es –wie üblich- den Pastis und der Gastwirt
spendierte uns einen Pfefferminztee. Wir hatten einen herrlichen Blick auf die
bis zu 4.000 m hohen Berge des Atlas und auf wunderschöne Obstplantagen im Tal.
Am Abend hatten wir ein sehr gutes Abendessen im Garten des Hauses und wir
durften die zwei Flaschen Rotwein aus dem Auto holen und trinken.
Der
Sonntagmorgen, der 13. August, begann wunderschön. Ich legte mich in die Sonne
auf die Dachterrasse und hörte meine Lieblingsmusik. Danach gab es ein
vorzügliches Frühstück und die Übernachtung mit Abendessen und Frühstück kostete
für vier Personen nur 110 Euro. Wir machten noch einen Kurzausflug nach Imlil,
von wo man tolle Wanderungen ins Gebirge machen konnte. Da Sonntag war, war der
Ort von Einheimischen total überfüllt, sodass wir sofort zurückfuhren. Alsdann
ging es ständig auf einer asphaltierten Teerstraße bergauf. Unterwegs
besichtigten wir eine Moschee aus dem 12. Jahrhundert und machten mit Brot und
Lidl-Schinken unsere Mittagsrast unter einem schattigen
Baum. Kaffee gab es in
einer Höhe von 2.092 m am Tizi-n-Test-Pass. Dann ging es wieder bergab –
meist Steinwüste mit phantastischen Weitblicken – nach Agadir und weiter am Meer
entlang nach Tanni, weil Yves glaubte, dass ab dort die „Honigpiste“ nach
Imouzzèr abging. Wir mussten uns mit einem bescheidenen Hotel abfinden und das
Abendessen mit Ziegenfleisch war auch kein Hit. Wir haben aber ganz gut
geschlafen und bekamen ein dürftiges Frühstück.
Am Montagmorgen fuhren wir zur Polizei, um uns den Weg erklären zu lassen. Es ging nicht auf einer Piste, sondern auf einer geteerten Straße, die auf unseren Karten noch nicht eingetragen war, bergauf, an einem neuen Stausee vorbei und über viele Berge und Täler nach Imouzzèr, wo es einen berühmten Wasserfall gibt. Dieser war ausgetrocknet, aber dennoch tranken wir dort unseren Kaffee. Wir fuhren dann das Paradies-Tal herab, was wunderschön mit Palmen bewachsen war. In Aquir gab es ein gutes Mittagessen mit Tee und Honig, Gemüse und gebratenen Hähnchen. Dort wurden von Frauen Nüsse geknackt und daraus Öl gewonnen. Weiter ging es zum völlig überfüllten Internationalen Campingplatz nach Agadir. Christoph und ich gingen am Strand spazieren und waren nicht sonderlich begeistert. Dann kauften wir für unseren phantastischen Chauffeur Götz als Dankeschön eine Flasche Pastis und Rotwein.
Abends
trafen wir im Lokal die Kollegen von Götz, Elke und Carsten, und aßen zusammen.
Es gab sogar Bier im Lokal. Die Kollegen hatten eine organisierte 1-wöchige
Rundreise durch Marokko und eine Woche Urlaub im Hotel in Agadir gebucht. Auf
dem Campingplatz war es abends enorm laut und aus jedem Zelt schallte
Radiomusik. Wir ärgerten uns, dass wir uns kein schönes Hotel gesucht hatten.
Dank Ohrstöpsel haben wir dennoch einigermaßen geschlafen. Die Duschen und
Toiletten waren so verdreckt, dass wir morgens sofort das Zelt
einpackten, aus
Agadir herausfuhren und in einem Nachbarort uns ein reichhaltiges Frühstück
gönnten. Dann fuhren wir an einen schönen einsamen Strand, gönnten uns ein Bad
und duschten, bevor Götz und Yves uns zum Flughafen fuhren. Nach einem
gemeinsamen Kaffee machten diese sich auf nach Casablanca, um sich Visa
für Mauretanien zu besorgen. Am 7. Oktober werde ich Götz und Yves in
Ouagadougou wieder sehen und mit ihnen unsere 14 tägige Rundreise durch Burkina
Faso unternehmen und über 3o Dörfer besuchen.
Wir starteten Richtung Nürnberg. Im Flugzeug saß ich neben einer jungen Marokkanerin, die kein Wort Deutsch oder Englisch sprach. K. S. hatte in Agadir einen deutschen Polizisten kennen gelernt, der dort Urlaub gemacht hat. Dieser hat sie nach Hannover eingeladen und ihr ein Visum und das Flugticket besorgt. Sie wollte diesen Bekannten in Deutschland heiraten und hatte sich alle Heiratsunterlagen besorgt. Es war ihre 1. große Reise – ein Abenteuer – zumal man ihr auf dem Flughafen die Reiseunterlagen für den Weiterflug nach Hannover abgenommen hatte. Ich wurde skeptisch, als sie mir mitteilte, dass ihr Freund 42 Jahre alt sei, aber einen Sohn von 26 Jahren habe, der Arzt sei. Ich sagte ihr, dass dies aus Altersgründen wohl kaum möglich sei und dass irgendetwas nicht stimmen könne. Ich befürchtete, dass man sie unter einem Heiratsversprechen nach Deutschland locken und in ein Bordell verschleppen wollte. Deshalb sagte ich ihr recht deutlich, dass ich um sie Angst habe und dass nicht alle Männer in Deutschland korrekt seien. Da sie keinen einzigen Euro bei sich hatte, schenkte ich ihr 50 Euro und gab ihr meine Visitenkarte und die Adresse und Telefonnummer einer Bekannten, die in Hannover wohnt. Ich bat sie, sofort zur Polizei zu gehen, wenn sie bedrängt würde und dort meine Visitenkarte vorzulegen. Als wir in Nürnberg ankamen, brachten wir sie noch schnell zu ihrem Gate für Hannover, wo sie eine neue Boarding-Carte bekam. Dann trennten uns unsere Wege und ich habe bis heute nichts mehr von ihr gehört, mache mir jedoch große Sorgen. Um 1 Uhr landeten wir gut in Köln und wurden von Christophs Sohn abgeholt und nach Hillesheim chauffiert. Eine sehr abwechslungsreiche, aber auch anstrengende Reise war zu Ende gegangen.