Reise nach Burkina Faso

15. – 22. 04.2003

Götz Krieger

 

Fast pünktlich kam die Chartermaschine von Point-Afrique, mit der ich ab Paris flog, morgens um 6 Uhr in Ouagadougou an. Wie immer bei der Einreise lange Warteschlangen vor den Schaltern, die ersten Schweißtropfen liefen, die morgendliche Temperatur lag schon über 30 Grad, für mich noch recht ungewohnt, da es in der Eifel in den letzten Nächten gefroren hatte und es tagsüber nicht allzu warm wurde. Zum ersten Mal erlebte ich, dass die Gesundheitspässe kontrolliert wurden, dafür entfiel bei mir allerdings die Gepäckkontrolle - außer Geschenken wie Sonnenbrillen, Taschenmessern, gestrickten Kinderpullovern, ungefähr 3 kg Frachtpapieren für 2 Container, die von der Africa-Aktion nach Ouaga und Diébougou geschickt wurden, hatte ich nichts in der großen Tasche.

 

Anselm erwartete mich in der Empfangshalle und fuhr mit mir nach Hause. Nach der herzlichen Begrüßung in seiner Familie und der ersten Dusche bekam ich ein üppiges Frühstück serviert. Im Anschluss daran führten wir mit dem Unternehmer, der dieses Jahr für uns die Tiefbrunnen bohrt, ein Gespräch, da er gegenüber der Planung im Rückstand ist und daher in verschiedenen Orten der Schulbau verzögert wird. Danach wurde der Allrad, ein altersschwacher Pajero, mit viel Trinkwasser und Proviant beladen und nach einem vorgezogenen Mittagessen verließ ich Ouagadougou in Richtung Bobo-Dioulasso.

 

Bei der Abfahrt hatte ich doch einige Zweifel an meinem Unterfangen, hatte man mich doch oft genug gewarnt, alleine durch das Land zu fahren, noch dazu mit einem Fahrzeug, das seit Januar mehrere Monate wegen Motorschadens und auch noch eine Woche zuvor in verschiedenen Werkstätten stand. Hinzu kam die Hitze, im April und Mai steigt das Thermometer täglich über 40 Grad. Als Vorsichtsmaßnahme gegen den „Temperaturschock“ hatte ich mir aus verschiedenen Reiseführern Adressen von Hotels mit klimatisierten Zimmern herauskopiert und mich nicht in den verschiedenen Dörfern, die ich auf meinem Reiseprogramm hatte, angemeldet.

 

Kurz hinter Ouaga waren meine Bedenken verflogen, der Motor lief rund und die nicht vorhandene Klimaanlage arbeitete bestens. Nach ungefähr 100 km hatte ich meinen ersten Halt in Bonghin bei Sabou. Kurz vor meiner Abreise erhielten wir einen Antrag, dort eine Grundschule zu bauen. Ich erklärte der Bevölkerung unsere Bedingungen für die Zusammenarbeit, der Schulleiter des benachbarten Dorfes übersetzte alles, die Leute waren sehr zufrieden über den Antrag, der von einer Frau, die aus dem Dorf stammt und zur Zeit in Frankreich arbeitet, gestellt wurde. Als Dank überreichten sie mir einen Hahn ein Holzrelief, das einen Händedruck zwischen schwarz und weiß darstellt.

 

Nach weiteren 50 Kilometern Fahrt fiel mir ein, dass ich das Zelt und die Luftmatratze in Ouagadougou gelassen hatte. Anselm bat mich am Telefon, in einer Stunde wieder anzurufen. Deshalb fuhr ich bis Boromo weiter, legte dort eine Erfrischungspause ein und erfuhr beim zweiten Telephonat von ihm, dass der Unternehmer von Sahel-Hydro, mit dem wir morgens die Unterredung hatten, mit dem Bus nach Bobo-Dioulasso fährt und mir diese Dinge nachbringt. Deshalb mietete ich für die Nacht ein Zimmer in einem Camp, nahm eine Dusche, band den Hahn an und wartete auf meine Sachen. Vor meiner Unterkunft arbeitete bis spät in den Abend eine Friseurin, nach Sonnenuntergang im Schein einer Lampe in ihrem „Open-Air-Atelier“. Nachts gab es ein leichtes Gewitter mit Regen und es kühlte merklich ab.

 

Am nächsten Morgen fuhr ich nach Mou, wo wir letztes Jahr die Grundschule erweitert hatten. Als ich ankam, standen zufällig der Vorsitzende der Dorfvereinigung und der Schulleiter vor der Schule und staunten nicht schlecht, als sie mich sahen. Zusammen besichtigten wir die neuen Klassen und die Lehrerhäuser und schauten nach Baumängeln. Die Toiletten waren noch nicht fertig, da der Boden dort sehr felsig ist, die Bevölkerung leider aber keine großen Anstrengungen macht. Nach der Besichtigung machte ich dem Schulleiter klar, dass ich möglichst bald tanken müsse und er war bereit, mit mir nach Dissin zu fahren. Bei solch einer günstigen Gelegenheit  holte er zunächst sein defektes Moped, das Teilnehmer des Alphabetisierungskurses auf dem Dach befestigten und dann fuhren wir los. In Dissin zeigte er mir die „Tankstelle“, der Tankwart kam nach ungefähr 5 Minuten mit einem Dutzend  Flaschen voller Diesel aus einem Schuppen und betankte literweise den Pajero.

 

Von dort fuhr ich nach Diébougou zu PRAH, einem Zentrum zur Förderung Behinderter, in dem Africa-Action eine Augenklinik errichtet hat. Da ich in der Mittagspause ankam, begab ich mich zum Essen zunächst in die Kneipe in der Nähe des Haut-Commissaire. Dort sprach mich ein Gendarm im Ruhestand an und erzählte begeistert von dem deutschen Pfarrer Josef Meiwes, der in seiner Jugendzeit sein Dorf prägte und dafür sorgte, dass viele Kinder eingeschult wurden.

 

Bei PRAH traf ich mich mit Soeur Martine und Abbé Cyprien, überreichte ihnen die mitgebrachten Begleitpapiere für den Container, der wegen der Unruhen im Nachbarland Elfenbeinküste nicht rechtzeitig ankam und besprach mit ihnen die Probleme der Augenklinik. Anschließend wurde ich vom Bischof von Diébougou zur Unterredung empfangen. Er zeigte mir auch sein bescheidenes Büro, das wohl jedem deutschen Bischof Tränen in die Augen treiben würde. Zum Abendessen war ich eingeladen, der mitgebrachte Hahn wurde serviert, zum Apéritif spendierte ich einen Pastis und nicht jeder Abbé lehnte ihn wegen der Fastenzeit ab. Die Nacht verbrachte ich im Gästehaus des Bischofs mitten im Wald, einem Tierparadies – in den frühen Morgenstunden wurde ich von grunzenden und quiekenden Schweinen geweckt, die ganze Nacht hindurch war das Rufen von Vögeln zu hören.

Am nächsten Morgen fuhr ich nach Yéguéresso, die Strecke, die unsere Gruppe vor 3 Jahren gefahren war. Wie anders sah aber die Landschaft jetzt aus! Wo damals in der Regenzeit  Kinder badeten, Frauen und Mädchen die Wäsche wuschen und das Vieh getränkt wurde, sah man jetzt nur verwelktes Gras oder nackten Boden, von Wasser keine Spur.

 

Ich kam erst nach 12 Uhr in Yéguéresso an. Da donnerstags nachmittags kein Unterricht in den Collèges ist, traf ich weder Lehrer noch Schulleiter an. Am Brunnen wusch ein Junge, Schüler der ersten eingeschulten Klasse von 108 Schülern, seine Wäsche. Ich übergab ihm die Geschenke für den Schulleiter, eine Weltkarte vom BMZ, Sicherungen für die Solaranlage und ein Erinnerungsfoto von der Einweihung im Oktober. In einem Dorfteil in der Nähe des Collèges feierte die Bevölkerung ein Fetischfest, viele Hühner wurden geschlachtet, die Federn wurden mit dem aufgefangenen Blut auf die Heiligtümer geklebt. Da ich nicht wusste, wie ich mich verhalten sollte, fuhr ich weiter.

 

Meine nächste Station war Pala vor den Toren von Bobo-Dioulasso. Dort bauen wir ein dreiklassiges Schulgebäude zur Erweiterung der Grundschule. Wegen der Nähe zu Bobo brauchen wir keine Lehrerhäuser zu finanzieren. Gegen 13 Uhr kam ich an und staunte nicht schlecht, dass in der enormen Mittagshitze gearbeitet wurde. Die Maurer, unterstützt durch fünf Hilfskräfte aus dem Dorf, legten die Eisenträger für die Dachkonstruktion auf, ganz oben auf der ungesicherten Mauer war der Unternehmer Sanou Zéphirim – ein Albtraum für jeden Kontrolleur der deutschen Berufsgenossenschaft. Sanou Zéphirim hatte keine Zeit herunterzukommen, er blieb auf seinem luftigen Arbeitsplatz und besprach mit mir die verschiedenen Projekte.

 

Von Pala aus fuhr ich über Bobo nach Koundougou, wo eine Realschule gebaut wird. Die Klassen waren im Rohbau, das Verwaltungsgebäude ungefähr 1 Meter hochgemauert. Die Arbeiter waren wegen des bevorstehenden Osterfestes nach Hause gefahren, nur einige Kinder kamen und betrachteten neugierig den Weißen. Nach der Besichtigung der Baustelle fuhr ich zum Präfekten, der mir zu einem erfrischenden Begrüßungstrunk leckere Hähnchenteile anbot und mich anschließend zu einem Getränkekiosk einlud. Bei kühlen Getränken war es im Schatten recht angenehm, im Laufe der Zeit trafen die Honoratioren des Dorfes ein um mich zu begrüßen und es fiel mir sehr schwer, mich von der herzlichen Gesellschaft zu verabschieden, ich hatte aber noch vor nach Silorola zu fahren und dort die Nacht zu verbringen.

 

Die Strecke, zum großen Teil eine neue Piste, war gut zu bewältigen, nur an einigen Kurven war sie zu einem extremen Wellblech verformt, sodass sich verschiedene Schrauben im Allrad lösten und ich manchmal den Eindruck hatte, dass er gleichzeitig vorn und hinten von fremden Kräften gelenkt wird. Gegen 17 Uhr 30 kam ich in Silorola an, der Schulleiter hieß mich willkommen, quartierte mich in dem zweiten Lehrerhaus ein und benachrichtigte die Verantwortlichen des Dorfes, die auch bald erschienen. Der Délégué brachte ein erlegtes wildes Perlhuhn und einen Hahn mit, der Vertreter der Eltern besorgte Bier, ich stellte den Apéritif und die Kartoffeln, die Frau des Schulleiters, eine Peulh, bereitete das Essen zu und Petrus oder der dortige „Wettergott“ sorgte mit seinem Wetterleuchten für die entsprechende Atmosphäre. Als das köstliche Essen serviert wurde, fielen die ersten vereinzelten Tropfen, aber erst als der letzte Knochen abgenagt war, öffnete der Himmel seine Schleusen und wir zogen uns nach einem kurzen Zwischenaufenthalt unter einem Mangobaum völlig durchnässt in das Lehrerhaus zurück.

 

Am nächsten Morgen besichtigten wir die Baustelle. Die Maurer, erst vor einer Woche angekommen, waren sichtlich erfreut über den starken Regen der letzten Nacht, waren so doch die vor Ort gefertigten Steine bestens angefeuchtet worden. Die Gräben für die Fundamente waren überflutet und die Wasserbehälter gefüllt.

 

Nach dem Frühstück fuhr ich nach Mou I, wo ich gegen 12 Uhr ankam. Der Klassentrakt war bis zum Dachstand gebaut und ein Lehrerhaus ungefähr einen Meter hochgemauert. Obwohl in den Vortagen der Tiefbrunnen fertiggestellt werden sollte, suchte ich diesen vergeblich. Als mir ein Mann die geplante Stelle zeigte, stellte ich fest, dass im Vorderreifen des Pajero ein großer Nagel steckte. Ich durfte den Wagen hochbocken, den Reifenwechsel übernahmen dann die Afrikaner – in Anbetracht der Hitze hatte ich aber keine Einwände dagegen. Von Mou I aus fuhr ich zu einem kurzen Besuch nach Kélia I, wo wir im Oktober die Schule eingeweiht hatten. Alle Weißen waren damals von den Darbietungen der Kinder und Jugendlichen angetan. Trotz Mittagspause begrüßten mich sehr viele Kinder, die wegen der großen Entfernung nicht zu Hause essen und sangen mir wieder ihr Begrüßungslied: „Herzlich willkommen in Kélia, in unserem Land, herzlich willkommen in unserer Schule, die Ihr für uns gebaut habt.“

 

Nach diesem kurzen Abstecher begab ich mich nach Banfora. Zuvor übergab ich der katholischen Kirchengemeinde in Bérégadougou die mir von Manfred Hillebrand zugeschickten Geschenke. Um 17 Uhr kam ich im Foyer Sainte Monique in Banfora an. Soeur Véronique war noch zur Untersuchung im Krankenhaus, da sie seit einigen Tagen Malaria hatte. Ihre Mitbewohnerinnen verwöhnten mich mit eiskalten Getränken, die ich bei diesen Temperaturen  genoss. Kurz danach kam Véronique, entschuldigte sich aber sofort, da sie an Karfreitag mit ihren Novizinnen die Messe besuchen wollte. Da ich von europäischen Messzeiten ausging, rechnete ich damit, dass sie in ungefähr 1 Stunde wieder zurück sei. In der Zwischenzeit nahm ich eine Dusche, vervollständigte mein Tagebuch und hörte anschließend fast die gesamte Matthäus-Passion von Bach. Nach drei Stunden kamen sie von der Messe zurück - die Leidensgeschichte war in zwei Sprachen, Französisch und Lobi, ausführlich gespielt worden, dazu sehr viele Gesänge und die Predigt.

Am nächsten Morgen zeigte mir Soeur Véronique das Internat, in dem 26 Mädchen wohnen, die von weit her kommen und in Banfora die Gelegenheit haben, das Collège oder das Gymnasium zu besuchen. Seit einigen Monaten unterstützen deutsche Paten die Schülerinnen, deren Familien sehr arm sind, damit die Kinder ihre schulische Ausbildung beenden können.

Weiteren 22 Mädchen bietet Soeur Véronique Hauswirtschaftskurse an,  nur sind die dafür vorgesehenen Unterrichtsräume erst im Rohbau und sie hat kein Geld zur Vollendung. Sie war sehr erfreut darüber, dass der Solidaritätskreis ihr in diesem Jahr zusätzlich zu seinen geplanten Projekten eine Klasse fertig stellen will.

Stolz zeigte sie mir den Solarkocher „Papillon“, der dem Foyer Sainte Monique durch eine Spenderin über unseren Verein zukam. Die Mädchen nutzen ihn ständig, da sie dadurch Geld für den Kauf von Holz und Holzkohle sparen.  

 

Nach dem Mittagessen fuhr ich über Gaoua  nach Bouroum-Bouroum. Ich wollte dort in der protestantischen Mission, in der wir bei unserem letzten Besuch übernachtet hatten, gemeinsam mit dem Missionarsehepaar das Osterfest feiern. Bei meiner Ankunft erzählte der Wächter, dass die Mission seit einigen Monaten nicht bewohnt ist, da die Missionare die verwaiste Mission in Gaoua für ein Jahr verwalten. Er führte mich zu einem Haus, in dem das Ehepaar eine kirchliche Versammlung leitete. Ihre Überraschung war groß, als sie mich sahen, waren doch alle Versuche, sie zu benachrichtigen, fehlgeschlagen. Sie luden mich ein, mit ihnen nach Gaoua zu fahren und dort gemeinsam das Osterfest zu feiern.

Nach der kurzen Begrüßung fuhr ich zum Schulleiter des Collèges, zahlreiche Kinder kamen mit ihm aus seinem Haus und begrüßten mich, um uns herum tummelten sich viele Tiere mit ihren Jungen. Als ich ihm ein Erinnerungsfoto von der Einweihungsfeier überreichte, erzählte er, dass er seit dieser Zeit darauf achtet, dass die Schüler ihre Bänke pfleglich behandeln. 

Kurz vor Sonnenuntergang traf ich wieder die Missionare und wir fuhren gemeinsam nach Gaoua,  ihrem derzeitigen Domizil. Seit einigen Monaten haben sie kein fließendes Wasser mehr, da ein Bagger bei Straßenarbeiten die Leitung zerstört hatte und sie nicht so schnell wie in Europa repariert werden kann. Für Dusche und Toilette musste das Wasser mit Eimern aus einem großen Behälter geschöpft werden.

Am nächsten Morgen gingen wir zum Ostergottesdienst in die protestantische Kirche, die bis auf den letzten Platz besetzt war. Es wurde viel gesungen, der Kirchenchor intonierte Gospels und die Fremden wurden aufgefordert sich vorzustellen. Nach ungefähr 1 Stunde begann die Predigt. Der Prediger, der auch Leiter der protestantischen Radiostation von Gaoua ist, sprach eine Stunde ohne vorgefertigtes Konzept und bezog häufig die Kirchengemeinde mit ein. Nach dem Gottesdienst nichtendenwollendes Händeschütteln und angeregte Unterhaltungen in der sengenden Hitze vor der Kirche. Danach machte der Missionar mit mir einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Überall waren die Geschäfte geöffnet, in den Straßen zahllose Menschen, die schwerbepackt zum Markt gingen, ein Treiben, wie man es in Europa an Ostersonntag nie antreffen wird. Alle grüßten den Missionar und wünschten ihm ein frohes Osterfest. Die einzigen Farbtupfer in der Stadt waren die blühenden „Flamboyants“, Bäume mit rotleuchtenden Blüten.

 

Am frühen Nachmittag verließ ich Gaoua und fuhr nach Dankoblé, wo wir 2001 eine Grundschule mit 2 Lehrerhäusern und einen Tiefbrunnen finanziert hatten. Der Schulleiter war nicht zu Hause, er war mit seinem Moped in das nahegelegene Diébougou gefahren. Seiner Frau, die mit ihrem Kleinkind das Haus hütete, übergab ich die Geschenke für die Schule und fuhr weiter nach Diébougou, wo ich die Nacht im Gästehaus des Bistums verbrachte.

 

Am nächsten Morgen, nachdem mir Soeur Martine und Abbé Cyprien Briefe für Africa-Action übergeben hatten, verließ ich Diébougou um nach Ouagadougou zurückzufahren, wo ich um 14 Uhr wohlbehalten ankam. Anselm und Marie-Thérèse begrüßten mich und waren sichtlich erleichtert mich bei bester Gesundheit wieder anzutreffen. Kühler Bizap und danach ein gutes Essen ließen mich wieder aufleben, war doch die Temperatur auf der Rückfahrt ständig heißer geworden – während der Fahrt schaute ich manchmal nach, ob ich nicht versehentlich die Autoheizung angestellt hatte. 

 

Am Nachmittag kam Félicien Ouoba zufällig vorbei und ich konnte mit ihm die Probleme von Tambaga besprechen – das Frauenförderzentrum, das seit 2 Jahren nicht mehr funktioniert und das Internat, das noch nicht voll besetzt ist. Er erklärte sich bereit, am kommenden Wochenende nach Tambaga zu fahren um dort mit den Verantwortlichen zu sprechen und in Padanfouani nachzusehen, ob das Haus zur Unterbringung der Wöchnerinnen gebaut wurde. Am Abend kamen Lombo Gnoumou und seine Frau Rachelle zu einem kurzen Besuch vorbei. Danach besprach ich mit Anselm den Stand der besichtigten Projekte und packte meine Sachen, darunter 12 kg Batikkarten für den Verein.

 

Am nächsten Morgen brachte mich Anselm an den Flughafen. Eine große Menschenmenge stand schon an, darunter ein Dutzend französische Islamisten der Art „Kalif von Köln“, die gegenüber Belgiern versicherten, dass sie das Ziel haben, ihre Religion zur einzigen Weltreligion zu machen. Der Rückflug war problemlos, nach einem Tankstop in Libyen und einer Zwischenlandung in Marseille kamen wir abends in Paris an. Mein Anschlussflug war schon eine Stunde zuvor gestartet, ich musste also in Paris übernachten und nahm am nächsten Tag das erste Flugzeug nach Köln.

 

Von den Strapazen müde und erschöpft, aber zufrieden über diese Woche in Burkina Faso, kam ich zu Hause an. Die Reise war für mich ganz anders als die sonstigen Fahrten nach Afrika: kein großer Tross, keine offiziellen Reden und keine große Feiern. Selbst bei meinen unangekündigten Besuchen in Dörfern konnte ich immer wieder die legendäre Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Bevölkerung spüren. Auf der anderen Seite erfuhr die Bevölkerung, dass der Solidaritätskreis nicht nur alle paar Jahre kurz zu Besuch kommt, sondern zu jeder Zeit damit rechnen muss, dass ein Weißer kommt und deshalb auch verstärkt die geforderten Bäume pflanzt und pflegt und die Gebäude besser unterhält.