Reisebericht 2003
Gisela Willems und Erika Froning

Samstag, 18.10.2003
5.30 geht der Wecker, noch einmal komfortabel Duschen und Frühstück mit frischen Brötchen. Der Proviant wird verstaut und das Gepäck durchgecheckt.
Auf dem Weg nach Hillesheim holen wir Monika in Lammersdorf ab. Gegen 7.20 geht es in zwei Wagen vollgestopft mit unserem Gepäck und den Geschenken über die Autobahn nach Liège Richtung Paris. Der Restproviant von Maria beschert uns eine ausgiebige Mittagsmahlzeit. So gestärkt erreichen wir schon gegen 13.00 Uhr den Flugplatz Charles de Gaule, wo wir Yves, einen französischen Freund von Rita und Götz treffen. Reibungslos verläuft das Einchecken und wir starten pünktlich um 16.15.
Die Boeing ist bis auf den letzten Platz besetzt, leider sind wir alle verstreut; es fällt auf, dass diesmal mehr Weiße im Flugzeug sitzen. 2000 begann Afrika schon beim Einchecken.
Ca 20.30 erreichen wir OUAGADOUGOU. Eine sehr heiße Luft schlägt uns entgegen. Noch in 900m Höhe waren es 28°C!
Nach der langwierigen Passkontrolle erreichen wir endlich die Halle, wo Anselm und seine Tochter Meti schon auf uns warten – eine große Wiedersehensfreude.
Draußen seht eine große Delegation, die uns herzlich Willkommen heißt. Samt Gepäck werden wir in unser Taxi Brousse verladen, das nun für zwei Wochen unser Transportmittel ist.
Aufregend ist wieder die Fahrt durch die spärlich beleuchtete Stadt. Überall kleine "Geschäfte"
- 4 Stangen mit Plane – oder eine Steinhütte mit Blechdach, es wird mit allem gehandelt, was möglich ist. Natürlich geht es auch an größeren Gebäuden vorbei, aber beindruckend sind eben diese Händler und kleinen Läden.
Bei Anselm angekommen ist wieder der Empfang herzlich und noch mehr Delegationen aus den Dörfern erwarten uns. Die Vorstellungsrunde beginnt und danach gibt es ein köstliches Mahl, liebevoll von Marie-Therese und ihren Helferinnen zubereitet. Es gibt Couscous mit Fleischsoße, gebratene Hühnchen, Gurken - und Tomatensalat mit einer leckeren Soße. Zum Nachtisch frische Papayas und in Ei und Zucker gewälzte gebratene Baguettestücke("arme Ritter"). Den Getränken sprechen wir reichlich zu –viel trinken ist das Wichtigste auf dieser Reise. Besonders erfrischend ist ein gekühlter Tee aus einer Hibiskusart mit Saft und Wasser vermischt. Cola Bier und Fanta dürfen nicht fehlen.
2 Stunden ist die Zeitverschiebung und so kriechen wir erst gegen 1.30 in Anselms Hof auf unsere Luftmatratzen in die Zelte.
Sonntag, 19.10.2003
Nach mäßiger Nachtruhe (wir hatten beide unserer Matratzen nicht genug nachgeblasen) wecken uns Eselgeschrei, Hundegebell und Hähne schon gegen 5.00 Uhr. Um 6.30 Uhr fährt Issak unser Fahrer uns zur Morré Messe. Die große Kirche ist sehr voll und die temperamentvolle Art der Afrikaner auch den Gottesdienst mit Bewegung, Gesang, Trommelmusik und anderen rhythmischen Instrumenten zu feiern ist ansteckend und entlässt uns froh in den neuen Tag.
Lange dauert das Gepäckverstauen, denn außer unseren persönlichen Sachen sind ja die Taschen voller Geschenke für die Dörfer dabei sowie 14 Gießkannen. 10.30 Uhr starten wir nach Norden.
Die Teerstraße endet bald und eine holprige Piste wird jetzt 14 Tage unsere Fahrbahn sein. Der Scheibenwischer wird nötig gebraucht um aufgewirbelten Staub zu entfernen.
In Kongoussi, 112 km nördlich von Ouaga machen wir den ersten Halt und besuchen einen kleinen Markt. Hier ersteht Charly Badeschlappen und Maria ein Batikkleid um für die Einweihungsfeiern gut gekleidet zu sein. Seife in Kugeln, Gewürze in Blätter gerollt, schöne Stoffe –gebatikt oder bedruckt-, Erdnüsse, Papayas, Bananen, aber auch LUX- Seifenstücke und CDs sind auf dem Boden oder auf Holzständen aufgebaut. Wir gehen zum Trinkpavillon mit Kühlschrank und es gibt erfrischende Cola, Fanta, Tonic oder Bier. Die Flaschen sind doppelt so groß wie bei uns und kosten nur 250 CFA = 38 Cent.
Noch eine Stunde fahren wir
bis BOURZANGA unserer ersten Station. Hier gibt es eine kath.
Missionsstation bzw. Pfarrstelle mit einem Priester. Etwa 3000 Bewohner hat der
Ort. Die vom Verein gebaute Schule hat 3 Klassenräume, und ist zurzeit mit zwei
Lehrerinnen zeiklassig. Hier gibt es ein Experiment in der Unterrichtssprache;
normalerweise ist sie französisch doch hier wird zweisprachig also auch in Morré
unterrichtet. Im ersten Jahr wird nur M
orre gesprochen, dann kommt französisch
hinzu. Die Ausbildung dauert nur 5 Jahre.
Da es eine Privatschule ist, bezahlen die Schüler Schulgeld: 15 000 CFA ca. 22,5 EURO im Jahr. Für viele Familien nicht aufzubringen, daher bevorzugt der Verein auch den Bau von staatlichen Schulen. Ein Klassenraum ist mit Solarenergie elektrifiziert. Man wünscht sich eine zweite Tafel für diesen Raum sowie Licht in allen Klassenräumen. Da aber noch keine Alphabetisierung der Erwachsenen abends stattfindet, reicht ein Raum völlig aus. Eine neue Wasserstelle sei nötig, denn die Pumpe gehört der Mission und ist der Bevölkerung nicht immer zugängig. Eine weitere Pumpe sei sehr weit entfernt – mal sehn.
Es wird eine schöne kleine Einweihungsfeier. Die Kinder führen einen Tanz auf, singen und bieten ein kleines Spiel dar – Das Lob der Mama.
Begrüßungs- und Dankesreden des Dorfältesten, des Priesters, des Organisators und der 1. Lehrerin, die gleichzeitig auch die Direktorin ist.
Unserer Geschenke werden verteilt: ein sehr schönes Misereortuch eines afrikanischen Künstlers, Stifte, Weltkarten, ein Fußball mit Pumpe, Frisbeescheiben, sowie Männer- und Frauengeschenke. Die Firma Apollo schenkt uns jedes Jahr zahlreiche Sonnenbrillen und die Firma Weleda viele Cremes. Auch der Gerolsteiner Sprudel hat uns zahlreiche T-Shirts und Kappen zur Verfügung gestellt, über die sich die Beschenkte freuen.
Nach erfrischender und vom roten Staub befreiender Gießkannendusche im Lehrerhaus
gibt es Abendessen auf dem Platz vor der Schule. Couscous mit roter Fleischsoße und in Fett gebackene kleine süße Teigbröckchen.
Gegen 9.00 Uhr klettern wir in unsere Zelte, die wir vor der Schule aufgebaut haben und sinken wir auf die diesmal gut aufgeblasenen Matratzen. Die Nacht ist sehr heiß, aber trotzdem erholsam.
Montag, 20.10.2003
Nach kurzem Frühstück fahren wir in Richtung Gassékindé. An der nächsten Polizeistation bitten wir um Hilfe bei der Suche des Weges nach GASSÉKINDÉ. Ein junger Mann, der eine Abkürzung zu kennen vorgibt, steigt zu uns in den Bus. Doch er kennt den Weg nicht wirklich genau, und muss selbst einige Male fragen. Als wir die Schule dann doch endlich erreichen, sind weder Lehrer noch Schüler dort. Wir akzeptieren die Erklärung eines etwas später auftauchenden Dorfbewohners, der uns erklärt, der Lehrer sei in Ougadougou und deshalb fände kein Unterricht statt.
Unterwegs besuchen wir den Präfekten in DJIBO. Nach einer kurzen Vorstellung der Mitglieder unserer Delegation in seinem Büro lädt er uns zum Mittagessen in ein Restaurant ein.
Dort sitzen wir
gemütlich im Schatten und beobachten, wie der Küchenjunge mehrere Hühner
hintereinander aus einem korbähnlichen Käfig nimmt, sie hinter dem Haus mit
einem Genicksc
hlag
tötet, mit heißem Wasser überbrüht und sie dann auf einem Platz vor dem Ofen
rupft. Wir stellen uns schon auf eine längere Wartezeit ein. Doch dann kommt
unser Essen doch schneller als erwartet – Spaghetti mit Hähnchen -. Die frisch
gerupften Hühner sind für andere Gäste bestimmt. Der Kochplatz mit
übereinander gestapeltem Holz und ausrangierten Körben mutet an wie die
Installation eines modernen Künstlers.
Schon nach kurzer Zeit fahren wir weiter. Unterwegs sehen wir Dromedare, viele Wasserlöcher mit Seeanemonen und Wasservögeln. Am Wasser halten sich fast immer viele Kinder und Frauen auf zum baden und waschen. Wir überqueren kleine, schmale „Staudämme“,auf denen hübsche Afrikanerinnen mit großen Schüsseln voll frisch gewaschener Wäsche auf dem Kopf ganz nah an unserem Bus vorüberschreiten. Charly freut sich bei ihrem Anblick jedes Mal – besonders bei Peulh-Frauen!
Dem Präfekten von ARIBINDA statten wir einen kurzen Besuch ab. Er empfängt uns sehr herzlich und bewirtet uns. Dort erwartet uns Amadou Maiga, ein Freund von Rita und Götz, der aus Arbadébéré kommt.
Nach Einbruch der Dunkelheit machen wir uns auf den Weg nach ARBADÉBÉRÉ. wo wir die Nacht verbringen wollen. Mopedfahrer zeigen uns den Weg, sie fahren uns jedoch auf und davon, so dass wir nur sehr mühsam und langsam selbst den Weg finden. Im Dorf werden wir mit Musik und Tanz empfangen. Wir bekommen kalte Getränke und werden von Madame Bana Ouandaogo/Maiga – Présidente Croix-Rouge Burkinabe - mit einem köstlichen Essen verwöhnt.
Dienstag, 21.10.2003

Nach guter Nacht und Frühstück mit Brot aus der Region warten wir auf die Einweihungsfeier, die auf 9.00 Uhr angesetzt ist. Aber erst um 10.30 werden wir durch drei Kamelreiter – Tuareg oder Bella - von unserem Schattenbaum abgeholt. Wir nehmen Platz unter einer schattenspendenden Konstruktion und warten noch 30 Minuten bis die Feier losgeht. Alle wichtigen Leute waren wohl noch nicht versammelt. Immer wieder werden wir begrüßt, Älteste, Abgesandte der Region. Ein Geschichtenerzähler spricht verschiedene Gruppen an und begrüßt sie mit langen Ausführungen wobei er sich selbst auf einer Kalebassengitarre begleitet. Endlich taucht die Leiterin des Roten Kreuzes und Abgeordnete Madame Bana auf, die ehemalige Ministerin, die aus dem Dorf stammt. Als ihr älterer Bruder mit schwarzem Turban, Sonnenbrille und weißem Gewand würdig heranschreitet kann es endlich losgehen.
Begrüßungsreden in
Foulce, und übersetzt ins Französische oder umgekehrt. Der Inspecteur de l’Education
macht der Bevölkerung klar, dass Schulbildung zur Weiterentwicklung des Landes
unbedingt nötig sei. Es wären dann auch Export von Landesgütern besser zu
realisieren – Anmerkung: da muss sich aber auch im Welthandel einiges ändern!
Die zu lange Rede der Abgeordneten wird leider zur Wahlrede, doch sie appelliert
auch an die Bevölkerung mehr Mädchen einzuschulen.
Zwischen den Reden tanzen Frauen, wobei sie als dank Geldscheine zwischen die Zähne gesteckt bekommen. Man nennt diesen Tanz Kouroumba, er ist sehr beliebt. Nach Götz’ Ansprache werden die Geschenke ausgetauscht. Es gibt für uns eine schöne Decke und kleine Körbe für die Frauen.
Nach der Feier machen wir mit Amadou Maiga noch einen Ausflug in die bizarre Felsenlandschaft, wo es in Fels eingeritzte Tierzeichnungen gibt.
Sehr spät erst gegen 16.00 Uhr starten wir nach BOSSEY, nördlich von ARBADEBERE, wo wir jetzt schon sein sollten. Wir fahren Richtung Sahel. Amadou Maiga begleitet uns. Die Straße ist in sehr schlechtem Zustand, das erklärt, warum bisher kein Lastwagen durchkam.
Die Savannenlandschaft mit den riesigen Felsen ist sehr beeindruckend. Die untergehende Sonne beleuchtet die Felsenplatten und die auf Ihnen stehenden Rundhütten, ein wunderschönes Bild. Es wird schnell dämmrig und ein Dorf ist nicht in Sichtweite. Wir schaffen etwa 8 km in der Stunde. Die Sonne geht schnell unter, aber bald tauchen in der Ferne Lichter von Mopeds auf. Sie "führen" uns die letzte Strecke, indem sie möglichst schnell wegsausen um uns anzukündigen. Endlich tauchen im Dunkeln mehrere Lichter auf, das Dorf BOSSEY ist erreicht. Es wird uns ein herzlicher Empfang bereitet, obwohl wir 3 Stunden später eintreffen.
Mittwoch, 22.10.2003
Morgens beim Frühstück sind
wir wieder umringt von vielen Kindern und Erwachsenen. Ein besonders hübsch
ausschauendes und munter dreinblickendes Baby wird nicht zuletzt aus
fototechnischen Gründen „herumgereicht“....Rit
a,
Gisela, Stefanie........
Faszinierend finde ich, wenn besonders mutige Kinder sich trauen eine weiße Hand anzufassen, sie praktisch erfühlen, und dann erstaunt feststellen, dass weiße Hände sich genauso anfühlen wie schwarze. Auf der anderen Seite gibt es auch immer wieder Kinder, die schreiend vor uns davonlaufen.
Auf dem Weg nach GOROM-GOROM besuchen wir die Hütten einer Peulh-Familie, die seit nunmehr 20 Jahren und mittlerweile in der dritten Generation an demselben Platz wohnen. In den Hütten sieht es sehr aufgeräumt und sauber aus. Die 55jährige Frau klagt über starke Schmerzen am ganzen Körper und erzählt, dass sie eigentlich in eine Klinik müsse.
Später besuchen wir das kleine Dorf Dampela, das auch eine Schule beantragt hat. Hier laufen einige kleine Kinder schreiend vor uns davon, andere größere lassen sich bereitwillig fotografieren. Eine alte Frau klagt über Augenschmerzen und fragt nach entsprechenden Medikamenten. Erika, unsere Apothekerin, empfiehlt den Besuch eines Arztes. Als sie wenig später von einem jungen Mann um Medikamente „gleich welcher Art“ gebeten wird, liegt der Verdacht nahe, dass diese weiterverkauft werden sollen.

Auf dem abenteuerlichen Weg nach GOROM-GOROM bleibt unser Bus zweimal stecken – einmal im Wasser und einmal im Sand. Aus dem Wasser befreit er sich relativ schnell, nachdem wir alle ausgestiegen sind. Die Befreiung aus dem Sand gestaltet sich schwieriger. Hier verdanken wir es weitgehend Marias starker Sandbuddelei und Götz Schwungtechnik, dass wir mit dem Bus weiterfahren können.
Wir landen schließlich in einem interessanten Hotel, das Anselm für uns angemietet hat. Die Zimmer, kleine Rundbauten mit Doppelbett und Dusche, erscheinen uns zu warm und stickig. Nach einigen Verhandlungen mit dem Besitzer schlagen wir unsere Zelte draußen auf, nutzen die Zimmer als Gepäckdepot und genießen die Dusche. Fahrer und Beifahrer genießen in dieser Nacht die einzigen Betten auf der Reise.
Nach einem guten Essen besuchen wir das Konzert „Caravane du Sahel“ mit Trommelmusik und Vokalgesang verschiedener Interpreten – sehr laut, aber auch sehr beeindruckend.
Donnerstag, 23.10.2003

Die meisten Mitglieder unserer Gruppe schlafen in dieser Nacht sehr gut, einige wenige sind für kurze Zeit damit beschäftigt, einen deutschen Pass aus einer afrikanischen Latrine zu befreien, aber danach kann auch Stefanie beruhigt einschlafen.
Nach dem Frühstück laden sieben Dromedare zu einem kleinen Ritt durch Gorom-Gorom ein. Maria erscheint im passenden Kopfputz.
Anschließend fahren wir zum Viehmarkt , auf dem in sengender Sonne fast nur Ziegen von Tuaregs verkauft werden. Über den anderen Markt für Stoffe, Schmuck u.a. bummeln wir ca. 1 Stunde – ständig verfolgt von Händlern – und kaufen etwas Tuareg-Schmuck.
Dann folgt eine, wenn nicht
überhaupt die härteste Wegstrecke der ganzen Reise. Bei
brütender Hitze – 42 Grad – ca. 6 Stunden Fahrt über waschbrettartige
Holperpiste, von entgegenkommenden oder überholenden Autos in Wolken
roten Staubs gehüllt, den auch die Scheibenwischer nicht entfernen können,
streckenweise ohne Sicht auf die Strasse, roter Staub aus allen „Poren“ des
Busses, zwischen den Zähnen, in den Haaren, helle Kleid
ung
nimmt den roten Farbton an. Der Bus rüttelt und schüttelt sich und uns und Pech
für den, der ausgerechnet heute auf einem der „schlechteren“ Plätze sitzt.
Aber es gibt auch Verschnaufpausen, z.B. an der Moschee von BANI. Wir besichtigen dieses sehr eindrucksvolle Gebäude und klettern über eine dunkle, schmale und sehr steile Treppe auf das Dach, von dem man einen schönen Blick übers Land haben soll. Der Boden ist aber so heiß, dass wir ihn mit nackten Füssen – unsere Schuhe haben wir beim Betreten der Moschee ja ausziehen müssen – nicht betreten können. Nur Anselm schafft es. Am Bus werden wir von den Dorfkindern sehr bedrängt, etwas zu kaufen oder zu verschenken.
Wir fahren weiter und werden im Dunkeln von Bewohnern des Dorfes BASKOURÉ an einer Weggabelung erwartet und zu ihrem Dorf gebracht. Wir fahren noch ca. 1 Stunde durch Niemandsland über „Stock und Stein“. Dann werden wir herzlich von den drei Lehrern der Schule und einigen Bauern, die sich besonders für Schule engagieren, empfangen. Nachdem wir unsere Zelte aufgebaut und die Open-Air-Duschszenerie ihren Abschluss gefunden hatte, bekommen wir kalte Getränke serviert und stellten einander vor. Beim anschließenden Abendessen greifen wir auf unsere Bestände Brot, Salami, Bananen und Pastis zurück.
Freitag, 24.10.2003
Sehr gut haben wir geschlafen und die morgendliche Kühle als sehr angenehm empfunden, wohlwissend, dass sie nicht lange andauert. Wir duschen im Lehrerhaus mit Eimer und Schöpfbecher, was immer besser geht. Die Latrine hat erst eine halbhohe Mauer und so heißt es "Po absenken", aber die Mauer ist praktisch zum Festhalten. Zum Frühstück sollen Rühreier kommen mit Brot, aber das Dorf ist nicht so gut organisiert, wie Anselm so schön formuliert. Wir essen also Brotreste mit Bananen.
Heute morgen sieht man auch den gut gestalteten Platz zwischen den beiden Schulbauten. Der Erweiterungsbau, und 2 Lehrerhäuser machen einen guten Eindruck.
Gegen 8.20 Uhr beginnt die
Fei
er.
Es gibt viele Kinder –kaum zu zählen – sie sehen aber besser ernährt aus als in
den anderen Dörfern.
Der Vertreter des Dorfchefs begrüßt uns und entschuldigt sich für die fehlende Organisation am gestrigen Abend. Manche Probleme am Bau, z.B. fehlendes Wasser, Sand wurde von der Mission gekauft, haben große Schwierigkeiten bereitet. Aber jetzt ist man zufrieden und hat in diesem Jahr 60 Kinder neu einschulen können. Man wünscht sich noch ein College, da das nächste 10 km entfernt ist. Auch eine Krankenstation ist auf der Wunschliste.
Götz mach ihnen in seiner Rede klar, dass in Burkina noch viele Schulen zu bauen seien und der Verein nur ein Projekt pro Dorf realisiert. Er lobt ausdrücklich den schönen Platz mit den vielen Bäumen. Sie werden noch einen Zaun erhalten um diese zu schützen. Wichtig ist, dass sie keine Eukalyptusbäume pflanzen, diese wachsen zwar schnell, entziehen dem Boden aber zuviel Wasser. Wieder erhalten alle, die sich engagiert haben, Geschenke. Jeder von uns erhält ein Paar Sandalen.
Charly dankt allen für ihr Engagement und fordert die Lehrer auf sich um die Alphabetisierung der Erwachsenen zu kümmern. In zwei Jahren werden wir wieder zu einem Besuch kommen. Der Pater verspricht, dass ihr größtes Geschenk an uns die Nutzung der Schule und Weiterbildung der Bevölkerung sei. Bei der Besichtigung der Klassen fragen wir nach den Berufswünschen der Kinder. Die meisten Jungen wollen Lehrer und die Mädchen Krankenschwester werden. Das sind Berufe, die sie kennen und die ihnen attraktiv erscheinen. Handwerksberufe gelten weniger. Vor der Schule entsteht noch ein Gruppenfoto.
Wir verlassen BASKOUDRE mit
einer Platte hart gekochter Eier und Brot, was uns jetzt gut tut. Es geht weiter
nach Bagré zunächst in Richtung Ouaga, dann nach Osten auf der Straße nach
Koupéla, wo wir eine Erfrischungspause mit kühlen Getränken haben. Dort
finden wir auch die Möglichkeit
nach
hause zu telefonieren.
Von Koupéla geht es etwa 100 km nach Süden. Bagré liegt in der Nähe eines großen Sees, was sich an den vielen Bäumen und dem reichlichem Hirseanbau zeigt.
Das College von Bagré liegt ganz in der Nähe der Straße. Als wir abbiegen wollen kommt von der nahen Grundschule eine Abordnung Kinder in militärischer Formation und Gleichschritt. Sie halten vor uns und singen die Nationalhymne und ein Begrüßungslied.
Je zwei Kinder halten eine gemalte Flagge von Burkina und ein Begrüßungsschild hoch.
Nach diesem herzlichen Empfang gehen wir zu Fuß zur Schule. Tanzende Männer und Frauen mit Metalldosen und Kronkorkenschnüren an den Unterschenkeln begleiten uns.
Wir kommen an der Schule an und sind überrascht, dass die Schule nicht fertig ist und der morgige Festplatz noch voller Steine und Sand liegt. In dieser Nacht schläft Anselm keine Minute, denn morgen ist die große Einweihungsfeier mit dem deutschen Botschafter.
Die ganze Nacht arbeiten die Bauarbeiter und Männer aus dem Dorf um die Klassenräume herzurichten und die Schule anzustreichen, beaufsichtigt von Anselm.
Wir bekommen davon wenig mit, da unserer Zelte abseits bei einem Lehrerhaus stehen.
Soldaten, die uns bewachen, lassen ein Transistorgerät in voller Lautstärke laufen. Monika schaltet es aus, was sie aber nicht in ihrem Schlaf stört.
Samstag, 25.10.2003
Heute Morgen haben wir viel Zeit für unser Frühstück und die Morgentoilette, denn erst um 10 Uhr soll die offizielle Einweihungsfeier mit vielen Honoratioren beginnen.
Frauen aus dem Dorf wasche
n
unsere Wäsche und sind sehr erfreut über unsere „Frauengeschenke“.
Im Verlauf des Vormittags präsentieren sie stolz ihre Sonnenbrillen und Götz
macht „Dankeschön-Fotos“ für APOLLO.
Bei der Feier wechseln Reden und Tanzdarbietungen einander ab. Aus Götz Rede erfahren wir, dass in Burkina Faso bis jetzt 40 Grundschulen und 14 Colleges vom Solidaritätskreis gebaut wurden.
Zum Abschluss der Feier werden wie üblich Geschenke überreicht. Heute bekommt jeder von uns persönlich Geschenke: die Männer einen Hut, die Frauen einen Schal, eine Geldbörse und ein kleines, mit Muscheln verziertes Körbchen.
Der auch anwesende deutsche Botschafter bekommt vom Dorf eine Ziege geschenkt und Charly lässt es sich nicht nehmen, dessen Frau ein Frauengeschenk zu überreichen. Diese ist über unsere Art des Reisens durch Burkina Faso übrigens sehr erstaunt.
Gegen 11.40 Uhr fahren wir zum gemeinsamen Essen. Es gibt Wasser in kleinen “Kissen“, aber auch Bier, Cola und Fanta. Zu essen gibt es Reis, Lamm, Fisch, Pommes frites, Bananen und Orangen. Die Orangen werden von den Afrikanern nicht zerteilt sondern ausgelutscht. Der Fisch schmeckt sehr modrig, aber Erika isst ihn mit Genuss. O weh!
Rita geht es trotz der hervorragenden medizinischen Versorgung durch Erika so schlecht, dass wir sie liegend nach Tenkodogo transportieren müssen. Dort haben wir ein Collège für Mädchen finanziert, das von Ordensschwestern geleitet wird. Zur Genesung bleibt hier Rita, von Monika begleitet.
Auf dem Weg nach KAKAGRABOGUIN fängt es fürchterlich an zu regnen, so dass dieser Ort unerreichbar ist. Wir bleiben deshalb auf der Hauptstrasse und fahren bis BISSIGA. Wir fragen uns zur Präfektur durch. Wenige Minuten später taucht dort auch der Präfekt auf, der auf halbem Wege nach Kakagraboguin wegen des starken Regens umkehrte. In Bissiga kippte der Sturm einen hohen Baum um. Zwei Frauen wurden mit Knochenbrüchen ins Krankenhaus eingeliefert.
Während für uns eine Unterkunft organisiert wird, trinken wir mit dem Präfekten einen von Maria spendierten Pastis und sitzen im Freien an einem Tisch, der mit einer Osterdecke gedeckt ist. Ein paar Schulkinder singen Lieder für uns und werden dafür mit Gummibärchen belohnt.
Wir übernachten vor dem Gemeindezentrum. Als das Gepäck im Raum verteilt und die Zelte aufgebaut sind, gibt es als Überraschungsessen – von Anselm organisiert: Omelett und Brot. Es wird ein lustiger Abend.
Sonntag, 26.10.2003
Nach guter Nacht sind wir mit dem ersten Esel / Hahnenschrei wieder munter; gut, dass wir uns von eventuellem Regen nicht haben abschrecken lassen und draußen geschlafen haben. Duschen, d.h. Begießen in der Hocke, können wir in einem Quadrat aus Ziegeln, die zum Trocknen aufgeschichtet sind. Wir verabschieden uns von dem gastfreundlichen Präfekten und machen uns wieder auf den etwas mühsamen Rückweg zur Hauptstraße.
Am Abzweig nach KAKAGRABOGUIN teilt sich unserer Gruppe. Der Bus fährt mit dem größeren Teil über Tenkodogo nach DAGANTENGA und ich warte mit Charly und Anselm auf Mopedfahrer, die uns nach KAKAGRABOGUIN bringen werden. Ohne Allrad gibt es kein Durchkommen. Nachdem wir einige Zeit am Straßenrand neben unseren Geschenken einschließlich einer Gießkanne gewartet haben, tauchen unsere Fahrer auf.
Es geht über Stock und Stein sehr zügig zum Dorf.
Hier ist von den Patres
alles für die Einweihungsfeier der Schule vorbereitet und gut organisiert. Es
gibt sogar Platzkarten auf den Stühlen unter dem Sonnendach. Als der Haute
Commissaire kommt erheben sich alle. Er trägt als Dienstkleidung eine
militärische Uniform. Die Bevölkerung wird mit
Bändern "ausgesperrt", Tänzer und Trommler haben sich schon vorher eingestimmt. Die Begrüßungsrede hält
Abbé Josef
Kunda und bedankt sich im Namen der Bevölkerung. Dankesworte kommen auch von
dem Vertreter einer heimischen NGO, von "Monsieur Winterschlussverkauf", den wir
schon gestern Abend trafen. Diesen Namen hat er von uns wegen seiner Freude an
diesem deutschen Wort erhalten, das ihm von einem Aufenthalt in Deutschland
besonders im Gedächtnis geblieben ist. Endlich kommen die Trommler mit sog.
Sprechtrommeln, Unterarmtrommeln, die mit gebogenen Stäben geschlagen werden zum
Zuge. Sie geben den Rhythmus für Tänzer, die an den Beinen mit Steinen gefüllte
Dosen tragen.
Charly hält eine Kurzform von Götz` üblicher Rede, worin er die Finanzierung, die zu 25% vom Verein A.S.A.O. und zu 75% vom deutschen Ministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit getragen wird, erläutert. Er dankt Anselm Sanou, der sich in hervorragender Weise für sein Land einsetzt. So sind inzwischen in Burkina Faso 40 Grundschulen und 14 Realschulen entstanden, dazu die nötigen Lehrerhäuser und Brunnen. Charly weist nochmals auf die Wichtigkeit des Bäumepflanzens hin, um die Wüste aufzuhalten. Jedes Kind soll in jedem Jahr einen Baum pflanzen und für sein Gedeihen verantwortlich sein.
Zum Abschluss redet der Haut Commissaire, er zählt zunächst alle anwesenden Gruppen auf und lässt sie beklatschen, was allen viel Freude bereitet. Vom Direktor möchte er immer informiert sein, ob auch genug Kinder in die Schule gehen; wenn dabei nicht genug Mädchen sind, wird er den Direktor fragen warum. Wenn die Schule gut genützt würde, könnten sie in 10 Jahren mit einem Collège rechnen und in Bissiga gäbe es dann ein Lycée. (Ob er dann noch im Amt ist?) Ansporn oder nur Versprechung?
Nach dem Austausch der Geschenke – Charly wird sich den Mopedsitz mit den Hähnen teilen müssen – stellen sich die 39 Mädchen und 51 Jungen der ersten Klasse zu einem Lied auf. Noch vor dem Ende erhebt sich der Haut Commissaire und die Kinder verstummen – schade! Mit der Delegation gehen wir zu einem entfernt liegenden Gebäude, das für die Alphabetisierung der Erwachsenen genutzt wird. Dort ist ein Tisch für den Haut Commissaire, die Schulrätin, den Präfekten und uns gedeckt. Die anderen nehmen auf den Stühlen rings an den Wänden Platz. Ein warmes Buffet ist auf einem Mitteltisch aufgebaut, mit Nudeln, Reis, Fleisch vom Schaf, Eiern, Kohlsauce und scharfen Gewürzen. Alles schmeckt sehr gut. Mit den hartgekochten Eiern zeigen wir zur Freude unserer Tischrunde, wie bei uns das Eierticken an Ostern geht. Zum Schluss – Charly macht mich früh genug darauf aufmerksam, dass man nicht mehr weiteressen darf, wenn der Haut Commissaire aufsteht - erhebt sich dieser und hält erst noch eine Ansprache an die hier Versammelten. Es ist ein eindringlicher Appell die Schüler gut auszubilden. Sie, die Lehrer und die anderen verantwortlichen Personen, gehörten zur Elite des Landes und ohne Elite könne sich kein Land entwickeln.
Nach der Verabschiedung entschwindet der Haut Commissaire mit seiner Delegation in zwei Pickups.
Möglichst viele Menschen aus dem Dorf verabschieden sich mit Handschlag und auf den Mopeds geht es wieder zur Hauptstraße. Die Hähne sind für die Schwestern in Tenkodogo.
Auf der Straße wartet "Mr. Winterschlussverkauf " mit seinem uralten Mercedes auf uns und bringt uns nach Tenkodogo. Noch schnell zugestiegen ist der jüngere Bruder des Abbé, der in Ouaga im Finanzministerium als Buchhalter arbeitet. Er ist Fußballfan und berichtete von den letzen Ergebnissen in der Championsleage. In Tenkodogo kauft Anselm Brot, Bananen und Pastis. Rita finden wir wieder munter und genießen die Superdusche im Zimmer, sowie die Betten für einen kurzen Schlaf.
Am Himmel braut sich wieder ein Gewitter zusammen und wir sind froh, dass wir nach Ankunft der restlichen Gruppe gegen 16.30 Uhr nach TENSOBENTENGA aufbrechen können.
Noch vor dem großen Regen erreichen wir die Schule und können noch im Trockenen alles ausladen. Vorsichtshalber bauen wir die Zelte unter dem Vordach auf, aber nach den ersten Gewitterböen ziehen wir uns ins Gebäude zurück. Der heftige Regen entlarvt die Schwachstellen im Blechdach. Eimer werden aufgestellt und die Zelte mehrfach verschoben.
Durch den prasselnden Regen gelingt aber doch der Transport des Abendessens und wir genießen es in gemütlicher Runde. Wie immer gibt es vor und nachher Pastis.
Nun regnet es recht heftig, sodass keine Unterhaltung mehr möglich ist, also gehen wir zu Bett. Charly warnt noch vor dem Biotop in den Latrinen, wo Fledermäuse, Kröten und Geckos hausen. Auch unseren Raum mussten wir mit einer Krötensperre aus Gießkannen abdichten.
Montag, 27.10.2003

Nach einer anstrengenden Nacht, die ich mehr draußen als im Zelt verbrachte, schien am nächsten Tag wieder die Sonne und brachte natürlich die Hitze zurück.
Um 8.00 Uhr begann die Besichtigung der Klassen dieses Collèges. In der zweiten Klassenstufe sind 107 Kinder, 70 Jungen und 37 Mädchen! Für europäische Verhältnisse unvorstellbar. In den Holzbänken sitzen alle zu dritt oder viert nebeneinander. Wir fragen die Kinder, ob sie wissen, wo Deutschland liegt, nur wenige ordnen es in Europa ein, aber das kommt später im Lehrplan. Nach unserer Sprache gefragt wird zunächst auf Englisch getippt.
Ein deutsches Zeichen ist einigen bekannt und der Mercedes-Stern wird fast richtig auf die Tafel gemalt. Die Berufswünsche gleichen denen der Grundschüler, es kommt noch "Minister" hinzu. Noch 2 weitere Klassen besuchen wir mit 104 und 90 Schülerinnen und Schülern.
Anselm macht ihnen eindringlich klar, wie wichtig ihre Ausbildung und ihr Engagement für die Entwicklung ihres Landes ist.
Danach fahren wir nach Dialgay in die Missionsstation. Dieser Ort hat den Antrag auf Bau eines Collèges gestellt. Der Missionar wird die Sache in die Hand nehmen und dafür sorgen, dass genug Sand und Steine gesammelt werden. Der Solidaritätskreis arbeitet gerne mit Missionaren zusammen, denn sie können die Bevölkerung zur Mitarbeit motivieren. Zahlreiche Personen und auch der Präfekt sind gekommen und wir werden mit kalten Getränken verwöhnt.
Während sich ein Teil der Gruppe in der Missionsstation ausruht, fahren die anderen nach Kidibin.
Der Direktor bedankt sich und bittet aber um den Bau des dritten Lehrerhauses. Der Solidaritätskreis möchte, dass die Dorfbevölkerung das dritte Lehrerhaus selbst baut und finanziert. Durch diese Einsparung können in Zukunft mehr Schulen gebaut werden. Wahrscheinlich wird aber hier doch durch den Verein gebaut, da diese Schule vor der Entscheidung nur 2 Lehrerhäuser zu bauen, errichtet wurde. Der Direktor hatte einen Antrag für eine Studie gestellt, um die Entwicklung des Dorfes zu beobachten und zu dokumentieren. Wir sind bei einem nächsten Besuch gespannt auf das Ergebnis.
Charly wird mit einem Schaf und einem Hahn beschenkt, das Schaf wird schon voraus nach Ouaga geschickt, es soll ins Kinderheim AMPO kommen.
Alsdann steigen wir wieder
in unseren Bus und fahren wieder über Koupéla nach NAKABA. Hier
wird uns auf dem schönen, Dorfplatz mit großen Bäumen ein herzlicher Empfang
bereitet. Alle Kinder, 260 Schüler, 120 Mädchen und 140 Jungen der
sechsklassigen Schule stehen in einem Halbkreis und tragen die Nationalhymne und
ein Danklied vor. Es fällt auf, dass viele Kinder husten.
Weiter geht es nach BASKOURE, wo wieder eine große Einweihungsfeier mit mehreren Ministern und anderen wichtigen Persönlichkeiten auf uns wartet. Hier wurde im letzten Jahr ein Collège gebaut.
Wir können unsere Zelte wieder draußen aufbauen, was nach der Gewitternacht im Klassenraum sehr erholsam sein wird.
Dienstag, 28.10.2003
Der Fußweg zum Brunnen ist ein schöner Morgenspaziergang – Bewegung kommt auf solch einer Projektreise zu kurz. Die Sonne geht langsam auf, und einige Dorfbewohner finden sich an diesem Kommunikationszentrum ein. Das kühle Duschwasser erfrischt wunderbar.
Danach ist noch Zeit und so werden von mir Stefanies Fußblasen, durch Insektenstiche verursacht, gepflegt. Viele Kinder schauen zu, die offene Beinwunden, von Furunkeln haben. Soweit Pflaster und Rivanolsalbe reichen, werden sie verarztet. Natürlich reicht es nicht für alle, eine tägliche Behandlung wäre hier dringend notwendig.
Nun beginnt die große Feier
mit viel Prominenz pünktlich um 10.00 Uhr. Das Fernsehen ist anwesend und
zeichnet für die abendlichen Nachrichten diese Inauguration auf. Es beginnt mit
d
em "Bienvenue" der Collège–Schülerinnen. Begrüßt werden die Minister für
Gesundheit, Erziehung und Wissenschaft, Information und Wirtschaft, der Bischof
von Koupéla, der König von Koupéla , verschiedene Abgeordnete, Präfekten,
Dorfchefs und unsere Delegation. Die sehr gute Rede des
Wissenschaftsministers übersetzt er selber für die Dorfbevölkerung.
Unterbrochen werden die vielen Reden von Tänzerinnen und Tänzern in farbenprächtigen Kostümen, sie erhalten Geldgeschenke. Es gibt für A.S.A.O. ein schönes Lederbild, eine Landkarte von Burkina. Alle Frauen erhalten Körbe und Geldbörsen, die Männer Burkinabèhüte. Bevor das Band vor der Schule durchtrennt wird, gibt es noch ein großes Gruppenfoto.
Die Honoratioren brechen in ihren Allrads auf zum Mittagessen in der Mission. Wir folgen mit dem Bus und erhalten auch noch Platz im Speisesaal. Der Tisch ist reichlich gedeckt, aber nicht übertrieben. Diesmal gibt es auch verschiedene Sorten To, je nach Hirseart rot oder weiß oder aus Reismehl, dazu Mangold - und Erdnuss – Soßen. " Les femmes avant " lassen wir Frauen uns nicht zweimal sagen.
Bald nach dem Essen brechen wir auf nach WOBZOUGHIN, denn unser Bus ist schon lange gepackt. Leider müssen wir das Dorf BONDOUDOUM auslassen, da wir sonst unser Quartier in DONSIN im Dunkeln nicht finden würden. Schade, denn der Lehrer dort ist sehr engagiert.
WOBZOUGHIN
hat einen sehr schönen Dorfplatz mit einer schattigen Mangoallee. Die Kinder
singen ein Begrüßungslied und dann geht es in die beiden Klassenräume mit 45 und
55 S
chülern.
Nach Aufforderung lesen sie gerne den Tafeltext über die Wichtigkeit der guten
Arbeit vor. Wir fragen, ob sie aus ihrem Buch vorlesen können, was sie mit
Begeisterung tun.
Ich versuche mich mit ihnen zu unterhalten über den Unterschied der Herkunft, der Hautfarben, des Klimas. Sie lesen eine Lektion über Schnee in Frankreich vor.
Einer der Lehrer bekennt seine Sympathie zu Bin Laden, schon im Norden bei Gorom - Gorom hatten wir viele T-Shirts mit seinem Bild gesehen.
Nachdem die Geschenke übergeben sind, - 3 Hühner und ein Hahn fahren mit uns – geht es weiter nach DONSIN, was wir auch sicher 1 Stunde vor Sonnenuntergang erreichen. Das erleichtert auch den Aufbau der Zelte.
Die Kinder haben die Bänke aus einem Klassenraum vor die Schule gestellt und wir nehmen Platz für ihre Darbietungen. Bis es dunkel wird, erfreuen sie uns mit ihren Tänzen. Danach schickt der Lehrer sie nach Hause und sagt ihnen, dass sie morgen um 7.30 Uhr in ihrer besten Kleidung wieder hier sein sollen.
Wir stärken uns mit Brot und Pastis sowie den Erdnüssen aus WOBZOUGHIN. Später bringt der 1. Lehrer warmes Essen und Getränke. Vorher durften wir im Haus des 2. Lehrers, der gerade erst angekommen war, duschen – eine Wohltat. Seine wenigen Habseligkeiten lagen in der Ecke eines Raumes. Es geht früh ins Bett zu einem erholsamen Schlaf.
Mittwoch, 29.10.2003
Ab 5.00 Uhr geben wieder Esel und Hähne ein Konzert und mahnen, dass es Zeit für die etwas kalte und daher besonders erfrischende Dusche ist. Das übliche Frühstück mit Tee, Kaffee und weichem Baguette wird diesmal weder durch Bananen noch Marmelade aufgebessert. Alles Gepäck ist aufgeladen und die Feier kann beginnen.
Spruch des Tages: "In Afrika kommt immer mehr Zeit hinzu, in Deutschland rennen wir der Zeit hinterher".
Mit einer Stunde Verspätung beginnt die kleine Feier, bei der die Kinder verschiedene Tänze vorstellen. Begrüßt werden wir durch den Direktor, den Dorfältesten und ein Schulmädchen.
Charly erzählt uns die Geschichte der Schulentstehung: Eine Frau stellte den Antrag für dieses Dorf und verschwand als sie erfuhr, dass sie selbst kein Bargeld erhalten würde. So machte sich Anselm auf nach DONSIN und fragte nach der Antragstellerin, die dort unbekannt war. Sie würden aber gerne eine Schule haben und begannen ganz schnell Sand und Steine zu sammeln. Für das Dorf ist daher die Schule „ein Geschenk Gottes“.
Der Direktor wünscht sich Beleuchtung für Alphabethisierungskurse; die kann noch nicht zugesagt werden und richtet sich nach der Finanzlage, vielleicht geht es. Die Rücklagen für Reparaturen in den Sparbüchern werden nachgesehen, was übrigens in jedem Dorf gemacht wird. Das Geschenk des Dorfes ist ein Schaf und weitere Hühner, sie sagen, es sei ein kleines Geschenk im Gegensatz zum Geschenk dieser Schule. Nochmal gibt es kühle Getränke und dann verlassen wir dieses gastfreundliche Dorf.

Es geht nach NAGNONGOU wieder über Koupela, wo ich eine schöne Ledertasche erwerbe. Kekse und Käse werden für die Zusatzverpflegung gekauft.
Nun geht es über Pouytenga
auf der R 8 einer Nebenstrecke nach Norden - Richtung Bilanga. Unterwegs gibt es
viele Furten, die während der Regenzeit voll Wasser stehen. Wir kommen aber
überall gut durch. Am Nachmittag erreichen wir das Dorf.
Auf dem Platz vor der Schule haben die Kinder aus weiß bemalten Steinen ein großes Herz gelegt. Allerdings sehen die Bäumchen dort sehr mickrig aus, als seien sie gestern erst gepflanzt.
Wir werden von den Lehrern und dem Dorfältesten begrüßt, der von einem Schirmträger begleitet wird. Die Kinder und auch die Erwachsenen sind sehr zurückhaltend. Der Dorfchef dankt für die Schule, wünscht sich aber, dass wir alles geben, dann würden sie uns in ihren Herzen behalten. Eine merkwürdige Einstellung – oder haben wir die Übersetzung nicht richtig verstanden? Nach Götz` Antwort fahren wir bald weiter.
Das Collège von Bilanga liegt unmittelbar an der Straße und wir gehen das letzte Stück zu Fuß, was uns gut tut. Die Realschüler haben ein Spalier gebildet und singen ein Begrüßungslied, so werden wir herzlich empfangen. Aber auch hier machen die Bäumchen auf dem Schulhof den Eindruck gerade erst gesetzt zu sein. In einem der Klassenräume warten Lehrer, Schüler, Elternvertreter und die Dorfältesten auf uns.
Wir wundern uns über den merkwürdigen Geruch im Klassenraum. Am nächsten Morgen klärt er sich auf. Fledermäuse wohnen in der Dehnungsfuge.
Zu Fuß gehen wir nun zu unserem Zeltplatz vor einer Lehrerwohnung, die etwa 500 m entfernt liegt. Während die Gruppe noch zum Abendessen geht, bleiben Gisela und ich dort und gehen früh schlafen, wir sind ziemlich erschöpft. Schüler bringen uns noch Getränke und etwas zu essen ans Zelt.
Donnerstag, 30.10.03
Gegen 9 Uhr machen wir uns auf den Weg nach NOHOUNGO.
Etwa eine Stunde später geschieht auf der Piste zwischen BILANGA und POUYTENGA das Unfassbare, wie im Film ablaufende und bei vielen von uns noch heute die Erinnerung beherrschende Szenario. Am rechten Straßenrand der weithin sichtbar leeren Strasse steht ein „Peulh“ mit Gewehr. Unser Fahrer reagiert sofort sehr nervös, lässt das Lenkrad los und hält die Hände hoch. Der Bus wird an den Straßenrand dirigiert und wir werden zum Aussteigen gezwungen. Aus den Büschen tauchen noch zwei weitere „Peulhs“ auf, bewaffnet mit Macheten und Gewehren. Wir müssen uns flach auf den Boden legen, werden geschlagen und zur Herausgabe unseres Geldes gezwungen. Nach ca. 15 Minuten ist der „Vorfall“ beendet, und wir setzen unsere Fahrt benommen, erschüttert, heulend, schimpfend wie auch immer fort. Worte sind zu banal für das erlebte Ungeheuerliche.
In POUYTENGA melden wir den Überfall der Polizei, die alles minutiös aufnimmt, aber keinerlei andere Aktivitäten entwickelt. Nach einer kurzen Diskussion folgen wir Anselms Vorschlag und fahren direkt nach OUAGADOUGOU. Von Anselms Frau werden wir sichtlich erleichtert empfangen. Im Anschluss an das wohltuende Abendessen trinken wir in einem nahegelegenen Restaurant noch ein Bier. Unsere Gespräche kehren immer wieder zu dem Überfall zurück und mit dem vorherrschenden Gefühl, bei allem Unglück noch sehr viel Glück gehabt zu haben, kriechen wir früh in unsere Zelte.
Freitag, 31.10.03

Nach einer sehr heißen Nacht starten wir in einen abwechslungsreichen Tag in OUAGADOUGOU.
Während Charly, Götz und Anselm schon erste Gespräche mit Delegationen aus verschiedenen Dörfern führen, kaufen einige von uns Trommeln und andere Souvenirs, die von einem Händler zur Auswahl in Anselms Haus gebracht werden.
Anschließend fahren einige von uns zum Village Artisanal, einem modernen Gebäude, indem man afrikanisches Kunstgewerbe erwerben kann. Im Laden selbst sind die Preise höher als auf den Märkten, aber der Einkauf gestaltet sich wesentlich stressfreier und außerdem noch in „klimatisierten“ Räumen.
Hinter dem Geschäft befinden sich in kreisförmig angelegten offenen Gebäuden die einzelnen Werkstätten. Bei unserem Rundgang können wir den vorwiegend jugendlichen Handwerkern und Künstlern bei ihrer Arbeit zusehen. Es werden Kleider genäht, Tischdecken bestickt, Stoffe bedruckt , Gebrauchsgegenstände aus Leder (Schuhe, Gürtel, Dosen, Bilderrahmen) angefertigt, Holzfiguren geschnitzt, Bronzen gegossen, Horn verarbeitet, Trommeln gebaut, Tiere und Autos aus alten Blechdosen gestaltet und vieles andere mehr. Die jungen Leute sind sehr freundlich und bemüht, uns ihre Arbeiten zu erklären bzw. die hergestellten Dinge vorzustellen. Sie sind mit großem Eifer, aber auch mit viel Freude bei der Arbeit.
Diese Werkstätten werden staatlich gefördert. Das erklärt sicherlich auch den relativ hohen Anteil von körperbehinderten Jugendlichen.
Anschließend führt Wolfgang uns in das Restaurant L’EAU VIVE, wo wir unser letztes Geld in ein köstliches Essen investieren. Wolfgangs Meinung nach war derjenige, der dieses Restaurant nicht kennt, nicht in Ouagadougou.
Nachmittags fahren Wolfgang, Erika, Maria und Gisela zu AMPO, um dort zwei Schafe abzugeben, die wir unterwegs geschenkt bekamen. Auf dem Hof des Mädchenwaisenhauses treffen wir einen deutschen Zivildienstleistenden aus der Umgebung von Aschaffenburg, der seit 6 Wochen in Ouaga ist. Er zeigt uns auf einem Rundgang das Mädchen- und Jungenwaisenhaus, weist stolz auf Dinge hin, die er veranlasst hat, z.B. eine Ablaufrinne für überlaufendes Wasser auf dem Waschplatz, und spricht auch über die anderen Projekte von AMPO - für Straßenjungen, Rollstuhlwerkstatt, zwei Behindertenwerkstätten, eine Krankenstation mit gynäkologischer Station und Labor sowie ein Mädchenberatungszentrum.
Den Abend verbringen wir in aller Ruhe bei Anselm.
Samstag, 1.11.03
Unser letzter Tag in Afrika. Nach dem Frühstück packen wir unser persönliches Gepäck. Zusammen mit dem allgemeinen Gepäck (Geschenke etc.) wird es gewogen und so verteilt, dass niemand Übergepäck hat.
Charly, Götz und Anselm sind bis zum Mittag damit beschäftigt, Delegationen aus verschiedenen Dörfern zu empfangen, Gespräche zu führen, Anträge anzunehmen und Verträge abzuschließen.
Einige von uns fahren noch einmal zum Village Artinasal, andere nutzen die Zeit zum Lesen oder für letzte Aufnahmen.
Nachmittags fahren wir zum
Flughafen, um unser Gepäck aufzugeben. Es geschieht ohne Komplikationen,
denn der Anblick unserer Passfotos veranlasst den jungen Afrikaner hinter
de
m
Schalter zu flirtendem Augenzwinkern oder freundlich-witzigen Kommentaren.
Abends gibt es ein großes Abschiedsessen im Hause Sanou mit vielen geladenen Gästen, bei dem Yves für unsere Delegation eine Rede hält.
Der oberste Richter von Ouaga, ein Freund Anselms, geht in seiner Rede noch einmal auf den Raubüberfall ein, auf den alle gleichermaßen schockiert reagiert haben, entschuldigt sich und bittet darum, „das Haus nicht einzureißen, wenn ein Ziegel vom Dach fällt“.
Gegen 21.30 Uhr fahren wir zum Flughafen. Dort werden wir von der ganzen Familie Sanou und vielen afrikanischen Freunden herzlich verabschiedet.
Abschied nehmen wir auch von unserem Fahrer Issia, dem wir sehr dankbar sind für seine äußerst umsichtige, fachkundige und besonnene Fahrweise, aber auch für seine große Hilfsbereitschaft, und von unserem Beifahrer Isidor, der sich vom schüchternen Begleiter zum freundlichen Helfer entwickelte.
Abschied nehmen wir auch von Jonas, der eine Woche mit uns durchs Land reiste und sich noch bis kurz vor Weihnachten in Burkina Faso aufhalten wird.
Gegen 23 Uhr startet das Flugzeug in Richtung Paris. Alle freuen sich auf zu Hause. Wir haben einen angenehmen Flug und landen gegen 6 Uhr morgens in Paris.
Sonntag, 2.11.03
Nachdem wir die Passkontrollen passiert haben, holen wir unser Gepäck. Alles ist angekommen. Wir warten auf Charly und Götz, die ihre Autos vom Parkplatz holen. Nach kurzer Zeit machen wir uns auf den Weg in die Eifel. Unterwegs frühstücken wir noch. Die fünfstündige Fahrt verläuft reibungslos und gegen 13 Uhr sind wir in Hillesheim.
In Gedanken werden die vielen Bilder dieser Reise uns sicherlich noch lange begleiten. In unserem Alltag werden uns immer wieder viele Selbstverständlichkeiten auffallen, die in Afrika nur mit viel Mühe zu erreichen oder zu bewältigen sind. Den größten Anteil an der Bewältigung des täglichen Lebens haben die Frauen, die ihr Schicksal sehr würdevoll tragen. Schulbildung kann deshalb gerade für Mädchen eine Perspektive für ein chancenreicheres Alltags- und/oder Berufsleben sein.
