Eine Reise nach Burkina Faso

erlebt von Anne Mauel und Winni Plein

 

Die Fahrt Richtung Paris beginnt am 16.10.2004 gegen 7.00 Uhr, sie verläuft problemlos und es folgt ein angenehmer ca. 6 Stunden langer Flug nach Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Um 19.30 Uhr Ortszeit und einer Temperatur von ca. 35 Grad landen wir und werden vom örtlichen Vertreter des Solidaritätskreises,  Anselm Sanou und seiner Tochter Mechthild sowie vielen weiteren freundlichen Menschen empfangen. Die für uns in dieser Jahreszeit ungewohnte Hitze wird uns im Flughafengebäude erst richtig bewusst.

 

Die Fahrt durch das nur teilweise beleuchtete Ouagadougou (kurz: Ouaga) stellt wohl für jeden „Neuling“ in Burkina ein besonderes Erlebnis dar. Rechts und links der Straße haben Händler ihre kleinen Verkaufsstände provisorisch  aus dünnen Holzstangen und Planen aufgestellt; hier und da tauchen Feuerstellen auf. Ein Gemisch aus  Abgasen der Mopeds und Straßenstaub verteilt sich über ganze Stadt (derzeit 1,5 Millionen Einwohner); Straßen- und Verkehrschilder stellen hier die Seltenheit dar.

 

Etwas außerhalb des Zentrums liegt das Haus der Familie Sanou, wo wir von Anselms Frau Marie-Therese, ihrem Sohn Davy und zahlreichen Gästen freundlich begrüßt werden. Viele Vertreter der Dörfer, die eine Schule wollen bzw. wo bereits eine gebaut wurde, befinden sich unter den Gästen. Auffallend sind die teils kräftigen Farben ihrer Kleidung.

 

Zur Stärkung haben Marie-Therese und viele fleißige Helferinnen heute stundenlang ein Essen für uns vorbereitet. Nach einem abwechslungsreichen Abendessen mit Huhn- und Ziegenfleisch, verschiedenem Gemüse und Salaten aber auch herrlich frischen Papayas, Bananen und kalten Getränken geht ein langer Tag zu Ende.

Jetzt heißt es das Nachtlager aufschlagen - hierzu werden 6 Zelte benötigt. Der Aufbau verläuft noch ein wenig unprofessionell, was sich aber im Laufe der nächsten 14 Tage ändern wird, die Zelte werden bald auch bei beginnender Dunkelheit in Rekordzeiten aufgebaut. Auch an die Nachttemperaturen müssen wir uns erst gewöhnen, das Thermometer fällt selten unter 20 Grad.

Innerhalb kürzester Zeit herrscht „himmlische“ Ruhe, die jedoch nicht lange anhält, da sich bereits ab 3.00 Uhr morgens die Esel und Hähne zu Wort melden und uns lautstark wecken.

 

17.10.2004 – Wir verlassen die Zivilisation  -

 

Aufgrund der vorgenannten Umstände ist die Nacht bereits gegen 5.30 Uhr zu Ende. Eine kleine Gruppe besucht um 6.00 Uhr die Morgenmesse in der Katholischen Kirche. Nicht nur in der Kirche sondern auch rundum stehen und sitzen die Menschen und singen stimmungsvolle Lieder zu einheimischen Musikinstrumenten wie Trommeln und Rasseln. Die Kirchenbesucher haben heute ihre Festtagsgewänder angezogen. 

 

Zwischenzeitlich erfolgt bei Anselm der Zeltabbau und das Gepäck kann aufgeladen werden.  Hierzu werden sämtliche Reisetaschen und Zelte  von unserem Fahrer Issa und dem Beifahrer Sana auf das Dach des gemieteten Taxi-Brousse (= Buschtaxi) geladen, abgedeckt und festgebunden.  Auch die Gießkannen, bei denen es sich um Geschenke für die verschiedenen Schulen handelt, die wir besuchen werden, werden obenauf befestigt. Als 2. Transportfahrzeug dient der teils vom BMZ gesponserte Toyota Pick-up des Vereins, der sonst von Anselm und der Bauingenieurin Chantal zum Aufsuchen der Bauobjekte zur Verfügung steht.

 

Nun startet die Fahrt Richtung Nordwesten, unser erstes. Tagesziel ist Nagséné. Die Fahrt aus der Hauptstadt führt uns zuerst über eine gut ausgebaute Teerstraße. Als wir diese Straße in Yako Richtung Nagséné, eine Goldgräberstadt, verlassen, ist für uns zwischen Hirsefeldern, Hecken und Gestrüpp nur schwerlich der Weg zu erkennen. Doch Dank Anselms Orientierungssinn finden wir das Dorf und werden freundlich empfangen. Die Erwachsenen, die zum Teil abends bei Solarbeleuchtung in der Grundschule unterrichtet werden, haben die Dorfgeschichte sehr informativ in Wort und Bild  dargestellt. Stolz zeigt uns der Schuldirektor dieses Gemeinschaftswerk. Nach einem kühlen landestypischen Getränk (mit Mehl gebundenes Wasser verfeinert mit Zitronensaft) reisen wir weiter Richtung Norden. 

Bedingt durch die sandige, unebene und teils zugewachsene Straße (= Piste) sowie die einbrechende Dunkelheit müssen wir trotz wegweisendem Voraustrupp die letzten Kilometer sehr langsam fahren. Wir erreichen unser „Nachtlager“ Soro erst spät abends. An ein Ausruhen ist jedoch vorerst nicht zu denken. Zuerst einmal heißt es sich „mückensicher“ mit langärmligen Hemden, langen Hosen und Strümpfen bekleiden (und das alles bei ca. 25 Grad)  und die „freie“ Haut mit Mückenspray behandeln. Dann folgt das Abladen des Taxi-Brousse; das Gepäck wird im Lehrerhaus untergebracht. Die Zelte werden im Freien unmittelbar vor dem Lehrerhaus aufgebaut. Dies alles geschieht unter den neugierigen Blicken der Burkinabè.

 

Nun wird uns auch schon schnell das von den Frauen des Dorfes zubereitete Essen gebracht. Es gibt Nudeln mit Hähnchen in einer Tomatensoße, Too (=Brei aus Hirse- oder Maismehl) sowie Salatgurken und Tomaten.  Die spärliche Beleuchtung, heftiges Grillenzirpen und ein grandioser Sternenhimmel verleihen dem ersten Abendessen im Busch eine besonders reizvolle und interessante Atmosphäre.

Der Tag endet mit einigen Liedern aus der Mundorgel.

 

18.10.2004 – Erste Morgentoilette im Busch –

 

Besonders erwähnenswert ist die erste Morgendusche in Afrika ohne fließendes Wasser:

Die Frauen des Dorfes haben uns eine Tonne mit Wasser gefüllt, hierzu mussten sie das Wasser in ca. 30 l fassenden Schüsseln auf dem Kopf vom Brunnen zum Lehrerhaus tragen. Nicht zuletzt im Hinblick auf diese beschwerliche Arbeit, geht man automatisch sorgsam mit dem „Gut“ Wasser um, das heißt mit ca. 5-8 l findet die Morgentoilette im Waschraum des Lehrerhauses statt. Da es keine Brause gibt, wird das Wasser aus der  Gießkanne oder einem Becher über Kopf und Körper geschüttet.

 

Heute erleben wir eine sehr eindrucksvolle Einweihungsfeier mit einigen Lied- und Tanzvorträgen der Schulkinder aber auch der Erwachsenen. Auch hier beeindrucken die farbenprächtigen Stoffe der verschiedenen Kleider. Besonders interessant sind Beiträge verschiedener Handwerker, die ihre Fertigkeiten darbieten.

 

Es ist auch unsere Begegnung mit den landestypischen Instrumenten, wie Djembe (Trommel), Balafon, Kalebassenrassel, Flöte und Sprechtrommel. Der unverwechselbare und mitreißende Klang dieser Instrumente begleitet uns auf der ganzen Reise.

 

 Nach dieser stimmungsvollen Feier verabschieden wir uns und fahren in südlicher Richtung nach Toéni, wo uns am Ende einer Einweihungsfeier „lebende“ Geschenke überreicht werden, die von Issa auf dem Taxi-Brousse festgebunden werden. Heute lernen wir auch, dass wenn sich Ziegen auf dem Dach befinden, die hinteren Fensterscheiben möglichst geschlossen bleiben sollten!!!

 

19.10.2004 – Musikalische Erlebnisse mit westlichem Einfluss –

 

Die Begrüßungsfeier in  Lanfiéra wird von zahlreichen Kindergruppen der umliegenden Dörfer gestaltet. Dieses Mal wird die Trommel- und Tanzgruppe von einer E-Gitarre begleitet.

Der ehemalige Präsident des burkinischen Senates hat eines seiner Häuser für uns geräumt und so haben wir heute eine sehr komfortable Unterkunft.

 

Am Abend besuchen uns die Kinder des naheliegenden Dorfes und Hermann-Josef, Uschi und Charly  singen mit ihnen das von ihnen getextete Lied :“Oh Burkina Faso, Ole!“. Noch lange hören wir die Kinder später den Refrain beim Heimweg singen.

 

20.10.2004 – Natur, Technik und Sicherheit –

Auf der Fahrt nach Koundougou zeigt uns Anselm Erdnusspflanzen, verschiedene Hirsesorten und Baumwollfelder. Anselm hat Landwirtschaft studiert (u.a. auch 13 Monate in Deutschland) und arbeitet im Landwirtschaftsministerium in Ouagadougou.

Wo auch immer wir anhalten, sind die Bevölkerung und insbesondere die Kinder über die Technik der Digital- und Filmkameras verblüfft, die es ermöglicht,  die gefertigten Fotos und Filmaufnahmen sofort anzuschauen.                                                

Nach dem Überfall im letzten Jahr werden der Reisegruppe nun auf Anregung der Haut-Commissaires von verschiedenen Provinzen  4 Polizisten einer Sondereinheit zugeteilt, die uns ab heute bis zum vorletzten Tag der Reise begleiten und bewachen.

21.10.2004 – Musik und Tanz

Die Einweihungsfeier in Faramana findet im Beisein des burkinischen Fernsehens sowie zahlreicher hoher Politiker, die daraus eine Wahlveranstaltung machen, statt. Eine Jägergruppe zeigt ihr Können und Stelzenläufer stolzieren geschickt an der Menschenmenge vorbei. Leider schließt die Feier mit einem Regenschauer, was die Stimmung aber nicht schmälert.

Auf Einladung der Dorfbewohner besuchen wir am Abend eine Musik- und Tanzveranstaltung. Eine 7-köpfige Trommler- und Balafongruppe spielt in der Dorfmitte unter einem gigantischen uralten Baum (Fromagier) auf. Weitere 6 Mitglieder diese Ensembles führen teilweise akrobatische Tänze zur Musik vor. Der Dorfplatz ist innerhalb kürzester Zeit überfüllt. Die Musik ist überwältigend, so dass es nicht verwundert, dass Einheimische aber auch wir uns von der Musik mitreißen lassen und mittanzen.

22.10.2004 – Maskentanz –

Heute teilt sich die Gruppe erstmals, wobei der Jeep nach Kouakrouma und das Taxi-Brousse nach Kokoroba und Dandé fahren. Issa muss das Taxi-Brousse meist über eine Ausweichstraße fahren,  die neben der schlecht erneuerten Hauptstraße liegt; so kommen wir teilweise nur sehr schlecht und langsam voran. Am Nachmittag treffen wir uns dann alle in Kayan wieder, wo wir die nächsten beiden Nächte bleiben werden.

Da wir vom Regen überrascht werden, sind wir heute erstmalig gezwungen, die bereits aufgebauten Zelte in die Lehrerhäuser zu tragen. Der abendliche Maskentanz im Ort wird durch kräftigen Regen unterbrochen, der Dorfplatz wird danach jedoch in kürzester Zeit mit trockenem Sand präpariert.

Leider ist die Bedeutung aller Figuren und Tanzformen für uns nicht immer nachvollziehbar. Die akrobatischen Sprünge und sonstigen schnellen Bewegungen der Tänzer – teils unterstützt durch Holzstangen – begeistern uns sehr. Die Masken stellen 4  verschiedene Figuren dar, wobei jede Figur in dreifacher Besetzung auftritt; Kleider und Gesichtsmasken der Tänzer sind  mit zahlreichen Kaurimuscheln verziert.

23.10.2004 – Große Wäsche in Kayan –

Während der Einweihungsfeier in Kayan haben einige Frauen aus dem Dorf unsere staubigen und verschwitzten Kleider gewaschen und zum Trocken auf den Maschendrahtzaun der Schule aufgehängt. Das gleicht doch einem Werbefoto?!  Wir hatten Bedenken, ob die völlig verdreckte Kleidung ohne Chemie und nur mit Kariteseife  noch mal sauber würde, doch da haben wir uns kräftig geirrt: alles war strahlend sauber.

Winni, Hans, Götz und Anne besuchen in Begleitung von 2 „Beschützern“ die neu gebaute Schule in Seye. Ein Blick in die tanzende Menschenmenge zeigt afrikanische Lebensfreude. Insbesondere die sonst teils traurig blickenden Frauen scheinen beim Tanz alles um sich herum zu vergessen und sich regelrecht in Trance zu tanzen.

24.10.2004 – Viele „wichtige“ Leute in N'Dorola –

Durch äußerst unwegsames Gelände geht’s heute in süd-westlicher Richtung nach N’Dorola. Dort  herrscht „großer Bahnhof“ mit  Repräsentanten von Regierung und Militär, aber auch das burkinische Fernsehen sowie das Werbeteam eines in Burkina sehr bekannten Brühwürfelherstellers sind bei der Einweihungsfeier anwesend. Wegen der vielen Offiziellen wurden  die Tanz- und Musikbeiträge zeitlich sehr beschnitten.

Nach der Zeremonie trennt sich die Gruppe abermals; wir bleiben mit 5 Personen heute in N’Dorola und sind abends in einem für afrikanische Verhältnisse feudalen  Jugendzentrum untergebracht. Der Schulungsraum ist mit Sat-Anlage und Videogeräte ausgerüstet. Wir bevorzugen jedoch einheimische Trommelmusik mit Tanz; viele Schulkinder „besuchen“ uns mit ihrem Lehrer um uns ein Ständchen zu brngen.

Die 2. Gruppe fährt über Silorola nach Banfora.

25.10.2004 Ein neuer Baum für Tien

Die Fahrt nach Tien führt uns über Banzon, wo Gespräche über einen Schulneubau geführt werden, auch durch Bobo Dioulasso, die zweigrößte Stadt Burkia Fasos. Im Gegensatz zu Ouaga gibt’s hier sehr viele Grünanlagen mit blühenden Sträuchern und stattlichen Bäumen; auch das Klima ist hier angenehmer. Vor allem das satte Grün der vor der Stadt liegenden riesigen Reisfeldern sticht einem ins Auge; ein gut ausgebauten Bewässerungssystem macht den Anbau überhaupt möglich. Unterwegs sehen wir einem Burkinabè beim Flechten einer Grasmatte zu, die als Sonnen- und Windschutz aber auch als Regendach genutzt werde kann.

Die relativ kleine Einweihungsfeier in Tien mit Liedvorträgen der Kinder und Erwachsenen kommt bei uns gut an. Allerdings sind wir verärgert über die Rodung von Bäumen und Hecken zwischen der Schule und den Lehrerhäusern, und bringen dies auch zum Ausdruck.  Zum Abschluss der Feier wird zusammen mit dem Direktor der Schule und den Elternvertretern ein neuer Baum gepflanzt.

 

26.10.2004 – Langer Tag mit abwechslungsreichem Programm –

Der überwiegende Teil der Bevölkerung sowie die Präfektin  haben die Nacht durchgefeiert. Es wurde in kleinen Gruppen zusammengesessen, gekocht und Dolo, Hirsebier, getrunken. Die Musik geht ohne Unterbrechung bis in den Morgen.

Von Tien führt unser Weg über Bobo Dioulasso nach Kelia I. Es handelt sich mehr um einen Trampelpfad als um eine Straße. Wir werden im Jeep gut durchgeschüttelt und haben den Eindruck, dass der auf dem Moped vorausfahrende Schulrat und sein Sekretär diese Strecke auch noch nicht oft gefahren sind. Es gilt auch eine Brücke zu überqueren, die so schmal ist, dass Anselm sie nur mit Hilfe eines Einweisers überfahren kann. Trotz der schlechten Piste sind wir  begeistert  von der üppigen Vegetation von Baumwollfeldern und Palmen in dieser Gegend.

Die 4 Jahre alte Schule mit ihren 3 Klassen ist in  gutem Zustand. Eine Klasse wurde mit einer Solaranlage ausgestattet, die jedoch derzeit nicht funktioniert; anscheinend eine Sicherung oder die Batterie defekt. Eine Kleinigkeit,  für Afrikanern anscheinend aber nicht zu lösen. 

Bei Einbruch der Dämmerung erreichen wir unser heutiges Ziel, das Foyer Sainte Monique in Banfora, das von Sœur Véronique geführt wird. Hier treffen wir auch die 2. Reisegruppe wieder.

Sœur Véronique hat dieses Internat gegründet, damit Mädchen von außerhalb auch die Möglichkeit haben, in Banfora Gymnasium oder Realschule zu besuchen und in ihrem Haus zu schlafen.

Bei den Mädchen handelt es sich häufig um Waisen und Halbwaisen, die ohne finanzielle Unterstützung keine weiterführende Schule besuchen könnten. Aus diesem Grund vermittelt der Solidaritätskreis Patenschaften. Soeur Véronique bietet weiterhin Mädchen, die nur die Grundschule beendet haben, eine 3jährige hauswirtschaftliche Ausbildung an. U.a. werden Stoffe gebatikt und bedruckt, aber auch feine Stoffe selbst gewebt.

Am Abend führen die Mädchen Karaoke und Theaterstücke auf, in denen sie aufzeigen wie der Solidaritätskreis beim Bau von Schulen finanziell hilft oder es ermöglicht, dass arme Mädchen durch die Vermittlung von Patenschaften die Möglichkeit erhalten, im Internat aufgenommen zu werden. Eine Modenschau mit bunten traditionellen und europäischen Kleidern begeisterte uns sehr. Als Dankeschön verteilte Charly an die Mitwirkenden Pflegeprodukte der Firma Weleda und Brillen der Firma Apollo Optik.

27.10.2004 – Viele neue Bäume in Pala –

Unsere Wege trennen sich nach einem kurzen Aufenthalt mit Marktbesuch in Bobo um am Abend in Yéguéresso wieder zusammenzutreffen.

Der größere Teil der Gruppe besucht Koro, wo vor Jahren die Grundschule erweitert wurde. Die Kinder sind hellauf begeistert und begutachten uns Weiße eingehend; alle wollen möglichst auf jedes Foto.

Bei dem alten Ort Koro handelt es sich um eine Art Bergdorf. Es geht steil zwischen den riesigen Felsblöcken – teilweise Granit – nach oben; einige Frauen begegnen  uns mit schweren Wasserbehältern, die sie hinauftragen. Wir können oben angekommen vom Plateau einen herrlichen Weitblick übers die äußerst grüne Landschaft genießen.

Die „Jeep-Gruppe“ besucht die neugebaute Schule in Pala. Lobenswert ist der Erhalt des alten Baumbestandes und die Pflanzung vieler neuer Bäume. Es ist eine Feier ohne Politiker mit vielen Aktionen; auffallend ist, dass die Frauen tanzen können ohne – wie sonst bei den großen Feiern häufig geschehen – unterbrochen zu werden.  Wir erhalten wunderschöne Holzschnitzarbeiten, wie Gehstock, Schemel und Figuren.

In Yéguéresso  angekommen, stellen wir fest, dass  2 Lehrerhäuser bisher nicht bewohnt sind; der Verein will diese Häuser nun zur Vermietung freigeben. Die Mieteinnahmen sollen der Schule zugute kommen.

28.10.2004     - Kunsthandwerker und Radprofis –

 

Heute haben wir die letzte große Autofahrt vor uns; die den Jeep nach Tassé und das Taxi-Brousse nach Siby führt.  Beide Gruppen bekommen jedoch bei Houndé die 6. Etappe der Tour du Faso, das größte Radrennen Burkinas zu sehen. Leider kommt es im Ziel zu einem Massensturz, in den das Hauptfeld verwickelt ist.

Aufgrund widriger Verhältnisse (Reifenpanne pp.) nimmt an dem Verhandlungsgespräch in Siby, das von einer beeindruckenden Feier mit Maskentanz umrahmt wird, lediglich unser Vizepräsident Götz Krieger teil. Ihm werden zahlreiche Holzmasken geschenkt. Die restliche Gruppe bleibt während dieser Zeit in Boromo und besucht eine Kunsthandwerkergruppe, die sich auf die am Wochenende in Ouaga stattfindende SIAO vorbereitet. Die SIAO ist die führende Messe, auf der Kunsthandwerk aus verschiedenen afrikanischen Ländern ausgestellt wird.

 

Die Besprechung der übrigen Reiseteilnehmer in Tassé verläuft erfreulich. Die Schule befindet sich bereits im Bau und wird wohl bald fertiggestellt werden. Für die Übergangszeit hat die Bevölkerung eine Hütte gebaut, wobei Schulbänke und teilweise auch Tische gemauert  wurden eine lobenswerte Eigeninitiative!

Es ist später Abend als die heute vom Pech verfolgte „Busgruppe“  endlich heil in Ouaga ankommt.

                                        Wenn es Abend wird

                Das Rot der Piste wird kräftiger

                und das Grün der Bäume saftiger.

                Aus gleißender Mittagshitze

                wird warme Nachmittagssonne.

                Das Licht wird sanfter

                und die Stoffe der Kleider farbiger.

                Die Sonne wird gnädig

                wenn es Abend wird in Burkina.

29.10.2004 – Abschied von Burkina Faso –

Der letzte Tag unserer Reise verläuft für den Großteil der Gruppe recht gemütlich. Sie besuchen das von der Deutschen Katrin Rhode gegründete und geleitete Waisenhaus AMPO; es gibt jeweils eine größere Anlage mit Wohnhäusern, Werkstätten und Verwaltung  für Jungen und  für Mädchen. Waisenkinder ab 6 Jahre werden hier aufgenommen und besuchen  Schulen in Ouaga. Sie erlernen handwerkliche Fähigkeiten in den verschiedenen Werkstätten; die Produkte werden im „Hofladen“ verkauft. Bis zum 18. Lebensjahr können die Jugendlichen hier wohnen bleiben, dann wird dafür gesorgt, dass sie in der Stadt ein Zimmer und eine Arbeitsstelle erhalten.

Ruth lässt sich in einer ca. 4stündigen Prozedur  ihre langen blonden Haare von 3 Friseusen in dünne Zöpfe flechten, diese Frisur wird  auch von vielen Afrikanerinnen bevorzugt. Es werden lange Kunsthaare miteingeflochten; ein wahres Kunstwerk!

Charly, Götz und Anselm führen hingegen anstrengende Gespräche über neue Projekte mit Vertretern aus über 20 Dörfern.

Am Abend heißt es Abschied nehmen von Burkina Faso; eindrucksvolle, erlebnisreiche aber auch bewegende Wochen gehen zu Ende. Die komplette Familie Sanou begleitet uns zum Flughafen, wo unser Flug pünktlich startet.

In Hillesheim angekommen sind wir uns einig,  dass es sicher noch lange Zeit  dauern wird, um alle Eindrücke  dieser Reise zu verarbeiten.