Unsere Reise

Samstag, den 06.10.2007 – Erika Froning
Zum dritten Mal mache ich mich mit der Reisegruppe von Charly Simonis auf den Weg nach Burkina Faso. Nach den Erlebnissen in 2000 und 2003 bin ich sehr gespannt, was sich inzwischen verändert hat. Am Vorabend ist Zusammentreffen der Gruppe – einige neue Gesichter sind dabei – ich freue mich besonders, dass Marianne Bischof mitfährt, mit der ich Afrika zum ersten Mal erlebte. Taschen werden gewogen und aufgeteilt bis jeder 2 Gepäckstücke hat, die dem zugelassenen Gewicht entsprechen. Nach einem köstlichen Abendessen heißt es „ bis morgen früh um 7.00 Uhr, genießt den Schlaf im Bett unter Daunen!“
Am Morgen des 6. Oktobers starten wir pünktlich mit 2 Wagen nach Luxemburg. Es ist eine kurze Fahrt, viel angenehmer als der lange Weg nach Paris bei den vorherigen Reisen. Der Parkplatz ist nahe und so geht alles gemütlich zu. Die Abfertigung am Schalter ist zügig, nur mit leichtem Handgepäck genießen wir bei Kaffee und Broten die Ruhe bis zum Abflug.
In Paris treffen wir unseren Piloten Hans, der direkt von der Arbeit kommt. Wir verlassen Paris an Bord der Air France mit etwas Verspätung wegen Gepäckproblemen - welche werden wir in Ouaga erfahren. Trotzdem erreichen wir die Hauptstadt von Burkina Faso pünktlich gegen 20.00 Uhr.
Unsere „Neuen“ sind überrascht, dass die Hitze Afrikas auch um diese Uhrzeit noch so stark ist. Die Pass- und Impfkontrollen sind der Hitze angepasst, es dauert recht lange bis wir diese Hürde genommen haben. Die zweite Überraschung kommt, als nach mehrmaligem Durchlauf des Bandes
6 Gepäckstücke fehlen. Ausgerechnet Cornelias und Birgits Taschen sind dabei. Götz, der ebenfalls betroffen ist, verhandelt mit dem Flughafenpersonal, das dauert natürlich seine Zeit. Anselm, Davy, viele Freunde und Abgeordnete der Dörfer empfangen uns und es geht in verschiedenen Autos durch das abendliche Ouagadougou.
Schon jetzt habe ich den Eindruck, dass sich vieles geändert hat; die Unterstände aus Baumstämmen und Blätterdach sind weniger geworden, dafür sehe ich eine Vielzahl von gemauerten kleinen Läden. Der Straßenrand erscheint mir sauberer und es gibt mehr elektrisches Licht.
Es ist ein frohes Wiedersehen mit Marie-Thérèse, Metti, Davy und Gussi. Ich freue mich wieder hier zu sein bei diesen lieben Freunden, in diesem gastlichen Haus. Im großen gemauerten Hof warten schon die Delegationen der Dörfer und Departements, die bereits eine Schule bekommen, einen Antrag gestellt haben oder einen solchen stellen möchten. Wir werden herzlich begrüßt und der erste Abend beginnt mit dem vorzüglichen Essen und herrlich kühlen Getränken.
Nachdem die letzten Gäste gegangen sind, errichten wir im Hof unsere Zelte, Birgit, Cornelia und Götz werden ausstaffiert für dir Nacht und alle begeben sich gegen 1.00 Uhr Ortszeit ( Verschiebung um 2 Stunden ) zur Ruhe. Die Nacht ist erholsam, die Geräusche Afrikas einschließlich Esel – und Hahnenschreie sowie der frühe Ruf des Muezzin gehören dazu.
Sonntag, den 07.10.2007 – Erika Froning
Nach köstlichem Frühstück mit leckerem Omelett packen wir um und beide Autos, der Allrad und der von Soeur Veronique gemietete Kleinbus werden beladen. Pünktlich um 9.00 Uhr sind unsere jungen deutschen Mitfahrer, zwei Zivis von Sewa - Markus und Hannes, Jonas, der Zivi von Ampo und Malte, Student in Ouaga für ein Semester, eingetroffen und so starten wir zu unserem ersten Ziel Salogo in Richtung Osten.
Die Straße ist in gutem Zustand, sie scheint neu hergerichtet zu sein. Auf dem Weg machen wir eine „Petite Visite“ in Rapadama. Hier gibt es bereits eine 3 klassige Schule, die aber nicht vom Verein gebaut wurde. Man hat eine Schulerweiterung beantragt, denn die Klassen sind mit 89 bis 118 Kindern überfüllt. Trotz der Disziplin der afrikanischen Kinder kann hier kein effektiver Unterricht stattfinden.
Sie werden drei neue Klassen erhalten, dazu eine Lehrerwohnung und Aborte. Die Bevölkerung kann sofort mit dem Sammeln von Sand und Steinen beginnen. Wenn die Räume fertig gestellt sind, werden die Klassen verkleinert. Der Elternvertreter ist selbst Analphabet und froh über diese Chance für die Kinder. Der Prozentsatz der eingeschulten Mädchen beträgt hier 48.
Wir werden zum Essen in ein Restaurant eingeladen; es gibt Nudeln, Hühnchen und Salat. Das Besteck reicht nicht für alle, so versuchen auch wir es mit den Fingern und siehe da, es klappt. Besonders freuen wir uns über die kalte Cola, ein Dauergetränk während unserer Reise.
Am frühen Nachmittag brechen wir auf nach Salogo. Hier gab es erhebliche Probleme beim Bau mit dem Dorfchef – hier Naba – genannt. Den örtlichen Verein, Antragsteller für den Schulbau, treffen wir einige Kilometer vor dem Dorf. Der Vorsitzende spricht nochmals über die Probleme. Beim Bau wollte der einflussreiche Naba sein eigenes Bauunternehmen einbringen und den Unternehmer von ASAO ausboten. Er beeinflusste die Bevölkerung dahin gehend, dass diese mit dem Sammeln von Sand und Steinen aufhörte, keine Hilfskräfte beim Mauern stellte und kein Wasser herbeischaffte.

Götz hatte ihm Ende April unmissverständlich klar gemacht, dass der Verein nur mit dem von ihm beauftragten Unternehmen diesen Schulbau errichten würde oder aber definitiv das Gebiet verlassen werde. Nach 2 Monaten Stillstand wurde das College fertig gebaut. Wir sind gespannt, wie unser Besuch beim Naba ausfallen wird.
Der „Palast“ des Naba
unterscheidet sich durch Größe und Ausstattung erheblich von bisher gesehenen
Behausungen. Er selbst ist eine große, herrische Erscheinung in einem wallenden
grünen Gewand mit der traditionellen roten Kopfbedeckung eines Dorfchefs. Er
nimmt würdevoll auf einem Ledersessel in erhöhter Position Platz. Dann nähern
sich seine 3 Leibwächter kriechend und lagern sich unterwürfig zu seinen Füßen.
Mit den anwesenden Gästen – Präfekt, Haut Commissaire, die Bürgermeisterin (Sie
ist die Frau des Naba und ebenfalls eine mächtige Erscheinung im wahrsten Sinne
des Wortes), Polizeichef, Direktor und vielen anderen setzen wir uns auf die
Sessel, die im Saal an den Wänden in einer Runde aufgestellt sind. Beide, der
Naba und seine Frau als Bürgermeisterin haben so viel Macht und Einfluss, dass
sogar der Präfekt nicht dagegen ankommt. Der Naba begrüßt alle würdevoll und es
beginnt die gegenseitige Vorstellung. Getränke werden in einer Kühlbox
hereingebracht, es gibt Champagner, Cola, Fanta, Tonic und Bier.
ASAO wird gelobt für seine Hilfe, Götz wird freundlich behandelt, Charly sowieso, es fällt kein Wort über die Schwierigkeiten. Anschließend gibt es ein gutes und reichliches Mahl, wie es sich für diesen Haushalt gehört.
Danach besichtigen wir die Schule – es fehlen noch die Latrinen, die aber schnell fertig gestellt werden sollen. Ein weißes Band ist vor dem Eingang gespannt wie bei Einweihungen, die im TV übertragen werden. Es wird von Charly feierlich durchtrennt und die Besichtigung kann beginnen. Der Bau weist keine Mängel auf, die Bänke sind da, so wird der Unterricht in etwa einer Woche beginnen. In einer großen Aktion pflanzen Charly und der Naba zwei Bäume innerhalb des neuen Zaunes; hoffentlich werden sie gut gegossen.
Danach geht es zurück zum Anwesen des Naba, wo wir die Nacht verbringen werden. Während Götz mit Birgit und Cornelia zwecks Gepäcksuche mit dem Allrad nach Ouaga fährt, schlagen wir im Hof unsere Zelte auf. Im Hof sind auch Duschraum und Abort, aber nur für die Herren. Obwohl seine Frau allen diese Möglichkeit zuweist, bietet der Naba uns Frauen höchstpersönlich sein eigenes Bad mit Dusche und WC an. Eigenhändig putzt er für Marianne die Klobrille, was sie so beeindruckt, dass die fehlende Wasserspülung zur Nebensache wird. Wilfried wird sich in Zukunft anstrengen müssen. Vielleicht will der Naba gut Wetter machen oder ist er einfach höflich?
Nach der erfrischenden Dusche sitzen wir im Hof beisammen. Kühle Getränke werden gereicht, besonders der Orangensaft schmeckt ausgezeichnet. Nun erzählt der Dorfchef seine Version von der Bauverzögerung: Der Verein habe gesammeltes Geld der Eltern nicht für den Bau verwendet, sondern anderweitig benutzt. So hätten Wasser und Maurer nicht bezahlt werden können. Er und seine Frau hätten je 5 Bauarbeiter entlohnt, sowie Lastwagen für Material und Wasser zur Verfügung gestellt. Wir lassen das so stehen, denn die einen sagen so, die anderen sagen so – Ausspruch von Anselm in solchen Situationen.
Wir erfahren einiges über das Département Salogo, das 21 405 Einwohner zählt. Es gibt im Departement 12 Schulen, davon haben zwei 6 Klassenräume und 10 Schulen 3 Klassen.
Gegen 21.00 trauen wir unseren Augen nicht – es gibt noch einmal eine warme Mahlzeit, Nudeln, Hühnchen und Melone.
Die Nacht ist ruhig, aber noch vor Sonnenaufgang sind alle wach. Wir Frauen benutzen wieder die Privatdusche, die allerdings keine Wasser führt, sondern wie überall durch Schöpfen aus dem Wassereimer und Übergießen selfmade ist. Anschließend gibt es Frühstück mit Kaffee und Melone vom Chef.
Während wir auf die Besatzung des Allrads warten, verabschiedet sich der Naba, weil er dienstlich nach Ouaga muss. Er ist Zollbeamter und zuständig für Betrug!
Montag, den 08.10.2007 - Jonas Lanz

Um fünf Uhr schaut man noch in einen tiefschwarzen Nachthimmel, überreich bedeckt mit funkelnden Sternen, gegen halb sechs kann man schon Zeitung lesen. Die Geschwindigkeit der afrikanischen Dämmerung in der Nähe des Äquators ist für einen Europäer doch immer wieder faszinierend.
Entsprechend früh beginnt hier auch das Leben. Als sich unsere Truppe des Morgens in Salogo aus den Zelten schält, sitzt die Frau des Naba schon im Hof und das wohl üppigste Frühstück unserer Reise ist fertig. Es war schon ein zumindest seltsames Gefühl, gekühlten Orangensaft zu leckeren Früchten zu trinken, während direkt vor der Tür die Kinder Hungerbäuche hatten. Nun ja. Nach diesem kulinarischen Höhepunkt wurde uns noch die Präfektur samt Bürgermeistersitz gezeigt, interessanterweise war das Büro der Bürgermeisterin (der Frau vom Naba) wesentlich luxuriöser ausstaffiert als das Zimmer des Präfekten, wodurch uns die hiesige Machtverteilung noch einmal vor Augen geführt wurde.
Nach dieser doch etwas bizarren
Station unserer Reise brach die „Allradgruppe“ nach Koankin und Nedogo
auf, der Bus setzte sich Richtung Komgnessé in Bewegung. Leser mit afrikanischer
Reiseerfahrung können unsere Bequemlichkeit vielleicht ein wenig nachempfinden,
nach zwei Stunden zu viert in einer Bankreihe für drei, dem ständigen Geholper
und Geschlenker der Strecke und dazu noch die Hitze der ungetrübten Sonne, da
kamen die relativ häufigen Trink- und Pinkelpausen doch sehr gelegen. Jedenfalls
erreichten wir um die Mittagszeit Komgnessé und unsere Inspektion verlief
eher unspektakulär im Vergleich zu der gestrigen Zeremonie. Danach ging es für
uns weiter nach Nohoungo, wo wir auch übernachten wollten. In der
Zwischenzeit tra
fen
wir wieder auf die Allradgruppe und gemeinsam fuhren wir immer weiter in den
Busch. Bisher hatte der Bus ja immerhin Pisten unter den Rädern, nun war auch
dieser Luxus vorbei. An einem ausgetrockneten Flussbett hieß es dann aussteigen
und den erleichterten Bus hindurchzunavigieren. Glücklicherweise gelang uns die
Durchfahrt und wir konnten unseren Weg ohne Probleme fortsetzen.
Unsere Ankunft in Nohoungo könnte man als Kontrast zum gestrigen Empfang bezeichnen, außer ein paar spielenden Kindern und auf dem Fußballplatz weidenden Kühen wurden wir von niemandem erwartet. Dennoch luden wir an der Schule unser Gepäck ab, die Sportlichen unter uns spielten Fußball mit den Kindern (und Kühen), die anderen bauten schon einmal die Zelte auf.
Nach einiger Zeit hatte sich unsere Ankunft wohl herumgesprochen und mehrere Dorfbewohner tauchten auf. Auf vorhergehenden Stationen hatten wir eine Ziege und mehrere Hähne geschenkt bekommen und eben jene wurden uns als Abendessen zubereitet. Rückblickend mussten wegen uns ziemlich viele Hähne ihr Leben lassen, vor allem weiße, sind sie doch ein beliebtes Gastgeschenk und ein Symbol der Freundschaft.
Nach dem Essen richtete sich unser Blick immer häufiger Richtung Himmel, am Horizont hatte sich eine beeindruckende Wolkenwand zusammengebraut, die nichts Gutes versprach. Entsprechend unseren Erwartungen befeuchtete dann auch ein kurzer aber kräftiger Regen die Erde. Den Tag beschlossen wir mit einer intensiven, persönlichen Vorstellungsrunde und zogen uns in unsere Zelte zurück.
Dienstag, den 09.10.2007 – Charly Simonis
Nach dem Frühstück packten wir unsere Sachen zusammen und luden sie auf die Autos. Ich ging mit Anselm zu den Lehrern, und wir entschuldigten uns dafür, dass wir gestern wegen des Regens eine Schulklasse in Beschlag genommen hatten, um unsere Zelte darin aufzubauen. Die beiden Lehrerhäuser standen immer noch leer. Die Lehrer wohnen alle im 10 km entfernten Koupéla und kommen jeden Morgen mit ihren Mopeds zur Schule. Sie erhalten vom Staat ein zusätzliches Wohngeld, wenn sie kein Lehrerhaus bewohnen, und bevorzugen daher das Leben in einer Stadt, wo es Elektrizität und kaltes Bier gibt. Aus diesem Grunde finanzieren wir nun keinerlei Lehrerhäuser mehr, wenn eine größere Stadt in der Nähe ist. Die Lehrer erklärten sich aber damit einverstanden, dass die Lehrerhäuser von Personen, die in der Krankenstation arbeiten, bewohnt werden.
Die von uns
finanzierte Kranken- und Entbind
ungsstation scheint gute Arbeit zu leisten.
Alles war recht ordentlich und zwei Frauen hatten gerade entbunden. Wir
schenkten ihnen jeweils eine Flasche WELEDA-Massageöl, denn die Firma WELEDA
spendet uns jedes Jahr Crèmes und Öle, die wir als Gastgeschenke auf unserer
Rundreise verteilen können. Zwischen der Kranken- und Entbindungsstation gibt es
mittlerweile hohe Bäume, sodass man schön im Schatten sitzen kann.
Dann mussten wir wieder durch das ausgetrocknete Flussbett zurückfahren. Dies gelang zwar, aber leider war der Dachgepäckträger des Busses den Belastungen nicht gewachsen. Die Busgruppe musste in Koupéla Halt machen und in einer Werkstatt den Gepäckträger schweißen lassen. Dies kostete zwar nur 3,80 Euro, aber brauchte seine Zeit, während die Gruppe ausgiebig den Markt besichtigen und Cola trinken konnte. Sie besuchte anschließend die Grundschule in Nakaba, die wir 1996 erweitert haben und wo 345 Kinder eingeschult sind. Die von uns gebauten Lehrerhäuser waren alle belegt und der Brunnen funktionierte.
Die Allradgruppe fuhr derweil weiter nach Baskouré, wo wir das von uns finanzierte Collège um 4 Klassen erweitert hatten. Als wir vor 2 Jahren dort waren, hatten wir festgestellt, dass der Zaun an mehreren Stellen herunter getreten war und nur wenige Bäume gepflanzt worden waren. Man hatte uns fest versprochen, den Zaun zur reparieren und Bäume zu pflanzen. Nichts war geschehen und entsprechend sauer wurde ich. Der Direktor behauptete 100 Bäume gepflanzt zu haben, aber sie seien leider wieder eingegangen. Unsere Suche nach den ausgehobenen Pflanzlöchern war jedoch ergebnislos. Auch die Solaranlage war defekt und viele Bänke standen unrepariert in einer Klasse, obwohl wir bereits im Mai unseren Besuch und die Überprüfung angekündigt hatten. Ich teilte dem Direktor mit, dass wir gemäß unseren Richtlinien die
2. Hälfte
der Bänke im Wert von 2.800 Euro erst liefern würden, wenn alles in Ordnung sei.
Beim Abschied betonte ich, dass für uns die Schüler wichtiger seien als die
Bäume und dass wir uns darüber gefreut hätten, dass nunmehr 562 Kinder das
Collège besuchen.
Auch eine Delegation von Bick-Baskouré war zum Collège gekommen. Der dortige Frauenverein hat bei uns die Finanzierung einer Grundschule beantragt und war mit dem Dorfchef zum Treffen gekommen, da wir selbst keine Zeit hatten, das Dorf zu besuchen. Wir arbeiten gerne mit Frauenvereinen zusammen, da man sich auf afrikanische Frauen mehr verlassen kann als auf Männer, die zum Teil lieber reden als arbeiten. Es schien alles seine Richtigkeit zu haben und daher konnten wir die Finanzierung zusagen und sie auffordern, mit dem Sammeln von Sand und Steinen sofort zu beginnen.
Anschließend ging es weiter nach Bondoudoum. Dieses Dorf ist schwierig zu finden, aber durch unsere satellitengesteuerten GPS-Anlage konnten wir querfeldein fahren und die Schule wieder finden. Als wir 1997 dort die Grundschule bauten, hatten wir das Problem, dass die Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schicken wollten. Daher hatten wir für Jungen und Mädchen jahrelang die Schulmaterialien bezahlt und damit die Einschulung gefördert. Nunmehr sind 148 Kinder in der Schule und die 3 Klassen sind gut belegt. Seit vielen Jahren hat diese Schule einen sehr engagierten Lehrer, der mit einer Lehrerin verheiratet ist, die auch Unterricht erteilt. Sie haben sehr viele Bäume gepflanzt und der ganze Schulhof liegt im Schatten. Alle Bänke waren repariert, die Solarbeleuchtung funktionierte und man hatte über 200 Euro auf einem Sparbuch als Geldreserve angelegt.
Wir wurden
von der ganzen
Dorfbevölkerung stürmisch begrüßt. Die Kinder trommelten und
führten tolle Tänze auf und wir fühlten uns richtig wohl. Der Ärger von Baskouré
war schnell vergessen, denn es gibt eben auch Schulen, bei denen man nur Freude
hat. Wir hatten angekündigt, dass wir uns nur ca. 1 Stunde aufhalten könnten und
so war die Bevölkerung nicht enttäuscht, als wir – ohne zu Essen – wieder
abreisten. Wir sagten zu, den Brunnen von einer Fachfirma kontrollieren zu
lassen, da er nur wenig Wasser hat.
Dann ging es weiter nach Wobzoughin, einer weiteren Vorzeigeschule. Auch diese Schule steht in einem „Wald“, die Solaranlage funktioniert, wenn auch 3 Birnen erneuert werden müssen. Leider fördert der Brunnen kein Wasser mehr und die Bevölkerung hat einen Antrag an PLAN-INTERNATIONAL gestellt, eine neue Bohrung vorzunehmen. 160 Kinder warteten gespannt auf unsere Ankunft und tanzten begeistert. Innerlich zufrieden machten wir uns auf den Rückweg. Da eine Brücke bei den starken Regenfällen eingestürzt war, mussten wir mit dem Allrad einen Bach durchfahren, was Götz jedoch souverän meisterte.
In Koupéla trafen wir die andere Gruppe in einem Lokal wieder. Wir kauften frisches Brot und brachen in Richtung Tandatenga auf, wo wir übernachten wollten. Anselm versuchte per Handy die Verantwortlichen dieses Ortes zu erreichen, um sich nach den Wegverhältnissen zu erkundigen. Da dies nicht gelang und schwarze Gewitterwolken aufzogen, entschlossen wir uns blitzartig, nicht nach Tandatenga zu fahren, sondern in dem von uns gebauten Collège in Dialgay zu übernachten, wo wir eigentlich erst einen Tag später ankommen sollten. Der Nachtwächter war schnell gefunden und schloss uns 2 Klassen auf. Zum Abendessen gab es Baguettes mit dem beliebten Käse „La vache qui rit“ und Getränke besorgten wir uns aus der Dorfkneipe.

Am nächsten
Morgen gingen einige von uns um 6 Uhr in die große Missionskirche von Dialgay.
Der afrikanische Missionar erkannte uns sofort und begrüßte uns vom Altar. Die
Predigt wurde schnell umgestellt und er predigte über die Bedeutung unseres
Vereins und über die Wichtigkeit einer Schulbildung. Im Hochgebet nach der
Wandlung wurde nicht nur für unseren Papst, sondern auch für Charly gebetet -
eine Ehre, die mir bisher noch nicht wieder fahren ist. Danach fuhr die
Allradgruppe nach Tandatenga. Die „Piste“ war so schlecht, dass der Bus
die Strecke nicht geschafft hätte. Auf der Ladefläche hatte der Polizist, der
für unsere Sicherheit verantwortlich war, mit seiner Kalaschnikow Platz
genommen. Die Bevölkerung des Dorfes hatte schlecht beim Bau der neuen
Grundschule mitgearbeitet. Zwar müssen die Schule und die Lehrerhäuser noch
angestrichen werden, aber der Lehrer war schon da und 36 Jungen und 43 Mädchen
besuchten die 1. Klasse. Der Bürgermeister und der Präfekt des Départements
Yargo waren gekommen, aber von der Bevölkerung lies sich kaum jemand blicken. Da
wir im nächsten Jahr in Kokossin eine neue Schule finanzieren wollen, wurden sie
eindringlich über die notwendige Mitarbeit der Bevölkerung informiert. Wir
bekamen 2 Schafe und 4 Hühner geschenkt, di
e
beim Polizisten auf der offenen Ladefläche Platz fanden.
Dann fuhr unser „Viehtransporter“ 35 km weiter in das abgelegene Dorf Donsin. Wir wurden von den 68 Jungen und 70 Mädchen freundlich begrüßt und sie tanzten eifrig für uns. Man hatte alle Bänke vor unserer Ankunft repariert und der Brunnen und das Gebäude waren in Ordnung. Wir waren sehr zufrieden - es war nur ein Kurzbesuch, aber solche Besuche sind wichtig, damit der Kontakt nicht verloren geht.
Zurück ging es „im Schafsgalopp“ nach Dialgay, wo wir unsere lebenden Geschenke abluden.
Anselm, Hannes und ich fuhren sofort mit dem Allrad weiter nach Kidibin, wo wir 1998 eine Schule und Lehrerhäuser gebaut und einen Brunnen gebohrt hatten. Auch hier war alles in Ordnung, die Schule neu renoviert, und wir wurden freundlich von den 169 Kindern aufgenommen. Man bat uns, die dreiklassige Schule auf 6 Klassen zu erweitern. Wir mussten dies aber ablehnen, denn dann wären nur noch 28 Kinder in jeder Klasse und dies ist in Burkina Faso unüblich. Auch hier bekamen wir wieder ein Schaf und einige Hühner geschenkt. Unsere Polizisten, die die ganze Nacht Wache geschoben bzw. uns auf unseren Fahrten begleitet haben, erfreuten wir jeweils mit einem Huhn und einem „Hühnermesser“ – ein stabiles Messer mit feststehender Klinge, das man gut zum Schlachten benutzen kann.
Mittwoch, 10. 11. 2007 – Malte Höpfner
Nach dem Frühstück in Dialgay fuhren wir mit dem Bus nach Tensobetenga, wo ein Kontrollbesuch anstand. Der Schuldirektor teilte uns gleich zu Beginn mit, dass er Charlys Ankündigungsbrief im Mai zwar erhalten, den Termin aber wieder vergessen habe. Diese Ehrlichkeit überraschte uns, schließlich hatten wir vorher schon die ausgefallensten Ausreden und Lügen gehört, wenn es galt, vergessene Absprachen zu rechtfertigen.
Beim Gespräch waren seltsamerweise keine Lehrer oder Elternvertreter anwesend – der Schuldirektor, der auch sonst ein starkes Paschaverhalten an den Tag legte, duldete wohl niemanden neben sich.
Er erzählte uns, dass im gesamten Departement ein großer Lehrermangel herrsche, und dass Ouagadougou wenig unternehme, diesem Problem abzuhelfen. In unseren Reihen kam die Überlegung auf, ob die Regierung damit vielleicht ASAO-Versuche, der Landbevölkerung Schulbildung zu ermöglichen, untergraben will.
Der Schulgarten, den wir besichtigten, war sehr gut erhalten. Wem die Erlöse aus dem Garten zukommen, blieb unklar. Einige Schüler berichteten, dass sie den Garten pflegen müssten, das Geld aus dem Gemüseverkauf aber der Direktor einstreiche – was absolut gegen ASAO-Richtlinien verstoßen würde. Ältere Schüler sagten hingegen, dass der Elternverein den Garten pflege, und die Erlöse bekäme – was sehr positiv wäre. Für mich zeigten diese unterschiedlichen Aussagen mal wieder, dass es für uns Europäer in Afrika unheimlich schwer zu beurteilen ist, wem und was man glauben kann.
Die Solaranlage der Schule war
teilweise beschädigt. Das Panel lief zwar, aber die Batterie war kaputt. Das
hieß, dass die Lampe, die mit dem Solarstrom betrieben werden sollte, zwar
tagsüber brannte, aber nicht abends – und somit völlig unnütz war. Ein
Mitarbeiter des Direktors schätzte, dass mit abends funktionierendem Strom mehr
als 60% der Schüler das Abschlussexamen bestehen könnten, verglichen mit 25%
momentan. Eine funktionierende Solaranlage hätte also sehr positive
Auswirkungen. Warum er in den letzten zwei Jahren – so lange ist die Batterie
schon beschädigt – trotzdem keinen Antrag auf Reparatur gestellt hatte, z.B. bei
SEWA, geschweige denn irgendwelche Versuche unternommen hatte, das zur Reparatur
nötige Geld zu organisieren, konnte er allerdings nicht erklären… Das
Problembewusstsein, und vor allem der Wille, das Problem zu besei
tigen,
sind bei vielen Afrikanern schwächer ausgeprägt, als man sich das als Europäer
wünscht.
Als wir zwei Schulklassen besuchten, fiel mir auf, wie unheimlich stark die Schüler, vor allem die Mädchen, eingeschüchtert waren. Als wir ihnen Fragen stellten, schlugen sie die Augen nieder, sanken in sich zusammen, und ihre Antworten waren so leise, dass man sie kaum verstand. Es blieb unklar, ob dies an der Anwesenheit des Direktors lag oder daran, dass 10 Menschen anderer Hautfarbe, Sprache und Alters, die wie aus einer anderen Welt in das Klassenzimmer platzen, einfach beunruhigend wirken. Vielleicht lag es auch an den Fragen, die ich teilweise zu persönlich fand („wie viele Kinder willst du haben“); Gussi – unsere Burkinabé – meinte aber, dass die von uns gestellten Fragen in Ordnung gewesen seien.
Die Schüler trauten sich auch kaum, uns irgendwelche Fragen zu stellen. Wenn doch, wollten sie interessanterweise immer unsere Namen wissen.
Anschließend fuhr unsere Gruppe Richtung Tenkodogo. Auf der Fahrt sahen wir, dass auf der Gegenspur ein Kleinbus von der Fahrbahn abgekommen, und ins Feld gefahren war. Er war Gott sei Dank nicht umgekippt. Wie sich herausstellte, war während der Fahrt ein Reifen geplatzt. Verletzte gab es glücklicherweise nicht.
In Tenkodogo war das Restaurant sehr gut, und für burkinische Verhältnisse geradezu luxuriös eingerichtet – mit Klobrille auf den Toiletten. Nach dem Essen wurde Harry vermisst. Er war noch kurz in Richtung Markt gegangen und hatte sich wohl mit der Zeit verschätzt. Als er nicht zum verabredeten Zeitpunkt zurückkam, wurde das „Rettungskommando Wilfried“ aufgestellt: Wilfried mietete kurzerhand ein Fahrrad eines umstehenden Burkinabès und machte sich auf die Suche nach Harry. Nach 10 Minuten wurde er fündig, so dass wir vollständig nach Dialgay zurückfahren konnten.
Bei der Feier zur Einweihung der
Schule waren sehr viele Leute anwesend. Der Moderator war sympathisch. Nach
einer kurzen Begrüßung wurden erst christliche Gebete (Vater unser und
Rosenkranz auf Mooré) gesprochen, dann islamische – das fand ich sehr
interessant, wie überhaupt das friedliche Zusammenleben der Religionen in
Burkina sehr beeindruckend ist.
Anschließend erfolgten Reden der Elternvertreter, des Direktors, des Präfekten, eines Abgesandten des Dorfchefs usw.
Der dann folgende Tanz gefiel mir gut: eine Vorsängerin (sie sang in Bissa) gab den Takt vor, fünf Tänzer verschiedenen Alters (vielleicht 16-50 Jahre) stampften mit den Füßen wild auf dem Boden. Für mich sah es aus, als ob sie verschiedene Tiere darstellten. An ihren Beinen hatten sie mit Körnern gefüllte, getrocknete Blätter festgebunden, die wie Rasseln klangen und den Gesang eindrucksvoll ergänzten. Wenn der Vorsängerin Geld für die Gruppe zugesteckt wurde (vom Bürgermeister und uns z.B.), brandete Jubel der Menge auf.
Ein denkwürdiges Ereignis wurde Götz’ Rede: nach ca. 2 Minuten blickten viele der anwesenden Gäste plötzlich zur Sonne und den Wolken und verließen einer nach dem anderen ihre Plätze. Wir waren völlig verwirrt: War Götz’ Rede so langweilig gewesen? Oder war dies ein geplanter Affront? Erst dachten wir, dass die Burkinabè Zeichen am Himmel für bevorstehenden Regen entdeckt hätten – schließlich war der Himmel ganz schön dunkel. Gussi erklärte uns dann aber, dass die Moslems im Publikum anhand des Sonnenstandes erkannt hätten, dass sie ihr Gebet verrichten mussten. Sie durften nun auch wieder Wasser trinken – wir befanden uns im Ramadan – das aus Kanistern verteilt wurde. Die Männer beteten auf einer Seite der Schule, die Frauen auf der anderen. Nach einer Viertelstunde kehrten die muslimischen Feierteilnehmer an ihre Plätze zurück.
Nachdem Götz seine Rede beendet
hatte, bekam Charly Begrüßungsgeschenke überreicht: Sein Ritt auf der
geschenkten Zieg
e sowie seine Luftküsse ins Publikum sorgten für große
Begeisterung. Charly und Götz erhielten jeweils ein traditionelles afrikanisches
Gewand. Diese Geschenke wurden auch der ältesten und jüngsten Teilnehmerin
unserer Delegation überreicht. Es war wiederum Charly, der sich die Herzen der Burkinabè sicherte, als er sich zuerst Birgit und dann Marianne schnappte, um
mit ihnen einen Tanz aufzuführen. Für mich sah er mit seinen ausgebreiteten
Armen und dem gestreiften Gewand wie ein Schmetterling aus, der um seine
Schmetterlingsdame kreist.
Anschließend wurde Charly das Wort erteilt. Bis auf den Satz „Wenn die katholische Mission Bäume pflanzen kann, kann das College das auch schon lange“ kam seine Rede gut an.
Beim Festessen fiel mir auf, dass die örtlichen Honoratioren (Bürgermeister, Hochkommissar, Präfekt, Chef,…) sich voll fressen durften – wie wir natürlich auch – während die Kinder nichts abbekamen, und sogar weggeschickt wurden, wenn sie sich unserer Delegation näherten. Diese große Diskrepanz – die Bonzen und die Weißen oben, die einfache Bevölkerung unten – sowie das Desinteresse, das die wohlhabenden und gebildeten Burkinabè den Problemen ihrer armen Landsleute teilweise entgegenbringen, machen mir immer wieder zu schaffen.
Nach dem Essen wurde die Musik laut aufgedreht, und der Tanz eröffnet. Zu Beginn trauten sich die Kinder des Dorfes noch nicht auf die Tanzfläche. Der Respekt vor diesen weißen Gestalten, die auch noch sonderbar tanzten, schien zu groß zu sein. Dies änderte sich nach einiger Zeit, so dass gemeinsam die Hüften geschwungen wurden. Dabei wurde ein Kreis gebildet, in dem immer wieder neue Tänzer geschubst wurden, ob sie dies wollten oder nicht. Dabei tat sich besonders ein vielleicht 6-jähriger Junge hervor, der unglaublich beweglich war, und zum kleinen Star des Abends avancierte. Charly lieferte sich ein spannendes Tanzduell mit einem Burkinabè, wobei er eine erstaunliche Beweglichkeit unter Beweis stellte.
Gegen 21:30 erhörte der Direktor unsere Bitten, und stellte die Musik aus – sonst hätten die Schüler wohl die ganze Nacht weitergetanzt, und das hätten wir beim besten Willen nicht gekonnt - unser Tag hatte um 05:30 Uhr begonnen.
Donnerstag, 11.10.2007 - Marianne Bischoff
Wir haben die Nacht in Dialgay verbracht. Hier gibt es eine Missionsstation. Wir nutzen die Gelegenheit und besuchen mit einer kleinen Gruppe die Frühmesse um sechs Uhr. Der Gottesdienst mit Gesängen in Begleitung von Trommeln und Rasseln ist viel lebendiger und fröhlicher als bei uns.
Nach dem Frühstück fährt Götz mit unseren jungen Begleitern nach Dagantenga. Wir füllen noch unseren Wasservorrat am Brunnen auf, wobei wir wie immer von einer Schar Kinder umringt sind, die uns gerne helfen. Um 09.00 Uhr verlassen wir Dialgay und fahren nach Tenkodogo. Hier haben wir genügend Zeit, einen Markt zu besuchen. Das bunte Treiben und die Vielfalt an Gerüchen sind immer wieder spannend. Manche kaufen mit Gussis Hilfe Stoffe, sie kennt die Preise und weiß, wie weit man handeln kann.
Um 12.00 Uhr sind wir zu einem kurzen Besuch in dem Mädcheninternat „Collège Marie Reine“ angemeldet, hier hat der Solidaritätskreis vor einigen Jahren vier Schulklassen gebaut. Auch die Allrad-Gruppe kommt hier hin. Sie haben vier Schafe auf dem Pick-up, die wir in den vergangenen Tagen als Gastgeschenke bekommen haben. Sie finden in dem Internat ein neues zu Hause. Der Brief mit der Ankündigung unseres Besuches ist nicht angekommen, so dass die Schwestern für uns ein Essen improvisieren müssen. Es gibt Püree und Baguettes mit Tomaten, für unsere Verhältnisse ein ganz passables Mittagessen.
Unser Mitreisender Zivi Mark
us
ist krank geworden. Er hat Fieber bekommen. Vermutlich hat er Malaria. Er fährt
in Begleitung der zwei anderen Zivis Jonas und Hannes mit einem Linienbus zurück
nach Ouagadougou.
Um 14.00 Uhr verlassen wir das Collège mit dem Ziel Yondé. Wir sind nahe der Grenze zu Togo, wo es häufiger Überfälle durch Straßenräuber gibt. Da wir aber in Begleitung einer Polizeieskorte fahren, haben wir dennoch ein sicheres Gefühl. Die Stimmung im Bus ist gut, es gibt viel zu lachen und nach einer kurzweiligen Fahrt kommen wir um 16.00 Uhr in Yondé an. Hier hat ASAO 2004 ein Collège gebaut. Die Schüler bereiten uns einen herzlichen Empfang.
Nachdem wir die Zelte aufgebaut haben, bekommen wir von der Dorfbevölkerung ein Abendessen serviert. Bei kühlen Getränken feiern wir Hans-Günter Haases Geburtstag und diskutieren noch lange über das Thema
„Entwicklungshilfe“. Wir sind uns einig darüber, dass die Hilfe den Menschen so nahe gebracht werden muss, dass man ihre Ehre und Würde nicht verletzt.
Freitag, den 12. 10. 2007 – Cornelia Arimond
Gleichzeitig mit dem Sonnenaufgang öffnen sich nach und nach die Zelte und wir sind bereits um 6.30 Uhr alle wieder auf den Beinen. Dabei haben wir heute viel Zeit, da die Feierlichkeiten in Yondé erst um 10.00 Uhr beginnen.
Wir genießen es, langsam in die Gänge zu kommen, ausgedehnte Körperpflege zu betreiben und die Reisetaschen neu zu sortieren und zu schauen, ob sich denn noch ein schönes, sauberes Kleidungsstück für die Feier findet. Oft genug kommen wir verschwitzt und verstaubt kurz vor Beginn eines Festes an, so dass leider keine Zeit mehr zum Umziehen bleibt. Also heute Genuss pur!
Zum Frühstück nehmen wir gemütlich unter den schon recht großen Bäumen vor der Schule Platz und es entsteht eine interessante Unterhaltung über die Eindrücke der vergangenen Tage.
Von Anselm wollen wir wissen, wie man uns „Weiße“ bzw. speziell uns “Deutsche“ hier betrachtet. Anselm versichert uns, dass die Deutschen hier sehr geachtet werden und sowohl mit den Begriffen Qualität und Zuverlässigkeit verbunden werden, als auch mit dem Thema Fußball.
Einige von uns haben Bedenken, dass man uns auch schnell wieder anders sehen könnte, denn
der erhobene Zeigefinger, wenn z.B. nicht genug Bäume gepflanzt wurden oder Bänke nicht repariert wurden, erscheint uns nicht als der richtige Weg.
Mit Anselm überlegen wir, wie wir die Menschen hier am besten erreichen können, damit sie selbst zu der Einsicht kommen und diese Arbeiten aus sich heraus tun. Vielleicht motivieren hierbei die guten Beispiele einiger Schulen, denen es im Handumdrehen gelungen ist, Sand und Steine zu sammeln, um innerhalb kürzester Zeit mit dem Schulbau beginnen zu können. Es gibt inzwischen genügend Beispiele, wo die Baumpflanzung sich sehen lassen kann.
Vielleicht können sich die Lehrer - was die Pflege der Bäume anbelangt- etwas in Richtung Übernahme von Baum-Patenschaften durch die Kinder überlegen.
Uns wird erst jetzt bewusst, dass Anselms Position als Repräsentant des Vereins sehr viel Fingerspitzengefühl verlangt. Er fungiert sozusagen als Vermittler zwischen den Welten.
Wir bitten ihn, uns rechtzeitig die erforderlichen Verhaltensregeln mitzuteilen, damit wir nicht ins Fettnäpfchen treten und die Würde der hiesigen Menschen verletzen.
Anselm will von mir wissen, was in Deutschland besser ist. Natürlich gibt es vieles, was bei uns besser ist. Afrika hinkt noch mindestens 50 - 60 Jahre hinterher, denn vieles erinnert mich an die Zeit meiner Kindheit, wie z. B. kinderreiche Familien, Großfamilie mit mehreren Generationen, auf dem Land hatte jeder seinen Garten, über die Grundnahrungsmittel hinaus gab es wenig zu kaufen, Autos gab es nur wenige, in vielen Orten gab es nur maximal 2 Schulklassen für das 1. – 8. Schuljahr, die wenigsten Haushalte hatten eine Waschmaschine und das Herzhäuschen hinterm Haus war Standard.
Deutschland hat eine rasante Entwicklung gemacht, aber auch bei uns ist nicht alles Gold was glänzt. Besorgniserregend finde ich die Veränderungen in den Familienstrukturen (wenig Kinder, viele Alleinerziehende, viele Singles), aber auch die Zunahme der Arbeitslosigkeit sowie der zunehmende Werteverlust und das Absinken des Leistungsniveaus an unseren Schulen.
Ich bin zuversichtlich, dass aufgrund der zunehmenden Schulausbildung und der Verbreitung der modernen Kommunikationsmittel sowie der Aufgeschlossenheit der jungen Bukinabè zwangsläufig positive Veränderungen in Burkina eintreten werden.
Während unserer Unterhaltung herrschte gegenüber auf dem Festplatz rege Betriebsamkeit.
Charly erzählt, dass es vor dem
Baubeginn der Schule in Yondé Ärger gegeben hat, weil die Bevölkerung nicht so
richtig mitarbeiten wollte, und
jetzt gibt es hier gleich den nächsten Ärger: Um
10.00 Uhr sollte die Feier beginnen, das Zelt ist fertig aufgebaut und es sind
auch schon viele Menschen versammelt. Wir erfahren, dass man noch auf die
Ankunft des Haut Commissaire wartet. Charly ist sauer und beschließt um 10.30
abzufahren, Feier hin oder her! Schließlich kommt unser gesamter Tagesablauf
sonst durcheinander.
Die Veranstalter haben anscheinend verstanden und um 10.30 sitzen wir unterm Festzelt.
Nach der Begrüßung wird die burkinische Flagge gehisst. Die Schüler heißen uns mit einem in französisch, Deutsch und Moré- der Landesprache- gesungenen Lied Willkommen. Ein Schüler berichtet über die Notwendigkeit dieser Schule und bedankt sich im Namen aller Schüler und Eltern für die Errichtung. Jede Klasse hat mehr als 100 Schüler. Hier sind die Kinder aus 24 Orten auf 4 Schulklassen aufgeteilt und die im Oktober 2007 einzuschulenden Kinder werden wahrscheinlich vorläufig draußen unter den Bäumen unterrichtet, bis ASAO im kommenden Jahr ein weiteres Gebäude mit 4 Klassen baut.
Der Haut Commissaire erscheint erst um 11.15 Uhr. Pech gehabt! Nun kommt ihm sicher nicht mehr die von ihm erwartete Aufmerksamkeit zu.
Es folgen noch diverse Ansprachen und eine Gruppe Männer führt einen Tanz auf. Anschließend werden wir in einen der Klassenräume zum Büffet mit Couscous, Spaghetti, Reis, To (ein Hirsegericht), gebratenen Hähnchenteilen, und frittierten, kalt servierten Kartoffelspalten eingeladen. Alles wohlschmeckend zubereitet.
Wir verabschieden uns um 12.15 Uhr von Yondé und fahren gleichzeitig mit dem Haut Commissaire ab und begeben uns zur nächsten Veranstaltung nach Yargatenga, und zwar in Begleitung von zwei bewaffneten Polizisten auf dem Motorrad.
Etliche Straßenkilometer zeigen sich als wunderschöne Alleen mit sicher 100 Jahre alten Bäumen, die wohl noch von den Franzosen gepflanzt wurden. Unterwegs sehe ich etliche Hinweisschilder, die auf Projekte der Deutsch-Burkinischen Freundschaft aufmerksam machen.

Wir treffen pünktlich in Yargatenga ein, wo wir von sicherlich 1000 Menschen erwartet werden. Eine Gruppe mit Trommeln und Rasseln empfängt uns am Bus und man geleitet uns über einen Weg, der an beiden Seiten mit weiß bemalten Steinen eingefasst ist. Entlang dieses Weges stehen die Kinder und heißen uns unter Beifall Willkommen.
Hier herrscht eine besonders gute Atmosphäre und das Zusammenleben unterschiedlicher Religionen scheint nicht nur hier, sondern generell in Burkina, unproblematisch zu sein. Aus dem Lautsprecher ertönt schon Musik und hier funktioniert sogar das Mikrophon.
In seiner Ansprache hebt der Chef die Arbeit von ASAO besonders hervor und der tosende Beifall spiegelt die Dankbarkeit und Anerkennung der hiesigen Menschen eindrucksvoll wieder. Aus dem Hintergrund macht eine Gruppe Frauen lautstark auf sich aufmerksam, die sich, wie sich später rausstellt, mit einem Tanz bedanken möchte.
Charly und Götz erzählen mir
später, was sich hier im Vorfeld abgespielt hat: ein hiesiger Politiker wollte
sich das Collège auf seine noch leere „Erfolgsfahne“ schreiben. Da der
beantragende Verein aber damit nicht einverstanden war, forderte der Politiker
die umliegenden Dörfer auf, kein Material für das Projekt zu sammeln, indem er
gegen besseres Wissen behauptete, dass der örtliche Verein von ASAO Geld für den
Ankauf des Materials erhalten habe und es anderweitig ausgegeben habe und
deshalb die umliegenden Dörfer unentgeltlich das Mate
rial sammeln sollten. Durch
Zufall und Dank Internet wurde Götz auf die Geschichte aufmerksam und setzte
Anselm in Kenntnis. Dieser stellte nach einer Drohung aus Sicherheitsgründen die
Arbeiten ein und forderte das Ministerium auf, in dem Streit zu vermitteln,
damit das Collège in Yargatenga gebaut werden kann. Nach einem klärenden
Gespräch im Ministerium konnte 2006 die Schule weitergebaut werden und die
Bevölkerung weiß zu schätzen, was ASAO hier geleistet hat.
Nach den üblichen Ansprachen und Tänzen erhalten Charly und Anselm schöne Gewänder überreicht. Charly zieht das „Wohlfühlgewand“ in blau-weißen Streifen mit dazu passender Schlumpfenmütze sofort über und lässt es sich nicht nehmen, auf dem ebenfalls geschenkten Ziegenbock einen kühnen Ritt vorzuführen.
Schöner hätte dieses Fest nicht enden können, als dass Schwarz und Weiß über diese Vorführung herzlich zusammen lachten.
Samstag, 13. 10. 2007 - Wilfried Mildenberger
Am Samstag, den 13. Oktober,
brechen wir um 08.30 Uhr in Yargatenga auf. Unser erstes Etappen-ziel an diesem
Tag heißt Bittou. Götz fährt heute mit dem Allrad nach Garango und
soll abends in Bagré wieder zu uns stoßen. Über eine holprige Seitenstraße
erreichen wir nach etwa einer halben Stunde die asphaltierte Hauptstraße, die
Bukina Faso mit Togo verbindet. Bis Bittou sind es jetzt noch 45 km. Als wir an
einer Zollstation kurz anhalten, umringen sofort einige Kinder unser Fahrzeug
und bieten ihre Waren feil. Heute sind Papiertaschentücher, Obst und
Hirsegebäck im Angebot. Als wir weiterfahren, fällt uns plötzlich ein, dass wir
in Yargatenga den Schafbock vergessen haben, den uns die Dorfbevölkerung
geschenkt hat. Hoffentlich verzeiht man uns diesen Fauxpas. Na wenigs
ten
die zwei Hähne, die wir ebenfalls geschenkt bekamen, sind mit an Bord. Mit
gefesselten Beinen sind sie auf dem Dachgepäckträger festgebunden. Unterwegs
schlagen sie so heftig mit den Flügeln, dass sie vom Dach herunterfallen und nun
kopfüber hängend durch das Seitenfenster in den Bus hineinschauen. Als uns auf
der Straße drei Kinder entgegenkommen, halten wir an und schenken ihnen die
Hähne. Überglücklich laufen sie damit ins Dorf. Hoffentlich hält man sie daheim
nicht für Hühnerdiebe.
Seit einer Woche ist Malte, ein Student aus Heidelberg, der in Ouagadougou ein Auslandssemester absolviert, mit uns unterwegs. In Bittou verabschieden wir uns von ihm. Mit vielen neuen Eindrücken von Bukina Faso fährt er mit einem Linienbus wieder zurück in die Hauptstadt.
In Bittou, wo eine bereits
bestehende Schule um ein Gebäude erweitert wurde, empfängt uns nur eine kleine
Delegation. Wir haben uns zwar schriftlich angemeldet, aber unser Brief ist
angeblich nicht angekommen. Am kommenden Montag soll nach Beendigung der Ferien
der Schulbetrieb wieder beginnen. Aber danach sieht es hier nicht aus. Der
gesamte Schulhof ist mit Unkraut überwuchert, der Brunnen ist defekt, in dem
neuen Schulgebäude stehen jede Menge defekte Bänke und in einem Klassenraum
zeugt der Eselsmist in der Ecke davon, dass man die Schule als Stall benutzt
hat. Nachdem Charly mit den Verantwortlichen „Tacheles“ geredet hat und die
Lieferung weiterer Schulbänke abgelehnt hat, werden wir dennoch zum Essen
eingeladen. In dem Lokal verbringen auch einige Damen ihre Mittagspause, die
nach ihrer Kleidung und ihrem Make-up zu urteilen, offenbar einem bestimmten
Gewerbe
nachgehen.
Nach dem Essen setzen wir unsere Fahrt fort und erreichen um 15.30 Uhr unser Tagesziel. In Bagré kommt es uns vor, als hätten wir eine Oase in der Wüste gefunden. Ein aus dem Ort stammender junger Mann, der in Ouagadougou einen Catering-Service betreibt, hat ein reichhaltiges Buffet aufgebaut, es gibt sogar Tischdecken und Stoffservietten. Als die Sonne untergeht bauen wir zügig unsere Zelte auf, denn schon eine halbe Stunde später wird es stockdunkel sein.
Die Gendarmen, die uns schon seit einigen Tage zum Schutz vor Straßenräubern begleiten, unterhalten sich die ganze Nacht hindurch so laut, dass man glauben könnte, sie wollten möglichen Räubern die Anwesenheit einer ganzen Kompanie vortäuschen.
Die Allrad-Gruppe berichtet begeistert von der Feier in Garango. Schon vor der Stadt werden sie von einer Delegation erwartet, darunter der Bürgermeister und der Gouverneur des Nordostens, der aus Garango stammt und dem Verein seit Jahren als Generalsekretär des Bildungsministeriums bekannt ist. Gemeinsam fahren sie zum Versammlungsplatz an dem 2006 eröffneten Collège, wo sie von einer großen Menschenmenge erwartet werden. Offizielle Reden aber auch Tanzdarbietungen, Gesänge und ein eindrucksvolles Theaterstück über die Bedeutung der schulischen Bildung stehen auf dem Programm. Bei der anschließenden Besichtigung erfahren sie, dass das im letzten Jahr eröffnete Collège aus allen Nähten platzt: es gibt 327 Schüler, davon 60 % Mädchen, man hat 2 Eingangsklassen mit jeweils 116 Schülern neu eingeschult. Da unser Verein bisher nur die Hälfte der Bänke geliefert hat, sitzen die Kinder zu fünft in einer Bank. Wir versprechen sofort weitere Bänke zu liefern.
Sonntag, 14.10.2007 - Wilfried Mildenberger

Sonntags morgens um neun brechen wir wieder auf. Unterwegs sehen wir Reisfelder und einen Staudamm. Hier leisten die Chinesen Entwicklungshilfe. Sie bauen außerdem auch Schulen. Die Straßen sind trotz der Überschwemmungen der vergangenen Wochen wider Erwarten durchweg in gutem Zustand, so dass wir zügig vorankommen. Um 11.15 Uhr erreichen wir den Ort Béka, wo wir eine Grundschule erweitert haben. Die Bevölkerung bereitet uns mit Musik und Tänzen einen freudigen Empfang.
Da wir gut in der Zeit liegen, beschließen wir, an diesem Tag noch bis nach Tiébélé weiter zu fahren. Unterwegs machen wir auf Wunsch unseres Mitreisenden Wolfgang Nieländer einen Abstecher nach Guelwongo, ein Ort im Grenzgebiet zu Ghana, wo er früher einmal geschäftlich tätig war. Man kennt ihn noch und so werden wir von der Bevölkerung herzlich aufgenommen. Wir dürfen sogar den Hof des Dorfchefs besichtigen und die Häuser des Gehöfts betreten, was für Fremde hier sicher keine Selbstverständlichkeit ist.
Nachmittags erreichen wir unser
Tagesziel Tiébélé, wo wir in einem „Hotel“ übernachten. Das Hotel besteht
aus mehreren Rundhäusern, deren Komfort aus einem Doppelbett mit Moskitonetz,
einer
Sitzgelegenheit, einem Ventilator
sowie Haken und Spiegel an den Wänden besteht.
Die Duschen und Toiletten waren im Freien. Der Hotelier kann für so viele unerwartete Gäste nur Spaghetti zum Essen anbieten. Nach Einbruch der Dunkelheit sitzen wir noch einige Zeit gemütlich im Innenhof des Hotels zusammen und lassen den Tag Revue passieren.
Montag, 15. 10. 2007 - Hans Günter Haase
Diese Nacht verbrachten wir in einem Hotel afrikanischer Art. Wir zogen es trotzdem vor in unseren Zelten auf dem Hotelgelände zu schlafen. Marianne und Wilfried hatten ihr Zelt auf dem Dach einer Hütte (Zimmer) aufgestellt. Harry und Wolfgang übernachteten in jeweils einem der zwei angemieteten Hütten. Am Morgen war Harry nicht sehr gesprächig, weil es wohl doch unangenehm warm in den Hütten war.
Mit einem ausgiebigen Frühstück an einem richtigen Tisch, was auf unserer Reise eine seltene Ausnahme war, begann der Tag. Allerdings musste ein Teller mit 4 gebratenen Eiern für alle reichen. Charly bezahlte 47.000 FCFA für alles, inklusive Abendessen, Getränken, Übernachtung und Frühstück, was etwa umgerechnet 6,50 Euro pro Kopf ausmachte.
Nachdem wieder alles gepackt und
verladen war, meldeten wir uns bei der Gendarmerie ab und fuhren etwas außerhalb
des Ortes zu einem Gehöft, das - gegen Bezahlung natürlich - mit einem Führer
besichtigt werden konnte. Von der Piste aus nicht einsehbar, da mitten in einem
Hirsefeld gelegen, war es eine sehr gut erhaltene und instandgesetzte
traditionelle Wohnanlage einer Großfamilie von ca. 50 Leuten, die dort auch
heute noch wohnen. Die Hauswände waren über und über mit verschiedenen Mustern
und Symbolen bemalt. Die
Bedeutungen der Malerei und die Anordnung der
verschiedenen, ineinander übergehenden Behausungen wurden uns erklärt. Die
Inneneinrichtung einiger Hütten konnte besichtigt werden und zum Schluss führte
der Weg unweigerlich durch den „Museumsshop“, wo einige von uns noch kleine
Erinnerungsstücke erstehen konnten.
Unsere 2 Polizisten, die selbst in Tiébélé wohnten und Zuhause übernachtet hatten, erreichten uns dort auch wieder und begleiteten uns wie gewohnt auf guter Piste nach Po. Weil diese Gegend in der Nähe der Grenze zu Ghana als etwas unsicher gilt, schlossen wir uns nun einer regulären Kontrollfahrt der Gendarmerie, bestehend aus 7 bewaffneten Polizisten auf einem offenen Allradwagen, auf der N5 in Richtung Norden an. Mit dieser Begleitung hatten wir freie Fahrt und ersparten uns dann auch noch die Péage für diese Strecke. Ab Nobili begleitete uns dann die örtliche Polizei.
Unterwegs in Manga, bei einer kurzen Mittagspause für eine Cola in einem Restaurant, wurden wir für Afrika blitzschnell bedient. Es gab dort sogar unterschiedliche Freilufttoiletten für Frauen und Männer.
In Gogo angekommen wurden wir herzlich vom Bürgermeister, dem Schuldirektor, dem Dorfchef und weiteren wichtigen Personen empfangen. In der 2005 vom Verein errichteten Hauptschule (Collège) war noch Unterricht. Bei den Gesprächen waren wir im positiven Sinne erschrocken über die große Anzahl der Schüler, die in der Zwischenzeit die Schule besuchen. Es gab alleine im jüngsten Jahrgang knapp 300 Schüler, so dass alleine hier 4 Klassen gebildet werden mussten. Auch bei den 3 weiteren, älteren Jahrgängen waren alle Klassen sehr gut besucht. Da es ja nur die von uns erstellten 4 Klassenräume gab, musste auf anderweitige Räumlichkeiten ausgewichen werden. Teilweise musste eine Klasse im Freien warten, bis die andere ihr Pensum beendet hatte, um sich dann mit dieser abzuwechseln. Auch ein Lehrerhaus wurde so als Klassenraum genutzt. Die verbliebenen 2 Lehrerhäuser mussten sich die vorhandenen 8 Lehrer teilen, so dass jeweils 4 Lehrer in einem Haus wohnten.
Nach Kenntnis dieser Zustände, die man getrost als Notstand bezeichnen kann, wollte Charly noch einmal genau nachrechnen und überlegen, wie man in Gogo die Not etwas lindern kann, zumal für 2008 kein Antrag gestellt worden war. Beim Besuch der einzelnen Klassen waren die überwältigende Anzahl der Schüler und die Enge in den Klassen festzustellen. Erfreulich war, dass etwas mehr als 50% der Schüler Mädchen waren. Anselm klärte die Schüler über die Wichtigkeit der Bäume für Schatten und das Mikroklima auf und schlug vor, dass jeder Schüler für seinen Baum die Verantwortung für Pflanzung, Pflege und Gießen übernimmt.
Ihre Freude über unseren Besuch gaben junge
Mädchen und Frauen in farbenprächtigen Gewändern mit traditionellen Tänzen
Ausdruck. Noch lange in der Nacht waren die Trommeln im
Dorf zu hören.
Übernachtet wurde vor dem Verwaltungsgebäude, in dessen Flur unser Gepäck
gelagert wurde. Götz und Hans stellten ihr Zelt als Wächter direkt vor die nicht
abschließbare Tür. Das Abendessen wurde unter dem grandiosen afrikanischen
Sternenhimmel eingenommen. Heute Abend feierte Harry den Geburtstag seines
Sohnes Emanuel, was wieder einmal 2 Kisten Getränke für die Gruppe einbrachte.
Das Duschen fand im Freien neben der Schule im Schutze der Dunkelheit statt.
Alle waren sehr müde und einer nach dem anderen verabschiedete sich in sein
Zelt. Kurz danach waren nur noch unüberhörbar die „Schlafgeräusche“ zu
vernehmen. Störende Tiere oder sonstige Zeitgenossen wurden so mit Sicherheit
vertrieben.
Dienstag, den 16. 10. 2007 – Dr. Harry Kunz
Am nächsten Morgen folgt in Gogo das tägliche Ritual: Die Suche nach der Schultoilette, dem Wasser für die Dusche und dann nach einem stillen Plätzchen, wo man sich halbwegs ungestört waschen kann. Diese Suche gestaltet sich durchaus schwierig, gilt es doch, nicht nur aus dem Blickfeld der jugendlichen Wächter zu entschwinden, die unseren geruhsamen Nachtschlaf bewachten, sondern auch der rasch größer werdenden Zahl von Schulkindern zu entrinnen, die schon ab sechs Uhr zum Schulgelände kommen und mit großem Interesse beäugen, was wir fremden Eindringlinge treiben.
Nach Zeltabbau und Frühstück
starten wir nach Sampogretinga. Zunächst über eine nicht geteerte
Nationalstraße, bald aber auf einer gut ausgebauten Straße, die von Ouagadougou
nach Ghana führt. In Kombissiri, einer größeren, zusammen mit den
umliegenden Orten etwa 64. 000 Einwohner zählenden Stadt machen wir an einem
Restaurant einen Zwischenstopp, dessen angenehmes Äußeres die Hoffnung auf
gekühlte Getränke weckt. Beim Eintreten in den „Biergarten“ – rechts der
Schankbereich, links die offene Restaurantküche - sind wir überrascht:
Blitzblank gescheuerte Töpfe hängen an der Wand, sauberes Emaillegeschirr, davor
eine auf einem Hocker sitzende Restaurantbesitzerin, die mit den
Essensvorbereitungen beginnt. Kartoffeln und Gemüse werden geschält, ein
Kochfeuer entzündet. Schade, dass es um 10.30 Uhr für ein Mittagessen noch zu
früh ist! Unser Erstaunen verwandelt sich in Verwunderung, als uns die
Besitzerin auf Deutsch anspricht und erzählt, dass sie schon in Heidelberg ihren
Bruder besucht und auch München besichtigt habe. Im weiteren Gespräch zeigt sich
die gestandene Restaurantbetreiberin dann aber auch als Sinnbild für die
Widersprüchlichkeit ihres Landes: Einerseits eine geschäftstüchtige
Unternehmerin, die mit ihrem Restaurant augenscheinlich ein auskömmliches
Einkommen erwirtschaftet und einer staatlichen Alimentierung durch eine
vermutlich beziehungsreich vermittelte
Scheintätigkeit in keiner Weise bedarf.
Tatsächlich verfügt sie aber dennoch über ein zweites Einkommen als
Schulsekretärin eines Gymnasiums (Lycée). Zwei Frauen seien dort angestellt,
aber bei einem Arbeitsplatz könne – „malheureusement“ – leider nur die andere
arbeiten ... Wir verlassen unsere geschäftstüchtige Restaurantfachfrau und
Heidelbergkennerin mit einem zwiespältigen Eindruck: Weniger als eine Stunde
zuvor hatten wir eine offensichtlich kluge junge Frau an einer Mautstelle der
Straße getroffen, die für die Arbeit als Schulsekretärin sicherlich ebenso
geeignet wäre. Deutlich überqualifiziert kann sie stattdessen ihre
Fremdsprachenkenntnisse und ihr Wissen um binomische Formeln der Mathematik nur
dazu einsetzen, uns ihre Pampelmusen auch in französischer Sprache anzubieten
und darauf zu bestehen, diese nicht einzeln, sondern nur im Fünferset zu
vertreiben.
Weiter geht es zunächst auf gut befahrbarer Straße im Großraum Ouagadougou, dann auf einer Piste nach Sampogretinga. Dort gibt es wieder einen herzlichen Empfang und die Unterbringung in einem extra für uns geräumten Lehrerhaus. Umringt von zahllosen Kindern und Jugendlichen – wir haben bei beginnender Dunkelheit unsere Zelte auf einem Hauptweg ins nahe gelegene Dorf errichtet – kommen wir noch mit den Lehrern ins Gespräch. Während die beiden Lehrerinnen eher zurückhaltend und unsicher wirken, entspinnt sich mit drei Lehrern eine interessante Diskussion. Irritiert und interessiert an Götz Kriegers Rede haben sie die Passagen, in denen er die Bedeutung der Familien in Afrika hervorhob und auf die Probleme des „alternden Europas“ hinwies. Zu wenige Kinder als ein gesellschaftliches Problem, - das ist unseren Gesprächspartner unbekannt, die sehr wohl um die Folgeprobleme der hohen Geburtsraten in ihrem Land wissen und selbst nur je zwei Kinder haben. Die deutschen Diskussionen um Schulschließungen wegen Kindermangels müssen ihnen absurd erscheinen, sind sie doch gezwungen, in Klassen mit 80 und mehr Kindern zu unterrichten, wobei aufgrund fehlender Bänke so manches Kind auf dem Estrichboden Platz nimmt. Zu wenige Kinder und doch viele unglückliche Heranwachsende im reichen Deutschland. Reichtum an und massenhafte Armut von Kindern in Burkina Faso – ein unerschöpfliches Thema für abendliche Diskussionen.
Mittwoch, den 17.10.07 – Dr. Harry Kunz
Ein erster Hinweis auf das
nahende Reiseende gibt das Frühstück: Das letzte Stück mitgebrachter Wurst ist
gegessen, die Baguettes-Brote sind wie versteinert und die Suche nach Zucker
bleibt erfolglos. Umso schneller geht der Aufbruch vonstatten: Auf der Fahrt
nach Koti müssen wir zunächst den Stadtring Ougadougous in westlicher Richtung
befahren. Vorbei geht es an „Ougadougou 2000“, einer mit lybischen
Geldern finanzierten Prestigesiedlung, deren Hoch- und Luxusbauten wie
Fremdkörpe
r in einer Stadt wirken, die eher als ein riesiges Dorf, denn als eine
Großstadt anmutet. Weiter entlang endloser aneinander gereihter Miniläden,
Straßenverkaufsstände und Märkte in die Stadt hinein und dann wieder
stadtauswärts. „Der Diesel gestern war wohl schlecht“, schimpft unser Fahrer
Götz, als unser Allrad das Beschleunigen verweigert. Doch bald ist klar: Das
Auto hat einen Schaden. Wir müssen zurück in die Stadt zu einer Werkstatt, vor
deren Toren ein Sammelsurium alter Schrottautos als Ersatzteillager fungiert.
Drei Mechaniker gleichzeitig stecken ihre Köpfe unter die Wagenhaube, schon bald
wird der Schaden behoben sein. Wie gut, dass es Handys gibt:! Wir rufen Gussi im
Bus an, vereinbaren blitzartig einen Treffpunkt und ein Teil der Allradbesatzung
steigt in den Bus um und fährt dort mit.
Wieder verlassen wir die Stadt
und fahren auf kerzengerader, guter Fahrstrecke westwärts. Plötzlich schreckt
uns ein lautes, wiederkehrendes Knallen auf. Langsam bremst der Bus ab, kommt
schließlich zum Stehen. Erschrocken steigen wir aus dem Bus und betrachten den
völlig zerfetzten Hinterreifen. Während unser Busfahrer den altersschwachen
Wagenheber vergeblich in Stellung zu bringen versucht, haben die Übrigen Zeit
für Betrachtungen am Wegesrand. Schon bald sind wir nicht mehr
allein. Zwei
Hirten treiben ihre ansehnliche Rinder- und Ziegenherde an uns vorbei. Dann hält
plötzlich ein Allradfahrzeug. Trudy, eine Amerikanerin auf Westafrikatrip und
ihr Reiseleiter, der Ghanaer Godfried, bieten ihre Hilfen an. Dank Godfrieds
modernem Wagenheber ist der Ersatzreifen rasch montiert und gemeinsam mit dem
inzwischen ebenfalls eingetroffenen Allradfahrzeug setzen wir die Reise fort.
In Kounamo besuchen wir eine neu eröffnete Grundschule, deren erste Schulklasse 94 Kinder, davon 42 Mädchen, umfasst. Darunter sind auch vier Zwölfjährige und einige zehn- und elfjährige Kinder, die bislang keinen Zugang zu einer Schule hatten. Stolz berichtet man uns, dass auch 5 Mädchen und 2 Jungen aus dem Volksstamm der Peulh in der Klasse integriert seien. Die Peulh leben über mehrere Länder Westafrikas verbreitet traditionell als Nomadenvolk als Zebu-, Ziegen- oder Schafhirten. Dies verleiht ihnen - außer in Dürreperioden - eine gewisse wirtschaftliche Unabhängigkeit. Wie bei Nomadenvölker andernorts ist bei ihnen die Bereitschaft, ihre Kinder in die Schule zu schicken, gering. Sicher eine Konsequenz der nomadischen Lebensweise, die zusätzlich noch durch die Sorge verstärkt werden mag, dass ihre traditionelle Lebensweise durch „gebildete“ Kinder in Gefahr geraten könnte.
Weiter geht es nach Koty, wo wir an der Einweihung eines Collège teilnehmen. Den Feiern angeschlossen haben sich auch Godfried und Trudy. Godfried feiert kräftig mit und auch Trudy wird ein Einblick in westafrikanisches Dorfleben und das Feiern eröffnet, welches Touristen üblicherweise verwehrt bleibt.
Donnerstag, den 18.10.07 – Dr. Harry Kunz
Das morgendliche Frühstück wird
durch den von Trudy nicht ohne Stolz präsentierten Filterkaffee aufgebessert.
Anschließend verabschieden wir uns von Godfried und von Trudy, die wir im
Flugzeug nach Paris bald wieder sehen werden, und fahren nach Kalembouly
und Siby. Dort besuchen wir zunächst die 2006 gebaute und eröffnete
weiterführende Schule (Collège). Im zweiten Jahr platzt sie bereits aus
allen Nähten. Schon die beiden eingeschulten Jahrgänge bewirken, dass nun
insgesamt 335 Kinder in vier Schulklass
en
dicht gedrängt in den Klassenzimmern sitzen. Teilweise quetschen sich fünf
Kinder und Jugendliche auf einer Bank, teilweise sitzen sie sogar auf dem Boden,
da der Solidaritätskreis normalerweise erst nach 2 Jahren die übrigen Bänke
liefert. Ob man so mathematische Formeln und französische Grammatik gut lernen
kann? Götz versprach, möglichst schnell Abhilfe zu leisten und die restlichen
Bänke anliefern zu lassen.
Nur wenige Kilometer entfernt besichtigen wir das Dorf Kalembouly, in dem 2008 von uns eine Grundschule gebaut wird. Salutschüsse aus Uraltgewehren begleiten unseren Aufmarsch zur Feier, wo neben Maskentanz und Musik uns vor allem Kinder und Jugendliche in perfekter Choreografie mit ihren, in immer neuen Variationen vorgetragenen Willkommensliedern in Erinnerung bleiben.
Nach dem anschließenden Essen im Anwesen des örtlichen Bürgermeisters geht es weiter nach Tio, wo in vier Klassen 283 Kinder unterrichtet werden und in diesem Jahr die Grundschule von uns um weitere 3 Klassen erweitert wurde Die Feier in diesem Ort gestaltet sich als lustiges Durcheinander. Vieles ist improvisiert, von einer einstudierten Choreographie, die uns wenige Stunden zuvor in Siby noch beeindruckte, ist nichts zu sehen. Manche versuchen spontan zu tanzen, was bei ungeübten Tänzern auf der ganzen Welt bisweilen ungelenk wirkt. Andere nehmen die Marotten von uns Europäern auf die Schippe: Unvergessen bleibt die Einlage einer Frau, die mit einem Spielzeughandy vor uns kniend unsere typischen Fotografierposen nachahmt und uns so einen Spiegel vorhält. Keiner von uns traut sich, sie dabei zu fotografieren…
Umringt von Kindern und Jugendlichen bauen wir nach dem Fest schließlich unser Zeltlager für die Nacht auf. Ein leer geräumtes Klassenzimmer dient als Material- und Gepäcklager, die Suche nach einer Toilette gestaltet sich im Dunkel der Nacht wie immer schwierig.
Freitag, 19. 10. 2007 – Erika Froning
In der letzten Nacht haben uns viele Dorfbewohner „bewacht“, die sich auf den Schulbänken gelagert hatten. Nach ausgiebiger Erfrischung in der „Dusche“, einer Rundung aus Hirsestroh geflochten mit Wassereimer und Schöpfgefäß, die gestern Abend für uns aufgebaut wurde, stärken wir uns mit allen Resten, denn es ist unser letzter Reisetag in Burkina. Auf dem Weg nach Ouagadougou werden wir die Grundschule in Bazoulé besuchen. Der Ort ist etwa 30 km von der Hauptstadt entfernt. Alles wird verstaut und wir starten pünktlich um 9.00 Uhr. Die Straße ist gut, so kommen wir schnell vorwärts.
In Koudougou, einer größeren Stadt, erlauben wir uns eine Colapause, denn die Einweihung ist um 12.00 Uhr angesetzt. Gegenüber dem Lokal hat ein Maler sein Atelier, er malt alltägliche Situationen, Landschaftsbilder, auch kritische Themen wie AIDS und Beschneidung stellt er drastisch da - er hat bereits einige Preise erhalten. Conny und Harry erstanden zwei Bilder, ein weiteres hätte Marianne gerne gekauft, aber es blieb bei seinem Besitzer, da sie sich nicht handelseinig wurden und da das Geld noch für eine Trommel reichen soll. Dann geht es weiter auf der geteerten Straße.
Bei einer
Kontrolle durch die Gendarmerie entgehen wir nur kapp dem Abladen aller
Gepäckstücke auf dem Dach; man sucht nach illegal transportiertem Holz. Bei
diesem längeren Aufenthalt treffen wir
wieder mit dem Allrad zusammen und
erhalten ein unerwartetes Geschenk: Eine unserer Isomatten war vom Dach
geflogen, doch bevor die glückliche Finderin wusste, was sie in Händen hielt und
mit dem Himmelsgeschenk im Busch verschwinden konnte, stoppte der Allrad und
Anselm sammelte das verlorene Gut wieder ein.
Noch vor
12.00 Uhr erreichen wir Bazoule, das nur wenige Kilometer von der Hauptstraße
entfernt liegt. Bei der Einfahrt ins Dorf sehen wir die Kinder mit selbst
gebastelten Burkina- und Deutschlandfähnchen beieinander stehen. Eine maskierte
Gruppe mit einem ebenfalls maskierten Esel scheint auf dem Heimweg zu sein. Als
wir die Autos verlassen, werden wir von einer Delegation empfangen, die sich
gerade verabschieden will. Hier sind wir offensichtlich zu früherer Stunde
erwartet worden und die Einweihungsfeier samt Mittagessen ist vorüber. Man hatte
das Ankündigungsschreiben anders verstanden und sich für vormittags gerichtet.
Einige der Honoratioren sind noch anwesend und so gehen wir gemeinsam in ein
Nebengebäude, wo uns eine Beamtin des Schulministeriums begrüßt und sich ganz
herzlich im Namen dieser Behörde beim Verein bedankt und die Wichtigkeit der
Schulbildung deutlich macht. Durch unsere Verspätung entfallen weitere lange
Reden, die meisten verabschieden sich und wir werden in den Raum geleitet, in
dem das Essen stattgefunden hat. Einige Hühnchen, Erdnüsse und kalte Getränke
sind noch übrig um uns zu stärken.
Dann geht es zum Festplatz vor dem neuen Schulgebäude, viele Kinder und ein großer Teil der Dorfbevölkerung begleiten uns. Ein großer Unterstand war erreichtet worden, die Fahne Burkinas und die Bundesdienstflagge mit Adler aufgehängt. Nun wird für uns das ganze Programm wiederholt ohne lange Reden der Politiker, die bereits auf dem Weg nach Ouaga sind.
Verschiedene Tanzgruppen zeigen ihr Können; Jonglierkünstler, die während des Tanzes gestapelte Tonkrüge auf dem Kopf balancieren sowie als besondere Attraktion Fahrradfelgen auf Kopf und Fuß drehen, erhalten begeisterten Beifall. Die Bevölkerung und besonders die Kinder freuen sich über das doppelte Programm, so werden sie diese Einweihungsfeier in guter Erinnerung behalten und wir natürlich auch. Auch die maskierte Gruppe ist inzwischen zurückgekehrt und dreht einige Runden auf dem Festplatz. Die Masken sind aus Kalebassen gefertigt und sehen aus wie Brillen, sogar der Esel, der mit Hose und Hemd bekleidet ist, trägt eine. Die Gruppe sieht sehr komisch aus und belustigt allein durch ihren Aufzug die Zuschauer. Es ist eine begeisterte Stimmung und die Kinder rutschen immer mehr in die Mitte, um möglichst alles zu sehen. Nun beginnen die Frauen des Dorfes ihren Tanz, begleitet von einer Trommelgruppe. Es ist immer wieder auffallend, wie viel Freude die Menschen in diesem armen Land ausstrahlen. Nach dem Tanz erhalten alle Frauen Weleda-Crèmes, die sie gerne annehmen.
Trotz unserer Verspätung gibt es Geschenke, die Charly und Anselm entgegennehmen. Zur Freude aller reitet Charly auf dem Schaf und gewinnt so wieder die Herzen der Dorfbevölkerung, die diesen Spaß versteht und herzlich lacht. Eine schöne auf Leder geätzte Ansicht von Bazoulé ist ein besonderes Geschenk. Unsere symbolischen Gaben sind wie überall ein Fußball mit einer Pumpe – auch für die Mädchen –, Weltkarten, Solarrechner für die Lehrer sowie Messer für verschiedene Personen, die sich für die Realisierung des Schulbaus eingesetzt haben. Anschließend wird die Schule besichtigt. Der Bau ist ordentlich ausgeführt, alle Bänke sind da und der Unterricht kann in der kommenden Woche beginnen. Hefte, Stifte, Radiergummi etc. liegen in Stapeln auf dem Lehrerpult, sie werden für alle Kinder vom Staat bezahlt, sodass wir zum Anreiz der Einschulung von Mädchen kein Schulmaterial mehr finanzieren.
Das Pflanzen der Bäume ist noch zurückhaltend und wird wie in vielen anderen Dörfern eines weiteren Anstoßes durch den zukünftigen Animateur bedürfen.

Eine besondere Attraktion folgt nun. Wir fahren zu einem nahe gelegenen See in dem einige Krokodile leben. Es ist ziemlich heiß, sodass Wolfgang, der das Procedere schon kennt, die Ruhe im Schatten vorzieht. Vorbei an einem Gehege mit Riesenschildkröten gehen wir auf einem Damm zu dem Gewässer. Am Ufer erschreckt uns ein Kunststoffkrokodil nur kurz, dann sehen wir die echten an Land schwimmen. Wie Baumstämme scheinen sie zu treiben, nur die Augen verraten sie. Zwei unserer Begleiter mit an lange Stöcke gebundenen Hühnchen wagen sich dicht an die Tiere heran und schaukeln die kreischenden Vögel dicht vor ihren Riesenmäulern auf und ab. Nachdem genügend Fotos gemacht, alle Krokodilwitze erzählt sind und von unvorsichtigen Fotografen berichtet ist, denen Gliedmaßen abgebissen wurden, macht der Kaiman dem makaberen Spiel ein Ende, packt das Hühnchen und verschlingt es. Ein einzelnes Krokodil wartet auf der anderen Seite des Dammes, bleibt geduldig liegen bis ein gemeinsames Foto mit Charly und Anselm gemacht ist und schnappt sich dann das Hühnchen. Es scheint den Ablauf zu kennen.
Auf dem Rückweg möchte Birgit mit der Attrappe abgelichtet werden und wagt sich zu der Figur am Ufer. Kaum hat sie ihre Bedenken abgelegt echte Tiere könnten dazukommen, schleichen sich bereits zwei „Rettungsboote von Lacoste“ vorsichtig heran. Schnell flüchtet Birgit auf den rettenden Damm.
Im Restaurant werden wir zu kalten Getränken eingeladen und der Initiator des Antrags für die Schule in Bazoulé – ein Freund von Anselm – bedankt sich nochmals recht herzlich.
Wir verlassen die Menschen hier im guten Gefühl, die Entwicklung ihres Dorfes unterstützt zu haben. Wir versprechen ihnen eine neue Pumpe zu finanzieren, damit die Schulkinder sauberes Wasser haben. Froh gestimmt geht es nun nach Ouaga. 14 Tage liegen hinter uns; mal anstrengend, mal entspannend, mit wenigen Enttäuschungen und vielen positiven Erlebnissen. Die Gruppe hat die Strapazen alle gemeistert und sich in den 2 Wochen gut aneinander gewöhnt.
Noch vor Dunkelheit erreichen wir Anselms Heim, wo alle froh sind, uns gesund und munter wieder zu sehen. Wir genießen das köstliche Getränk Bisap, aus Hibiskus und Ananassaft, und strecken alle viere von uns. Den Staub des Tages spülen wir ausgiebig unter einer richtigen Dusche ab und lassen uns das leckere Essen von Marie Thérèse schmecken. Früh werden die Zelte im Hof aufgeschlagen und eine ruhige Nacht beginnt mit kurzem Weg für alle, die eine Toilette aufsuchen müssen.
Für mich geht wieder eine besondere Reise zu Ende, deren Eindrücke noch lange nachwirken werden. Vielen Dank an Anselm, Charly und alle Mitreisenden.
