Reise nach Burkina Faso
Marianne Bischoff
Samstag, 30.09.2000:
Sonntag, 01.10.2000:
Gegen
10.00 Uhr sind wir startklar und machen uns auf den Weg nach Koro (350
km). Wir sitzen mit 15 Personen im Bus, für unsere Verhältnisse eng, für
afrikanische Verhältnisse luxuriös. Am Ausgang von Ouagadougou werden wir
kontrolliert, keiner weiß so richtig warum, aber wir dürfen dann auch bald
weiterfahren. Nach etwa einer Stunde Fahrt liegt rechts der Straße ein Markt.
Charly meint spontan, dass wir diesen unbedingt für die „Neuafrikaner“
besuchen müssen. Das war eine gute Idee. So ein Leben und Treiben und Gewusel
– unglaublich! Viele Frauen hocken auf der Erde und kochen, alles ziemlich
undefinierbar und für uns wohl nicht unbedingt empfehlenswert. Leider kann man
die Gerüche und die Stimmen nicht aufschreiben, das muss man im Kopf speichern.
Die Fahrt nach Koro ist sehr anstrengend, an die vielen Schlaglöcher in der
Straße muss man sich erst gewöhnen. Landschaftlich
ist die Fahrt sehr reizvoll, es wird immer grüner und der Busch immer dichter.
Überall stehen Leute an der Straße und winken, sie treiben ein paar magere Kühe
umher oder haben einen Esel vor einen Karren gespannt und transportieren Holz.
Man sieht auch viele Frauen, die Holz auf dem Kopf nach Hause tragen. Einige
Kinder spielen in den Pfützen an der Straße, es hat kurz vorher geregnet. Die
Eindrücke rechts und links der Straße sind unglaublich interessant, immer
wieder kleine Dörfer, mit Bildern, die ich nie wieder vergessen werde.
Plötzlich,
mitten auf
der Straße stehen Jäger, halten uns an und schießen in die Luft, es ist die
Eskorte, die uns abholt, um uns ins Dorf zu begleiten. Wir fahren links von der
Straße ab, auf einen holprigen mit tiefen Löchern übersäten Weg, vor uns die
Eskorte, die immer wieder voller Freude in die Luft schießt – auch ein
Zeichen für die Leute im Dorf, dass die Gäste kommen. Nach etwa 2 km
Holperpiste begrüßen uns rechts und links des Weges singende und klatschende
Kinder in ihren Sonntagsanzügen, ich bin total gerührt und mir geht’s nicht
alleine so. Endlich angekommen, wird unser Bus sofort von der Dorfbevölkerung
belagert, die zwei Stunden auf uns gewartet hatte, aber 2 Stunden Verspätung
ist wohl normal in Afrika.
Wir
haben keine Zeit, uns für die Festlichkeiten etwas frisch zu machen, kaum aus
dem Bus ausgestiegen, müssen wir uns zu der offiziellen Feierstunde zur Eröffnung
des Schulneubaus in extra organisierten Sessel setzen und die Animation geht
los. Die Kinder lugen überall vorwitzig durch die Erwachsenen hindurch, viele
sind auf die Eukalyptusbäume geklettert um alles zu sehen. Es werden einige Tänze
aufgeführt, natürlich mit Trommelmusik, einfach Klasse! Nachdem die Reden
beendet sind, gibt es die Gastgeschenke und Charly überreicht Geschenke für
die Kinder und Lehrer. Anschließend gibt es ein leckeres Abendessen. Es ist
schon ganz dunkel, ein Dorfbewohner leuchtet uns während des Essens mit einer
Handlampe, ein anderer treibt eine Glühbirne mit einem Dynamo an. Nachdem wir
gegessen haben, warten schon viele Dorfbewohner darauf, die Schüsseln und
Teller leer zu putzen, was sie dann auch ganz schnell tun.
Wir
übernachten in der neu gebauten Schule in einem Klassenraum. Die Zelte müssen
wir im Dunkeln aufbauen, aber mit Taschenlampen und ein paar Grablichtern ist
das kein Problem.. Nachdem wir unsere Nachtstätten fertig haben, gehen wir noch
mal zum Festplatz, um über die tanzenden und trommelnden Menschen zu staunen.
Manche haben mittlerweile schon zuviel Dolo (Hirsebier) getrunken. Die Kinder
liegen überall herum und schlafen, man muss tierisch gut aufpassen, dass man
nicht drauftritt, weil sie im Dunkeln so schlecht zu sehen sind. Charly fängt
plötzlich an zu tanzen, viele kommen gelaufen, schauen zu und klatschen, auch
Marianne mischt sich unter die Tanzenden. Ich lege mich gegen 22.15 Uhr mit
tausend neuen Eindrücken völlig erschöpft ins Zelt und habe trotz harter
Isomatte und völlig fremder Umgebung total gut geschlafen, natürlich mit Ohrstöpsel,
denn draußen wird noch laut getrommelt und wild gefeiert.
Montag,
02.10.2000:
Wir
machen uns dann auch auf den Weg dorthin. Die Temperaturen sind noch angenehm,
es hat in der letzten Nacht geregnet, was bedeutet, dass die Fahrt nach Moussobadougou
auf der Piste zum Abenteuer wird. Einmal müssen wir aussteigen, der Bus hat
sich festgefahren, aber mit kräftigem Schieben kann der Bus schnell befreit
werden und wir können weiterfahren. An beiden Seiten der Piste liegen Baumwoll-
und Maisfelder. Nach zehn Minuten sitzen wir erneut in einem Schlammloch, es hat
gescheppert, aber außer dass wir das Ersatzrad verloren haben, ist nichts
passiert. Es wird provisorisch auf
dem Dach festgemacht, der Bus wird wieder aus dem Schlammloch geschoben und
weiter geht’s. Mit einer Stunde Verspätung, gegen 12.00 Uhr werden wir ca.1
km vor dem Dorf von einer Eskorte begrüßt und zum Dorf gebracht, diesmal ohne
Salutschüsse.
Kaum
aus dem Bus
ausgestiegen, fängt die Feier auch schon an. Wir bekommen einen Begrüßungstrunk
gereicht, es werden wieder Tänze
vorgeführt, Reden geschwungen und Geschenke ausgetauscht. Anschließend
besichtigen wir die Schule, wo die Kinder dichtgedrängt in den Bänken sitzen
und uns mit großen erwartungsvollen Augen anschauen. In dem Lehrerhaus neben
der Schule bekommen wir ein leckeres Mittagessen. Der To wird aus Hirse
zubereitet und ist das Hauptnahrungsmittel hier.
Das Menü, das man uns serviert, bekommen wohl 90% der Dorfleute nie zu
essen. An Getränken gibt es Wasser, Limo. Cola, Rotwein und Whisky. Ich trinke
ein halbes Glas Rotwein und bin anschließend total müde, die Hitze tut ihr übriges.
Wir sitzen hier mit dem ganzen Dorf zusammen. Es wird getanzt, gesungen,
geklatscht, getrommelt. Von den Temperaturen ist es ziemlich erträglich. Gerade
durfte ich ein kleines Baby auf den Arm nehmen, ein Höhepunkt des heutigen
Tages. Wir haben jetzt 17.45 Uhr und werden gleich in einem Klassenraum unsere
Zelte aufbauen, bevor es dunkel wird.
Das
Fest findet praktisch auf dem Platz vor der Schule statt, für die Leute im Dorf
ist die Einweihung eine Riesenattraktion, sie
feiern, wenn überhaupt, höchstens einmal im Jahr ein Fest, dementsprechend ist
das ganze Dorf auf den Beinen, sie tanzen und feiern die ganze Nacht hindurch.
Die Frauen haben ihre Kinder auf den Rücken gebunden, sie schlafen in einer
Seelenruhe bei dem ganzen Lärm. Vor der Schule haben die Leute eine Musikanlage
aufgebaut, die von einem laut knatterndem Generator angetrieben wird. Laute krächzende
Discomusik ertönt aus zwei Lautsprechern, gemischt mit Trommelmusik, von
Trommlern, die ohne Unterbrechung von mittags 12.00 Uhr bis
07.00 Uhr morgens getrommelt haben – unglaublich.
Gegen
19.30 Uhr essen wir zu Abend. Anschließend sitzen wir bei Bier und Wein
zusammen und unterhalten uns. Die Präfektin (Landrätin) setzt sich zu uns und
erzählt über die Situation hier, Anselm übersetzt: Es gibt immer noch Frauen,
die als Mädchen beschnitten werden, aber nicht mehr so viele, wie noch vor
einigen Jahren – Gott sei Dank. Sie erzählt ein wenig über die Kultur der
Peul, ein Nomadenvolk, das aber seit etwa 40 Jahren hier sesshaft ist. Sie
heiraten niemals jemanden von einem anderen Stamm. Die Mädchen werden als
Kinder im Alter von 7 Jahren in
eine andere Familie gebracht und leben dort bei der zukünftigen
Schwiegermutter bis sie dann nach der Pubertät offiziell mit dem
„Versprochenen“ zusammenziehen. Sie können die Ehe verweigern, sind aber
dann von beiden Familien ausgestoßen. Es gibt hier Heime, die dann diese
ausgestoßenen Mädchen aufnehmen.
Auf
dem Fest sind einige Frauen und Mädchen vom Stamm der Peul, wunderschöne,
stolze Frauen, mit schönen Kleidern, sie heben sich ab von den anderen Frauen.
Charly und Götz schwärmen den ganzen Abend von den Peul-Frauen und meinen, es
ist wirklich schade, dass sie schon mit 7 „verheiratet“ werden. Ich bin so
gegen 22.00 Uhr mit der nötigen Bettschwere in mein Zelt gekrochen und kann
trotz wahnsinnigen Lärms von draußen (was auch die ganze Nacht nicht aufhört)
einigermaßen gut schlafen. Viele haben in dieser Nacht kein Auge zugemacht,
denn die Discomusik krächzt laut und die Trommler sind unermüdlich.
Dienstag,
03.10.2000:
Nach
etwa
10 km Abenteuerfahrt kommen wir an eine Hauptstraße, wo das Dorf
Dégué – Dégué liegt. Unser Bus hat kein Benzin mehr und muss
an eine 9 km entfernte Tankstelle fahren. Wir haben inzwischen Zeit das Dorf zu
besichtigen. Wir kaufen erst mal Bananen, die Frauen uns dort anbieten. Ich habe
noch nie so leckere Bananen gegessen. Dann schlendern wir gemütlich durch das
Dorf, die Leute sind sehr freundlich. Vor den Hütten liegen Kariténüsse, die
zuerst angeröstet werden, damit die Schale aufplatzt, dann werden sie gestampft
und gekocht, dabei steigt das Fett hoch, es wird abgeschöpft – die Karitébutter.
Überall laufen Ziegen herum, die
Kinder laufen hinter uns her, sie stellen sich in Position für ein Foto,
anschließend betteln sie um ein Geschenk, aber wir geben ihnen nichts, das wäre
eine Kette ohne Ende. Eine Frau reicht mir ihr Baby, etwa 4 Wochen alt. Es hat
ein wunderschönes weißes Kleidchen an, ganz süß, die Augenbrauen sind gemalt
und ein Lidstrich ist gezogen, auch Ohrringe hat es schon. Die Ohrläppchen sind
entzündet und die Einstechstellen sitzen voller Fliegen. Ob das so gut ist! ?
Auf den Dächern der Hütten trocknen die Frauen Néréschoten, die sie dann zu
Mehl mahlen. Nach einer halben Stunde kommt unser Bus vollgetankt zurück und
wir fahren auf einer gut befahrbaren Piste nach Banfora. Anselm erzählt uns,
dass Banfora wohl die schönste Stadt in Burkina Faso ist. Der ganze
Landstrich, den wir besuchen, ist das Paradies von Burkina Faso. Die Fahrten
werden nie langweilig, es gibt so viel zu sehen.
In
Banfora angekommen, werden wir von einem Organisator aus dem Dorf Boussanra an
einem Hotel abgeholt, da wir alleine niemals den Weg ins Dorf finden würden. Er
fährt voraus und zeigt uns die Tücken und Schlammlöcher, die Fahrt ist
anstrengend, wir kommen nur langsam voran und es ist ziemlich heiß. Etwa 2 km
vor Boussanra müssen wir aussteigen, denn ein Fluss ist zu durchfahren. Wir
nehmen alle unsere Rücksäcke vom Busdach und tragen sie durch den Fluss. Auf
der anderen Seite steht ein Pick-up, der alles auflädt und uns mit Gepäck zum
Dorf bringt. Wir wollen unseren Bus vor dem Fluss stehen lassen, denn wenn es
heute Nacht regnet, sieht es morgen schlecht aus, aus dem Dorf wieder
herauszukommen, aber Anselm hat Angst, dass der Bus morgen früh nicht mehr da
ist. Er schiebt ihn mit einigen Leuten aus dem Dorf durch den Fluss.
Wir
kommen um 15.15 Uhr in Boussanra
an, völlig durchgeschwitzt und total verstaubt, es ist aber keine Zeit sich
frisch zu machen, bevor die Einweihungsfeier beginnt. Wir haben jedoch die
Gelegenheit, den Kopf einmal kurz unter den Brunnen zu halten. Ein tolles Gefühl!
Wir sitzen also jetzt hier, dreckig-speckig bei der Eröffnungsfeier. Das
Fernsehen von Burkina Faso ist auch hier und filmt. Während viele eine lange
Rede halten und ich nichts verstehe, habe ich mein Tagebuch nachgeschrieben. Der
Schulleiter erklärt gerade die Bedeutung der vielen schönen Sachen, die wir
geschenkt bekommen: Sprechtrommeln, Ballaphone, verzierte Holzhocker,
geflochtene Körbe, einen Tonkrug usw. Die
Feier selbst ist langweilig, im Gegensatz zu dem, was wir bisher gesehen haben,
aber dafür sind die Geschenke um so schöner.
Nach
der offiziellen Feier schlagen wir unser Nachtlager in einem Lehrerhaus auf. Wir
sind mittlerweile rekordverdächtig im Zeltaufbau. Unsere Wäsche geben wir zwei
Frauen aus dem Dorf zum Waschen. Sie bekommen anschließend Geschenke und sind
überglücklich. Ich ziehe meinen mitgebrachten Badeanzug an, um mich diskret
hinter einem Lehrerhaus mit der Gießkanne zu duschen. Den gleichen Gedanken
haben noch mehr. Nachdem Götz mir die Gießkanne über den Kopf hält, um das
Shampoo auszuwaschen, schaue ich hoch und traue meinen Augen nicht, das halbe
Dorf steht da und schaut uns zu, aber wir fühlen uns noch mal frisch. Nach dem
Abendessen sitzen wir noch gemütlich
zusammen, drehen anschließend noch eine Runde auf dem Schulhof, der
gleichzeitig Festplatz ist, wo die Einheimischen fleißig feiern. Die Schulbänke
stehen draußen und sind alle belagert von schlafenden Kindern, ein schönes
Bild. Wir gehen früh schlafen, da alle erheblichen Nachholbedarf haben.
Mittwoch,
04.10.2000:
Wir
müssen nur einmal aussteigen, der Bus wird von den Männern durch den Fluss
geschoben, es geht viel besser, als wir gestern dachten, es hat zum Glück auch
letzte Nacht nicht geregnet. Wir erreichen Banfora gegen 11.00 Uhr und treffen
die Ordensschwester Véronique. Es gibt eine herzliche Begrüßung, denn Charly, Götz und Rita kennen sie, da sie
letztes Jahr in der Eifel zu Besuch war. Charly gibt ihr ein Geschenk und unsere
2 Hühner, die sie dann an ihr Moped hängt und wegbringt. Sie kommt kurze Zeit
später zurück mit leckeren Bananen, Cashewkernen und Erdnuss-Caramelkeksen –
köstlich! Wir sitzen gemütlich unter einem großen Baum im Hof des Hotels, wo
wir uns gestern mit den Männern aus Boussanra getroffen haben. Es gibt Cola,
Limo und die Köstlichkeiten von Véronique, wir leben wie Gott in Frankreich. Véronique
ist Französischlehrerin an einem Collège (Realschule). Sie hat in Nantes mit
Frau Dr. Reineke aus Daun studiert (Philosophie und Theologie). Es kommt noch
ein Moped angeknattert mit Jacques Silga. Er ist in Nohoungo aufgewachsen und
hat den Bau der Krankenstation initiiert. Er ist Krankenpfleger und wohnt jetzt
hier in Banfora. Jacques Silga fährt mit unserem Bus nach Hause und holt Essen,
sie haben für uns gekocht, mit einem Mittagessen haben wir nicht gerechnet. Es
gibt Rindfleisch, Hühnchen, leckere Spagetti und Salat. Als Nachtisch frische
Guaven und Avocado. Obwohl wir eigentlich nicht hungrig sind, schlagen wir zu,
da wir ja nicht wissen, wann wir das nächste Essen bekommen. Wir sitzen also im
Hof des Hotels und bekommen von Jacques Silga das Essen gebracht – in
Deutschland unvorstellbar.
Als
Dankeschön hat das Dorf Boussanra zwei Pick-ups organisiert, die uns um 14.00
Uhr am Hotel aufladen und zu den Wasserfällen von Karfiguéla bringen.
Das ist ein tolles Erlebnis. Auf dem Weg zu den Wasserfällen stehen links und
rechts der Piste 3 m hoher Zuckerrohr und Gombo (eine afrikanische Gewürzpflanze),
die Vegetation ist tropisch, einfach wunderschön! Fast am Ziel angekommen, müssen
wir einen kleinen Fußweg zurücklegen, der uns erst durch ein sumpfiges Gewässer
führt. Am Fuß des Wasserfalls stehen riesige Kapokbäume, aus deren Schoten
die Kapokbaumwolle gewonnen wird, wunderschöne Fächerpalmen, Bananenstauden
und eine prachtvolle Allee mit Mangobäumen. Oben auf dem Wasserfall haben wir
eine wunderbare Aussicht, nur die Elefanten haben noch gefehlt, dann wäre das
„Afrikabild“ wie man es sich vorstellt perfekt gewesen. Auf der Rückfahrt
zum Hotel setze ich mich hinten auf den Pick-up, auch ein ganz besonderes
Erlebnis. Am Hotel angekommen, steigen wir um in unseren Bus und machen uns auf
den Weg nach Dafinso.
Ich
glaube, der Bus hält nicht mehr lange durch, die Kupplung stinkt ziemlich. Die
Straße von Banfora nach Dafinso ist erst mal sehr gut zu fahren. Etwa auf der Hälfte
der Strecke halten wir an, Charly, Götz und Anselm werden von Dorfbewohnern aus
Kiéla mit Mopeds abgeholt, um in das Dorf zu fahren. Die Fahrt mit dem
Bus wäre zu beschwerlich gewesen und hätte zuviel Zeit in Anspruch genommen.
In Kiéla soll im nächsten Jahr eine Schule gebaut werden. Wir dürfen uns währenddessen
in einem Restaurant (Bar) niederlassen und ich trinke ein eisgekühltes Bier –
Luxus pur! Gegen 18.30 Uhr kommen die drei zurück, nachdem der Sprit in Kiéla
aus sämtlichen Mopeds zusammengesammelt worden war (mit Tassen), damit die drei
Mopeds noch mal zurückfahren können. Sie haben zwei Hühner geschenkt
bekommen, die uns nun wieder im Bus begleiten. Sie sind etwas rebellischer, als
die Hühner zuvor. Wir haben noch eine ziemlich weite Strecke vor uns, fahren an
Bobo vorbei, werden dreimal von Zoll, Gendarmerie und Polizei angehalten und
holpern im Stockfinsteren durch die Nacht. Ich finde es ein bisschen unheimlich,
das Licht von unserem Bus reicht auch nicht weit.
Plötzlich
kommen uns jede Menge Kinder entgegengelaufen und begrüßen uns, wir sind in Dafinso
angekommen. Wir haben 21.00 Uhr, sie haben ziemlich lange auf uns gewartet
und noch ein tolles Programm für uns vorbereitet. Wir haben dann draußen bei
„Mondschein auf afrikanisch“ zu Abend gegessen, bei einem klaren
Sternenhimmel, dieser Anblick hat uns für die anstrengende Fahrt mehr als
entschädigt. Gegen 22.30 Uhr haben wir unser Nachtlager aufgebaut und ich bin
dann auch todmüde ins Bett gefallen. Die anderen sind fast alle noch zum
Dorfplatz gegangen, haben getanzt und die Dorfkinder haben akrobatische Tänze
vorgeführt. Alle sind sich einig, dass die, die früh ins Bett gegangen sind,
etwas verpasst haben. Ich habe schlecht geschlafen, die laute Discomusik, die
auf dem Festplatz aus dem Lautsprecher krächzt, lässt mich nicht
richtig einschlafen.
Donnerstag,
05.10.2000:n
die vorhandene Schule wird um drei Klassen erweitert. Das Dorf ist gut
organisiert und die Kinder werden nicht so streng und autoritär behandelt, wie
in den
vorherigen Dörfern, die wir besucht haben. Gesundheitlich fühle ich mich heute
nicht ganz fit, mir ist leicht übel und ich habe etwas Durchfall. Lydia war am
2. Tag etwas magenkrank, Winnie und Marianne sind seit gestern leicht erkältet,
ansonsten geht es aber allen gut.
Wir
sitzen gerade auf dem Dorfplatz und die Feier ist in vollem Gange. Die Menschen
sind sehr freundlich zu uns, manchmal kommt es mir etwas unterwürfig vor. Ganz
viele kommen und schütteln uns die Hände. Die Kinder stehen ständig in
Scharen um uns herum und staunen über die „komischen Weißen“. Manche
kleinen Kinder laufen aber auch schreiend weg, wenn sie uns sehen. Ich finde es
sehr schade, dass wir uns nicht mit der Dorfbevölkerung unterhalten können,
ich hätte tausend Fragen. Die Menschen sind für unsere Begriffe sehr arm,
aber sie machen keinen unglücklichen Eindruck. Den Arbeitsalltag einer
Afrikanerin würden wir wohl nicht lange durchhalten. Die Eindrücke, die wir
bisher erlebt haben, spiegeln allerdings nicht den Alltag der Leute wieder, da
wir auf unserer Rundreise nur Menschen in Feststimmung erleben. Einen kleinen
Einblick bekommen wir, wenn wir unterwegs spontan ein Dorf besichtigen.
Gerade
bekommen wir einen wunderschönen afrikanischen Hut geschenkt und auf den Kopf
gesetzt, wir sehen lustig aus. Charly nimmt noch einige andere schöne Geschenke
entgegen und sagt den Leuten, dass
er schon das 8. Mal nach Burkina Faso kommt und schon bei 30 Eröffnungsfeiern
anwesend war, aber noch nie so eine schöne, beeindruckende Feier miterleben
durfte, wie hier in Dafinso. Uns gefällt besonders gut, dass die Schüler
dieser Schule die Darbietungen selbst einstudiert haben und professionell vorführen.
Charly verteilt die Geschenke, die wir mitgebracht haben. Es gibt noch ein
leckeres Mittagessen, dann packen wir alles auf den Bus, der erstaunlicherweise
immer noch durchhält, was uns alle wundert. Lydia verlässt uns heute, sie fährt
mit einem Bus nach Ouagadougou, um die restliche Zeit im Kinderheim AMPO zu
verbringen. Wir verabschieden uns und verlassen schweren Herzens gegen
14.00 Uhr Dafinso, wo es uns allen total gut gefallen hat.
Rita
hat sich noch mit einer Lehrerin unterhalten, die 84 Schüler in einer Klasse
unterrichtet (Götz fand sie auch ganz nett). Eine sehr gepflegte gut aussehende
Afrikanerin. Sie hat einen Versetzungsantrag nach Bobo gestellt, sie möchte
nicht in Dafinso bleiben, man hatte ihr während einer Konferenz alles
gestohlen, die komplette Wohnungseinrichtung, Kleider, alles, außer dem Bett.
Um
15.00 Uhr haben wir nach einer kurzen Fahrt schon unser neues Ziel erreicht: Kékélésso.
Wir werden, wie bisher, etwa 1 km vorm Ziel von vielen Kindern, Männern auf
knatternden Mopeds und Fahrrädern begrüßt und zum Dorf begleitet. Wir haben
schnell unsere Sachen vom Bus in ein Lehrerhaus geräumt und sind dann zum
Festplatz gegangen, wo die Zeremonie sofort beginnt. Ich empfinde es als ein
reines Chaos, krächzende, laute, völlig überdrehte Lautsprecher, alles tanzt
und läuft durcheinander, die Bevölkerung dicht gedrängt um uns, eine Hitze
zum Umfallen, zwischenzeitlich ein Riesenpalaver, es sieht so aus, als würde
bald eine Prügelei entstehen. Winnies Bemerkung zu alldem: Das ist Afrika!
Wir
haben es mit Humor genommen und Charly meint, diese Feier ist nicht unbedingt außergewöhnlich,
wir seien bisher verwöhnt worden. Wir bekommen zwei wunderschöne
handgeschnitzte Holzfiguren und ein
Huhn geschenkt. Hier in Kékélésso fällt mir auf, dass die Kinder völlig
zerlumpt herumlaufen, wesentlich extremer, als in den Dörfern, die wir bisher
gesehen haben und da war’s schon schlimm für unsere Vorstellungen. Die Leute
hier im Süden von Burkina Faso haben genug zu essen, man sieht ganz selten
Kinder mit „Hungerbäuchen“, Petra erzählt, dass in Nohoungo fast jedes
Kind einen dicken Bauch hat, was auf Mangelerscheinungen und Unterernährung
schließt. Es gibt hier viele Kinder mit schlimmen Nabelbrüchen, die wohl nie
behandelt werden. Nach der chaotischen Feier flüchten wir aus der
Menschentraube und einige von uns machen einen kleinen Entspannungsspaziergang.
Kékélésso liegt auf einem Hochplateau und die Aussicht ist weit und wunderschön.
Wir gehen an hohen Hirsefeldern vorbei in ein kleines abgelegenes Dorf. Außer 4
– 5 Kleinkindern und einer Frau
mit einem frischgeborenen Baby sind alle ausgeflogen. Das Baby ist noch nicht
schwarz, die Neugeborenen dunkeln erst ein paar Tage nach der Geburt nach.
Pünktlich
vor Einbruch der Dunkelheit gehen wir zurück zum Festplatz und bekommen noch
das Ende eines Maskentanzes mit. Es sind 2 Männer mit interessanten alten
Masken, total vermummt. Sie tanzen auch heute noch, um die bösen Geister zu
vertreiben. Ich habe vergessen zu erwähnen, dass die älteren Frauen mit ihren
typischen Arbeits- und Feldgeräten einen schönen Tanz vorführten. Die
Gesichtsausdrücke dieser Frauen sprechen Bände. Wir essen zu Abend (Spagetti,
Hühnchen und Reis, mit leckeren Soßen). Winnie rückt plötzlich damit raus,
dass er heute Geburtstag hat. Wir singen ihm ein tolles Ständchen und anschließend
sitzen wir draußen gemütlich zusammen und trinken auf Winnie noch ein Bier.
Anselm erzählt uns, wie die Toten hier beerdigt werden. Sie werden in der Nähe
ihres Hauses, etwa 1 m tief, noch am gleichen Tag beerdigt, ohne Sarg, man
wickelt sie in ein Tuch, das Grab ist ganz klein. Charly bittet Anselm, den
Dorfbewohnern doch zu sagen, dass sie in der Nacht bitte den lauten Generator
abstellen, was gleichzeitig bedeutet: Keine Discomusik! Wir gehen alle recht früh
ins Bett und freuen uns auf eine ruhige Nacht, die dann das erste Mal um 11.00
Uhr vorbei ist. Charly steht auf, bittet
die Jugendlichen etwas konsequenter um Ruhe. Sie sind dann ins nächste Dorf
abgewandert um ihre „Musikanlage“ nachts um drei bis zum Anschlag
aufzudrehen. Anselm fährt dann mit
unserem Busfahrer ins Dorf, anschließend ist Ruhe.
Freitag,
06.10.2000:
Nach
dem Frühstück packen wir unsere sieben Sachen auf den Bus, wollen noch unsere
3 geschenkten Hühner einladen, aber es ist nur noch ein Huhn da, das Schicksal
der anderen 2 Hühner ist unbekannt. Pünktlich um 09.00 Uhr
verabschieden wir uns in Kékélésso und machen uns auf den Weg nach
Satiri. Unser Bus ist übrigens gestern repariert worden, und fährt wieder ohne
Probleme. Gegen 09.30 Uhr erreichen wir Satiri. Wir besichtigen das Gelände,
auf dem die Schule gebaut werden soll. Die Bevölkerung hat schon fleißig Sand
und Steine gesammelt. Danach werden wir ins Dorf eingeladen. Wir gehen in
Begleitung des ganzen Dorfes wie in einer Prozession über die Straße zum
Dorfplatz, wo wir kühle Getränke bekommen.
Götz
hat auf dem Weg zum Dorfplatz noch einen „Weißen“ gesichtet und
angesprochen. Es ist ein französischer Landwirtschaftsstudent, der mit noch
zwei anderen für 3 Monate Projekte verwirklicht und zwar werden Bäume in
Reihen gepflanzt als Windschutz und zum Schutz vor Erosion. Einer ist für den
Vertrieb von Mangos im Land zuständig,
der dritte sorgt für mehr Hygiene bei den Ziehbrunnen. Auf dem Dorfplatz gibt
es wieder Animation in Form von Trommelmusik, Tanz und akrobatische Vorführungen.
Charly verspricht dem Dorf, sich für den Bau des Collège einzusetzen, wenn das
Ministerium den Zuschuss gewährt. Anschließend werden wir in der Préfecture
von Satiri zum Mittagessen eingeladen. Wir sitzen im Innenhof unter Bäumen im
Schatten, es gibt gekühlte Getränke, Hähnchen gekocht und gegrillt, Spagetti
und Reis und in Öl eingelegte Auberginen. Zum Nachtisch gibt es Bananen. Wir
verabschieden uns und auf dem Weg zu unserem Bus kommt eine Afrikanerin mit
einer Schüssel gegrillter Raupen und bietet uns welche zum Probieren an.
Winnie nimmt spontan eine und isst sie ohne mit der Wimper zu zucken, Götz
probiert ebenfalls, für Anselm scheint es eine Delikatesse zu sein. Rita und
ich ekeln uns zuerst, wollen aber dann nicht zurückstehen und Rita macht den
Vorschlag, dass wir uns eine teilen. Jede steckt eine halbe Raupe in den Mund,
sie schmeckt eigentlich nur scharf. Ich habe meine Raupe treu und brav
runtergeschluckt, Rita hat ihre zerkaut, aber ausgespuckt.
Um
14.00 Uhr verlassen wir Satiri, wir haben ca. 160 km vor uns, davon 40 km Piste,
zu unserem nächsten Ziel Djigouéra. Die Fahrt geht durch Bobo, wo wir eine
Colapause machen. Die Weiterfahrt auf der Piste kann man nicht beschreiben, das
muss man erleben. Ab und zu kommt uns ein LKW entgegen, voll geladen mit
Menschen, Tieren und Gepäck. Die Lkws sind aus der Nachkriegszeit und drohen
jeden Moment auseinander zubrechen. Winnies Kommentar: „Das glaubt uns in
Deutschland keiner“. Kurz vor Djigouéra erleben wir einen wunderschönen
afrikanischen Sonnenuntergang, die Vegetation erinnert schon ein bisschen an
Urwald. Gegen 18.30 Uhr, mit Einbruch der Dunkelheit, erreichen wir Djigouéra.
Hier gibt es nicht die stürmische Begrüßung, die wir bisher erlebt haben, man
nimmt wenig Notiz von uns. Wir beziehen ein schönes sauberes Lehrerhaus und
bekommen ein tolles Abendessen, es gibt Yams
(afr. Kartoffeln), Fonio (Hirsegericht), Kohlgemüse und Hühnchen. Wir hauen
alle ganz schön rein, weil es so lecker schmeckt. Nach dem Essen sind wir mit
Ausnahme von Simone, die sich ins Zelt zurückgezogen hat, zum Festplatz
gegangen, wo Männer in schönen Jagdkleidern traditionelle Tänze vorführen.
Bei der rhythmischen Trommel- u. Gitarrenmusik fallen mir dann kurz nach zehn
von der anstrengenden Fahrt die Augen zu und ich bin dann auch ins Bett
gegangen. Die erste Nacht ohne Discomusik!
Samstag,
07.10.2000:
Pünktlich
um 10.00 Uhr geben wir zum Festplatz und um 10.15 Uhr trifft der Botschafter mit
seiner Frau ein und die Feier beginnt. Alles ist hoch offiziell und
durchorganisiert. Die Jäger von gestern abend eröffnen mit ihrer Musik und
ihrem Tanz die Feier. Bemerkenswert ist ein Albino unter den Jägern, er hat ein
afrikanisches Gesicht, ist aber von der Hautfarbe so weiß wie wir. Ob er rote
Augen hat, können wir nicht sehen, er hat sie immer zugekniffen. Bernhard
schenkt ihm spontan seine Sonnenbrille, er hat sich riesig gefreut.
Zu
der Zeremonie der Jäger gehört, dass sie genau vor uns ein
Lagerfeuer machen und das bei sengender Mittagssonne. Eine geniale Idee,
manchmal kommt eine leichte Brise in unsere Richtung und bringt uns einen
Schwall Qualm mit. In die Mitte des Feuers legen sie zuerst Blätter, darüber
einen Tonkrug, der aber sowohl oben als auch unten offen ist, sie schütten oben
Wasser herein, das geschieht alles, bevor sie das Feuer anzünden. Nach einer
Weile löschen sie das Feuer und schöpfen eine Art Tee aus dem Krug. Mir ist
unklar, warum das Wasser nicht versickert ist, obwohl der Krug unten offen ist.
Götz hält gerade seine Rede und hebt Anselms
Einsatz und Engagement besonders hervor. Nach vielen langen Reden kommt
ein „wilder Kuhtanz“ von zwei
schönen Masken aus dieser Region, sie müssen aber bald aufhören, da ein
afrikanischer Ehrengast durch die Musik in Trance gerät, ein „Medizinmann“
kommt, legt ihm ein Amulett auf und ihm geht es wieder gut. Na ja!
Wir
bekommen alle ein Ballaphon als Geschenk, und zwei Riesenstauden Bananen. Der
Botschafter bekommt eine Ziege geschenkt. Nach dem Festakt werden Bäume auf
dem Schulhof gepflanzt und
es gibt ein gutes Essen: leckeren Salat, Reis, Nudeln, Rindfleisch und Hühnchen,
alles mit sehr schmackhaften Soßen, zum Nachtisch gibt’s Bananen. Der
Botschafter und seine Frau (eine Schottin) verabschieden sich und wir machen uns
auf den Weg zu einer Grotte, die 5km entfernt ist. Die Leute hier aus dem Dorf
haben aber leider nicht bedacht, dass man mit dem Bus diesen Weg gar nicht
fahren kann. Nach etwa 2 km absolut holpriger Fahrt kehren wir um und verzichten
auf die Besichtigung der Grotte. Wir spazieren durchs Dorf, was immer wieder ein
tolles Erlebnis ist. Manche Kinder haben Angst und fangen an zu schreien, wenn
sie uns sehen, viele laufen aber auch hoch interessiert hinter uns her. Am Straßenrand
steht ein Junge, der ein ganz schlimmes Geschwür im Auge hat, sieht schlimm
aus.
Um
17.00 Uhr gibt es ein Fußballspiel zwischen der Dorfbevölkerung und den Gästen.
Winnie und Bernhard wollen mitspielen, aber als sie den holprigen Platz sehen,
haben sie Angst, sich zu verletzen und spielen nicht mit, obwohl die Gage sehr
hoch ist (pro Tor eine Frau). Nach dem Fußballspiel gehen wir zurück zur
Schule, essen zu Abend. Wir sitzen draußen und genießen den traumhaften
afrikanischen Sternenhimmel. Ich bin nach dem Abendessen immer ziemlich müde,
die Tage sind schon sehr anstrengend. Wir sitzen aber noch lange zusammen,
Winnie, Erika Marianne und Anselm gehen noch mal ins Dorf, wo noch eine
Discoveranstaltung stattfindet.
Sonntag,
08.10.2000:
Kouakrouma
liegt 20 km von der malischen Grenze entfernt. Zuerst müssen wir zurück nach
Bobo. Auf dem Weg dorthin halten wir an einem Dorf an und schauen uns um. Alle
sind sehr freundlich zu uns. Am Straßenrand sitzt eine Frau und verkauft
frittierte Yams. Sehr lecker! Sie hat einen Energiesparofen und frittiert die
Yams in Karitéfett. Die Straße ist gut befahrbar, trotzdem empfinde ich die
Fahrt heute sehr anstrengend. Wir werden sehr oft angehalten und kontrolliert,
immer im Wechsel von Zoll, Gendarmerie und Polizei, das nervt uns alle ein
bisschen. Zwischenzeitlich fahren wir durch sehr fruchtbares Land, Reisfelder so
weit man schauen kann, auch Baumwolle wird viel angepflanzt, wir fahren an einem
Nomadendorf vorbei, sie haben ihre Hütten aus Elefantengrasmatten gebaut, die
sie schnell wieder abbauen können und dann weiterziehen. Zehn Kilometer vor
unserem Ziel geht es dann auf die Piste. Wir werden von zwei Dorfbewohnern an
der Hauptstraße abgeholt, es gibt
keine Straßenschilder, wir würden alleine den Weg nie finden. Es geht
irgendwann von der Straße ab und die Abenteuerfahrt beginnt. Wir kommen nur
sehr langsam voran und werden sogar
einmal von einem Fahrradfahrer überholt. Die Piste ist eng und holprig,
zahlreiche Bäume wurden abgesägt, damit unser Bus überhaupt das Dorf
erreicht. Die Begrüßung am Anfang des Dorfes ist unglaublich. Alles winkt und
mindestens hundert Kinder, Frauen und Männer laufen barfuss neben oder hinter
unserem Bus her, freuen sich und begrüßen uns mit Geschrei, eine Stimmung, die
mich emotional umhaut. Wir dürfen uns auf dem Festplatz, wie fast immer, in der
ersten Reihe auf die „Ehrenstühle“ setzen und viele kommen und schütteln
uns die Hände. Total verschwitzt und verstaubt ist uns das viele Händeschütteln
irgendwie zuviel, aber da müssen wir durch. Wir bekommen eine Kalebasse
mit Wasser gereicht und dann gibt’s, wie fast auf jeder Feier den Begrüßungstrunk,
(ein Gemisch aus Wasser, Mehl, Piment und Limette) der unterschiedlich gut
schmeckt. Hier ist eine Schule mit 3
Klassenräumen vor 3 Jahren gebaut worden.
Die zweite Klasse hat dieses Jahr begonnen, 67 Schüler, davon 32 Mädchen. Der
Lehrer hat eine unglaubliche Disziplin, er spricht in normaler Lautstärke, ohne
krächzenden Lautsprecher, und alles ist Mucksmäuschen still. Wir sind uns alle
einig, dies ist die schönste Schule, die Kinder haben sogar einen Schulgarten
angepflanzt. Der Lehrer hat eine richtige Baumallee gepflanzt und alle Bäume
rundherum mit Steinen begrenzt. Man sieht direkt, dass die Bäume gut gepflegt
und regelmäßig gegossen werden. Es ziehen Zugvögel über uns, es sind
bestimmt die Kraniche aus Deutschland. Sie fliegen ganz tief und landen bestimmt
bald zum Überwintern. Anschließend werden wir von dem noch einzigen Lehrer in
sein Haus eingeladen, das erste Mal, dass wir ein bewohntes Lehrerhaus sehen. Er
hat vor dem Haus einen liebevollen Garten angelegt und im Haus hat er eine
Stereoanlage und jede Menge Musikkassetten im Regal. Wir trinken etwas und
beziehen anschließend ein leerstehendes Lehrerhaus, wobei wir mindestens 100
Zuschauer haben, staunende Kinder, die bisher wahrscheinlich noch nie „Weiße“
gesehen haben. Sie beobachten Winnie und Charly , die ihr Zelt draußen
aufschlagen, ganz genau. Nachdem
wir unsere Zelte aufgebaut haben, setze ich mich draußen hin und schreibe
Tagebuch, die Kinder kommen immer näher, bilden einen Kreis um mich, ich
bekomme fast keine Luft mehr, die Luft ist eh so schwül, es zieht ein Gewitter
auf. Es kommt dann auch ganz plötzlich ein Sturm, alle Kinder sind wie vom
Erdboden verschwunden, im Lehrerhaus nebenan sitzen Frauen draußen und kochen,
ihre Feuerstelle wird vom Sturm aufgewirbelt und die Glut fliegt weit durch die
Luft. „Afrikanisches Feuerwerk“. Wir schließen schnell alle Fenster und
laufen zum Lehrer ins Haus. Das Blechdach rappelt unglaublich laut bei dem
Sturm, man versteht drinnen kein einziges Wort. Dann gibt es Regen, aber nicht
viel. Es ist für afrikanische Verhältnisse nur ein kleines Gewitter. Wir
bekommen ein köstliches Abendessen, zuvor wie jeden Abend als Apéritif
einen Pastis. Nach dem Abendessen sitzen wir noch draußen und beobachten
das Wetterleuchten am afrikanischen Nachthimmel. Später gibt es noch einen
Maskentanz im Dorf, aber ich bin um 22.30 Uhr mit Rita aufgebrochen, um ins Bett
zu gehen. Rita war das Dolo nicht bekommen und ich war todmüde. Viele
sind noch mit ins Dorf gegangen, um
den Maskentanz zu sehen, wir haben wohl was verpasst. Bis auf kleine Erkältungskranke
und jeden Tag abwechselnd Durchfallkranke geht es uns allen gut.
Montag,
den 09.10.2000:f begleitet uns. Wir sehen tatsächlich
eins, welches ab und zu den Kopf aus dem trüben Wasser steckt, dann aber
schnell wieder abtaucht.
Nach
der Krokodilbesichtigung dürfen wir in der Schule einer Unterrichtsstunde
beiwohnen. Die Kinder sind sehr diszipliniert. Sie gehen das 2. Jahr zur Schule
und haben ganz nett für uns gesungen. Wir verabschieden uns ungern gegen 09.30
Uhr aus Kouakrouma, hier hat es uns allen sehr gut gefallen. Wir bekommen zum
Abschied eine Ziege und zwei typische Jägermützen geschenkt. Alle winken uns
hinterher und wir begeben uns auf den Weg nach Bobo.
Die
ersten 10 km holpern wir, wie gestern beim Hinweg über die schmale Piste, bis
wir endlich die Hauptstraße erreichen, die Route Nationale Nr. 9. Auf dieser
Straße fahren wir etwa 15 Minuten, bis es plötzlich am rechten Hinterreifen
laut zischt. Wir haben einen Platten. Alles steigt aus und wir sind noch nicht
sonderlich beunruhigt, schließlich haben wir doch einen Ersatzreifen. Der
Busfahrer teilt uns dann aber mit, dass im Ersatzreifen auch keine Luft drin
ist, einen Wagenheber gibt’s auch nicht. Wir stehen um 10.50 Uhr mitten in der
Pampa, außer ein paar Frauen, die zu Fuß unterwegs sind und einem
Fahrradfahrer keine Menschenseele zu sehen. Nach etwa 20 Minuten kommt ein Auto,
wir stellen uns auf die Straße und halten es an. Wir haben Glück, es ist die
Gendarmerie, zwei freundliche Männer steigen aus und helfen uns. Zum Glück
haben sie auch einen Wagenheber dabei. Das Rad wird abmontiert, und der
Busfahrer ist mit den beiden Polizisten und den kaputten Reifen ins nächste
Dorf gefahren. Charly hat den Beiden als Dankeschön ein Taschenmesser
geschenkt, sie waren glücklich. Wir suchen uns ein Plätzchen im Schatten, Gott
sei Dank steht ein Baum am Straßenrand, halten
Siesta und warten auf die Erfüllung des „afrikanischen“ Sprichworts:
„kommt Zeit, kommt Rad“. Die
Ziege binden wir an einer Hecke fest, sie fühlt sich wohl. Winnie und ich
erkunden ein wenig die Umgebung, ein Dorf ist aber leider nicht in der Nähe, in
der Ferne hören wir Trommeln. Außer einer Familie bei der Baumwollernte können
wir nichts ausfindig machen.
Alle
halbe Stunde kommt mal ein völlig überladener LKW oder Pick-up vorbei, die
Leute winken uns freundlich zu. Nach 2 ½ Stunden kommt ein Lastwagen, hält an
und der Fahrer sagt, dass mit dem nächsten Fahrzeug unser Busfahrer mit
reparierten Reifen kommt. Tatsächlich, nach 3 Stunden Wartezeit hält ein
Pick-up an und unser Fahrer steigt mit reparierten Reifen aus. Das Rad wird
gewechselt, der dicke Stein, unser zweckentfremdeter Wagenheber, wird mit Hilfe
aller weggeschoben und weiter geht’s. Charly hatte überlegt unserem Fahrer
zum Abschied ein Zelt zu geben, nach dieser Aktion bekommt er nun einen
Wagenheber.
Nach
2 Stunden Fahrt und drei lästigen Kontrollen erreichen wir Bobo, Anselms
Heimatstadt. Wir besuchen noch schnell einen kleinen Kunsthandwerkermarkt,
einige wollen eine Trommel kaufen.. Wir treffen hier auch Véronique. Wir
schauen uns an den Ständen die Sachen an, die Verkäufer kommen alle hinter uns
her gelaufen und wollen uns alles Mögliche zeigen, sie sind ziemlich lästig,
man kann nicht in Ruhe schauen. Anselm und Véronique handeln für uns, sonst würden
wir wahrscheinlich viel zu viel bezahlen. Die Beiden wissen, wie weit man
handeln kann, dass alle zufrieden sind. Wir kaufen schöne Sachen, Charly,
Marianne und Winnie kaufen Trommeln (30,00 DM), Bernhard ersteht ein wunderschönes
Flusspferd aus Holz (60,00 DM). Ich kaufe mir eine alte Holzmaske (30,00 DM).
Dann haben wir noch einige Kalebassenrasseln erstanden.
Gegen
18.00 Uhr verlassen wir ziemlich entnervt den Markt und machen uns auf den Weg
zu Marcel, Anselms Bruder. Auf dem Weg dorthin werden wir von einem
uniformierten Förster angehalten, der ganz aufgebracht und böse meint, wir hätten
Holz geladen, was wohl verboten ist. Es gibt eine kurze, heftige Diskussion, wir
erleben Anselm das erste Mal etwas aufgebracht, der Förster notiert sich unsere
Autonummer und wir fahren endlich weiter. An der nächsten Straßenecke gibt es
einen Laden, wo man telefonieren kann. Das haben wir dann auch getan. Müde von
den Ereignissen des Tages kommen wir gegen 19.00 Uhr bei Marcel an, wo wir auch
alle übernachten. Marcel ist verheiratet, hat 2 Töchter und einen Sohn, er ist
Tierarzt von Beruf. Sie haben ein schönes Haus mit Garten. Wir bekommen ein
tolles Abendessen, als Nachtisch frische Papayas, dazu gekühlte Getränke, ein
Luxus, den wir schon lange nicht mehr hatten. Marcels Frau hat mit drei anderen
Frauen das ganze Essen vorbereitet, sie waren mit Sicherheit den ganzen Tag
damit beschäftigt. Wir sitzen noch gemütlich unter den Zitronenbäumen im
Garten zusammen, unsere Ziege wird gut gefüttert und sie ist froh wieder auf
vier Beinen zu stehen. Sie darf auch hier bleiben. Charly, Winnie, Marianne,
Stefanie, Anselm, Petra u. Bernhard stellen ihre Zelte draußen auf, um in dem
schönen Garten eine Nacht im Freien zu genießen, das wird ihnen aber gründlich
vermiest, denn um 23.30 Uhr gibt es ein heftiges Gewitter und innerhalb von
kurzer Zeit sind alle ins Haus gezogen. Es ist unheimlich, wenn alles finster
ist und der Regen prasselt auf das Blechdach. Es hat dann auch die ganze Nacht
geregnet.
Dienstag,
den 10.10.2000:
oschee nur leider nicht von innen besichtigen, da in der Vergangenheit
viele Touristen sich nicht an die strengen Regeln in der Moschee gehalten haben.
Ein netter junger Mann erklärt uns, wie sie innen aufgeteilt ist: Ein
extra Raum für die Männer, ein extra Raum für die Frauen, die keine Kinder
mehr bekommen und ein extra Raum für die Ehefrauen.
Um
10.30 Uhr verlassen wir Bobo um nach Broum Broum zu fahren, etwa 180 km entfernt und zwar nur Holperpiste.
Landschaftlich ist es mal wieder sehr reizvoll, schöne knallrote Vögel sitzen
hier und da auf den Hirsekolben, das
Leben auf der Straße ist immer wieder spannend, es gibt soviel zu sehen,
winkende Kinder, Eselskarren, Ziegen- oder Kuhherden überqueren die Piste,
Frauen mit ihren Schüsseln auf dem Kopf gehen zum Markt oder sie sind wieder
auf dem Weg nach Hause, in der Regel tragen sie zusätzlich ein Kind auf dem Rücken. Eine Frau begegnet uns, sie trägt 10
Paletten Eier auf dem Kopf – unglaublich. Das stundenlange Pistenfahren ist
aber auch sehr anstrengend, der Bus holpert und klappert mühsam voran. Wir
kommen an drei wunderschönen bunten Märkten vorbei, aber wir haben keine Zeit
anzuhalten, da wir eh schon ein bisschen spät dran sind. Aber beim Vorbeifahren
bekommt man auch einen Eindruck von dem regen Treiben.
Wir
erreichen um etwa 14.00 Uhr Diéoubougou, wo wir uns gemütlich
draußen in einer Bar unter Bäumen hinsetzen und eine kühle Cola
trinken. Eigentlich haben wir genug vom Fahren, ein Glück, dass wir da noch
nicht wissen, was auf uns zukommt, wir hätten alle gestreikt. Um 14.40 Uhr
verlassen wir Diéoubougou und haben noch 45 km bis zum Ziel vor uns. Die
Piste ist total schlecht zu befahren, zudem kommt ein Gewitter, es regnet
auf die sowieso schon aufgeweichte, schmierige – schlammige Piste. Die
vielen Schlaglöcher sind voll Wasser, man sieht nicht mehr, wie tief sie sind.
Der Bus rutscht hin und her und es regnet an allen Fenstern in den Bus. Bernhard
hat für unsere afrikanische Abkürzung A.S.A.O. eine neue treffende Definition
gefunden: African Safari and Adventure Organisation.
Es
wird langsam dunkel, regnet wie aus Gießkannen und wir mit unserem rutschenden
Bus auf der Piste mitten im Busch in Afrika. Lustig findet das keiner mehr, wir
sind alle ziemlich mit den Nerven fertig, keiner rechnet mehr damit, dass wir
unser Ziel noch erreichen. In Broum Broum hat auch keiner mehr mit uns
gerechnet, aber Punkt 18.00 Uhr sehen wir das Ortsschild. Wir sind heilfroh,
dass wir die Nacht nicht im Bus verbringen müssen, schlagen unsere Zelte in
einem großen Klassenraum eines Frauenzentrums auf, die Feier ist buchstäblich
ins Wasser gefallen, da wir 6 Stunden Verspätung hatten. Wir bekommen aber Gott
sei Dank noch was zu essen. Charly
bittet den Lehrer, der uns
pitschenass empfangen hat, weil er auf einem anderen Weg
mit seinem Moped ewig lange auf uns gewartet hat, für
morgen einen Allrad-Pick-up zu organisieren, der uns begleiten soll und
im Notfall weiterhelfen kann. Der Lehrer meint, das ist kein Problem. Nach dem
Abendessen gehen wir alle früh ins Bett, wir wollen morgen ganz früh
aufstehen, da wir nicht wissen, wie wir wegkommen, es regnet nämlich immer
noch.
Mittwoch,
den 11.10.2000:uf
und im Bus verpackt und frühstücken. Danach besichtigen wir das fast fertige
Collège mit Lehrerhäusern, einige Leute haben noch einen Tanz aufgeführt, sie
schenken uns Pfeile und Bogen sowie einen Hahn. Wir fragen nach dem Pick-up, der
uns begleiten soll, aber es gibt leider doch keinen, der Lehrer verabschiedet
uns mit den Worten: „Gott fährt mit euch“.
Wir
verlassen um 08.05 Uhr Broum Broum und sind nicht gerade in Hochstimmung, da wir
den gleichen Weg wie gestern vor uns haben und auch noch von Bobo nach
Ouagadougou (365 km) fahren müssen.
Nach
2 Stunden Holper-Matsch-Piste warten an einer Kreuzung einige Leute aus dem Dorf
Damkoblé, sie haben einen Antrag für den Bau einer Schule gestellt. Sie wollen
Charly, Götz und Anselm mit in ihr Dorf nehmen (ca. 4 km), aber aufgrund der
widrigen Pistenverhältnisse und Zeitnot werden die Verträge auf der Straßenkreuzung
unterschrieben. Wir fahren weiter und nach 3 ½ Stunden erreichen wir Diébougou,
ohne uns festzufahren, es geht besser als wir gedacht haben. In Diébougou
machen wir eine kurze Tankpause, essen ein Bananenbrot und weiter geht’s.
Kurz
vor Erreichen der geteerten Straße bei Bobo macht der hintere rechte Reifen
komische Geräusche. Es ist der Ersatzreifen, da der reparierte Originalreifen völlig
blank war, hatten wir bei der Reifenpanne den Ersatzreifen aufgezogen. Die Felge
passt wohl nicht, wir wechseln den Reifen, das geht relativ schnell, wir haben
ja schließlich einen Wagenheber. An der nächsten Werkstatt halten wir an und
der „gute“ Reifen wird auf die richtige Felge montiert. Das wird eine längere
Sache, denn der Schlauch geht beim Wechseln kaputt. Während der Wartezeit beschäftigen
wir uns mit den Dorfkindern. Unser Hahn genießt den leeren Bus und hüpft von
einem Sitz zum anderen. Wir schauen an der Werkstatt einem Mechaniker beim
Fahrradschlauchstopfen zu.
Nach
einer guten Stunde können wir dann endlich gegen 16.00 Uhr
weiterfahren. Wir haben für unseren reparierten Reifen eine Rechnung von
1,50 DM bezahlt. Ab hier haben wir noch 365 km vor uns, aber geteerte Straßen,
wir können jetzt etwa 60 km pro Stunde fahren. Die Straße ist mit Schlaglöchern
übersät, keine Seiten- und keine Mittelstreifen, keine Beleuchtungspfosten,
also nicht mit unseren Straßen zu vergleichen. Zwischendurch halten wir an
einer Brücke an, wo viele Kinder im Fluss baden oder von der Brücke ins Wasser
springen, ein paar Frauen halten Waschtag und Kinder kommen mit Kühen zum
trinken. Wir haben dieses Bild auf Fotos und mit der Kamera festgehalten. Véroniques
getrocknete Mangoscheiben sind immer wieder eine leckere Abwechslung auf der
langen Fahrt. Es wird langsam dunkel und wir haben noch eine weite Strecke vor
uns. Die Schlaglöcher sehen wir nur noch, wenn wir eigentlich schon
durchgefahren sind, ab und zu fahren Autos ohne Licht auf unserer Seite oder
es kommen uns Autos oder Lkws ohne Licht entgegen. Unglaublich! Wir
machen eine kurze Trinkpause, damit unser Fahrer sich ein wenig erholen kann, er
hat ja schon etliche Stunden hochkonzentriert am Steuer gesessen. Nach etlichen Kontrollen kurz vor der
Stadt erreichen wir nach 15 ½ Stunden
um 23.45 Uhr Ouagadougou. Marie-Thérèse hat noch gut gekocht für uns. Wir
stellen die Zelte in Anselms Innenhof auf und fallen todmüde auf unsere
Isomatten.
Donnerstag,
den 12.10.2000:
Nach
dem Mittagessen fahren wir mit einem Taxi in
die Innenstadt zum Zentralmarkt, wo wir uns mit Lydia und drei Leuten aus
dem Heim verabredet haben. Das Leben und Treiben in Ouagadougou wird mir wohl
noch lange in Erinnerung bleiben – unglaublich was da los ist. Am Markt
angekommen, setzen wir uns in ein Café um auf Lydia zu warten, die dann auch
bald kommt. Sie hat einen Jungen aus dem Heim mitgebracht, der sich hier gut
auskennt und dessen Bruder mit einem Freund auch bald auftaucht. Wir erklären
ihnen, was wir kaufen wollen und sie laufen los und besorgen uns die Sachen.
Petra hat für Charly noch einiges zu besorgen und so können wir in Ruhe
aussuchen, ohne dass uns die Verkäufer im Gedränge in Scharen nachlaufen. Wir
erstehen Batikkarten, Batiktücher, Kerzenständer, Holzfiguren usw. Wir handeln
gute Preise aus, da wir in großen Mengen einkaufen. Rita kauft sich noch eine
schöne Weste. Nach 2 ½ Stunden ist alles besorgt. Ich wäre gerne noch über
den Zentralmarkt spaziert, um einen Eindruck von dort mit nach Hause zu nehmen,
aber dafür war’s jetzt zu spät. Wir sind froh über unsere Einkäufe und
fahren gegen 18.00 Uhr mit dem Taxi wieder zurück, auch ein Erlebnis um diese
Uhrzeit. Ein Wahnsinnsbetrieb auf den Straßen, alles fährt kreuz und quer, ein
Gehupe und ein tierischer Gestank nach Benzin. Marie-Thérèse hat mit Hilfe
ihrer Schwester und dem Hausmädchen das Abendessen fertig. Rita und Götz sind bei Lombo und Rachel eingeladen und übernachten
auch dort. Petra und Bernhard packen noch bis spät, Simone und ich gehen ins
Zelt, die letzte Nacht in Afrika. Ich schlafe sehr schlecht, der Hund, der
unmittelbar neben unserem Zelt festgebunden ist, bellt bis spät in die Nacht.
Um
halb fünf fängt unser mitgebrachter Hahn an zu krähen, er hat sich dafür
direkt neben unser Zelt gestellt, am liebsten würde ich ihm den Hals rumdrehen,
das hat dann auch ein paar Stunden später ein Hausarbeiter getan, wir bekommen
ihn zum Mittagessen. Petra und Bernhard schlagen beim Frühstück vor, wir können
doch als kleine Überraschung für Marie-Thérèse einen Kuchen backen. Wir
machen uns auf den Weg, um die Zutaten zu besorgen, eine ziemliche
Herausforderung! Außer Butter können wir alles kaufen, aber wir wissen, dass
Marie-Thérèse noch welche hat. Mit vereinten Kräften backen wir einen handgerührten
Apfelkuchen. Er gelingt recht gut und Marie-Thérèse freut sich sehr. Sie hat
in den letzten zwei Tagen unermüdlich für uns gekocht und uns umsorgt.
Nach
dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg zum Kinderheim, um Lydia zu besuchen.
Der Fußweg ist recht lang und bei der Mittagshitze nicht unbedingt ein Vergnügen.
Bei Lydia angekommen, besichtigen wir das Jungen- und auch das neu gebaute Mädchenheim.
Ich bin beeindruckt, wie gut organisiert und sauber hier alles ist. Wir trinken
noch eine Cola und machen uns auf den Heimweg, da wir ja auch langsam an die
Heimreise denken müssen.
Gegen
15.00 Uhr sind wir wieder zurück, packen langsam aber sicher unsere sieben
Sachen, Rita und Götz sind auch wieder eingetroffen. Es kommen noch einige
Leute, um sich von uns zu verabschieden, wir sagen schweren Herzens Marie-Thérèse
auf Wiedersehen und werden zum Flughafen gebracht. Bernhard begleitet uns noch,
er fliegt erst morgen mit der restlichen Gruppe zurück. Wir geben unser Gepäck
auf und haben noch relativ viel Zeit.
Ein
Lehrer aus Satiri, der Götz einen wunderschönen afrikanischen Anzug hat nähen
lassen, kommt noch an den Flughafen, um uns zu verabschieden. Anselm lässt es
sich nicht nehmen, nachdem er gerade von seinem Trip mit den Anderen zurückgekommen
ist, noch schnell zum Flughafen zu kommen und Tschüss zu sagen. Wir starten mit
einer halben Stunde Verspätung und fliegen wieder Richtung Heimat.
Unsere Heimreise verläuft völlig reibungslos und relativ stressfrei,
ich habe es mir schlimmer vorgestellt.
Wir erreichen Hillesheim am Samstag, dem 14.10.2000 um 13.00 Uhr. Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein. Es war für mich ein unvergessliches Erlebnis, ich brauche noch viel Zeit, all die Eindrücke, die ich sammeln durfte, zu verarbeiten. Ich durfte vor Ort miterleben, wie sehr sich die Menschen über ihre neuen Schulen freuen und wie wichtig es ist, sie zu unterstützen.