Baumwolle – das weiße Gold Afrikas
Götz Krieger
Als ich Anfang September in Burkina Faso ankam, blühte die Baumwolle, die Pflanzen waren noch sehr niedrig, da die eigentliche Regenzeit in diesem Jahr verspätet kam. An vereinzelten Pflanzen öffneten sich nur spärlich die ersten Knospen. In den folgenden Wochen war auf den Feldern kaum Tätigkeit zu sehen, ab und zu behandelte eine Person die Pflanzen mit Schutzmitteln.
Anfang Oktober wurde ich in aller Frühe
geweckt: mit Eselkarren wurden zahlreiche Stühle und Tische zum Nachbarhaus
gebracht, Frauen trugen Holz und große Gefäße herbei, ein Fest wurde
vorbereitet. Die verschiedenen Gemeinschaften, die die Baumwolle gemeinsam
anbauen, feierten im Hinblick auf die zu erhoffende Ernte, die sich günst
ig
ankündigte.
Gegen Ende Oktober wurden die ersten Felder vereinzelt geerntet, die gepflückte Baumwolle wurde auf dem jeweiligen Feld gelagert. An einem Morgen erschienen sehr viele junge Männer in meiner Nachbarschaft, ein lautes Palaver setzte ein und ihr Gelächter war nicht zu überhören. Sie fingen an, das Gras und das Gebüsch, das in der Regenzeit gewachsen war, abzuhacken und den Boden völlig freizulegen – für mich eine völlig unverständliche Tätigkeit. Auf dem freigelegten Gebiet, das ungefähr 30 x 50 Meter groß war, wurden weitere kleinere Felder mit den Hacken eingezeichnet.
Einige Tage später begann die Haupternte. Von früh am Morgen bis lange nach
Sonnenuntergang brachten Kinder und Jugendliche mit Eselskarren die gepflückte
Baumwolle zu dem von den Männern freigelegten Lagerplatz und stapelten sie in
den jeweiligen Feldern kunstvoll auf, manche Haufen hatten die Form von Käse.
Auf den Feldern waren unzählige Menschen um ihr „weißes Gold“ zu ernten. Selbst
in der größten Hitze war das Geschnatter, das Gelächter und auch die Gesänge der
verschiedenen Gruppen zu hören. Es
vermittelte mir die Vorfreude über das bevorstehende Entgeld für ihre Mühe. Die
Mittagsmahlzeit wurde auf dem Feld eingenommen, die Frauen hatten hierzu alles
auf ihren Köpfen in großen Gefäßen mitgebracht. Auch die Babys, die immer dabei
sind, bekamen ihre Muttermilch. Ältere Frauen hüteten die Kleinstkinder im
Schatten von Bäumen während die Mütter in der Sonnenglut ernteten.
Während ich Fotos machte, jede und jeder wollte aufgenommen werden, wurde ich von dieser überschäumenden Vorfreude der Ernter angesteckt, gleichzeitig schnürte sich mir der Hals zu: einige Tage zuvor hatte ich in den Nachrichten eines französischen Senders erfahren, dass der Weltmarkpreis für Baumwolle weiterhin fällt – ein Ergebnis der Subventionen der USA für ihre minderwertige Baumwolle, die den Preis drückt. Was bleibt den burkinischen Bauern übrig? Sie haben Kredite bei der Monopolgesellschaft „Sofitex“ für den Kauf von Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmittel aufgenommen und werden frühestens im April für ihre geleistete Arbeit ausgezahlt, manchmal müssen sie sogar über ein Jahr auf ihr Geld warten. Was bleibt ihnen vom Traum vom „weißen Gold“?
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