AMPO – Das Gute geht nie verloren

Selber leben!

 

 

Es ist heiß in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso in Westafrika. 1,3 Millionen Einwohner leben hier. In der Innenstadt gibt es wenige Etagenhäuser, in den Außenbezirken drängeln sich die Wohnhäuser aus Lehm. Jetzt, in der heißen Zeit, schlafen die Familien draußen, Großmütter, Väter, Babys und Tanten nutzen den leisen Windhauch der Nacht, denn am Tage sind es 46° C.

Trotz der Hitze sind im AMPO Projekt für Straßenjungen, 29 Kerle pfeifend und singend bei der Arbeit. Alle sind zwischen 14 und 22 Jahren alt. Sie wohnen hier gemeinsam, schlafen auf Matten, jeder hat eine kleine Kiste für Bekleidung. In den vorgebauten eigenen Werkstätten lernen sie den Beruf des Schweißers oder Schreiners. Einige von ihnen gehen außerhalb in die Lehre und werden Mechaniker. Die Arbeit ist hart und strikt organisiert. Wer hier faul ist und nicht arbeitet, der wird nicht lange im Projekt bleiben- das ist die einstimmige Meinung aller Jungs. Eine fundierte Ausbildung erhalten und später gute Arbeit leisten können, das eröffnet eine Perspektive in die Zukunft.

Vor einigen Monaten baten die Jungen um Hilfe – sie wollten Lesen, Schreiben, Rechnen lernen. Der angestellte Lehrer sollte zweimal in der Woche kommen, aber das reichte den jungen Männern nicht – jetzt kommt er jeden Abend, um ihnen Kurse zu geben.

Alle sind mit Feuereifer bei der Sache, noch um Mitternacht findet man sie über ihre Hefte gebeugt. Ihr Wissensdurst ist unermesslich – es scheint als wollen sie all die Jahre auf der Straße, in denen sie nie eine Schule besuchen konnten, so schnell wie möglich aufholen. Und ihre Motivation hat Berechtigung, denn auch hier in Burkina Faso findet ein Schreiner, der seine Kostenvoranschläge und Rechnungen selber ausstellen kann, eine bessere Anstellung und ein höheres Gehalt.

Zurzeit ist dieses Projekt von AMPO einer der schönsten Aufenthaltsorte. Hier strahlt eine solche Hoffnungsfreude, hier herrscht ein so gelassener aber effizienter Ton- jedes Mal wieder bekommt man hier gute Laune.

Dies alles ist Issaka Kargougou zu verdanken. Ihn fand Katrin Rohde vor sieben Jahren, kurz vorher war er aus dem Gefängnis entlassen worden, wo er wegen Diebstahls einsaß. Er selbst lebte auf der Straße. Mit seinen Erfahrungen ist er „Profi“ in diesem Metier – er kennt ihre Sprache, die Verstecke vor der Polizei und all die vielen Tricks, die das tägliche Leben erleichtern!

Er wurde ihr Lehrling in Sachen Helfen. Gemeinsam besuchten sie abends und nachts die vielen verschiedenen Banden von Straßenjungen in der Stadt, acht Monate lang. Wir saßen einfach nur zusammen mit ihnen und versuchten, ihr Leben von innen heraus zu verstehen. Etliche andere Hilfsprojekte bieten den Straßenjungen alles: Essen, Bekleidung, Betten und Ausbildung. Trotzdem laufen sie dort immer wieder weg. Was konnten wir anders machen? Jungen, die zwei oder fünf oder sieben Jahre unter schwersten Bedingungen auf der Straße überleben, sind absolut bereit, ihre Entscheidungen und Schritte selbst zu treffen, aber sie müssen sich diese aus freiem Willen selbst erarbeiten.

So ließen wir sie erst einmal lange warten und Pläne schmieden. Dann boten wir ihnen- ein leeres Grundstück! Zuerst machten sie lange Gesichter, dann packten sie zu. Da standen sie nun, unsere dünnen Freunde mit der Droge in der Tasche, und begannen strahlend 3000 Lehmsteine selber herzustellen. Stolz zeigten sie uns täglich die Blasen an den Händen. Zu Beginn gab es noch einige Rangeleien, einige Jungen gingen, neue kamen. Die Bedingungen waren hart, denn für eine einzige Mahlzeit am Tag mussten sie mit fünf Eseln und Karren losziehen, um Sand für Bauunternehmer zu sammeln. Eine harte Arbeit! Wer das ein halbes Jahr durchhielt, durfte eine Lehrstelle seiner Wahl antreten.

Mittlerweile konnten durch Spenden die Banko-Hütten ersetzt werden, vieles ist komfortabler geworden – sogar einen Fernseher gibt es. Und dennoch, kein Neuling wird aufgenommen, wenn er nicht die harte Prüfung besteht, ein halbes Jahr mit dem Eselskarren loszuziehen! Wenn er hier seinen Willen zeigt, sein Leben wirklich zu verändern und motiviert ist hart zu arbeiten, ist er in der Gemeinschaft herzlich willkommen!

Die Regeln, nach denen sie leben möchten, stellen sie selbst auf. Die Grundpfeiler sind: keine Drogen, keine Messer, keine Mädchen. Der Alltag ist von einer fundierten Demokratie bestimmt. Ständiger Ansprechpartner ist der gewählte Präsident – sowohl für die Kinder, als auch für das Personal. In der Gruppe besitzen alle das gleich Stimmrecht – ob sie 14 oder 20 Jahre alt sind, von Anfang an oder seit gestern dabei!

Ob die selbstgegebenen Regeln eingehalten werden – da kontrollieren sich die Jungen gegenseitig und bei Verstoß wird gemeinsam über Sanktionen beschlossen. Immer da, wo die Jugendlichen nicht weiter kommen, wo es gilt schwierige Probleme zu lösen, ist Issaka Kargougou da. Selbst in der Nacht ist er ständiger Ansprechpartner für „seine Jungs“ – sein kleines Häuschen steht auf demselben Grundstück!

Unter der Leitung von ihm sind seit Beginn des Projektes 1998 insgesamt 48 Jungen bis hin zurück in ihre Dörfer integriert worden. Einige haben inzwischen geheiratet, etliche haben sich selbständig gemacht. Sie alle besuchen am Wochenende ihre Brüder im AMPO- Projekt,  sie werden dann als leuchtendes Beispiel angehimmelt- so wollen sie alle auch einmal werden!  

 

 

Infokasten

 

AMPO (Association Managré Nooma Pour la Protection des Orphélins), bedeutet auf Deutsch: Das Gute geht nicht verloren- das Motto der inzwischen zahlreichen Projekte in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos in Westafrika.

Burkina Faso ist etwas kleiner als Deutschland. Die Ausbreitung der Wüste Sahara und Missernten nach ausgebliebenem Regen treiben immer mehr Menschen zur Landflucht. Die Bevölkerung der Hauptstadt wächst jährlich um 10%.

Kinder sind oft die ersten Opfer der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen. Viele landen auf der Straße. Ihnen und vielen Waisenkindern schaffen wir bei AMPO ein neues Zuhause, eine heilere Welt, in der sie wieder Mut fassen können und eine Chance für die Zukunft haben.

Aus kleinen Anfängen ist inzwischen eine Organisation gewachsen, die in der Bevölkerung auch „Königreich für die Armen“ genannt wird. Zu den Projekten gehören mittlerweile:

-          ein Waisenhaus für 58 Jungen

-          ein Waisenhaus für 44 Mädchen

-          das Straßenjungenprojekt

-          eine Rollstuhlwerkstätte

-          zwei Behindertenwerkstätten

-          eine Krankenstation mit gynäkologischer Station und Labor

-          und ein Mädchenberatungszentrum.

 

Die Mittel kommen hauptsächlich aus Deutschland, aber auch aus anderen europäischen Staaten. Die Partnerorganisation Sahel e.V. informiert über die Arbeit, sorgt für die Finanzierung der Projekte und koordiniert alle Abläufe.

 

Claudia Simonis arbeitet seit Dezember 2001 in dem Waisenheim für Straßenkinder in Ouagadougou im Rahmen des Anerkennungsjahres als Diplom-Heilpädagogin.

 

Wenn Sie für obige Projekte speziell etwas spenden möchten, geben Sie bitte bei der

Überweisung an den Solidaritätskreis als Betreff  „Waisenheim“ an.