
Baumwolle: Preisverfall durch Subventionen
Kleine Produzenten in den Entwicklungsländern werden in den Ruin getrieben
Baumwolle ist für manche Staaten Westafrikas das wichtigste Exportprodukt, doch in den letzten Jahren ist damit kaum noch Geld zu verdienen. Der Weltmarktpreis ist abgestürzt, viele Bauern mussten aufgeben. Schuld daran sind vor allem die Subventionen, die US amerikanische Baumwollproduzenten erhalten.
Die amerikanische Baumwolle ist qualitativ schlechter als afrikanische oder indische, denn sie wird von Maschinen geerntet. Das Pflücken von Hand ist viel schonender, wäre in den USA aber viel zu teuer. Dennoch haben die USA binnen weniger Jahre ihren Anteil an den weltweiten Exporten verdoppelt. Dabei produzieren die rund 25.000 Baumwollfarmer in den USA keineswegs billiger als die internationale Konkurrenz – im Gegenteil.
Die Baumwollbarone in den Südstaaten der USA erhalten milliardenschwere Subventionen. In den vergangenen drei Jahren überstiegen diese Beihilfen bei weitem den gesamten Wert der exportierten Baumwolle. So kann amerikanische Baumwolle zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt geworfen werden. Statt mit Baumwolle Geld zu verdienen, zahlen die USA kräftig drauf und haben so mittlerweile fast 40 Prozent des Weltmarkts erobert. Mit Marktwirtschaft hat das nichts mehr zu tun. Manche Kritiker sprechen sogar von schlimmerer staatlicher Planwirtschaft als in der einstigen Sowjetunion.
Auch in Spanien und Griechenland wird der Anbau von Baumwolle subventioniert. Nirgends auf der Welt erhalten die Baumwollproduzenten mehr Beihilfe pro Ballen als in der EU. Auch in China haben Subventionen Tradition. Doch China und die EU exportieren nicht annähernd so viel wie die USA. Deshalb drücken vor allem die amerikanischen Beihilfen auf den Weltmarktpreis.
Leidtragende sind die zahlreichen Kleinbetriebe in den Entwicklungsländern. In Westafrika leben Millionen Menschen vom Anbau der weißen Faser. In Burkina Faso ist jeder fünfte Einwohner vom Erlös aus der Baumwolle abhängig. Auch in Mali oder Benin gehört das „weiße Gold" zu den wichtigsten Einnahmequellen.
Noch vor zehn Jahren konnten aus dem Baumwollverkauf Gesundheitsdienste und Wasserleitungen finanziert werden, viele Bauern konnten ihre Kinder zur Schule schicken. Damit ist es vorbei. Seit die USA den Anbau drastisch ausgeweitet und die Subventionen für ihre Farmer vervielfacht haben, ist der Weltmarktpreis so gefallen, dass Gewinne nicht mehr möglich sind. Allein in der Saison 2001/2002 haben die rund dreieinhalb Milliarden Dollar US-Beihilfen den Weltmarktpreis um rund 22 Cents pro Pfund gedrückt – etwa ein Drittel des Preises, der ohne US-Beihilfen zu erzielen gewesen wäre.
Die USA geben für Subventionen an ihre 25.000 Baumwollfarmer etwa dreimal so viel aus wie für die Entwicklungshilfe an die rund 500 Millionen Menschen in Afrika. Anders ausgedrückt: Allein die US-Subventionen für Baumwolle kosten die baumwollexportierenden Länder Westafrikas hunderte Millionen Dollar und werfen die Entwicklung dieser Länder um Jahre zurück. Auch innerhalb der amerikanischen Landwirtschaft wird die Baumwoll-Lobby gehätschelt. Für Baumwolle werden mehr Beihilfen gezahlt als für Sojabohnen und alle Getreidesorten zusammen.
www.welthungerhilfe.de
Für erste Anzeichen einer Änderung lesen Sie den Artikel aus der "Welt" vom 01. 03. 2004