Das Foyer Sainte Monique in Schwierigkeiten
- Rita Krieger –
Soeur Véronique Pémou brauche ich
eigentlich nicht mehr vorzustellen, trotzdem zunächst einige Sätze zu ihrem
Werdegang und Projekt, dem „Foyer Ste Monique“:
Véronique gehört dem katholischen Orden „Institut Badenma“ an. Sie ist eine kluge, selbstbewusste, moderne Frau aus Sara (Westburkina), studierte in Nantes und Lyon Literatur und Theologie mit Magisterabschluß, hat 2001 das „Foyer“ gegründet und leitet es zusammen mit zwei Mitschwestern –Elise und Cécile – und vier Novizinnen bzw. Postulantinnen: Pélargine, Céline, Marie und Eugénie. Die sieben Frauen sind von Sonnenaufgang bis spät in die Nacht mit Haus- und Gartenarbeiten beschäftigt, beten mehrmals am Tag in der hauseigenen Kapelle, feiern hier Gottesdienste und strahlen im übrigen eine unglaubliche Lebensfreude aus. Das Motto der Benediktinermönche könnte man hier abwandeln: „Bete, arbeite und lache!“ Das ganze Haus ist von Gesang, Arbeit und Fröhlichkeit erfüllt, strahlt Stille und Heiterkeit aus. Die Neubesinnung und Ruhe, die ich nach meiner Pensionierung in einem Kloster suchen wollte, habe ich hier gefunden.
Lange vor dieser Reise hatte ich geplant, nicht zwei Wochen durch den Busch zu fahren, sondern auf Einladung von Véro eine Woche in Banfora zu verbringen. Da ich über 30 Jahre als Kunsterzieherin gearbeitet habe, reizte es mich schon lange, die afrikanische Stoffärbetechnik „Bogolan“ kennenzulernen und auszuprobieren. Das habe ich mit viel Vergnügen und (mäßigem!) Erfolg getan.
Ein kurzer Exkurs dazu:

„Bogolan“ ist eine traditionelle afrikanische Färbe- bzw. Schablonendrucktechnik. Der Begriff stammt aus der Dioula-Sprache und heißt schlicht „Erde“. Und Erde oder Lehm sind auch die Hauptbestandteile bei dieser Technik. Der weiße Stoff – meist eine Art Damast – wird zunächst mit Chemie- bzw. Naturfarben gefärbt und zum Trocknen in die Sonne gelegt. Nun folgt das Wichtigste: ein Färbebad mit Blättern vom N`galama-Baum. Diese Prozedur wird dreimal wiederholt. Jetzt kommen Plastikschablonen ins Spiel, geschnitten aus Röntgenfolien (und erbettelt im Krankenhaus!). Lehmerde aus einem Marigot (stinkt schön!) wird mit Hirsewasser vermischt, bis alles eine sämige Konsistenz hat und dann mit einer Art Nagelbürste auf den Stoff gedrückt. Dabei muß man sehr sauber arbeiten, sonst fransen die Ränder des Motivs aus. Wieder wird der Stoff zum Trocknen in die Sonne gelegt, dann wird die Erde abgewaschen und das gewünschte und gedruckte Motiv erscheint schwarz auf dem gefärbten Untergrund.
Am 11. Oktober erhielt ich aus Deutschland die Nachricht, dass meine längste und beste (Studien)Freundin Ingrid ihrer schweren Krankheit erlegen war. Die Schwestern im Foyer haben mir mit ihrer warmherzigen und empathischen Art sehr geholfen, diese schlimme Mitteilung zu verarbeiten. Wir haben gemeinsam für Ingrid mit dem Priester der Pfarrei einen wunderschönen persönlichen Trauergottesdienst gestaltet, zusammen geweint, gebetet, gesungen und der Priester erlaubte mir über Ingrids Leben und gemeinsame Erlebnisse zu sprechen.
Nun ist es an der Zeit, dass ich dem Leser das Foyer vorstelle:
Sainte Monique ist ein Heim oder Internat für Mädchen, die von hier aus die umliegenden Schulen besuchen.
Zur Zeit leben 48 Mädchen in vier Häusern. In Gruppen zu jeweils 4 organisieren sie sich selbst, kochen, waschen, erledigen ihre Einkäufe auf dem Markt. Auf diese Selbstversorgung legt Véronique größten Wert, sonst würde sich der Aufenthalt erheblich verteuern, da Frauen angestellt werden müssten, die diese Arbeiten erledigen.
Die Schülerinnen sind 12 bis 19 Jahre alt. 8 sind Vollwaisen, 3 Halbwaisen. Es sind auch Mädchen dabei, deren Eltern krank oder behindert sind und nicht arbeiten können. Fast alle kommen aus der näheren Umgebung: von der Mouhounschleife oder den Wasserfällen. Einige wenige stammen aus Nagséné, Bobo oder Péni.
Die meisten Mädchen absolvieren die Schule mit Erfolg – vor allem diejenigen, die Paten haben – studieren oder machen eine Krankenpflegeausbildung.
Fünf besuchen die Universitäten in Koudougou und Ouagadougou. Auch eine handwerkliche Ausbildung wird angeboten: als Näherin, Stickerin, Färberin und seit diesem Jahr auch im Bereich Tourismus.
Als ihre Hauptaufgabe sieht es Véronique an, Mädchen, die aufgrund ihrer Herkunft oder familiären Situation Schwierigkeiten haben, eine solide Ausbildung mitzugeben. Dafür ist sie unermüdlich auf Sponsorensuche. Religionszugehörigkeit spielt im Heim keine Rolle. Es gibt auch Muslimas hier.
Einige Mädchenschicksale hat sie mir geschildert:
Aminata ist 16 und mutterseelenallein. Ihr Vater lebte im Senegal, kümmerte sich nicht um die Familie. Die Mutter ist bei einer Geburt gestorben, kurz danach auch der Vater, der schon sehr alt war. Eine betagte mittellose Frau im Dorf nimmt sich ihrer an, hat aber kein Geld sie zur Schule zu schicken. Nur mit Unterstützung ihres Paten kann sie das Geld aufbringen.
Auch Jeanne (14) lebt allein. Beide Eltern sind bei den Unruhen an der Elfenbeinküste ums Leben gekommen. Nach einem Appell von Vénant – Verfassungsrichter und Freund Anselms – hat ihr Charly einen Paten besorgt.
Die Eltern von Diane (16) sind Analphabeten. Seit einem Arbeitsunfall – Sturz aus 10 Meter Höhe – kann der Vater nicht mehr arbeiten.
Nadine (13) hat eine unheilbare, mit großen Schmerzen verbundene Krankheit, die in Afrika weit verbreitet ist: Sichelzellenanämie. Die Familie hat neun Kinder, nur zwei davon können die Schule besuchen.
Laurentine (15) ist Vollwaise. Auch ihr ist ohne Patenschaft kein Schulbesuch möglich, da sie überhaupt keine väterliche Familie mehr hat.
Soeur Véronique bedankt sich von ganzem Herzen bei allen Spendern und Paten, die dazu beigetragen haben und immer noch beitragen, dass das Heim „funktioniert“ und dafür sorgen, dass viele Mädchen eine Chance haben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
Seit zwei Jahren jedoch ist das Heim in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, ausgelöst durch die Lebensmittelkrise und allgemeine Teuerung im Land. Beides trifft natürlich auch die übrige Bevölkerung hart.
Kostete beispielsweise ein Sack Reis 2006 noch 17,50 €, so müssen jetzt 29,50 € dafür hingelegt werden. Speiseöl und Obst sind kaum noch zu bezahlen. Fleisch ist ganz gestrichen. Die Milch ist so teuer geworden, dass nur noch ein Drittel gekauft werden kann: 50 Kilo Trockenmilch kosteten vor 2 Jahren umgerechnet 64 €, jetzt 188 €.
Trotz sofort eingeleiteter Sparmaßnahmen (schärfste Kontrollen bei Wasser- und Stromverbrauch, eigener Obst- und Gemüseanbau, Herstellung und Verkauf von Tischdecken, Kleidern und Taschen), weiß Véronique nicht, wie sie ihre finanzielle Situation verbessern und die Versorgung der Mädchen sicherstellen kann.
Natürlich möchten der Solidaritätskreis und Soeur Véronique die Paten nicht noch mehr belasten, deshalb suchen wir dringend andere Spender, die das Heim unterstützen wollen.
Eventuelle Einzelspenden für das Foyer bitte unter dem Vermerk „Foyer Sainte Monique“ oder „Banfora“ auf das Konto des Solidaritätskreises einzahlen!