Rita Krieger
Schönheit und Würde,
gepaart mit Gastlichkeit und Offenheit Fremden gegenüber – diese
Eigenschaften afrikanischer Frauen beeindruckten mich schon auf meiner ersten
Reise nach Burkina Faso. Dies umso mehr als die Gastfreundschaft Fremden gegenüber
in unserer hochzivilisierten mitteleuropäischen Industriegesellschaft
zunehmend abhanden kommt.
Von drei Frauen, die ich
1997 und während unserer diesjährigen Reise traf, habe ich viel über Leben
und Alltag der burkinischen Frau in der Stadt und im Busch erfahren.
Eine von ihnen ist
Rachelle Gnoumou. Sie lernte ich 1997 in Ouagadougou kennen
und stehe seitdem mit ihr und ihrem Mann Lombo, der uns als Stipendiat
in Deutschland besuchte, in regelmäßigem Briefwechsel. Bei unseren
Aufenthalten, wo wir immer im Hause Gnoumou wohnen, verwöhnt sie uns mit
raffinierten afrikanischen Gerichten, für deren Vorbereitung sie fast einen
ganzen Tag in ihrer vergleichsweise einfach ausgestatteten Küche steht.
Rachelle hat eine sechsjährige
Tochter, Lina, und unterrichtet Geographie und Geschichte an einem Gymnasium in
der Hauptstadt. Sie hatte das seltene Privileg studieren zu dürfen. Die älteren
Brüder bezahlten ihr die Ausbildung – eine
Tradition in Westafrika – denn Rachelle war erst drei Jahre alt, als
ihr Vater starb.
Im Haushalt von Rachelle
und Lombo lebt noch ein zwölfjähriges Hausmädchen, eine entfernte Verwandte
der Familie, das gegen Kost und Logis die groben Arbeiten im Haus erledigt: den
Hof fegt, Geschirr spült, Linas Wäsche wäscht, putzt. Sie entstammt einer
Familie mit zwölf Kindern, hat keine Schule besucht, kann nicht lesen und
schreiben, spricht kein Französisch. Rachelle wird ihr später die Aussteuer
bezahlen.
Es ist durchaus übliche
Praxis in Westafrika, dass Leute, die eine Arbeit haben, anderen, die arbeitslos
sind , einen Job anbieten. So gibt es zahlreiche „geringfügig Beschäftigte“
in einem Haushalt: Kindermädchen, Putzfrau, Nachtwächter, Gärtner. Die Löhne
sind niedrig, auch für afrikanische Verhältnisse.
Marie-Thérèse Sanou,
die Ehefrau unseres afrikanischen Repräsentanten Anselm Sanou, beschäftigt
mehrere Hausangestellte. Von den beiden Hausmädchen gehört die eine zur
Verwandtschaft aus Thérèses Herkunftsdorf. Gegen
Kost und Logis hilft sie im Haushalt
und besucht nebenbei die Schule. Marie-Thérèse hat eine fünfjährige
Tochter, Mechthild, und ist im achten Monat schwanger, adrett, fröhlich und hat
uns – d.h. eine immerhin dreizehnköpfige Reisegruppe – unermüdlich mit
ihren Kochkünsten verwöhnt. Thérèse erzählt, dass in
einem Arbeitsverhältnis stehende Frauen in Burkina Anspruch auf drei
Monate Mutterschaftsurlaub haben, den sie entweder vor oder nach der Niederkunft
nehmen können. Thérèse möchte bis zur Geburt arbeiten. Während der
Schwangerschaft hatte sie Malaria, was zu Komplikationen führen kann, aber glücklicherweise
verlief alles glatt. Thérèse bildet in einer staatlichen Institution Sekretärinnen
aus und möchte nach dem Mutterschutz weiterarbeiten.
Véronique Pémou kannte
ich schon von Deutschland, denn sie war im Sommer 2000 zu Gast bei Familie
Reineke in Daun, wo wir uns anlässlich einer Ruanda-Ausstellung kennenlernten.
Véronique ist Nonne und hat in Nantes und Lyon Literatur und Theologie mit
Magisterabschluss studiert. Sie unterrichtet im Rahmen ihrer Ordensgemeinschaft
am Collège
de Sainte Thérèse in Banfora und kümmert sich daneben im Institut
Badenma um die Erziehung und Berufsausbildung
von Mädchen aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Véronique machte
große Augen und wollte zuerst gar nicht glauben, dass wir tatsächlich unsere
Pläne wahrmachen und im Herbst nach Burkina reisen würden, als wir uns in
Banfora das erste Mal trafen. Immer wieder besuchte sie uns hier und in
Bobo-Dioulasso während ihrer Pausen und Freistunden und beschenkte uns mit
kulinarischen Köstlichkeiten wie Erdnussplätzchen, Früchten und getrockneten
Mangos. Auf dem Markt von Bobo, wo wir afrikanische Musikinstrumente erwarben,
unterstützte sie uns beim Handeln (und machte sich natürlich bei den Händlern
unbeliebt!). Ohne ihre Hilfe hätte man uns sicher gewaltig übers Ohr gehauen.
Auch in den Dörfern im
Busch haben wir großartige und faszinierende Frauen gesehen. Allerdings ist
hier die Verständigung schwierig, denn kaum eine Frau hat die Schule besucht
und spricht deshalb auch nicht die offizielle Landessprache Französisch,
sondern ihren Stammesdialekt. Die Frauen sind schön anzusehen mit ihren
gebatikten oder gewebten Kleidern. Dazu gehört auch immer eine passende
Kopfbedeckung, die in kunstvoller
Weise um den Kopf gewickelt wird. Jüngere Frauen und Mädchen tragen meist ein
Baby auf dem Rücken in einem speziellen Tragetuch, das hin und wieder
zurechtgezurrt wird, wenn es sich gelockert hat. Alle Lasten werden von den
Frauen auf dem Kopf transportiert: Schüsseln oder Eimer mit 20 bis 30 Litern
Wasser, das vom kilometerweit entfernten Brunnen geschöpft wird, Wäsche, Holz,
Erntegut. In der Stadt sahen wir einmal eine Frau, die mindestens 15 Paletten
frische Eier auf dem Kopf balancierte. Auch wenn die Frauen manchmal bei
Zeremonien sehr ernst wirken, ist ihre Gastfreundschaft legendär. Durch das ständige
Balancieren schwerer Lasten haben sie einen anmutigen wiegenden Gang und fließende
Bewegungen. Besonders schön gekleidet und geschmückt sind die Frauen und Mädchen
bei den Peulh, einem
wohlhabenden, früher
nomadisierenden Hirtenvolk, das in den 70er Jahren wegen der anhaltenden
Trockenheit seine Weideplätze im Sahel verließ
und im mittleren und südlichen Teil Burkinas sesshaft geworden ist.
In den Dörfern im Busch
leben 80% der burkinischen Bevölkerung, die Analphabetenquote liegt landesweit
bei etwa 85%. Man kann grob sagen, dass jedes fünfte Mädchen und jeder dritte
Junge zur Schule geht. Als Gründe für die schwache Beteiligung der Mädchen am
formalen Schulsystem sind zu nennen: einmal die schlechte Infrastruktur (was natürlich auch die Jungen
betrifft), zum anderen werden die Mädchen bei der Hausarbeit und zum Kinderhüten
gebraucht und haben sowieso einen niedrigeren gesellschaftlichen Status. Viele
Eltern stehen auf dem Standpunkt, dass eine Investition in Schulbildung sich für
Mädchen nicht lohnt, da sie ja heiraten und damit der Familie verloren gehen.
In den Dörfern, in denen der Solidaritätskreis Schulen baut, wird die Bevölkerung
angehalten, 50% Mädchen einzuschulen. Ihnen wird auch das Schulmaterial in den
ersten Jahren bezahlt. Natürlich ist klar, dass wir Europäer damit in
die gewachsenen gesellschaftlichen Strukturen des Landes eingreifen, denn
Mädchen mit Schulbildung haben eindeutig schlechtere Heiratschancen, zumindest
auf dem Land. Aber ohne Schulbildung kann
es keinen Fortschritt geben.
Burkinas
Wirtschaftssystem beruht auf der sog. Subsistenzwirtschaft, d.h. weitgehender
Selbstversorgung mit de Lebensnotwendigen aus Land- und Viehwirtschaft.
Innerhalb der Großfamilie auf dem Land ist die Aufgabenteilung genau
festgelegt: Die Männer sind fürs „Grobe“ zuständig, für Arbeiten also,
die viel Körperkraft verlangen, aber nur sporadisch anfallen: Hausbau,
Dachreparaturen, Jagd, Schlachten des Viehs, Rodung und Urbarmachungder Felder
und je nach Ethnie Pflege der Felder und Ernte. Aussaat, Ernte und
Erntetransport sind fast immer Aufgabe der Frauen. Mit einer weltweit als „natürlich“
angesehenen Selbstverständlichkeit sind die Frauen auch für die Hausarbeit
zuständig, die in Afrika besonders mühselig ist, denn auf dem Land gibt es
kein fließendes Wasser und keinen elektrischen Strom. Die Frauen sammeln
Brennholz im Busch, tragen es kilometerweit nach Hause, holen Wasser vom
Brunnen, kochen, halten Haus und Hof sauber.
Dazu kommt, dass sie sich um ihr jeweils jüngstes Kind intensiv kümmern;
etwa bis in die Mitte des dritten Lebensjahres wird es gestillt
und ständig -auch bei der Feldarbeit- auf dem Rücken getragen.
Um etwas Bargeld zu
haben, betreiben viele Frauen in Stadt und Land Kleinhandel mit selbstangebauten
oder gesammelten Produkten, wie Erdnüssen, Tomaten, Auberginen, Kürbissen,
Yams etc. Manches wird vor dem Verkauf veredelt: Butter aus Kariténüssen,
Soumbala, eine Gewürzkugel aus den Samen des Néré-Baums, selbstgebrautes
Hirsebier, Dolo, in Fett gebackene Küchlein aus Bohnen-, Maismehl, Erdnusspaste
oder frittierte Yams.
Der Arbeitstag einer Bäuerin
sieht etwa so aus:
6 bis 8 Uhr
Wasser holen vom
Brunnen (längerer Fußmarsch, aber auch Treffpunkt mit anderen Frauen, wo
die neuesten Nachrichten ausgetauscht werden)
Feuer anmachen (Holzknappheit)
Reinigung
Frühstück (Rest Hirsebrei vom Vorabend)
8 bis 10 Uhr
Arbeit auf dem Feld (Maniok,
Erdnüsse, Gemüse)
10 bis 16 Uhr
Gemeinsame Feldarbeit
Mittagessen – ein Imbiss im Schatten
16 bis 17 Uhr
Sammeln von Holz und Feldfrüchten auf dem (langen!) Rückweg
17 bis 20 Uhr
Wasser holen, Mais, Hirse stampfen, Abendessen kochen und Kinder
versorgen
Zusätzliche Arbeiten:
Vorratshaltung, Karitébutter herstellen, Wäsche, Arztbesuche, Besuch von
Verwandten oder Kranken, Kleinhandel auf dem Markt, Vorbereitungen für ein Fest.
Mit ihrer Aufgabe, zu säen,
zu ernten, die Mahlzeiten zuzubereiten und Kinder zur Welt zu bringen, kommt der
afrikanischen Frau eine tragende Rolle in der afrikanischen Gesellschaft zu.
Von der Mutter wird die
Tochter auf ihre Pflichten als Bäuerin, Hausfrau, Ehefrau und Mutter gründlich
vorbereitet. Mit der Eheschließung geht die Tochter mitsamt ihren künftigen
Kindern in die Familie des Ehemannes über und nun kommt der „Brautpreis“
ins Spiel, den der künftige Ehemann in Form von etwa 20 Hühnern, 3 Ziegen,
Tuchballen usw. entrichten muss, um
die abgebende Familie für den wirtschaftlichen und emotionalen Verlust zu
entschädigen.
Die Fähigkeit der Frau,
Kinder zu gebären, ist eine wichtige Voraussetzung für ein glückliches und
erfülltes Leben in der afrikanischen Gesellschaft und verschafft ihr Ansehen
und Respekt. Kinderlosigkeit ist ein Fluch und ein Scheidungsgrund. Auch eine
unverheiratete Frau ist nicht besonders geschätzt, jedoch mehr geachtet als
eine kinderlose Ehefrau. Diese Aussagen gelten für die Frauen auf dem Land, in
der Stadt, wo andere Lebensbedingungen und Strukturen herrschen, sind die alten
traditionellen Vorstellungen schon aufgeweicht.
Kinderreichtum wird in
Westafrika als Zeichen von Gottes Segen angesehen und hat die Funktion der
Altersversorgung. Geburtenregelung kennen und praktizieren die meisten Ethnien
nicht. Jede Frau bringt durchschnittlich 7 Kinder zur Welt, bei Frauen mit guter
Ausbildung liegt die Kinderzahl bei 2 bis 3. Durch die hohe Kindersterblichkeit (Malaria,
Infektionskrankheiten) wird das rasante Bevölkerungswachstum in Grenzen
gehalten. Dennoch nimmt die Einwohnerzahl Burkinas jährlich um 2,68 % zu
(zum Vergleich in Deutschland: Minuswachstum) Die Geburt eines Kindes ist
in der afrikanischen Gesellschaft immer ein freudiges Ereignis, bei der Geburt
eines Jungen ist die Freude ein wenig größer, denn ein Mädchen geht der
Familie ja irgendwann an die Schwiegerfamilie verloren.
Aber das Thema
Familienplanung hat in Burkina Faso auch
Einzug gefunden. 1986 wurde ein nationales Familienplanungskonzept
verabschiedet. Seither wird über die Problematik Geburtenkontrolle auf dem Weg
über die Gesundheitsdienste und Schulen aufgeklärt.
In den Städten stellt
sich die Lebenssituation der Frauen anders dar. Die Männer gehen dort häufig
einer Lohnarbeit nach, um die Miete, das Getreide, die Schulsachen für die
Kinder und Medikamente zu bezahlen. Die wenigsten Frauen haben eine bezahlte
Arbeit. Um ein paar Mark zu verdienen, verkaufen sie an der Straße oder auf dem
Markt gegarte Speisen, Gemüse und Obst oder selbstgenähte Kleidung. Der
Haushalt liegt auch hier in ihrer Zuständigkeit, ist jedoch weniger kraft- und
zeitaufwendig dank der vorhandenen Wasserzapfstellen und motorgetriebenen
Getreidemühlen. Auch die Töchter werden früh zur Hausarbeit herangezogen. Sie
verkaufen geeisten Ingwersaft, Orangen, Erdnüsse und tausend andere
Kleinigkeiten.
Viele Frauen arbeiten in
der Stadt als Verkäuferin, Schreibkraft, Büroangestellte oder Hausmädchen.
Die Polygamie (genauer:
Polygynie) ist eine bei den muslimischen und animistischen Gruppen in Westafrika
verbreitete Lebensform. Etwa ein Drittel aller Ehen auf dem Land ist polygam.
Der Anteil der Muslime beträgt in Burkina etwa 50%.
(Im übrigen leben die drei großen Religionsgemeinschaften Muslime,
Christen und Animisten absolut friedlich nebeneinander und miteinander und
respektieren sich gegenseitig) In
der Regel sind polygame Ehen im Islam
auf vier Frauen beschränkt, wobei immer sichergestellt sein muss, dass der Mann
in der Lage ist, alle ausreichend zu ernähren. Jede Frau hat ihre eigene Hütte,
in der sie mit ihren Kindern lebt, ihren Haushalt, ihren Acker, ihre Hühner und
Ziegen und zieht allein Nutzen aus dem Überschuss ihrer Arbeit. Nach einem
gewissen Rotationsprinzip isst und
schläft der Ehemann jeweils bei einer seiner Frauen. Für afrikanische Männer
ist die Polygamie eher eine Verpflichtung als ein Vergnügen, denn hält er sich
nicht an die Regeln strengster Gleichbehandlung, ist der Unfriede ständiger
Gast im Haus.
Die bei den Mädchen
durchgeführte Genitalverstümmelung, auch verharmlosend „Beschneidung“
genannt, ist nach einer UNO-Konvention weltweit verboten. Dennoch werden in
Burkina wie in ganz Afrika Mädchen verstümmelt, entweder als Kleinkinder , spätestens
bevor sie heiraten. Es gibt keine Statistiken, aber ein Experte in Ouaga schätzt,
dass etwa 70% aller burkinischen Frauen beschnitten sind. In vielen ländlichen
Gebieten sind praktisch alle Frauen beschnitten. Während die Beschneidung bei
Jungen aus hygienischen Gründen sinnvoll sein mag und einen relativ kleinen
operativen Eingriff darstellt, werden die Geschlechtsorgane der Frauen und Mädchen
auf schlimmste Art verstümmelt. Und sie bleiben es ein Leben lang, denn der
Eingriff ist nicht rückgängig zu machen.
Drei Formen der
weiblichen Beschneidung unterscheidet man.:
Bei der sunnitischen
Beschneidung wird nur die Vorhaut der Klitoris abgetrennt.
Am weitesten verbreitet
ist die Klitoridektomie, bei der die Klitoris und die kleinen Schamlippen
teilweise oder vollständig amputiert werden.
Der schwerwiegendste
Eingriff ist die pharaonische Beschneidung mit Infibulation. Klitoris und kleine
Schamlippen werden vollständig und die großen Schamlippen teilweise
abgetrennt. Die verbleibenden Hautreste näht man bis auf eine reiskorngroße Öffnung
zusammen.
Die „Operationen“
werden in der Regel mit einfachsten unsterilen Werkzeugen vorgenommen:
Rasierklingen, Scheren, Messern, Glasscherben und Deckeln von Konservendosen.
Die Operateure sind traditionelle Heilerinnen, Hebammen, Barbiere. In der Stadt
gibt es professionelle Beschneider. Der Eingriff, der dem Mädchen
aus traditionellen Gründen vom Clan aufgezwungen wird,
dauert oft eine halbe Stunde und wird ohne Narkose durchgeführt. Mehrere
Frauen halten das Mädchen dabei mit Gewalt fest.
Die Genitalverstümmelung
ist mit einem hohen Gesundheitsrisiko verbunden, deren ganzes Ausmaß im Dunkeln
liegt. Es gibt keine Statistik darüber, wie viele Mädchen bei der Prozedur
verbluten oder an Tetanus oder anderen Infektionen sterben oder an Spätfolgen
wie Depressionen und Komplikationen bei Menstruation und Geburt leiden.
In keinem anderen
afrikanischen Land wird jedoch so
offensiv gegen die sexuelle Verstümmelung von Mädchen vorgegangen wie in
Burkina Faso. Seit 1975 setzen sich Frauenvereinigungen vehement für die
Abschaffung der Beschneidung ein. Die Bekämpfung und Abschaffung ist zur
Staatssache geworden. Überall im Land finden seit 1990 Regionalseminare statt,
die vor allem in den Provinzen Aufklärungsarbeit
leisten. 1990 wurde auch das „Nationale Komitee zur Bekämpfung der
Exzision“ gegründet und ist dabei, einen Aktionsplan auszuarbeiten.
1994 starteten 30
Komitees auf Provinzebene die
Arbeit. Alle diese Aktivitäten umfassen Sensibilisierungsmaßnahmen,
Informationsseminare und informelle Treffen auf breiter Ebene. Medien und
Universitäten betreiben Öffentlichkeitsarbeit und Studien, aber die
finanziellen Möglichkeiten sind beschränkt.
Um solchen afrikanischen
Organisationen finanzielle,
technische und organisatorische Hilfe zu leisten, wurde 1996 von Christa Müller
der Verein (I)NTACT (Internationale Aktion gegen die Beschneidung von Mädchen
und Frauen) gegründet. Dabei ist „Hilfe zur Selbsthilfe“ angesagt, denn (I)NTACT
will sich nicht in fremde Kulturen einmischen und selbst keine Maßnahmen vor
Ort durchführen.
Zusätzliches Informationsmaterial:
Jochen
Collin: tchop-blew-pot
Ina
Nagel: Die kleinen Frauen Afrikas
Mitgliederrundbrief
1998 der Deutsch-Burkinischen Freundschaftsgesellschaft