Grundsätze des Solidaritätskreises Westafrika e V bei der Durchführung von Projekten

1.     Wir haben keine Partnerschaft mit einer bestimmten Stadt und wir wollen auch kein Gebiet in ein Paradies verwandeln, das von den benachbarten Orten beneidet wird, sondern wir führen unsere Projekte in allen Regionen von Burkina Faso durch. Wir stellen daher von vornherein klar, dass wir in einem Ort nur 1 größeres Projekt verwirklichen und unser Verein für weitere Maßnahmen nicht mehr zur Verfügung steht.

2.  Wir helfen und unterstützen niemals Einzelpersonen, sondern nur ganze Dörfer oder Gruppen. Die Übernahme von Patenschaften für Einzelpersonen ist bei uns nicht möglich, da sonst Neid und Missgunst entsteht. Es ist jedoch bei uns - genauso wie bei Misereor - möglich, eine Projektpatenschaft zu übernehmen, d.h. die Finanzierung eines Einzelprojektes ganz zu übernehmen bzw. zu bestimmen, für welches Vorhaben das gespendete Geld verwandt werden soll. Auf Wunsch erhält z.B. eine Schule den Namen des Spenders, und dieser kann auch an den Einweihungsfeiern in Burkina Faso teilnehmen.

3.  Wir führen Projekte nur durch, wenn wir in dem betreffenden Ort eine verantwortungsbewusste Person finden, die bei der Realisierung mithilft und die Bevölkerung zur Mitarbeit motivieren kann.
Die Bevölkerung muss Sand und Steine sammeln und Handlangerdienste leisten.

4.  Wir sind konfessionell und politisch unabhängig und bestimmen in eigener Verantwortung, wo und welche Projekte wir durchführen. Unsere Gelder werden zentral von unserem Repräsentanten in Ouagadougou verwaltet, der unmittelbar die anfallenden Rechnungen an die Bauhandwerker und Lieferanten bezahlt. Wir händigen also den ortsansässigen Vereinen keine Gelder aus und überlassen ihnen auch keine finanziellen Mittel für eigene Projekte, sondern wir realisieren nur die von uns selbst ausgesuchten Vorhaben.

5.  Mitglieder unseres Vereins besuchen regelmäßig die Dörfer, in denen wir Projekte durchgeführt haben bzw. durchführen wollen.
Unsere Projekte sind für die Dörfer kein „anonymes Geschenk“, sondern mit diesen Projekten werden freundschaftliche Verbindungen gepflegt. Die Bevölkerung weiß, dass wir wiederkommen werden, und hält die Gebäude in Ordnung.

6.  Da in Burkina Faso durchschnittlich nur 40 %  der schulpflichtigen Kinder eingeschult werden (in Schwarzafrika insgesamt werden 70 % aller Kinder eingeschult) und in den ländlichen Gebieten die Einschulungsquote noch viel geringer ist, fördern wir vor allem den Bau von Grund- und Realschulen.
Mittlerweile hat auch die Bevölkerung erkannt, dass die Schulbildung enorm wichtig ist.
Der Bau einer Schule wird in den meisten Fällen als das wichtigste Projekt überhaupt eingeschätzt. Schulbauten sind für uns unproblematisch, da der Staat unverzüglich die Lehrer schickt und die Unterhaltungskosten übernimmt. Die Schulbildung scheitert  also nicht an personellen Engpässen, sondern lediglich daran, dass der Staat nicht das nötige Kapital für den Schulbau und den Bau der Lehrerhäuser hat.
In Burkina Faso haben Lehrer wegen ihres geringen Gehalts einen Anspruch auf eine Dienstwohnung.
Wir fördern in dieser patriarchalischen Gesellschaft die Einschulung von Mädchen dadurch, dass wir für Mädchen in den von uns erbauten Schulen die Lehrmittel (Hefte, Griffel, etc.) bezahlen.

7.  Seit dem Jahre 1995 erhalten wir für unsere größeren Projekte Zuschüsse des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Höhe von 75 % der Projektkosten. Da wir auch vom Staat Burkina Faso als gemeinnützig anerkannt wurden, brauchen wir für Materialeinkäufe die 18 % Mehrwertsteuer nicht zu bezahlen.
Wir haben uns in den letzten Jahren auf den Bau von Grund- und Realschulen spezialisiert und errichten zur Zeit jährlich in Zusammenarbeit mit dem Ministerium jeweils ca. 5 Schulen, 17 Lehrerhäuser und 5 Brunnen in den ländlichen Gegenden von Burkina Faso.

8.  Wir sorgen dafür, dass bei den von uns finanzierten Schulen und Lehrerhäusern zahlreiche Bäume (keine Eukalyptusbäume !) gepflanzt und von den Schülern gepflegt werden, denn das Vordringen der Wüste muss unbedingt gestoppt und die Jugend insoweit auch sensibilisiert werden.
Durch eine Brunnenbohrung erhält ein ganzes Dorf einwandfreies Trinkwasser, und dies ist ein ganz wichtiger Beitrag für die Gesundheit. Die Bevölkerung muss sich jedoch schriftlich verpflichten, jedes Jahr eine gewisse Summe für die Unterhaltung und Reparatur der Pumpe einzusammeln, deren Verwendung wir kontrollieren.

9.  Wir können wegen der ungebremsten Bevölkerungszunahme auf dem Land gar nicht so viele Schulen bauen, wie die Kinderzahl ansteigt. Daher versuchen wir in Schulen und durch Frauenkurse wenigstens ein Problembewusstsein herbeizuführen. Unsere Projekte sind zwar von sehr großem Einfluss für die von uns geförderten Dörfer, sie können jedoch nicht die wirtschaftliche Lage verändern. Diese verändert sich nur, wenn wir in den Industrieländern unsere Einstellungen überdenken, den ärmsten Ländern die Schulden erlassen und für eine gerechtere Wirtschaftsordnung sorgen.