

Mit dem Allrad unterwegs
oder
Marathon im Schlamm
Montag, 09. 10.2006 –
Hans-Günter Haase
Nach einem noch sehr komfortablen Frühstück mit Baguette und Butter aus dem
"Kühlschrank", Salami, Käse und Marmelade fuhr die "Allradgruppe" mit Götz,
Hans, Maria und Veronika um 8:45 Uhr ab Richtung Norden über Duri, Safane,
Dédougou und Sassan nach Lanfiéra.
Bis Dédougou fanden wir jedoch eine sehr schlechte Strecke vor. Es hatte tags zuvor geregnet und die Piste war teilweise morastig aufgeweicht. Ab und zu säumten alte Alleenbäume die "Burkinische Seenplatte". Es ging maximal im 2. Gang vorwärts und wir brauchten für 100 Km ca. 3 1/2 Std. Nach kurzer Pause in Dédougou für den Toilettenbesuch und eine Cola dann eine kurze Rundfahrt durch die "Innenstadt", da keine Schilder uns den Weg wiesen. Mit dem Kompass, in dieser Gegend sehr wichtig, suchten und fanden wir dann die richtige Piste für die Weiterfahrt. Weiter nördlich nun wurde die Landschaft etwas karger und wir passierten öfters Ziegen- und Rinderherden, die von Kindern gehütet wurden.
Etwas schneller erreichten wir Lanf
iéra
trotzdem erst gegen 15:00 Uhr. Das umfangreiche Empfangskomitee wartete an der
Piste von Tougan her. Wir kamen aber aus dem Süden und fuhren direkt zur Schule.
So begrüßte uns der einzige an der Schule verbliebene Lehrer, der erst vor 2
Wochen dort angefangen hatte, mit ca. 250 Schülern mit lautstarkem Chor. Nachdem
dann die Honoratioren an der Schule eingetroffen waren, konnte das offizielle
Programm beginnen. Ca. 20 Schülerinnen trugen ein Lied vor. Es wurden kurze
Ansprachen gehalten und natürlich weitere Wünsche geäußert. Die Schule, ein
College, das Verwaltungsgebäude und der Brunnen wurden besichtigt. Am
Schulgebäude waren schadhafte Stellen und Risse, noch sichtbar, anscheinend erst
vor kurzem ausgebessert worden. Ansonsten machte alles einen relativ guten
Eindruck und die Schulbänke waren auch zum größten Teil noch intakt. Danach
besuchten wir den Imam und Dorfchef (über 90 Jahre alt) in seinem Haus. Ein
beeindruckender Empfang. Ein kleiner Imbiss und eine Cola im Haus des
Bürgermeisters beendeten unseren Besuch in Lanfiéra.
Bis zum Ortsrand wurden wir noch begleitet und fuhren dann weiter nach Norden kurz vor der malischen Grenze zu unserem nächsten Übernachtungsort nach Di. Ca. 6 Km vor Di erwartete uns eine Abordnung mit großem Aufgebot. 3 Autos und 11 Motorräder, die uns zum Collège eskortierten
- die Autos in der Mitte, die Motorräder vorne weg - machten uns den Weg frei. Mit gehisster Deutschlandstandarte fuhren wir zu einem der Lehrerhäuser. Nach umfangreichen Begrüßungen richteten wir uns dort dann für die Nacht ein. Es wurde noch ein gemütlicher Abend und der Pastis mit kühlem Wasser aus dem "Kühlschrank" war ein Genuss.
Dienstag, 10.10.2006 - Maria Götten
5h ist Aufstehen angesagt, da wir in die Sümpfe des Sourou fahren wollen, um Nilpferde zu sehen. Vorher hat der Muezzien schon lange und ausdauernd zum Morgengebet gerufen. Um 4.15h stimmt ein Hahn das Morgenkrähen an, welchem dann ein großer Chor von Hunderten von Hähnen aus der Umgebung nacheifert. Etwas später begrüßen dann auch die Esel den neuen Tag. Gegen 6h wird es hell.

Mit einer halben Stunde Verspätung kommen die Männer, die uns den Weg in die Sümpfe zeigen. Dort angekommen, steigen wir aus, können jedoch keine Nilpferde entdecken. Ein Bauer, der von seinem Reisfeld kommt und barfuss durch das knöchelhohe Wasser watet, sagt, dass die Nilpferde nicht mehr da seien. Nun fahren die Männer mit uns zu einer anderen Stelle, vorbei an Mais- und Hirsefelder, über Dämme zu großen Reisfeldern. Am Fuße des Dammes waschen Frauen ihre Wäsche, die sie in großen Schüsseln auf dem Kopf herbei tragen. Immer wieder staunen wir, dass sie die stark verschmutzte Wäsche nur mit ihren Händen und etwas Kernseife so sauber bekommen.
Vom Damm aus können wir in knapp 1 km Entfernung ein kleines Inselchen im Sourou erkennen. Unsere Begleiter wollen uns nun diese Insel zeigen und winken ein Boot heran. Das Boot wird mit einer ca. 3m langen Stange, welche ein starker, junger Mann kräftig in das gut 50cm tiefe Wasser bis auf den Grund stößt, in großen Schüben fortbewegt. Götz, Veronika und ich steigen ein, mir ist recht mulmig zumute. Hans zieht es vor, auf dem Damm zu bleiben. Sicher stakt der junge Mann das Boot mit uns und noch 10 Burkinabè zur Insel. 25 min. dauert die Fahrt durch schmale Wasserrinnen zwischen üppigen Reisfeldern. Hunderte Libellen in schillernden Farben umfliegen uns, über den Reisfeldern schaukeln bunte Schmetterlinge und kleine leuchtend rote und manchmal auch blaue Vögel fliegen umher.

Die Männer führen uns durch das eng zusammengebaute Dorf auf der kleinen Insel, wo ca. 200 Menschen in erster Linie vom Fischfang leben. Es sind sehr viele Kinder zu sehen, meist unterernährt und sehr schlecht gekleidet. Die Jüngeren sehen uns erschrocken an und laufen schreiend zu ihren Müttern. Unter einem Strohdach setzen wir uns zu einem Gespräch hin. An der Seite steht ein großes in Folie verpacktes Stromaggregat. Sie erklären uns, dass die Anlage ein Geschenk eines Ministers sei, sie aber keine Kabel und Birnen haben, um sie zu benützen. Die Männer wollen auch eine Schule auf ihrer Insel haben, wofür aber kein Platz vorhanden ist, was offensichtlich nur uns Europäern ein Problem ist. Zum Abschied erhalten wir zwei schöne ca. 40cm große Fische. Bei der Rückfahrt setze ich mich mit dem Rücken in Fahrtrichtung des Bootes und schaue zu den uns nachwinkenden Männern. Eine große Frau tritt zu ihnen und beginnt laut und dominant mit ihnen zu schimpfen – die Männer sehen ziemlich begossen aus. Zwischendurch zeigt sie mit der Hand zu uns auf das fortfahrende Boot. Ich glaube sie zu verstehen: „Ihr Männer haltet großes Palaver mit Bürgermeister und anderen Helden, aber hier passiert nichts, gar nichts. Wie das eingewickelte Stromaggregat steht ihr nutzlos herum. Unsere guten Fische verschenkt ihr an die da…“ So nehme ich es jedenfalls auf. Die Eindrücke der kleinen Insel bleiben noch lange vor meinen inneren Augen präsent.
Nach dem Frühstück beginnt in Di die offizielle Feier mit ca. 350 Menschen, die geduldig in der brennenden Sonne warten. Wie immer mit offiziellen Reden und dem obligatorischen Austausch von Geschenken. Vor unserer Abfahrt bereitet uns der Koch, den wir am Vorabend „Johann Lafer“ getauft hatten, die geschenkten Fische zu – es ist ein Wohlgenuss. Um 11h fahren wir los, doch kurz danach vermisst Hans sein multifunktionales Messer - er glaubt, es sei beim Einsteigen aus dem Auto gefallen. An die Schule zurückgekehrt, sucht er es vergeblich, bis ein Lehrer es auf dem Autositz findet. Durch die Sitzpartie scheint er wohl schon ein wenig Sensibilität verloren zu haben. Neuer Start. An der Ausfahrtsstrasse vom Dorf stehen die Honoratioren und winken uns zum Abschied. Ein großer, junger Lehrer tritt zu Götz ans Fenster und fragt ihn nach seinem Vornamen, da er in der Nacht Vater geworden ist und seinen Sohn nach ihm benennen möchte. So schnell wird Götz Pate.

Nun geht’s weiter gen Osten über Bassan
nach Tougan, eine größere Stadt mit Telecenter und Bar. Veronika und ich
rufen kurz zu Hause an und trinken anschließend in der Wanana-Bar eine kalte
Cola. Die Bedienung erkennt uns scheinbar als Deutsche, denn plötzlich ertönen
deutschsprachige Weihnachtslieder (oh Tannenbaum, Guten Abend, gute Nacht) aus
der Box. Wir fahren weiter Richtung Norden, die Strasse war eine einzige
Crossstrecke, manchmal nur noch eine „Wasserstrasse“, dann wiederum ist der Weg
vollkommen verschwunden und Götz sucht ein Durchkommen an den Seiten. Fünf
Kilometer vor unserem nächsten Ziel erwartet uns eine große Menschenmenge in
Kwaré Tocksel. Sie führt uns an die Stelle, wo die Schule gebaut werden
soll. Dort warten schon viele Kinder mit Schildern in der Hand, worauf steht,
dass sie eine Schule brauchen. Sand und Steine sind schon zum Teil gesammelt.
Die Trommler trommeln schon in Vorfreude über die neue Schule, die dann auch von
Götz zugesagt wird. Das Trommeln, Singen und Tanzen drückt geballte Lebensfreude
aus. Die Menschen tragen ihre besten Kleider, besonders den Frauen stehen die
schillernden, bunten Farben gut.

Danach fahren wir nach Toéni, wo vor 2 Jahren eine Schule gebaut wurde. Die 5 km sind so schwierig zu fahren, dass die ersten, die von Kware Toxel zu Fuß gingen, mit uns ankommen. Dort erwartet uns wieder eine riesige Menschenmenge mit großer Freude. Jäger schießen mit ihren Vorderlader ohrenbetäubende Böller. Das große Vorstellen beginnt, kurze Ansprachen und dann der Austausch von Geschenken: wir schenken jeder Schule einen Fußball mit Pumpe, eine Weltkarte, 50 Kugelschreiber, Teeshirts für die Lehrer, einen Solarrechner für den Schulleiter, Messer für den Dorfchef oder den Vorsitzenden der Elternvertretung und Hautcremes für die Frauen, die für uns kochen. Schon seit Jahren stellt uns die Firma „Weleda“ kostenlos Cremes zur Verfügung. Wir bekommen hier 3 Ziegenböcke, ein Schaf, das von den Peulh gestiftet wird, und einen Hahn geschenkt.

Um 17h fahren wir weiter, ein schwieriger
Weg liegt noch vor uns. Vier schwer bewaffnete Polizisten, je 2 auf einem
Moped, begleiten uns zum Schutz. Götz hat ihnen den Hahn geschenkt, der
kopfunter an der Lenkstange des Mopeds hängt. Mit wahrer Akrobatik suchen sie
in der Dunkelheit die fahrbaren Stellen des Weges. Für Götz ist es schwierig,
die besten Fahrmöglichkeiten zu finden. Gegen 19h erreichen wir in unmittelbarer
Nähe der malischen Grenze Soro. Gewaltige Böllerschüsse mit Stichflammen
erschrecken uns ziemlich. Begeisterte Trommler und die Bevölkerung winken uns
aus der Dunkelheit jubelnd zu. Vor einem Lehrerhaus bauen wir die Zelte auf. Wir
sitzen entspannt auf der Veranda und bestaunen den Sternenhimmel sowie den
abnehmenden Mond. Im Dorf hört man Trommeln, Gesänge und das freudige Treiben
der Einwohner. Als in unmittelbarer Nähe eine Glocke schlug, führte uns ein
Lehrer zu einer winzigen Kirche, ca. 3,50m x 4m. Der evangelische Pastor kam und
feierte einen Singgottesdienst begleitet mit Trommeln und Balafon in der
Stammessprache. In dem winzigen Raum fanden sich ca. 25 Personen, Kinder und
Erwachsene, ein. Auf dem Altar aus Bambushölzern stand eine kleine
Petroleumlampe. In dem kleinen einfachen Raum war es drückend heiß wie in einer
Sauna. Draußen standen auch noch Gläubige. Einige Kinder aus der ersten Bank
schauten sich um und sahen mic
h entsetzt an. Im schwachen Schein der Lampe
erschien ich ihnen wohl wie einen Geist! Ein Kind rannte hinaus, gefolgt von
drei anderen. Sie kamen nach einigen Minuten wieder zurück und setzten sich in
ihre Bank. Die Erwachsenen hatten ihnen wohl erklärt, dass keine Geistergefahr
besteht. Der Friedensgruß am Ende der Messe war erst beendet, als wirklich jeder
jedem herzlich und fest die Hand gereicht hatte. Ich fühlte mich wirklich tief
beeindruckt und bereichert und dem einem Gott über allem sehr nah. Die Glocke,
die wir gehört hatten, war eine Autofelge, die mit einer Eisenstange
angeschlagen wurde. So funktionierten auch die Schulglocken. Gegen 21.30h
erschienen aus der Dunkelheit 3 Frauen. Auf dem Kopf trugen sie Töpfe mit Reis,
Nudeln und Hühnchen, welches sie uns servierten, und verschwanden wieder in der
Dunkelheit. Mit uns aßen die Polizisten und zwei Lehrer. In unserem Proviant
waren noch in Schnaps eingelegte Kirschen, die wir uns nun gönnten. Im Dorf
wurde es ruhiger und wir krochen gegen 23h in die Zelte. Es war immer noch sehr
heiß. In der Ruhe der Nacht konnte man ein wahres Konzert der Frösche hören -
einige hörten sich wie ganz hohe Glöckchen an; man glaubte, auf einer Almwiese
zu liegen.
Mittwoch 11.10.2006 – Maria Götten
Mit dem Lied von gestern im Kopf, das wir in der Wanana- Bar gehört hatten (Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt), stehen wir um 6h auf. Duschen, ein halber Eimer Wasser, den man sich mit einem Becher über den Kopf schüttet, um die Seife abzuwaschen - die Technik ist am 3. Tag fast perfekt. Wasser ist ein kostbares Gut und darum gehen auch wir damit sparsam um. Es sind immer Frauen, die das Wasser bringen, in großen Schüsseln von 20 – 30l, sie tragen die Last auf dem Kopf und schütten es in eine bereitstehende Wanne, aus der wir schöpfen. Schnelles Frühstück, packen, Allrad beladen, denn für 8.30h ist die Visite angesagt. Götz spricht mit einem Arbeiter von Sahel Hydro, der Firma, die die Brunnen bohrt und erfährt, dass dieser noch heute nach Ouagadougou fährt. Er trägt ihm auf, in Toéni die drei Ziegen und das Schaf abzuholen und sie in Ouaga zu Anselm zu bringen. UPS auf afrikanisch. Die Begrüßungsfeier beginnt. Wir sitzen in der ersten Reihe vor der Sonne geschützt und werden von Vertretern der Bevölkerung sehr ehrfurchtsvoll mit Handschlag begrüßt. Ich komme mir (arsch) wichtig vor. Vor uns ist ein ca. 10x10m freier Platz, rechts stehen in Reihen geordnet die Schulkinder mit ihren Lehrern, auf den anderen Seiten die Bevölkerung, auch viele Kinder, die nicht oder noch nicht zur Schule gehen. Nur wenige Kinder tragen Schuhe, auch die Kleidung ist dürftig. Mir geht durch den Kopf, dass man mit dem Inhalt der Säcke der Kleidersammlung, die ich im Frühjahr auf LKWs verladen hatte, hier eine Modenschau aufziehen könnte. Aber wie wichtig wäre das wirklich? Klamotten sind doch sehr kurzlebig im Gegensatz zu dauerhaften Schulplätzen.
Geschenkeaustausch: Würdevoll in bunten
Gewändern führen die Dorfältesten 3 weitere Ziegen heran. Götz, Hans und ich
erhalten eine Ziege, Veronika ein Hühnchen, Götz auch noch
ein Hühnchen, ein
drittes Hühnchen übergibt mir eine Frau. Ihr Aussehen ist vom harten Leben
geprägt, sie strahlt Größe aus. Mir wird bewusst, dass sie mit einem sehr, sehr
großen Geschenk für uns ihren Dank ausdrückt. Ich wünschte mir, sie könnte das
Hühnchen am Abend mit ihrer Familie essen. Wir geben die Tiere wieder ab, sie
sollen später nach Ouaga gebracht werden, da wir ja noch 10 Tage unterwegs sind.
Wir begehen die Klassenräume. In einer Klasse sind 124 Kinder, diszipliniert
sitzen sie zu viert in kleinen Bänken und schauen uns mit großen Augen an, der
Lehrer muss sein Können wohl unter Beweis stellen. In der anderen Klasse sind 50
Kinder. Die dritte Klasse ist noch leer, da die Schule erst vor 2 Jahren gebaut
wurde. Um 10h brechen wir auf. Mit lauten Trommeln und vielen Böllerschüssen
werden wir verabschiedet.
Eine lange Fahrt steht bevor. Wir müssen den gleichen Weg von gestern zurück. Die ersten 14km sind kein richtiger Weg, sondern mehr Eselspfade. Hans bedient das GPS von Götz und lotst uns durch Büsche und Hecken, die an die Autoscheiben schlagen. Wir passieren eine Peulhsiedlung. Peulhs sind Nomaden und wohnen in runden, zeltartigen Hütten, die in der vollen Sonne in etwas größeren Abständen voneinander stehen. Götz erklärt uns den Stamm. Die Menschen sind meist sehr groß und haben schmale Nasen, blaue Farben kennzeichnen ihre Kleidung, manche Frauen haben sogar blaue Tätowierungen um den Mund. Große Viehherden mit Kamelen lagern um ihre Behausungen. Die Vegetation ist karg, buschige Baumsavanne wechselt mit Grassavanne und großen wüstenartigen Freiflächen. Das Gras ist jetzt unmittelbar nach der Regenzeit noch üppig. Dazwischen sind vereinzelt kleinere Hirsefelder. Der Allrad von Götz hat Klimaanlage und ist angenehm kühl. Draußen sind es 38°. Nach 3h sind wir in Dédougou, dort kommen wir auf eine ganz neue Teertrasse. Eine halbe Stunde können wir ca. 120 km/h fahren, die Strasse ist noch recht leer, etliche Eselkarren und wenige Autos begegnen uns. Neben der Teertrasse verläuft noch die alte Sandpiste, mit Abschnitten voller Alleebäumen, die noch von der Franzosenzeit zeugen. Leider endet die neue Strasse und die weiteren 100km führen über Baustraßen, die mal rechts mal links der im Bau befindlichen Trasse liegen. 15 Uhr: nach 4 Stunden sind wir in Kéra. Unangemeldet schaut Götz dort nach der Schule. Es ist wohl Mittagspause, endlos viele Kinder umringen uns, es ist aber kein Lehrer da. Ein herbeigerufener Lehrer unterhält sich mit Götz.
15.30h: die Fahrt geht weiter nach Satiri.
Dort treffen wir mit der Gruppe von Charlys Freund, Manfred Hillebrandt
zusammen. Dorfälteste und Bürgermeister gesellen sich zu uns. Da wir mit 3h
Verspätung ankamen, verschiebt Götz die Visite in Satiri auf später. Wir müssen
ja noch weiter nach Tiarako, wo wir mit Charlys Gruppe zusammentreffen
sollen. Um 19.30h kommen wir dort an. Seit 2h wartet die Bevölkerung auf uns und
begrüßt uns begeistert aus der Dunkelheit. Da es gewittrig ist, bauen wir die
Zelte in der Schule auf, Götz legt sich hin, es ist ihm übel und er ist sehr
müde. Um 22h kriecht er aus dem Zelt und ist besorgt, da Charlys Gruppe noch
immer nicht da ist und es keinen Handyempfang gibt. Er fährt mit dem Auto los,
um evtl. doch noch ein Handynetz zu finden. In der Zwischenzeit artet das
Gewitter in wolkenbruchartigen Regen aus. Der Regen prasselt und donnert auf das
Blechdach der Schule. Es ist so laut, dass man kein Wort verstehen kann. Der
Schulhof wird zu einem großen See. Nach 2h kommt Götz im dicksten Regen zurück,
er spricht von einer „Blindfahrt“, er konnte die andere Gruppe nicht erreichen,
geht aber davon aus, dass sie vor dem Regen in einer Schule Unterschlupf
gefunden hat. Noch immer etwas beunruhigt legen wir uns
in
die Zelte, in der Nacht gibt es immer wieder Schauer. Nach dem Gewitter ist es
angenehm kühl.
Donnerstag, 12.10.2006 – Maria Götten
Charlys Gruppe ist immer noch nicht da und
Götz beginnt mit der Einweihungsfeier. Reden, Trommelspiel und Maskentänze
wechseln sich ab. In zotteligen Kostümen, völlig vermummt, tanzen schwere große
Holzmasken in der brütenden Hitze wie in Trance. Die vermisste Gruppe trifft
gegen 11h wohlbehalten ein. Sie hatten vor dem großen Gewitter im Collège
Yéguérésso Schutz gefunden. Nach der Feier gibt es Essen und Getränke. Gegen 13h
fahren beide Gruppen zu getrennten Zielen ab. Wir durchfahren Bobo Dioulasso.
Vor und in der großen Stadt sind die Strassen voll von Mopeds, Fahrrädern und
Eselskarren. Frauen mit großen Schüsseln auf dem Kopf, das Baby auf dem Rücken,
tragen Sachen vom oder zum Markt. Es ist ein lebhaftes Treiben. Die Strassen
sind nach dem starken Regen in der Nacht fast Wasserstrassen. Unser Ziel war
Dogoma. Unterwegs rät man Götz wegen des schlechten Weges nicht dort hin zu
fahren, sondern nach Padema, dort ist auch eine Einweihungsfeier geplant.
Wir können nicht glauben, dass es einen noch schlechteren Weg geben kann! Um 17h
erreichen wir Padema. Auf der Veranda des Lehrerhauses s
tellen
wir die Zelte auf. Veronika und ich haben Durchfall, jetzt ist Treffsicherheit
auf der Latrine angesagt!!!
Götz ist ko und legt sich hin. Hans und ich sitzen draußen und bestaunen den Sternenhimmel. Hans, Kapitän eines Lufthansa-Jumbos, vermittelt mir einige Sternbilder, z.B. den Skorpion im Süden. Ab und zu tauchen Männer aus der Dunkelheit auf und erkundigen sich nach unserem Wohlergehen. Um 21h wird wieder von Frauen Essen gebracht. Von ganz fern hört man Trommeln und Singen bis spät in die Nacht. Zwei Polizisten wachen vor unseren Zelten. Wir achten darauf, sie bei unseren z.Z. häufigen, nächtlichen Toilettengängen, nicht zu wecken.
Freitag,13.10.2006 – Maria Götten

Wir sind zur Einweihun
g der Erweiterung des Collegès Padema bereit. Honorationen treffen ein. Gleichzeitig sollte
durch die Taxi-Brousse-Gruppe eine Einweihungsfeier in Dogoma erfolgen.
Die Taxi-Brousse-Gruppe hatte aber wegen der schlechten Straßenverhältnisse
kapituliert und die Nacht unangemeldet an der Grundschule Dafinso verbracht. So
wird uns ein Auto zur Verfügung gestellt, mit dem Hans und Veronika nach
Dogoma gefahren werden. Veronika berichtet, dass dort fast 1000 Menschen
warteten und ein großartiges Fest veranstaltet haben. In Padema zieht Götz die
Einweihung zügig durch - das Übliche: Begrüßungen, Geschenkeaustausch und gutes
Essen. Um 13h fahren wir ab zum nächsten Dorf, wo Hans und Veronika wieder zu
uns stoßen sollen.
Wir warten ein halbe Stunde und Götz glaubt, sie seien stecken geblieben, da es wieder ein starkes Gewitter gab. Aus diesem Grund fahren wir Richtung Dogoma. Die Strasse gleicht meist einem fließenden Bach. Dort angekommen erfahren wir, dass die andern schon weg sind. Es geht zurück zum vereinbarten Treffpunkt, wo Veronika und Hans nun auf uns warteten. Glücklich sind wir nun wieder zusammen und fahren mit 2h Verspätung nach Dandé. Dort wollen wir mit der anderen Gruppe übernachten. Wir durchfahren eine fruchtbare Gegend, vorbei an großen Hirse-, Mais-, und Baumwollfeldern. Frauen pflücken Baumwolle. Vor den Dörfern sehen wir sie in großen Holzmörsern die Hirse von den Ähren stoßen. Es ist eine sehr schwere und langwierige Arbeit. Die Frauen tragen alle Lasten auf dem Kopf. Auf einem Fahrrad fährt eine Frau vor uns, Holz auf dem Gepäckträger, Baby im Tuch auf dem Rücken, auf dem Kopf eine große Schüssel mit in einem Tuch zusammengebundenen Blättern. Eine fast artistische Leistung, besonders bei diesen Straßenverhältnissen. Ich habe den Eindruck, die Frauen tragen die ganze Last Afrikas. Sie wirken stolz und selbstbewusst und tragen stets ihre besten, bunten Kleider, wenn sie das Haus verlassen.

An den kleinen Dorftankstellen (ein Regal mit ca. 20 in Bierflaschen voller Benzin) sitzen oft 5 Männer unter einem Strohdach vor der Sonne geschützt und warten auf den nächsten Kunden. Auf den Strassen zwischen den Dörfern fahren wir meist allein. Vor den Dörfern oder größeren Orten nimmt der Verkehr etwas zu, viele Eselskarren, Mopeds und Fahrräder tummeln sich dort. An der Durchfahrtstrasse befindet sich meist ein Markt. Gegen Abend werden große Viehherden nach Hause getrieben, auch kleine Kinder von 6-8 Jahren treiben allein eine kleine Herde vor sich her. Die Mädchen haben oft noch ein Geschwisterchen auf den Rücken gebunden. Ich habe keine Männer gesehen, die schwere Lasten auf dem Kopf tragen. Sie transportieren diese Sachen auf dem Eselskarren oder auf dem Fahrrad, ganz selten sieht man auch ein Bullengespann. Gegen 16h erreichen wir Dandé. Die andere Gruppe ist schon da. Ohne Zeitdruck können wir die Nachtlager aufbauen und entspannt auf der Veranda sitzen und plaudern. Als man uns eine Neonröhre, die von einem Aggregat gespeist wird, vor unserem Lehrerhaus anbringen will, bitten wir um Entfernung, da wir sonst von den Mücken gefressen würden. Unsere abseits stehende Batterielampe reicht vollkommen aus.
Für morgen wird ein großes Fest vorbereitet, Zelte für den Sonnenschutz werden aufgestellt. Vor einem Lehrerhaus bereiten viele Frauen Essen vor. Alle Arbeiten werden auf dem Boden hockend oder in gebückter Haltung gemacht. Sie arbeiten im Dunkeln. Nur eine Petroleumlampe spendet in nächster Nähe ein spärliches Licht.
Da am Lehrerhaus nicht für alle 8 Zelte Platz ist, rücken wir mit 3 Zelten in ein vom Treiben etwas abgelegenes Lehrerhaus. Das Einschlafen wird mit Trommelmusik und Gesängen begleitet. Morgen wechseln Veronika und ich zur anderen Gruppe.
Sonntag, 15.10.2006 – Winfried Plein
Tour du Faso
Nur noch 8 km, wir haben die Hauptstraße
verlassen und suchen uns den Weg nach Fofara. Der Weg wird immer
schmaler, zwischen Mais und Baumwollfeldern f
olgen wir dem schlecht erkennbaren
Pfad. Grau-schwarzer Tonboden, der immer schlammiger wird, immer mehr Pfützen
und durchfeuchtete Abschnitte, und ca. 2 km vom letzten Ort entfernt nur noch
Sumpf. Nach jeder Kurve eine neue Überraschung. Wir benutzen schon die Ränder
der Felder, um noch etwas festen Boden zu haben und weiter zu kommen. Jetzt bloß
nicht anhalten. Vor uns eine große sumpfige Stelle, wir versuchen links vorbei
zu kommen, schlecht, noch sumpfiger und noch mehr Wasser. – Festgefahren -.
Die grobstolligen Reifen drehen durch und immer tiefer gräbt sich der 4x4 in den Morast. Jetzt ist Schieben angesagt. Wir graben die Reifen frei und versuchen mit Ästen und Grasbüscheln das Fahrzeug zu unterlegen, auch die Sandbleche kommen zum Einsatz, aber das Auto bewegt sich keinen Millimeter. Ein weiterer Versuch mit Frauen und Feldarbeitern, die uns helfen, bleibt genauso erfolglos.
Dabei hatte der Tag mit einem so schönen Sonnenaufgang begonnen, und wir ahnten noch nicht, was uns heute noch alles bevorsteht.
Es ist kurz vor 9.00 Uhr, als Götz, Hans, Heike und ich mit dem Allrad zu unserer Tour nach Fofara aufbrechen. Wir fahren zuerst noch auf einen kurzen Besuch zur alten Schule nach Faramana. Dort werden wir von Schülern, Lehrern, Dorfchef und Bürgermeister begrüßt. Man hätte hier gerne eine neue Grundschule, da die inzwischen 30 Jahre alte Schule nicht mehr dem neuesten Stand entspricht. Momentan besuchen 130 Schüler die 1. Klasse. Wir werden mit Gedichten, Tänzen und Balafonmusik unterhalten, und nach der Übergabe der Geschenke machen wir uns auf den Weg. Luftlinie liegt Fofara nur ca. 6 km von Faramana entfernt. Diese Strecke ist jedoch mit dem Auto nicht befahrbar und so müssen wir einen Umweg von fast 100 km machen, um dorthin zu gelangen. Hätten wir zu dieser Zeit gewusst, was uns bevorsteht, hätten wir uns mit Mopeds nach Fofara chauffieren gelassen. Es ist schon nach 13.00 Uhr als wir in Kayan ankommen, von hier suchen wir uns nun eine Straße, um nach Fofara zur Einweihungsfeier zu kommen. Eine Stunde später stecken wir hoffnungslos fest.
Während wir weiter vergeblich versuchen, das
Auto wieder frei zu bekommen, hat Götz sich auf den Weg in das 2 km entfernte
Ngolani gemacht, um Hilfe zu holen. 2 Stunden später, wir sitzen ziemlich
hilflos im Sumpf, hören wir plötzlich Mopeds. Man will uns abholen und nach
Fofara zur Einweihung bringen.
Nur mit dem Nötigsten, Papiere und Zelt, machen wir uns auf den Weg. Zuerst sind wir erleichtert, dass endlich etwas passiert, doch die Mopedtour zur Feier erweist sich, besonders für Heike, als Alptraum. Im Renntempo geht es quer durch den Busch. Man muss höllisch auf Äste, Sträucher, Steine und Schlaglöcher aufpassen, um nicht vom Moped zu fallen. Des öfteren wird angehalten und nach dem richtigen Weg gesucht, und irgendwann ist jedes der Mopeds auf einem anderen Weg und allein unterwegs. Es kommt noch schlimmer.
Der Weg, der sowieso schon lange keiner mehr
ist, endete plötzlich in einer riesigen morastigen und überschwemmten
Wiesenlandschaft. Wir müssen vom Moped absteigen, schieben und etliche hundert
Meter durch den Schlamm waten. Bis über die Waden im
Dreck versunken, schaffen
wir es dann doch noch bis vor die Tore von Fofara. Das letzte Stück
fahren wir dann wieder auf den Mopeds. Mit Salutschüssen und frenetischem Jubel
werden wir begrüßt. Inzwischen ist es schon 17.00 Uhr. Götz ist, Gott sei Dank,
auch schon da.
Die Einweihungsfeier ist leider schon fast vorbei, als wir endlich eintreffen, und so bekommen wir gerade noch das Überreichen der Geschenke mit. Nachdem wir die neue Schule besichtigt haben, können wir endlich die Füße und Kleider etwas vom Schlamm reinigen und beim Lehrer noch zu Abend essen. Aber es wird schon langsam dunkel, und da das Auto immer noch im Schlamm steckt, haben wir nicht die richtige Ruhe für einen Aufenthalt in Fofara.
Heike nutzt die Möglichkeit mit der Präfektin und ihrer Leibgarde zurück nach Kayan zu fahren.
Es ist schon dunkel als wir mit fünf Mopeds und acht Personen zurück durch den Busch wieder zum Allrad fahren. Nachdem wir das Auto entladen haben, versuchen wir erneut mit Sandblechen und Wagenheber das Fahrzeug zu bewegen. –Vergeblich –
Millionen Moskitos und der lauwarme Morast erschweren die Situation erheblich. Gegen 22.00 Uhr erreicht uns dann endlich Hilfe in Form eines kleinen Traktors aus Kayan. Mit zwei Taschenlampen als Scheinwerfer kommt er langsam den Weg entlang getuckert.
Erst zweifeln wir, ob es wirklich eine Hilfe sein soll, aber dieser kleine, starke Traktor und die vielen hilfsbereiten Afrikaner ziehen uns ganz souverän aus den Dreck, bis wir ein paar hundert Meter weiter wieder festen Boden unter den Rädern haben. Im Licht der Rückfahrscheinwerfer und Taschenlampen, Mücken in Nase und Ohren, beladen wir das Auto und beenden unsere Nachtaktion. Wir bedanken uns bei den vielen Helfern und verabschieden uns.
Um 24.00 sind wir endlich am Lehrerhaus von Kayan angekommen. Heike schläft schon, sie ist bei der Präfektin, sagt man uns, und wir können uns beruhigt und erschöpft ins Zelt legen.
Ein langer Tag, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird, geht hier zu Ende.
Montag, 16.10.2006 – Heike Plein
Gegen 5.30 werde ich wach. Die Nacht im Wohnzimmer der Präfektin (Bürgermeisterin) von Kayan ist vorbei. Meine Hüften schmerzen ganz schön, da ich die Nacht auf dem Boden, ohne Matratze auf einer dünnen Decke verbracht habe. Alle meine Sachen sind noch im Allrad, der jetzt -Gott sei Dank- bei der Schule von Kayan steht. Mitten in der Nacht hat man mir extra einen Boten geschickt mit der guten Nachricht, dass alle an der Schule sind und auch das Auto wieder frei ist. Danach konnte ich beruhigt schlafen.
Am Abend zuvor, nach der Einweihungsfeier in Fofara, hatte ich Gelegenheit mit der Präfektin und ihrer Leibgarde nach Kayan zurück zu fahren. Götz, Hans und Winnie wollten noch mal zum Auto zurück und einen erneuten Versuch starten „die Karre aus dem Dreck zu ziehen“. Ich war dankbar, nicht mehr mit in diesen Sumpf zu müssen. Es war schon 18.00 Uhr, kurz vor Einbruch der Dunkelheit, und meine Angst vor Moskitos und Schlangen wäre bestimmt für alle Beteiligten nicht sehr hilfreich gewesen.
Auf Mopeds, am Lenker auf jeder Seite ein
lebendes Huhn, auf dem Schoß ein Zelt und meinen kleinen Rucksack auf dem
Rücken, ging es zurück durch die Sümpfe von Fofara.
Stellenweise war der Weg so
schlammig und nass, dass wir absteigen und zu Fuß durch den Morast waten
mussten. Inzwischen war es stockdunkel und man suchte den best möglichen Weg.
Mehrmals mussten wir kehrt machen, um einen anderen Weg einzuschlagen. Es gab
einfach keinen Weg mehr der noch nach dieser Regenzeit erkennbar gewesen wäre.
So mussten wir uns quer durch Felder, vorbei an Sträuchern und Hirse einfach an
der Himmelsrichtung orientieren. Aber nachdem was uns schon alles an diesem Tag
passiert war, empfand ich dies Hin und Her jetzt eher abenteuerlich und nicht so
bedrohlich wie am Nachmittag. Auch fühlte ich mich in dieser Gruppe gut
aufgehoben.
Die Präfektin, eine etwas korpulente Dame mittleren Alters, fuhr auf dem Moped vor mir. Da der Boden an vielen Stellen sehr matschig war, konnte der Fahrer das Moped an einer ziemlich schlammigen Pfütze nicht mehr halten und kippte mit seiner wertvollen Fracht in den Matsch. „O Gott“ dachte ich nur, und half ihr beim Aufstehen. Statt sich zu ärgern, lachte sie sich fast weg, holte sich ein Büschel Gras, wischte sich den Matsch vom Kleid und setzte sich wieder aufs Moped. Nach gut 2 Stunden Fahrt, ich spürte meine Beine kaum noch, erreichten wir gegen 20.30 Uhr das Haus der Präfektin. Ich bekam lecker zu Essen, konnte mich gut in Englisch und Deutsch unterhalten und die Präfektin stieß mit mir, auf ihr „ kleines Missgeschick“, mit einem Glas Bier an.
Ich machte mir jedoch große Sorgen um die Männer im Busch beim Auto, bis ich dann erleichtert die Nachricht der erfolgreichen Bergung erhielt. Ich zog es dann aber vor, dort zu bleiben und erst am nächsten morgen zur Schule zu fahren.
Es ist jetzt 6.00 Uhr und man bringt mich zur Schule zu den anderen. Wir frühstücken und waschen erst mal die total verdreckten Kleider vom Vortag. Einige der Mädchen helfen mir dabei. Hans und Winnie reinigen die Sandbleche und das Abschleppseil vom Schlamm. Das Auto ist zwar mit Schlamm bis über die Fenster verspritzt, muss aber noch ein bisschen auf eine Wäsche warten.
Wir treffen uns noch einmal kurz mit den Schülern und Lehrern an der Schule, und nach kurzen Reden und Verteilen der Geschenke fahren wir zum Dorfplatz, wo man extra für uns noch einen Maskentanz organisiert hat, der schon für den Vorabend geplant war. Da unsere Zeit knapp ist, müssen wir uns zügig auf den Weg machen. Wir wollen noch nach Djigouéra, Koana-Sérékeni und Banakoro, wo wir übernachten wollen. Doch meistens kommt es anders als man denkt.

Djigouéra ist gut erreichbar. Nach einer netten Begrüßung durch die Schüler mit Musik und Tanz und Gesprächen mit Lehrern und anderen wichtigen Persönlichkeiten fahren wir gestärkt mit gutem Essen und einer riesigen Bananenstaude im Gepäck weiter nach Koana-Sérékeni. Hier soll eine Grundschule gebaut werden, und wir wollen uns die Situation vor Ort anschauen. Der Weg bis Sérékeni ist schon sehr abenteuerlich und unwegsam, und dauert für 10 km gut eine Stunde. Es ist schon 16.00 Uhr als wir ankommen. Hier erfahren wir, dass dies nur die Hälfte der Strecke ist, denn Koana liegt noch ca. 12 km weiter. Der Weg, der uns jetzt erwartet, gleicht eher einem Fußweg und wäre schon für ein Motocross Motorrad eine Herausforderung. Da es in Afrika um 18.30 dunkel ist, fragen wir, ob es eine Möglichkeit gibt von dort aus nach Banakoro zu fahren, da es bis dorthin nur wenige Kilometer sind. Die Antworten fallen sehr wage aus, aber niemand sagt, dass es nicht möglich wäre. Die Strecke ist sehr schwierig zu fahren und wir brauchen eine gute Stunde bis wir gegen 17.30 Uhr endlich Koana erreichen. Man begrüßt uns sehr nett, zeigt uns die jetzige Schule, zwei offene Hangars, mit Stroh gedeckt, mitten im Dorf. Für den neuen Standort, ca. 1 km vor dem Ort, ist auch schon ein Brunnen gebohrt. Es fehlen nur noch eine Einfassung und eine Pumpe. Banakoro liegt nur einige Kilometer entfernt, ist aber für die Schüler wegen des Flusses schwer zu erreichen.
Wir ahnen fürchterliches für unsere Weiterfahrt.
Ein begnadeter Balafonspieler unterhält uns
auf dem Dorfplatz mit den tollsten akrobatischen Kunststücken auf und unter
seinem Instrument. Es wird schon dunkel und wir wollen aufbrechen, um nicht so
sehr durch die Nacht fahren zu müssen. Jetzt sagt man uns, dass man den Fluss
nach Banakoro unmöglich überqueren kann, und wir leider wieder den ganzen Weg
zurück müssen.
Ein Moped fährt vor und zeigt uns den Weg. Da die Hinfahrt schon sehr spannend war, wissen wir was uns erwartet. Schmale Pfade, zerklüftet, mal sehr steil abfallend, durch ein Flussbett und auf der anderen Seite wieder steil bergauf. Mit einem „normalen Auto“ unmöglich zu befahren, und das alles im Dunkeln. Um uns herum wirken die nahen Felder sehr gespenstisch, und die Dornen der nahen Hecken zerkratzen mit lautem Quietschen den Lack des Autos. Götz fährt hochkonzentriert und perfekt mit uns durch die Nacht und den Busch von Burkina Faso. Nach 2 ½ Stunden erreichen wir wieder eine normale Straße. Es ist inzwischen 20.30 und wir wollen noch nach Banakoro, wo man uns schon seit 16.00 Uhr erwartet. Ich bin so müde dass ich einschlafe und erst gegen 22.30 in Koloko, nahe der malischen Grenze wieder aufwache. Wir haben den Weg nach Banakoro in der Dunkelheit nicht gefunden und uns entschlossen, in Koloko in einem Hotel zu übernachten. Für 5.000 CFA (ca. 8,- €) für zwei Personen, verbringen wir eine geruhsame Nacht, wobei wir unser Zelt als Mosikitoschutz auf dem Doppelbett aufbauen.
Dienstag, 17.10.2006 – Hans-Günther Haase
Im "Hotel" war zwar eine Toilette vorhanden, aber, da die Spülung nicht ging,
wurde mit Wasser aus dem Eimer gespült. Einzig aus der Dusche tropfte etwas
Wasser, aber immer noch besser als mit Eimer und Becher zu duschen. Der
Hotelboy hatte frisches Baguette besorgt und wir bereiteten unseren Kaffee aus
unseren eigenen Beständen mit unserem eigenen Wasser zu. Inzwischen wurde auch
unser Auto vom gröbsten Matsch befreit. Nachdem Götz in Ermangelung des
Präfekten mit dem Polizeikommandanten den ausgefallenen Besuch in Banakoro
besprochen und einen neuen, späteren Termin versprochen und organisiert hatte,
machten wir uns auf zu der kurzen Fahrt nach Kangala. Hier soll 2007 ein
Collège von ASAO gebaut werden. Beim Präfekten trafen wir auch den Bürgermeister
des Ortes und fuhren dann gemeinsam zum Dorfplatz. Dort erwarteten uns viele
Verantwortliche und auch die Dorfchefs der umliegenden Ortschaften. Wir
schüttelten mindestens 100 Hände. Eine Musikgruppe mit 2 Ballaphons und 2
Trommeln sorgte für musikalische Unterhaltung. Kurze Ansprachen und
entsprechende Übersetzungen in die einheimischen Sprachen des Bürgermeisters,
des Elternvorsitzenden, des Präfekten und schließlich auch von Götz handelten
von dem "Traum" der Bevölkerung, der jetzt realisiert wird, aber auch von der
vielen Arbeit, die dazu nötig ist. Spontan fanden sich dann Ki
nder
und Jugendliche auf dem Dorfplatz zum Tanz zur Musik ein, zu denen sich dann
auch etwas später die Erwachsenen gesellten.
Anschließend wurde der "Bauplatz" des zukünftigen Collège besichtigt. Er ist relativ nahe beim Ort, nur ca. 500 Meter vom Ortsrand entfernt. Die Grundschule des Ortes ist ganz in der Nähe auf der anderen Seite des Weges, nur ca. 200 Meter entfernt. Es ist ein guter Platz mit vielen Bäumen und wir wiesen daraufhin, dass nur die nötigsten für den Bau gefällt werden dürften. Sand und Steine waren auch schon zum großen Teil gesammelt worden. Da das Grundwasser ziemlich tief ist, soll sehr früh mit dem Bau begonnen werden, solange noch genügend Wasser vorhanden ist. Der Bürgermeister berichtete, dass die Bevölkerung sehr engagiert bei der Arbeit für das Collège des Ortes sei. Anschließend wurden wir von der Frau des Präfekten mit gebratenem Hühnchen und gekochtem Gemüse bewirtet. Der Dorfchef überreichte uns eine riesig große Kiste mit Orangen und ca. 1 Zentner Jams – Wurzeln - alles Früchte, die in der Region wachsen und jetzt reif sind.
Es wurde alles auf dem Dach des Allrad verzurrt und mit nach Banfora zu Soeur Véronique ins Foyer gebracht. Dort freute man sich riesig über diese Gaben und auch der große Bananenstrunk vom Vortag .aus Djigouéra fand hier eine würdige Aufnahme. Herzlich wurden wir von Soeur Véronique begrüßt. Nachdem das Auto ausgeladen war und die Zelte standen, konnten wir uns über eine ausgiebige, richtige Dusche (mit Wasser von oben aus dem Brausekopf) freuen. Danach fühlte man sich schon wieder viel wohler. Kurz danach kam dann auch unser Bus mit der anderen ziemlich abgekämpften und verstaubten Gruppe an. Auch jetzt erst einmal abladen, Zelte aufstellen und frisch machen. Es gab eine gewisse Vorfreude auf einen gemütlichen Abend. Götz und Charly sprachen noch mit einigen Leuten aus der Gegend, die auch Anträge für Schulen gestellt hatten und zu diesen Gesprächen ins Foyer gekommen waren. Das Abendessen, Kartoffelsalat mit Ei, Tomaten, Gurken, Avocados etc. und Nudeln mit Fleisch, einfach köstlich. In einer großen Runde im Hof des Foyer klang der Abend langsam aus und einer nach dem anderen verabschiedete sich nun doch etwas müde mit einem "bonne nuit" ins Zelt.
Mittwoch, 18.10.2006 – Hans-Günther Haase
Um 6:30 Uhr findet täglich eine kleine aber beeindruckende Morgenandacht in der
Kapelle des Foyer mit Soeur Véronique und ihren Novizinnen statt. Anselm und
Hans nahmen auch teil. Danach ein überwältigendes Frühstück mit frischem
Baguette mit Butter, Spiegeleiern, Käse, Marmelade etc. Aus unseren Orangen war
inzwischen ein köstlicher Saft zubereitet worden. Anschließend machten sich
Charly, Götz, Anselm und Hans auf den Weg nach Sidéradougou. Dort war von
ASAO eine 4 klassige Erweiterung des vorhandenen Collèges errichtet worden.
Nachdem Charly seine Statistiken vervollständigt hatte, wurden die Schulräume
besichtigt. Die jüngste und die älteste Klasse des Collèges hatten noch
Unterricht. Das Schulgebäude war zum großen Teil noch in Ordnung. Die
Solaranlage funktionierte einwandfrei, nur eine Glühbirne fehlte. Die Solarzelle
war allerdings abmontiert und vor der Schule aufgestellt. Wegen Diebstahlgefahr
würde sie angeblich jeden Abend in den Klassenraum eingeschlossen. Der Brunnen
auf dem Gelände war in Ordnung. Es gab allerdings aus früheren Zeiten noch
ältere Gebäude, die teilweise nicht mehr genutzt wurden und ruinenhaft dem
Ganzen einen etwas zerfallenen Eindruck verliehen. Charly überreichte dem
Direktor unsere Geschenke für die Schule, Weltkarten, Fußball mit Pumpe,
Kugelschreiber etc. und nach einem kleinen Umtrunk im Ort ging es über eine
schwierige Piste weiter nach Moussobadougou.
Dort wurde vor einiger Zeit etwas Gold gefunden und das zieht natürlich viele "Glücksritter" an, die in vielen armseligen Hütten aus Strohmatten und Plastikplanen hausen. In abenteuerlich tiefen Löchern und unterirdischen Gängen ohne jedwede Absicherungen und unter einfachsten Bedingungen versuchen sie dort eventuell etwas Gold zu finden. Die ganze Gegend also ein weinig gefährlicher für Fremde. Der Ort selber und die 3 klassige Grundschule aus dem Jahr 1998 machten einen etwas heruntergekommenen Eindruck. Die Pumpe des Brunnens war schon länger defekt. Man hatte daraufhin die Pumpe abgebaut, total zerlegt und das ganze Bohrgestänge abgebaut. Alles rostet jetzt vor sich hin.
Das Brunnenloch wurde im Durchmesser auf 2 Meter erweitert und man zieht jetzt, wie gehabt, aus ca. 20 Metern Tiefe mit einem Seil das Wasser in einem aufgeschnittenen Schlauch eines Autoreifens nach oben. Da der Brunnen jetzt oben nicht mehr abgedichtet ist, hat das Wasser natürlich nicht mehr die Qualität wie vorher mit der Pumpe. Aber nach dieser Totaldemontage ist eine Reparatur des Brunnens nicht mehr möglich. Beim Gespräch darüber unter einem Baum vor der Schule wurden wir von den 200 Schülern der 3 Klassen umrundet und aus großen, glänzenden Augen angestaunt. Die Klassenräume und Schulbänke waren einigermaßen in Ordnung. Der Rückweg nach Banfora über die gleiche Strecke verlief anschließend problemlos. Am Abend fand zum Gedenken an St. Luc (Heiliger Lucas) ein Bischofsamt in der "Kathedrale" von Banfora statt. Da der jetzige Bischof dort ebenfalls Luc mit Vornamen heißt, ließ er es sich nicht nehmen, seinen Namenstag gebührend zu feiern. Nicht weniger als 13 Priester assistierten ihm bei der voll besetzten Messfeier mit viel Gesang und musikalischer Trommelunterstützung. Die knapp zweistündige Messe schloss mit einer großen afrikanischen Polonaise durch das Kirchengebäude. Anschließend konnten wir durch Vermittlung von Soeur Véronique auch noch dem Bischof persönlich zum Namenstag gratulieren. Auf der Rückfahrt zum Foyer wurde noch eine Kiste Bier organisiert und der Abend mit der gesamten Gruppe fand mit einem köstlichen Abendessen, das wieder von den Novizinnen zubereitet worden war, einen gemütlichen und entspannten Ausklang. Später in der Nacht frischte der Wind dann gewaltig auf und es gab ein heftiges Gewitter mit Sturm und Regen. Es gab einige Aufregung, aber noch rechtzeitig wurden alle Zelte in den großen Raum geschafft, in dem auch unser Gepäck lagerte.
19.10.2006 – Donnerstag – Marianne Bischoff
Nach einer sehr herzlichen Verabschiedung von Schwester Véronique und ihren Novizinnen verlassen wir Banfora kurz vor 10.00 Uhr. Wilfried und ich fahren heute mit Götz und Hans mit dem Allrad nach Mou. Der Weg dorthin ist beschwerlich - es hat heftig geregnet in der vergangenen Nacht. Die Piste ist aufgeweicht und ganze Landstriche sind überschwemmt. Das Dorf ist schwer zu finden, da es keinerlei Beschilderung gibt. Hans hilft Götz bei der Navigation, wir erreichen Mou dann gegen 11.30 Uhr. Die Bevölkerung wartet schon auf uns, wir werden mit afrikanischer Musik begrüßt. Im Schatten sitzend bekommen wir etwas zu trinken. In Mou gibt es schon eine Schule mit 3 Klassen und 120 Schülern, davon 40% Mädchen. Der Schulleiter erklärt, dass dringend ein Erweiterungsbau notwendig sei. Der Brunnen in der Nähe der Schule ist in einem ordentlichen Zustand und funktioniert.
Mit dem Bäumepflanzen hat m
an
es nicht so ernst genommen.
Wir bekommen ein Mittagessen, verabschieden uns und fahren gegen 13.10 Uhr nach Kélia. Auf dem Weg dorthin müssen wir über eine ganz schmale Brücke, die bedenklich baufällig aussieht. Wilfried steigt vor der Brücke aus und läuft auf die andere Seite des Flusses – angeblich um uns zu fotografieren. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er wirklich nur fotografieren oder lieber zu Fuß auf die andere Seite kommen will. Aber die Brücke hält!
Wir erreichen auch bald Kélia und besichtigen die Schule, die mittlerweile fünf Jahre alt ist. Es gibt keinerlei Bäume auf dem Schulhof, der Zaun ist herunter getreten, die Toilettentüren sind eingetreten und die Solaranlage funktioniert nicht. Der Brunnen und die Pumpe sind aber in Ordnung. Die Schule wird von 140 Schülern besucht, davon sind 83 Mädchen. Wir bekommen noch mal ein Mittagessen, die Gastfreundlichkeit der Bevölkerung ist sehr groß. Anschließend verabschieden wir uns und fahren nach Yéguéresso, wo die Taxi-Brousse-Gruppe schon auf uns wartet. Hier in Yéguéresso hat sich Götz für die Dauer seines Aufenthalts in einem Lehrerhaus eingerichtet. Wir genießen unseren letzten Abend im Busch, bevor wir morgen zurück nach Ouagadougou fahren.
20.10.2006 – Freitag- Charly Simonis
Um 8 Uhr fahren Götz, Hans-Günther, Anselm und ich mit dem Allrad los, um noch 3 Orte zu besuchen, in denen wir im nächsten Jahr Schulen bauen wollen. Zuerst fahren wir nach Boni, ein Dorf, das direkt an der Hauptstraße nach Ouaga liegt. Dieser Ort hat schon 2001 bei uns die Finanzierung einer Hauptschule beantragt. Niemand erwartet uns bei der Präfektur – unser Brief ist anscheinend nicht angekommen. Wir überreichen einen neuen Fragebogen, wo wir nach der Anzahl der Grundschulklassen im Umkreis von 12 km fragen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Grundschüler nach ihrem Abschluss bis zu 12 km mit dem Fahrrad fahren, um eine weiterbildende Schule zu besuchen. Wir helfen ein wenig beim Ausfüllen des Fragebogens und lassen ihn zurück, damit die fehlenden Schülerzahlen ergänzt werden können. Nur 15 km von Boni entfernt und gut zu erreichen liegt die Provinzhauptstadt Houndé, die elektrisches Licht hat. Wir haben daher nicht vor, in Boni Lehrerhäuser zu errichten, da sie wahrscheinlich von den Lehrern doch nicht angenommen werden. Wenn wir den Fragebogen ausgefüllt zurück haben, werden wir anhand unserer Prioritätenliste entscheiden, ob wir in Boni eine neue Hauptschule finanzieren.
Dann fahren wir weiter nach Koti, wo wir von den Verantwortlichen erwartet werden. Wir lassen uns den Platz zeigen, an dem die Hauptschule gebaut werden soll. Man hat schon etwas Sand und Steine gesammelt, aber bei weitem nicht genug. Im Fragebogen war angegeben worden, dass der nächste Brunnen 1000 m entfernt sei. Vor Ort stellen wir fest, dass es in nur 300 m Entfernung bereits einen Tiefbrunnen gibt und wir daher keinen neuen Brunnen mehr bohren müssen. Wir lassen uns noch zu einem kühlen Getränk einladen und fordern die Bevölkerung auf, schnellstens die restlichen Baumaterialien zu sammeln, damit wir noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen können.

Dann geht es auf der Nationalstraße 1 weiter bis Tita, wo eine Delegation schon seit einigen Stunden auf uns wartet, um mit uns nach Kounamo zu fahren, das nur 12 km von der Hauptstraße entfernt liegt. Wir werden von einer großen Menschenmenge sehr freudig begrüßt. Auch viele Frauen sind mit ihren Kindern gekommen und man hatte schon recht viel Baumaterial gesammelt. Im Fragebogen war die Einwohnerzahl mit 1.145 und die Zahl der Kinder im schulpflichtigen Alter mit 102 angegeben worden. Bei der Auswertung der Fragebogen gehen wir nach unseren Erfahrungen davon aus, dass 20 % der Bevölkerung im schulpflichtigen Alter sind und ich hielt die angegebene Zahl von 102 Kindern für unrealistisch. Da jedoch diese Zahl bestätigt wurde, werden wir unsicher, ob ein Grundschulbau für so wenige Kinder sinnvoll ist. Wir müssen uns aber sofort entscheiden. Da die Anzahl der schulpflichtigen Kinder nur halb so hoch ist, wie wir angenommen haben, beschließen wir, das Investitionsvolumen für Kounamo zu halbieren und dort vorerst nur 3 Klassen und 1 Lehrerhaus zu bauen. Wenn sich die Schülerzahl gut entwickelt, können wir später immer noch ein 2. Lehrerhaus und eine Brunnenbohrung finanzieren. Die Bevölkerung hat ein gutes Essen für uns vorbereitet, aber da es schon langsam dunkel wird, können wir die Einladung nicht annehmen. Wir fahren auf die Nationalstraße 1 zurück – es sind noch 130 km bis Ouagadougou. Wir müssen noch mal die Erfahrung machen, dass es höchst riskant ist, im Dunkeln in Burkina Auto zu fahren – dies gilt sogar für die am meisten befahrene, asphaltierte Hauptverbindungsstraße von Ouaga nach Bobo. Zahlreiche Fußgänger, Tiere und Fahrradfahrer benutzen die Straße und, da es stockdunkel ist, kann man sie kaum erkennen. Viele Autos haben keine ordnungsgemäße Beleuchtung. Wir begegnen sogar einem schweren Tanklastzug, der sowohl vorne als auch hinten keinerlei Beleuchtung hat, und wo nur 2 Personen im Fahrerhaus mit 2 Taschenlampen auf das Gefährt aufmerksam machen.
Götz ist erschöpft und Anselm übernimmt das Steuer und fährt uns sicher nach Ouagadougou.
Dort angekommen, genehmigen wir uns noch ein kaltes Bier und kriechen ganz schnell erschöpft in unsere Zelte.
