Patenschaften – ja oder nein?

Karl-Wilhelm Simonis

Bisher stand in unseren Projektgrundsätzen:

„Wir helfen und unterstützen niemals Einzelpersonen, sondern nur ganze Dörfer oder Gruppen. Die Übernahme von Patenschaften ist bei uns nicht möglich, da sonst Neid und Missgunst entsteht. Es ist jedoch bei uns möglich, eine Projektpatenschaft zu übernehmen, d.h. die Finanzierung eines Einzelprojektes ganz zu tragen bzw. zu bestimmen, für welches Vorhaben das gespendete Geld verwandt werden soll.“

                                                                                                                               

Konsequenterweise kaufen wir deshalb die Lehrmittel (Hefte, Griffel etc.) für alle Mädchen in den ersten 4 Klassen der von uns gebauten Grundschulen, damit kein Zank entsteht. Durch diese Maßnahme wollen wir bewirken, dass viele Mädchen eingeschult werden, da nach unserer Meinung eine Entwicklung nur stattfinden kann, wenn auch Mädchen eine schulische Ausbildung erhalten. Wenn man einzelne Kinder besonders begünstigt, insbesondere sie mit Nike-T-Shirts oder Adidas-Turnschuhen ausstattet, entsteht Unfriede. Wenn in einem afrikanischen Dorf alle arm sind, gibt es keinen Neid und die Menschen leben glücklicher und zufriedener miteinander.

Die Verwaltung von Geldern für einzelne Patenkinder, wenn man dies verantwortungsbewusst machen will und verhindern will, dass die Mittel nicht zweckentfremdet werden, ist sehr aufwendig. Wenn dann auch noch Pateneltern ihre Patenkinder in Afrika besuchen wollen, stehen die dafür aufgewandten Geldmittel in keinem Verhältnis mehr zu dem Erfolg. Kürzlich fand ich in einem „tränen-drüsen-drückenden Bettelbrief“ vier Fotos von Kindern, die angeblich diesen Monat Geburtstag haben. Man wurde aufgefordert, 30 Euro als Geburtstagsgeschenk zu überweisen und auf dem Überweisungsbeleg den Namen des Kindes anzugeben. Die Fotos wurden wohl 100.000mal verschickt und ich kann mir nicht vorstellen, dass die gespendeten Gelder bei den genannten Kindern angekommen sind.

Unsere Projekte – Schulbauten, Brunnenbohrungen – sind jeweils am Jahresende fertig gestellt und werden den Dörfern  übergeben. Im Regelfalle kommen keine laufenden Kosten mehr auf uns zu.
Anders ist es aber, wenn man in Afrika ein Waisenheim unterhält. Hier hat man eine langfristige Verantwortung und man muss sicherstellen, dass in jedem Monat genug Geld vorhanden ist, um das Essen und die Ausbildung zu bezahlen. In einem solchen Falle ist es sinnvoll, Pateneltern zu suchen, die konsequent jeden Monat Geld für ein Kind überweisen. Zurzeit haben alle Kinder des Waisenheims  AMPO Pateneltern und ehrlicherweise werden momentan keine weiteren Patenschaften mehr vergeben. Die Kinder leben ohne großen  Luxus, denn sie dürfen nicht dem „afrikanischen Leben“ entwöhnt werden, wenn sie später im Leben zurecht kommen sollen. Die bei uns mit dem Betreff „Waisenheim“ eingehenden Spenden werden nicht für den täglichen Unterhalt verwandt, sondern für besondere Anschaffungen und Aufwendungen z. B. Einrichtung eines Labors, Kosten einer teuren Operation, Rollstühle für Behinderte etc.

Vor 2 Jahren haben wir die katholische Ordensschwester Soeur Véronique  kennen gelernt. Sie ist Afrikanerin und mit Frau Dr. Maria Reineke aus Daun seit ihrer Jugend befreundet, da sie zusammen in Frankreich studiert haben. Sie hat in Banfora das „Foyer Sainte Monique“ gegründet. Vier Wohngebäude beherbergen 48 Mädchen, die z.T. weiterführende Schulen besuchen bzw. einen praktischen Beruf erlernen. Zu ihrer Ausbildung gehört auch, dass sie ihre Mahlzeiten selbständig zubereiten und ihre Räume in Ordnung halten. In jedem Gebäude leben 12 Mädchen, rechts und links ist je ein Schlafraum und in der Mitte ein Aufenthaltsraum, in dem sie ihre Hausaufgaben machen können. Die Mädchen kommen meist von kleinen Dörfern, wo sie nicht die Möglichkeit haben, ein Collège zu besuchen. Oft stammen sie auch aus armen Familien, die nicht in der Lage sind, die Unterbringungskosten und das Schulgeld zu bezahlen. Für Emeline und Catherine haben wir schon Paten gefunden, für folgende 6 Kinder suchen wir Paten, die bereit sind, monatlich jeweils 25 Euro bzw. besser jährlich einmal 300 Euro aufzubringen:
1) Appoline stammt aus einer Familie mit 8 Kindern, der Vater ist Bauer und sehr gebrechlich, sie ist
    das einzige Kind, das eine Schule besucht.
2) Edwige hat noch 6 Geschwister, der Vater ist verstorben und die Mutter versucht ihre Kinder
    alleine  großzuziehen.
3) Mariam kommt aus einer Familie mit 4 Kindern, die nicht reich ist.
4) Céline hat 7 Geschwister, die Mutter ist ohne Beruf und sie leben von einer kleinen Rente des
    Vaters und ernähren zusätzlich noch 2 Waisenkinder (2 und 4 Jahre), die ihnen „zugeteilt“ wurden.
5) Affousétou ist Vollwaise. Ihre Schwester, die verwitwet ist, kümmert sich um sie, ist aber schwer  
    erkrankt.
6) Guélia ist die Älteste von 3 Kindern, der Vater ist verstorben und die Mutter hat keine finanziellen
    Mittel.

Wir verpflichten uns, die Mittel ohne Abzüge Schwester Véronique für die jeweiligen Mädchen zu Verfügung zu stellen, den Paten ein Foto zu besorgen und ihnen mindestens 1 x jährlich über ihr Patenkind zu berichten. Wir haben das „Foyer Sainte Monique“ besucht und sind davon überzeugt, dass dort gute und zuverlässige Arbeit geleistet wird und die Mädchen optimal gefördert werden. Wir halten also für diesen Fall nicht mehr starr an unseren „bisherigen Grundsätzen“ fest, sondern glauben, Schwester Véronique und die Ärmsten ihrer Mädchen unterstützen zu sollen.

Wenn Sie eine Patenschaft übernehmen wollen, schreiben Sie uns!