
Die Gesamtschulden der Entwicklungsländer steigen scheinbar unaufhaltsam weiter. Mittlerweile werden sie auf weit über 2200 Milliarden US-Dollar geschätzt. Weltbank und Internationaler Währungsfonds haben deshalb eine neue Initiative gestartet, mit der einige besonders hoch verschuldete arme Länder (HIPC) entlastet werden sollen. Doch was auf den ersten Blick nach großzügigen Schuldenerlassen aussieht, hilft den betroffenen Ländern kaum. Erlassen wird nur, was ohnehin nicht zurückgezahlt werden kann.
Mosambik ist ein eindrucksvolles Beispiel. Das Land hatte 1996 rund 5,6 Milliarden Dollar öffentliche Auslandsschulden. Die fälligen jährlichen 490 Millionen Dollar Zins und Tilgung konnte das Land nicht annähernd bezahlen. Obwohl das kriegszerstörte Mosambik rigoros sparte und für den Schuldendienst jährlich mehr zahlte, als für das gesamte Bildungs- und Gesundheitswesen, konnte es nur rund 110 Millionen Dollar aufbringen. Jetzt sollen rund 80 Prozent der Schulden erlassen werden. Die Folge: für die "Restschulden" muss Mosambik jährlich rund 100 Millionen Dollar Schuldendienst zahlen - fast soviel wie vor dem Schuldenerlass. Damit wird eine Entwicklung des Landes weiterhin erheblich erschwert. Ähnliches gilt für Uganda, Bolivien oder Burkina Faso.
Sollen Schuldenerlasse wirklich helfen, müssen die Kriterien für die "zumutbaren" Belastungen eines Landes geändert werden. Bisher halten die internationalen Finanzinstitutionen einen Schuldendienst von 25% der jährlichen Exporterlöse für tragbar. Zum Vergleich: Deutschland erhielt nach dem Zweiten Weltkrieg im Londoner Schuldenabkommen von 1953 einen Schuldenerlass, so dass für Zins und Tilgung nur noch weniger als 5% der Exporteinnahmen aufgebracht werden mussten.
Deutsche Welthungerhilfe