Mit dem „Taxi Brousse“ durch Afrika

07.10.2006 – Samstag - Veronika Jorch
Früh am Morgen klingelt der Wecker in Hillesheim, in den nächsten beiden Wochen werden Hähne mich wecken. Charly, in dessen Haus ich übernachtete, wuselt schon aufgeregt durch den Wohnraum. Unser Gepäck hatten wir schon am Abend zuvor in die Autos geladen, wobei ich bei der Gelegenheit meine Mitreisenden das erste Mal sah.
Meine Mitreisenden das sind: Charly, der Präsident des Solidaritätskreises, Winnie, Heike, Marianne, Maria, Hans Vater, Wolfgang und die Burkina Neulinge Bapsi, Michael und Wilfried. Ich als jüngste Mitreisende fliege auch zum ersten Mal mit. „Monsieur le Vice-Président“, Götz, war schon früher mit seinem Allrad nach Burkina gefahren, um ein Jahr dort zu verbringen und Hans Günter gesellt sich erst ab Paris zu der Reisegruppe.
Meine erste Reise in ein Land außerhalb der Europäischen Grenzen beginnt mit einer langen Autofahrt nach Paris. Langsam kommt auch meine Aufregung wieder, die, nachdem ich die Gruppe kennen gelernt hatte, zunächst verschwunden war. Das Gepäck darf in diesem Jahr mehr wiegen als in den Jahren zuvor, was die Gepäckabgabe erleichtert.
Nach dem Einchecken bleibt uns noch lange Zeit am Flughafen Charles de Gaulle, die mit Gesprächen, lesen, trinken und spielen ausgefüllt wird. Um ca. 16:50 Uhr hebt das große Flugzeug der Air-France ab. Die Gruppe sitzt verteilt im eher spärlich besetzten Flugzeug, wobei ich einen Fensterplatz neben Charly bekommen habe. Ich genieße die Aussicht auf die Pyrenäen, Palma, Algerien und die Sahara, welche sehr beeindruckend ist. Die anderen hatten mit ihren Sitzplätzen weniger Glück.
Um ca. 20:00 Uhr Ortszeit landen wir in Ouagadougou. Es ist schon dunkel aber sehr warm, was wir zu spüren bekommen, als wir aus dem gut klimatisierten Flugzeug steigen.
Die Passkontrolle verläuft recht schnell. Auch unser Gepäck haben wir zügig gefunden. Das System alle 19 Taschen mit Nummern zu versehen und „Patenschaften“ für jede zu vergeben, macht sich bezahlt.
Als wir den Flughafen verlassen steht dort eine große Menschenmenge. Anselm, der burkinische Repräsentant des Solidaritätskreises, und Götz erwarten uns schon.
Viele wollen unsere Gepäckstücke tragen um nachher Geld zu verlangen. Da man mich zuvor darüber aufgeklärt hatte, halte ich meine Tasche fest. In dem Gewusel habe ich ein wenig Angst verloren zu gehen.

Die Fahrt durch Ouaga widerspricht meinen Erwartungen. Ich hatte mir die Hauptstadt mit vielen großen Gebäuden vorgestellt, stattdessen fahren wir durch staubige Straßen an deren Rändern in unzähligen Buden Ware angeboten wird. Ab und zu sieht man Frauen am Straßenrand kochen und Kinder, die im Dreck spielen. Es liegt viel Müll herum und überall fahren Afrikaner auf Mopeds, Fahrrädern, Autos oder Eselskarren durcheinander.
Anselms Haus liegt in einer ruhigen Wohngegend in der Nähe des Flughafens, so dass die Fahrt bald wieder endet. Im Hof des Nachbargrundstücks, das Anselm im letzten Jahr gekauft hat, stehen Tische und Stühle bereit. Marie-Thérèse, Anselms Frau, und ihre beiden Kinder, Davy und Mechtild, begrüßen uns herzlich.
Es sind viele Menschen gekommen, aus Dörfern die eine Schule finanziert bekommen haben oder darauf hoffen. Marie-Thérèse hat ein leckeres Essen organisiert. Alle stellen sich gegenseitig vor oder werden vorgestellt.
Erst spät können wir die Tische bei Seite räumen und unsere Zelte aufbauen. Ich bin froh um ca. 24:00 Uhr Ortszeit schlafen zu können.
08.10.2006 - Sonntag – Heike Plein
Wir haben unsere erste Nacht im Zelt in
Ouagadougou verbracht. Draußen ruft der Muezzin, die Hähne krähen aus allen
Himmelsrichtungen und man kann die Hitze, die einen in den nächsten 14 Tagen
erwartet, schon spüren. Es ist 5.30 Uhr, die ersten Reißverschlüsse der Zelte
sind zu hören und so langsam füllt sich der Hof von Anselm mit Leben. Ein
ige
von uns wollen um 6.00 Uhr eine katholische Messe besuchen. Mit dem Pick-up
geht’s zur Kirche, die einen im Auto, die anderen auf der Ladepritsche. Schon
früh am Morgen herrscht Chaos auf den Straßen, für unsere Augen immer wieder ein
faszinierender Anblick. Autos, die in Deutschland keine Zulassung mehr bekämen,
Mopeds, Eselkarren und überall Frauen, die schwere Lasten auf dem Kopf
balancieren. Stein- und Lehmbehausungen mit Wellblechdächern säumen den
Straßenrand. Die Hauptstraße ist asphaltiert, die Nebenstraßen sind jedoch aus
roter Erde, buckelig, mit Schlaglöchern und Pfützen, so kurz nach der Regenzeit,
und mit dem Müll nimmt man es hier auch nicht so genau. Ouagadougou, eine
Millionenstadt, die mit einer Europäischen Großstadt überhaupt nicht zu
vergleichen ist.
Die Kirche ist brechend voll. Wir sitzen weit vorne, inmitten der Musiker und des Chors, die uns mit Trommeln, Keyboard und schönem Gesang begeistern. Die Messe wird in afrikanischer Sprache gehalten, ähnelt aber sehr im Ablauf einer deutschen Messe. Nach 1 ½ Stunden treffen wir die anderen wieder bei Anselm im Hof. Nach einem leckeren Frühstück und dem allgemeinen Rundruf nach Malerone bzw. Dixi (damit auch niemand seine Malaria-Prophylaxe vergisst) geht’s mit einem alten Toyota Bus auf eine spannende 14-tägige Rundreise durch den Südwesten von Burkina Faso.
Unsere erste Schule besuchen wir an diesem
Tag in Siby. Wir sind ordentlich durchgeschüttelt von der holprigen Fahrt
und steigen gegen 13.30 Uhr völlig verschwitzt und staubig aus dem Bus. Viele
Kinder säumen den Weg zur Schule und begrüßen uns mit Jubeln und Klatschen.
Diese Freude bei den Kindern ist immer wieder überwältigend, und so manchem
steigen die Tränen in die Augen. Wir bekommen tolle akrobatische Maskentänze
dargeboten, die uns tief beeindrucken. Leider muss die Feier abgebrochen werden,
da ein plötzlich
aufkommender
Wind und sehr dunkle Wolken einen heftigen Regen ankündigen. Bevor der Regen
beginnt, bleibt noch Zeit das Band zu durchschneiden und so die Schule ihrer
offiziellen Bestimmung zu übergeben. Bei einem Rundgang durch die neue Schule
erfahren wir, dass es über 100 Anmeldungen für die 1. Klasse gab, aber nur 80
Kinder eingeschult werden konnten, darunter viele Mädchen. Wir versammeln uns
mit den Honoratioren im Schulgebäude zum Essen und werden köstlich mit gekühlten
Getränken bewirtet. Nachdem der Regen aufgehört hat, haben wir Zeit unsere Zelte
aufzustellen und uns ein wenig zu waschen.
Am Abend sind wir im benachbarten Ouly eingeladen. Ein General, Staatssekretär im Verteidigungsministerium in Ouagadougou, möchte sich mit einem Abendessen bei uns für die Schule in Siby bedanken. Gegen 19.00 Uhr ist Abfahrt. Die Piste ist jedoch so schlecht, dass wir für die 12 km mehr als eine Stunde brauchen. Mit Balafon und Djemben werden wir begrüßt und bekommen reichlich Getränke, Essen und auch einige kleine Masken geschenkt. Draußen wird getanzt und natürlich tanzen wir mit.
Um 22.30 Uhr machen wir uns auf den Rückweg, der ja noch mindestens eine Stunde dauert. Wir beschließen, egal wer uns einlädt, abends (im Dunkeln) keine Einladung mehr anzunehmen, es ist zu anstrengend in der Nacht zu fahren. Müde fallen wir in die Zelte, die wir im Haus aufgebaut haben, weil wir dem Wetter noch nicht so ganz trauen. Am Morgen erfahren wir, dass unser Bus sich in der Nacht einen Platten gefahren hat. Es sollte nicht die einzige Fahrt zur Werkstatt bleiben.
09.10.2006 – Montag - Marianne Bischof
Wir haben die Nacht in Siby verbracht und der Tag beginnt wie jeder Morgen in Burkina mit tropischem Vogelgesang. Einer der Organisatoren besucht uns mit seiner Frau zum Frühstück. Später kommt noch der Bürgermeister und sie erhalten unsere üblichen Geschenke für die Schule.
Kurz vor neun
Uhr verabschieden wir Götz, Hans, Maria und Veronika, die mit dem Allrad ein
anderes Ziel haben und die Taxi Brousse–Gruppe fährt nach Fara. Die Rückenlehne
an einer Sitzbank in unserem Bus ist abgebrochen, wir lassen sie in Boromo,
einem größeren Ort, der auf unserer Route liegt, schweißen. Wir nutzen den
kleinen Aufenthalt um uns etwas umzuschauen, telefonieren mit zu Hause, bummeln
über einen kleinen Markt, wo wir mit Wolfgangs Hilfe ein paar Colanüsse kaufen.
Am Straßenrand sehen wir ein großes Schild gegen Kinderhandel - das scheint wohl
ein wichtiges Thema zu sein. Nach etwa 45 Minuten ist die Rückenlehne repariert,
die Reparatur kostet mit Trinkgeld umgerechnet 1,50 Euro. Wir setzen unsere
Fahrt fort, links und rechts säumen tiefe Erosionsgräben die Piste, wo sich die
starken Regenmassen ihren eigenen Weg gebahnt haben. Wir kommen an Poura vorbei,
eine
Goldgräberstadt. Es gibt noch eine Goldmiene, industriell hat diese aber keine
Bedeutung mehr.
Pünktlich um 12.00 Uhr erreichen wir Fara. Dort hat der Solidaritätskreis eine private katholische Schule finanziert. Ein Ehepaar aus Bonn hat die nicht vom BMZ übernommenen Gelder gespendet. Katholische Ordensschwestern leiten diese Schule. Nach burkinischem Recht müssen auch Privatschulen Kinder unabhängig von Religion und Stammeszugehörigkeit aufnehmen. Bisher sind 35 Mädchen und 25 Jungen eingeschult, die pro Jahr Schulgeld von 23 Euro zahlen. Zu unserer Begrüßung singen die Kinder mit Begeisterung ein Willkommenslied. Viele Eltern sind anwesend und der Elternvertreter sagt in seiner Ansprache, wie sehr sie sich über den Schulbau freuen. Die Schwestern wollen jedes Jahr neue Kinder einschulen, sodass sie in 3 Jahren weitere drei Klassen benötigen, denn in Burkina Faso gehen die Kinder 6 Jahre lang in die Grundschule. Nachdem uns die Ordensschwestern in der Mission gut beköstigt haben, verabschieden wir uns gegen 15.00 Uhr und begeben uns wieder auf die Piste zum nächsten Ziel: Bozo.
Die Fahrt ist überhaupt nicht langweilig. Links und rechts sehen wir viele badende, fröhliche Kinder. Es hat viel geregnet und es gibt neben dem saftigen Grün viele Seen, wo sich die viehhütenden Kinder ein Bad gönnen oder die Frauen ihre Wäsche waschen. Wir sehen eine ganze Allee von wunderschönen Affenbrotbäumen, fahren an reisdreschenden Frauen vorbei, große Rinderherden werden Richtung Elfenbeinküste getrieben. Die Stimmung im Bus ist gut und wir erreichen ohne jeglichen Gegenverkehr gegen 17.30 Uhr Bozo. Ganz viele Kinder verweilen vor der Schule, warten auf uns und bereiten uns einen wunderschönen Empfang, der unter die Haut geht. Sie schauen uns zu, wie wir unsere 8 Zelte vor der Schule aufbauen – unsere Iglu-Zelte erinnern stark an die Zelte der Nomaden. Zwei Lehrerinnen sind dabei - nicht nur für unsere Männer eine Augenweide. Sie schlachten noch schnell ein Huhn und organisieren für uns das Abendessen. Wir verbringen einen gemütlichen Abend mit dem für alle Strapazen entschädigenden Sternenhimmel und einem Pastis als Einschlafmittel. Um 22.30 Uhr fallen alle todmüde ins Zelt.
10.10.2006 – Dienstag - Babsi Klar
Wir sind in Bozo ! Nachdem wir alle
die „Dusch-Schlange“ und das königliche Frühstück hinter uns gelassen hatten,
trafen wir um 9.00 Uhr die Bevölkerung, welche zu ¾ aus Kindern bestand. 366
Kinder besuchen die 6 Klassen und werden von 3 Lehrerinnen und 4 Lehrern
unterrichtet. Die Kinder waren schon seit 7.00 Uhr hier aktiv: Wasser holen,
Fegen, Tische und Bänke stellen…

Im Gegensatz zu gestern (Besuch einer
Privatschule) lassen die äußerlichen Erscheinungen der Kinder hier auf größere
Armut schließen. Fast alle Kinder sind barfuss, mit zerrissener Kleidung und
haben Plastikbeutel als Schultaschen. Ein Geistlicher, durch den der Kontakt zu
Charly zustande kam, begrüßt uns und hält eine Ansprache. Verschiedene Männer
der Bevölkerung sprechen zu uns. Um uns herum sitzen nur Männer und Lehrerinnen,
die Kinder stehen links hinter den Männern.
Eine Gruppe von Kindern (4 Jungen + 4 Mädchen) tanzt für uns in wunderschönen Outfits, mit Schellen und Rasseln aus Muscheln und alten Schrauben. In den Händen halten sie kleine Metallstücke, mit denen sie den Takt schlagen – begleitet von 2 Jungs am Balafon und einem anderen an der Trommel – wir sind total begeistert. So nahm die Feier ihren Lauf – Ansprachen, Vorträge der Kinder, Geschenke überreichen…
Um 11.00 Uhr machten wir uns auf den Weg nach Bene-Tow-Tew, wobei wir uns nicht sicher waren, ob wir dieses Dorf finden würden, da es keine Beschilderungen gibt. Ein Dorfbewohner erwartete uns jedoch auf der Hauptstraße und wollte uns mit seinem Mofa den Weg zum Dorf zeigen. Die Strecke zwang uns jedoch zum Aufgeben und so verbrachten wir einige Zeit auf dem Markt, während Charly und Anselm mit Mofas in das Dorf transportiert wurden. Dort besichtigten sie das Baugelände und unterschrieben die Verträge zum Bau der neuen Grundschule.
Die eindringlichen Gerüche auf dem Markt – überhaupt hier in Afrika – sind einfach unbeschreiblich. Es ist nicht nur, was man hier sieht – sondern die Verbindung von Gesehenem – Gerochenem – Gehörtem – was die eigene Empfindung ganz besonders ausmacht. Ich konnte oft nichts mehr sagen, weil ich diese Momente ganz in mir aufnehmen wollte – ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben kann.
Wir haben Charly und Anselm im Afrikanischen Biergarten wieder getroffen und sind gegen 14.00 Uhr weiter Richtung Diébougou gefahren. Auf unserem Weg haben wir 3 Beerdigungen gesehen – alle haben sich gegenüber einem Stuhl versammelt, der mit Tüchern verkleidet war, wo der Tote drin lag. In Diébougou fuhren wir zum Erzbischof, um einen Brief einer Wiesbadener Pfarrei abzugeben, vorbei an einem Krankenhaus und einer Blindenstation. Sein Haus lag in einer schönen, vornehmen Umgebung, aber er selbst war nicht anwesend.
16.45 Uhr Bouroum-Bouroum: Hier wurden Charly und Anselm am Ende eines anstrengenden Tages noch mal richtig gefordert. Nach einer kurzen Besichtigung der Schule musste leider festgestellt werden, dass sämtliche Vereinbarungen, die im letzten Jahr getroffen wurden, nicht eingehalten worden waren – weder wurde die Solaranlage repariert noch Geldreserven für Reparaturen angesammelt. Schließlich einigte man sich darauf, alle noch vor Ort vorhandenen Materialien (Batterie, Solarmodul) auf ihre Tauglichkeit zu prüfen. Die Afrikaner müssen für Reparaturen selbst aufkommen und in ein paar Wochen wird Götz hierher fahren und die Installation der Solaranlage überprüfen! Zum Abschluss wird ihnen das Ziel von ASAO noch mal erklärt: „Nämlich Hilfe zur Selbsthilfe um die Entwicklung der Kinder nachhaltig zu fördern und zu unterstützen!“ Ein Trost bleibt: Über 400 Kinder besuchen bereits diese Hauptschule!
Im Dunkeln, ca. 18.45 Uhr, erreichen wir
Loukoura und haben uns beim Anfahren unseres Nachtlagers den Auspuff
abgerissen. Nach dem Aufbauen der Zelte wurden wir von einer Abordnung der
Bevölkerung ins Dorf gefahren, wo für uns ein Abendessen bereitet wurde. Nach
etwas Tanz im großen Kreis machten wir uns auf den Heimweg. Und die letzten
gesprochenen Worte waren, wie jeden Abend: „Anselm machst du die Lampe aus und
schließt die Tür ab!“ Und wie jeden Abend machte Anselm die Lampe
aus, schloss die Tür des Lehrerhauses ab und versteckte den Schlüssel in der
Toilettenpapierrolle vor der Tür, um anschließend zu Charly ins Zelt zu
kriechen.
11.10.06 – Mittwoch – Michael Theis
Wir befinden uns in Loukoura.. Wie in den Tagen zuvor endete für uns die Nacht zwischen 06.00 und 06.30 Uhr. Während wir frühstücken, machten sich unsere Fahrer schon auf den Weg, um unseren Bus reparieren zu lassen. Da unsere Kleidung durch den roten Staub sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, beschlossen wir einen Waschtag einzulegen. " Rei in der Tube"! sei Dank!
Bevor die Einweihung der Hauptschule begann, befestigten Winfried und ich noch ein
ASAO - Schild an der neuen Schule. Eine Sensation für die Kinder!
Zur Feier des Tages hatte sich Charly sein afrikanisches Gewand ( Boubou ) aus Bassin angezogen. Gegen 09.00 Uhr wurden wir an unserem Lehrerhaus abgeholt. Klatschende und singende Kinder bereiteten uns vor der Schule einen sehr herzlichen Empfang. Es folgten viele schöne Vorführungen. Anschließend wurden Begrüßungs- und Dankensworte von Einheimischen gesprochen. Nachdem Charly den offiziellen Teil der Feier mit einem Schlusswort beendete, besichtigten wir noch die Schule. 91 Kinder sind in der 1. Klasse eingeschult, darunter jedoch nur 20 Mädchen. Die Gebäude sind außerordentlich schön geworden und es gibt einen großen alten Baumbestand, der Schatten spendet.
Zum Mittagsessen wurden wir von einem Dorfbewohner eingeladen. Das Menü bestand aus Reis, Hühnchen, To ( Hirsebreikloß ) und Tomatensalat. Ebenso wurde eine Schale mit Dolo ( Hirsebier ) rumgereicht, das wir aber dankend ablehnten.
Zur Übergabe der Geschenke wurde jeder unserer Gruppe namentlich aufgerufen und bekam ein handgefertigtes Körbchen überreicht. Auch wurde unsere Gruppe um einen Hahn reicher. Gegen 14.00 Uhr ging die Fahrt dann weiter nach Bobo-Dioulasso. Im Bus herrschte eine riesen Hitze! Zwischendurch lockerte ein kleines Kasperletheater aus der hintersten Bank die Stimmung auf.
Aufgrund der vielen Umleitungen einigten wir uns, nicht mehr weiter bis nach Tiarako zu fahren, sondern in Yéguérésso zu übernachten. Da es mittlerweile schon dunkel war, führten uns zwei einheimische Jungs zur Schule. Natürlich wurden die Beiden von Charly entlohnt. Niemand erwartete uns, aber die Klassen standen offen und wir konnten die Bänke aufeinander stapeln. Da die Wolken am Himmel recht dunkel aussahen und es gelegentlich blitzte, entschlossen wir uns, den Bus etwas zügiger zu entladen. Nachdem die Zelte in den Klassen aufgestellt waren, fing ein riesiges Unwetter an. Es stürmte und goss aus allen Wolken. In der Schule waren wir sicher untergebracht – wären wir weitergefahren, hätten wir sicherlich die Nacht im Bus verbringen müssen. Ein Schluck Pastis verdrängte das Unwetter und machte somit die Nacht etwas angenehmer.
12.10.2006 – Donnerstag – Wolfgang Nieländer
Von Yéguérésso ist es nicht weit bis nach Bobo-Dioulasso, der zweitgrößten Stadt in Burkina. Da die Schüler um 7 Uhr in ihre Klassen wollten, starteten wir ungewaschen und ohne Frühstück – das Frühstück holten wir später in einem Straßencafé in der Innenstadt von Bobo nach.
Wegen des vorangegangenen Regens war die Straße nach Bobo vergleichsweise staubfrei und angenehm zu befahren. Auf dem Wege in die Stadt durchquerten wir die Außenbezirke und waren beeindruckt von der regen Bautätigkeit und der Vielfalt der Verkaufsstände und anderer gewerblicher Aktivitäten, die sich an den Straßenrändern und auf sonstigen Flächen unter freiem Himmel niedergelassen haben.

Der Einzelhandel wird offenbar von Frauen dominiert, von denen sich viele nebenbei um ihre Kleinkinder kümmern. Man findet jedoch auch Jugendliche im schulpflichtigen Alter, nicht selten Mädchen, die kaum älter als 10 Jahre sein können. Ein typischer Verkaufstand besteht aus einem wackeligen Holztisch und einem kleinen Hocker für die Verkäuferin. Die Waren wie z.B. Früchte, Gemüse, Zwiebeln, Maggiwürfel, Zuckerstücke oder Streichhölzer sind in kleinen Häufchen auf der Tischplatte angeordnet. Morgens trägt die Händlerin den Tisch aus ihrem nahe gelegenen Anwesen auf ihrem Kopf zum Standort und abends wieder zurück. Die Umsätze pro Kleinhändlerin können nicht sehr groß sein, aber offenbar sind selbst minimale Tagesverdienste willkommen, um zum Familienbudget beizutragen. Insgesamt bietet sich uns ein außerordentlich lebhaftes und farbenfrohes Bild mit einer nahezu unerschöpflichen Fülle von Motiven für unsere Fotografen.
Während wir unser Frühstück im Straßencafé einnehmen, kann Anselm uns nur mit großer Mühe vor dem Ansturm ambulanter Verkäufer in Schutz nehmen: Von einer derartig großen Gruppe von Weißen geht eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. In einem unbeobachteten Moment gelingt es einem Schuhputzer, die Sandalen von Hans einer gründlichen Inspektion und Reinigung zu unterziehen. Die daran anschließende Diskussion um das angemessene Honorar weitet sich zu einem längeren Palaver unter lebhafter Beteiligung von mehreren Passanten aus. Als ausländische Besucher fühlen wir uns unversehens in einer sowohl unbeabsichtigten als auch ungemütlichen Situation. Wir wollen den jungen Mann ja keineswegs um seinen gerechten Lohn bringen. Schließlich gelingt es Anselm mit einem Machtwort, die Auseinandersetzung um die Höhe des Honorars zu beenden.
Frisch gestärkt und um eine Erfahrung
reicher machen wir uns auf den Weg nach Tiarako. Gegen 11 Uhr kommen wir
schließlich an unserem Zielort an. Dort sind wieder
einmal
Hunderte von Menschen (Schüler und Erwachsene) versammelt. Es geht um die
feierliche Einweihung des Erweiterungsbaus einer schon vorhandenen dreiklassigen
Grundschule, die nunmehr auf 6 Klassen ausgebaut worden ist. Das BMZ hat
nachträglich den Zuschuss aufgestockt und die Freude ist groß, als wir den
zusätzlichen Bau von 2 Lehrerhäusern verkünden. Wir hören uns mit im Verlauf
abnehmender Aufmerksamkeit die offiziellen Reden an, lassen uns zwischen den
Reden von den wesentlich interessanteren tänzerischen und musikalischen
Darbietungen überraschen und nehmen ab und zu einen Schluck aus unseren ständig
mitgeführten Wasserflaschen.
Nach den obligatorischen Zeremonien des Baumpflanzens und des Durchschneidens des weißen Bandes ist der offizielle Teil der Einweihung beendet. Für die Bevölkerung geht das Fest jetzt erst richtig los und zwar voraussichtlich bis zur Dämmerung. Wir müssen jedoch kurz nach 13 Uhr unseren Bus besteigen, damit wir unser nächstes Ziel, den Ort Kékélesso, nicht zu spät erreichen.
In Kékélesso besichtigen wir eine Schule, die vor einigen Jahren mit finanzieller Hilfe von ASAO gebaut worden ist. 261 Kinder besuchen die Schule und die Mädchen haben das von unserem Verein kostenlos zur Verfügung gestellte Schulmaterial erhalten. Wir sind zufrieden mit der Anzahl und dem Zustand der auf dem Schulgelände angepflanzten Bäume und weniger zufrieden mit der Pflege der Schulbänke. Es fällt uns schwer nachzuvollziehen, aus welchen Gründen nicht die allergeringsten Anstrengungen auf sich genommen werden, um das nicht gerade billige Inventar vor dem Verfall zu bewahren. Trotz oder auch wegen unseres deutlich zum Ausdruck gebrachten Unmutes werden wir in einem der Lehrerhäuser großzügig bewirtet und machen uns gegen 17.00 Uhr auf den Weg nach Dafinso.
In Dafinso hatte uns die Bevölkerung
schon vor zwei Tagen erwartet und war nach langem Warten unverrichteter Dinge in
ihr Dorf bzw. in ihre Dörfer zurückgekehrt. Eine Nachricht mit dem modifizierten
Besuchst
ermin war bei der Schulleitung nicht angekommen. In Dafinso war
eigentlich nur ein Kurzbesuch geplant, aber da unser vorgesehener
Übernachtungsort mit dem Bus wegen der Straßenverhältnisse nicht erreichbar war,
quartierten wir uns für die Nacht dort ein.
Wir machten uns schon auf einen tristen Abend gefasst. Umso größer war unsere Überraschung, als wir in kurzer Zeit von einigen Verantwortlichen begrüßt wurden und als im Laufe des Abends eine kurzfristig mobilisierte Schülertruppe auftrat. Die von diesen Schülern gezeigten akrobatischen Leistungen waren zum Teil atemberaubend. Ob die Talente und die Lebenskraft unserer afrikanischen Freunde so stark von den sportlichen und musikalischen Aktivitäten absorbiert werden, dass sie für solche banalen Dinge wie den sorgsamen Umgang mit Schulbänken oder das Pflanzen und den Unterhalt von Bäumen nicht genug Energie übrig haben ? Oder erweist sich der Stellenwert der Lebensfreude als derartig dominant, dass sich Eigenschaften wie Ordnungsliebe, Sorgfalt oder Disziplin nicht entfalten können ? Wir wissen es nicht.
Zum Glück zeigten unsere Gastgeber Verständnis für unsere aufkommende Müdigkeit und ließen die Vorführungen der Schülertruppe nach 22 Uhr auslaufen. Es dauerte nicht lange, bis wir uns alle in unsere Zelte verkrochen hatten und einschliefen.
13.10.2006 – Freitag – Hans Vater
Von Dafinso
abzufahren, ist nach morgendlicher Kühle wie das Verlassen einer Sommerfrische.
Die Routine des Zeltabbauens und Frühstückens - frisches Brot und Kaffee wird
uns vom Dorf gebracht - unterscheidet sich nicht von anderen Morgen. Noch die
akrobatischen Kunststücke des Vorabends in der Phantasie und die Frische des
Morgens genießend, läuft ein
imposanter Tausendfüßler über den Weg. Der Abschied
aus diesem schönen Fleck erfolgt ganz schnell und es geht zurück Richtung Bobo.
In dieser quirligen Stadt ist die Vereidigung von Anselms Bruder zum Präsidenten
eines höheren Gerichtes ein besonderes Erlebnis. Die Fassade ist Europäisch,
Kalaschnikows stehen aufgereiht im Hof des Justizgebäudes, die Zeremonie ist
feierlich und dann folgt ein lockerer Fototermin.
Wie selbstverständlich kreuzt ein mit Pfeil und Bogen bewaffneter Jäger unseren Weg und lässt die Kontraste deutlich werden.
Eine relativ
kurze Fahrt bringt uns dann nach Soumorodougou zu einer Einweihungsfeier,
Kinder tragen ihre Rechte vor, es wird vor der gut ausgestatteten Schule
getanzt. Hier sind sogar
Bäume gepflanzt und gepflegt. Ein Grund für Charly,
sich lobend zu äußern. 80 Kinder sind in der 1. Klasse eingeschult. Der Schulbau
wurde vom Lyons-Club Bingen mitfinanziert und dank einer Mittelaufstockung des
BMZs können wir dort noch dieses Jahr 2 Lehrerhäuser errichten.
Winfried bringt das obligatorische Schild an, das darauf hinweist, das die neu gebaute Schule eine Frucht der deutsch-burkinischen Zusammenarbeit ist. Das weiße Band wird zerschnitten, Geschenke verteilt, die anwesende Presse macht Fotos, es ist sehr schwül. Dann gibt es kalte Getränke und ein gut zubereitetes Mahl, von attraktiven Afrikanerinnen serviert. Vorher wird eine Schüssel mit Wasser herumgereicht, in der man sich die Hände wäscht. Dann entlädt sich ein Tropengewitter mit Platzregen. Es kühlt sich ab. Das Festzeltdach hat keine Funktion mehr. Der Regen steht knöchelhoch auf dem Boden. Wir sind im Schutz des Schulgebäudes und die Bevölkerung flieht nachhause.
Der Spuk ist ganz schnell vorbei und dann brechen wir auf, um nach Koundougou zu einer Stipvisite zu fahren. Gleichzeitig schauen sich einige der Gruppe eine Geburtshilfestation an. Die Frauen kommen von weit her, um zu gebären. Auch das Thema "Beschneidung von Mädchen" wird erfragt und es gibt widersprüchliche Antworten. Offensichtlich ist diese Praxis nicht vorbei, obwohl ein offizielles Verbot besteht.
Die Visite in Koundougou ist nur kurz, auch hier werden noch einmal Getränke und etwas zu essen gereicht. 336 Kinder besuchen diese Hauptschule – allein 126 Kinder sind in der Anfangsklasse Man möchte 4 weitere Klassenräume finanziert bekommen, um die Klassen zu verdoppeln. Ein wirklich berechtigtes Anliegen, aber erst muss die staatliche Erlaubnis zur Verdoppelung besorgt werden. Um uns positiv zu stimmen, hat man neue Bäume gepflanzt und Geldreserven für Pumpenreparaturen angelegt.
Dann geht es weiter nach Dandé. Die Strasse ist vom mittäglichen Wolkenbruch noch aufgeweicht und verliert sich hinter diesem Ort scheinbar im Busch im Nirgendwo. Etwas verloren schlagen wir im abseits gelegenen Lehrerhaus unser Quartier auf. Die Kinder sind neugierig. Die erwachsene Bevölkerung freundlich, doch zurückhaltend. Eine verlorene junge Ziege schließt Freundschaft mit einem Hund. Die Verantwortlichen des Ortes machen sich viel Mühe mit der für Morgen geplanten Veranstaltung. Ein Festzelt wird aufgebaut. Musik ertönt ununterbrochen. Die Lehrerin hat ihr Haus für uns geräumt und wohnt in der Küche. Dort gibt es einen Generator, an dem man nach einigen Schwierigkeiten mehrere Akkus aufladen kann. So sitzen wir als Gruppe in der Runde, irgendwann stößt auch Götz mit seinem "Allrad" zu uns. Einige trinken Pastis, andere Bier oder alkoholfreie Getränke, in der Ferne ertönt das Schreien zu schlachtender Hühner und eines Schafs.
Ein Besuch in der - sich draußen befindlichen - Kochstelle zeigt
emsige Geschäftigkeit. Sogar tief gefrorener Fisch wird zubereitet. Er stammt
aus Ghana. Spät abends bekommen wir noch etwas zu essen. Gegen 22 Uhr beginnt
der Maskentanz. Die Masken haben weiße Anzüge an und sind als Tiere verkleidet.
Sie springen wild durch die Nacht und setzen sich auch scho
n mal auf den Schoß
der Weißen – sie wirken wie Gespenster – sehr eindrucksvoll. Wir sind zum Teil
müde und ziehen uns in unser Lehrerhaus zurück. An Schlafen ist jedoch vor 24
Uhr nicht zu denken, die Musik will nicht enden - Freitag, der 13. ist vorbei !
14.10.2006 – Samstag – Winfried Plein
Diese Nacht konnten wir unsere Zelte nicht draußen aufstellen. Nach den Niederschlägen in den vergangenen Tagen ist der Boden so sehr durchgeweicht, dass unser Bus sich vor dem Lehrerhaus schon leicht festgefahren hat. Es hatte an einem Tag 105 mm/m² geregnet, das sind 10% der Jahresmenge in Burkina Faso.
Vor dem Frühstück habe ich mich noch im nahe gelegenen Dorf in einem Gehöft umgesehen. Die Bewohner sind sehr freundlich und zeigen mir gleich ihr Zuhause. Nach dem Regen erscheinen hier die Lebensumstände noch schwieriger, als sie ohnehin schon sind. Eingestürzte Lehmmauern und überall Matsch im Innenhof. Trotz allem sind die Bewohner guter Dinge und sauber gekleidet.
Seit den frühen Morgenstunden herrscht reger Betrieb auf dem Platz vor der Schule. Man schleppt Stühle und Bänke und konstruiert einen Sonnenschutz für die geladenen Gäste, der aber der ersten Prüfung nicht standhält, beim zweiten Versuch dann aber doch stehen bleibt.
Bis zum Beginn der Einweihung, um 10.00
Uhr,- Dandé hat ein neues Collége bekommen - bleibt uns noch etwas Zeit, um ein
paar Kleider zu waschen. Die jungen afrikanischen
Schülerinnen wollen uns jedoch
gerne die Arbeit abnehmen, was wir wiederum sehr gerne annehmen, weil wir
wissen, wie schön sauber dann hinterher unsere Wäsche ist und wir den Frauen mit
etwas Geld und Weleda-Creme eine Freude bereiten können.
Die Feier beginnt pünktlich und wird von einer Flötistengruppe und einem tollen Balafonensemble begleitet. Schüler, Lehrer und einige andere wichtige Persönlichkeiten leisten ihre Beiträge und Reden zum Fest, und ständig klingelt in irgendeiner Ecke ein Handy. 138 Kinder sind in den beiden Klassen, direkt auf dem Schulgelände gibt es einen neuen Brunnen (von der Nürburgquelle gespendet), aber dennoch waren nur sehr wenige Bäume gepflanzt worden. Der Solidaritätskreis Westafrika wird nächstes Jahr die Bänke für die beiden restlichen Klassen nur bezahlen, wenn bis dahin ausreichend Bäume gepflanzt und eine Geldreserve für Pumpenreparaturen angesammelt wurden.
Bevor wir uns auf die Fahrt nach Bamagodougou machen sammeln wir noch schnell unsere Wäsche ein, die auf dem Schulzaun hervorragend getrocknet ist. In Bamagodougou gibt es eine 3-klassige Grundschule und die erste Klasse ist bereits mit 116 Kindern belegt. Die Bäume sind leider sehr, sehr klein und benötigen dringend Wasser, was nach Aussage des Lehrers wohl ein Problem ist. Auch sind wir nicht gerade begeistert über den Schulzaun, der an mehreren Stellen verbeult und runter getreten ist. Für künftige Projekte muss vielleicht über eine andere Lösung nachgedacht werden.

Wir besuchen die Präfektur von Faramana und erfahren, dass die Gemeinde aus 8 Dörfern und ca. 16.000 Einwohnern besteht. Bei einem Rundgang durch den alten Ortskern von Faramana besichtigen wir eine kleine Moschee, die schon über 700 Jahre alt ist. Wir dürfen alle barfuß hinein. Da sie im Ursprung aus Lehm gebaut ist und die Restaurierung nach der Regenzeit immer mehr Probleme bereitet, beginnt man mit der Beimischung von Zement, damit die Fassade in Zukunft nicht mehr so ausgewaschen wird. Auf dem Marktplatz stehen einige wunderschöne Fromagebäume, die mit ihren riesigen Wurzeln und den großen Kronen sehr schönen Schatten spenden.
Im Anschluss besuchen wir noch das von uns finanzierte Collège und vergewissern uns, ob der Brunnen auch noch in Ordnung ist. Leider müssen wir feststellen, dass auch hier die Solaranlage defekt ist, weil man kein Wasser in die Batterie nachgefüllt hat und auch die kaputten Sicherungen nicht ausgewechselt hat. Wir werden wohl in Zukunft nicht mehr so viele Solaranlagen installieren. Wir übernachten bei einem Lehrerhaus in Bamagodougou und können die Zelte draußen aufstellen, in unserem 1000 Sterne Hotel.
15.10.2006 – Sonntag – Wilfried Mildenberger
Früh am Morgen werden Anselm und Charly von zwei Mopedfahrern abgeholt. Sie besichtigen die Schule von Kouakrouma, wo man mit dem Auto nicht hinfahren kann. Zum Frühstück sind sie schon wieder zurück. Charly ist außer sich: vor 2 Jahren hat der Solidaritätskreis entgegen seinen Richtlinien dort die Pumpe erneuert, die Solaranlage repariert und wieder auf dem Schuldach befestigt. Bei seiner Ankunft im Dorf musste er feststellen, dass der Lehrer die Solaranlage wieder an seinem Privathaus angeschlossen hat, viele Bänke beschädigt waren und man keinerlei Geldreserven für die Unterhaltung der Pumpe und für die Erneuerung der Batterie angesammelt hat. Man hatte viele große Bäume gepflanzt, aber sie nicht gegossen, obwohl der Brunnen keine 50 m entfernt lag und 100 Kinder die Aufgabe hätten spielend erledigen können. Stattdessen hatte man die abgestorbenen Bäume zur Feier des Tages übereifrig gegossen.
Heike und Winni fahren mit Götz und Hans im Allrad nach Kayan. Wir, die Taxi-Brousse-Gruppe, machen uns auf den Weg über N'Dorola nach Silorola .Unterwegs müssen wir noch tanken. Es gibt keine Tankstelle, aber mit Kanistern wird unser Bus voll getankt.
Am frühen
Nachmittag e
rreichen wir unser erstes Etappenziel N'Dorola. Hier
besichtigen wir eine Schule, die vor 3 Jahren vom Solidaritätskreis um 3 Klassen
erweitert wurde. Eigentlich sollten auf dem Schulhof jede Menge Bäume gepflanzt
worden sein – es sind aber nur drei schmächtige Exemplare zu sehen. Erst bei
genauerem Hinsehen entdecken wir hier und da noch einige Stecklinge, die zum
Schutz vor Ziegen mit Dornengestrüpp bedeckt wurden. Bei unserem nächsten Besuch
werden wir sehen, was daraus geworden ist. Die Batterie für unsere Solaranlage
fehlt, aber die Lehrer laden ihre privaten Batterien an unserer Solaranlage auf.
Bei einigen Bänken fehlen Schrauben und der Mann, der das Sparbuch für die
Schule verwaltet, ist zufällig unterwegs. Wir trösten uns damit, dass 410
Kinder, darunter 189 Mädchen, die Schule besuchen und Kinder wichtiger sind als
Bäume und Schrauben.
Der Bürgermeister lädt uns noch zu einem kühlen Getränk ins Dorf ein. Wir haben seit dem Frühstück nichts mehr gegessen und so langsam meldet sich der Hunger. Als wir den Wirt fragen, ob wir 12 Omelettes haben können, ist er anscheinend etwas überfordert. Er muss erst mal jemanden suchen lassen, der das in die Hand nehmen kann. Nach einer Weile, als wir die Hoffnung nach etwas Essbarem schon fast aufgegeben haben, kreuzt eine junge, dynamische Frau mit ihrem Moped auf, nimmt scheinbar wie selbstverständlich unsere Großbestellung entgegen und braust wieder davon. Kurze Zeit später bringen zwei Mädchen die ersten Omelettes mit dem Fahrrad. Den Rest bringt die Köchin selbst mit dem Moped. Das Essen schmeckt hervorragend. Marianne nutzt die Gelegenheit und dreht mit der jungen Dame noch eine Mopedrunde durchs Dorf. Dann müssen wir weiter, damit wir unser Tagesziel noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Die Piste ist nach der Regenzeit in sehr schlechtem Zustand. Wir können streckenweise nur Schritttempo fahren und brauchen für 50 Kilometer fast 3 Stunden. Unterwegs begleitet uns ein großer exotischer Vogel, der ständig vor unserem Fahrzeug startet und landet, aber scheinbar keinen Ausweg findet. Erst als uns ein Auto entgegenkommt, entschließt er sich zur Flucht in die seitlichen Büsche.
Mit Beginn der Abenddämmerung erreichen wir endlich Silorola. Hier hat aber scheinbar niemand unseren Besuch erwartet - unsere Besuchsankündigung war von der Schulverwaltung nicht weitergeleitet worden. Ein leer stehendes Lehrerhaus wird erst mal gründlich gesäubert und dann unterhalten wir uns angeregt mit den Lehrern über Probleme der Entwicklung. Wir können in der örtlichen Kneipe eine Kiste kaltes Bier kaufen und genießen jeden Schluck. Nachdem sich unsere Ankunft herumgesprochen hat, bringen uns die gastfreundlichen Dorfbewohner noch spät abends etwas zu essen, aber die meisten von uns liegen schon im Zelt.
16.10.2006 – Montag – Marianne Bischoff
Am Morgen besichtigen wir nach dem Frühstück die Schule in Silorola. Die Klassenräume sind schön geschmückt und die Schulbänke sind in einem ordentlichen Zustand, aber die Solaranlage funktioniert nicht und auch die Pumpe am Brunnen ist defekt. Auf dem Sparbuch ist kein Geld für eine Reparatur vorhanden.
Mit dem Pflanzen
von Bäumen hatte man es auch nicht so wichtig genommen. Vor 3 Jahren haben wir
die Erweiterung um 3 Klassen und den Brunnen finanziert und nun gehen 452 Kinder
zur Schule – und das ist wohl das Wichtigste. Im Dorf gibt es seit 3 Jahren auch
eine Krankenstation, hier kommen etwa 15-20 Babys im Mona
t zur Welt. Sie ist mit
Lampen und mit Ventilatoren voll ausgestattet, aber im Dorf gibt es keinerlei
Strom und wird es auch in weiter Zukunft kein Strom geben.
Kurz vor 10.00 Uhr verlassen wir Silorola und unser nächstes Ziel ist
Banzon. Die Piste ist kaum befahrbar. Man hat uns eine andere Strecke empfohlen,
was 150 km Umweg bedeutet hätte. Wir haben uns jedoch trotzdem für den direkten
Weg entschieden. Schon nach kurzer Zeit haben wir uns im Schlamm festgefahren.
Mit Hilfe von Hölzern und Ästen, die wir unters Rad legen und kräftigem Schieben
kommen wir wieder frei. Es dauert genau zwei Minuten bis wir wieder festsitzen.
Ein LKW, der hinter uns kommt, gräbt sich ebenfalls ein, ebenso wie ein
entgegenkommender LKW. Zufällig kommt Götz in diesem Moment mit seinem Allrad
angefahren, sie helfen uns noch beim Schieben und dann trennen sich unsere Wege
wieder. Die weitere Fahrt ist beschwerlich und anstrengend, aber Dank der
Superfahrkünste unseres Busfahrers kommen wir langsam vorwärts. Wir sehen
riesige, erntereife Baumwollfelder, eine Orangenplantage und Termitenhügel, die
aussehen wie
Steinpilze. Etwa gegen 14.30 Uhr erreichen wir unser Ziel.
Banzon ist umgeben von großen Reisfeldern, wohl ein gelungenes
Entwicklungshilfeprojekt der Chinesen. Wir fahren zur Préfecture, in der stillen
Hoffnung auf ein kühles Getränk. Die anstrengende Fahrt und die Hitze haben uns
sehr durstig gemacht. Der Prefekt erklärt uns, dass Banzon noch viele Schulen
braucht. Er fährt mit uns zum neu gebauten Collège, wo wir dann endlich etwas zu
trinken bekommen. Die Kinder stehen Spalier und empfangen uns mit einem
Begrüßungslied. Jäger treten mit ihren traditionellen Instrumenten (Kora) auf,
tanzen und schießen Salut. Wir gehen zum Festplatz, wo sich Tänze und
traditionelle Musik mit den Reden der wichtigen Funktionäre abwechseln. Die
Frauen tanzen einen lustigen „Popo-Peng“. Wir versuchen diesen Tanz später
nachzumachen und tragen sehr zur Belustigung der einheimischen Bevölkerung bei.
In diesem Collège sind 115 Mädchen und nur 75 Jungen eingeschult – eine absolute Sensation! Bravo! Sie haben viele Bäume gepflanzt und werden sich schon bald über einen schönen schattigen Schulhof freuen können.
Nach der offiziellen Feier gibt es Essen beim Präfekten. Es ist schon dunkel, als wir endlich unsere Zelte aufbauen können. Am späten Abend besucht uns nochmals die Dorfbevölkerung. Sie tanzen zu den Klängen der Trommeln und Ballaphone und laden uns zum Mitmachen ein.
17.10.2006 – Dienstag – Babsi Klar
Die "Schafziege" auf dem heißen Blechdach
Nach dem Frühstück, dem Packen, Schafziege füttern und aufs Autodach verladen (sie wurde stehend transportiert), Tanz und Gesang der Kinder und der großen Verabschiedung durch die Dorfbevölkerung machten wir uns auf den Weg nach Sonsogona, wo der Lyons-Club Bingen eine dreiklassige Schule und ein Lehrerhaus mitfinanziert hat.
Wir - die Weißen – hatten Angst und wollten
die Ziege anders auf dem Dach befestigen, aber Anselm beruhigte uns, denn unser
Chauffeur Issa ist schließlich ein erfahrener
„Schafziegenbeförderer“ und ein
noch viel besserer
„Weißentransporteur“!!!
Nach schlechter Wegstrecke, jedoch nichts im Vergleich zu gestern, kamen wir um 11.40 Uhr mit fast 2 Stunden Verspätung in Sonsogona an. Die Einweihung war schon vorbei, das Band zerschnitten, die „Hohen Herren und Damen“ am Essen und unsere Schafziege war - wie vorausgesagt - noch unversehrt. Die Schafziege blieb auf dem Dach und bekam frisches Gras, während die Einweihung einfach im Zeitraffer wiederholt wurde.
Für Charly gab es auch ein neues weißes Band, das er durchschneiden durfte. Auf dem Weg nach Sonsogona waren rechts und links sehr akribisch Bananenplantagen angelegt - hier hatte sich jemand echte Mühe gegeben…

Um 13.45 Uhr ging es weiter Richtung Bobo-Dioulasso zur kurzen Anruf-Pause und Besichtigung des alten Ortskernes. Angefangen auf dem Platz vor der großen Lehmmoschee, weiter durch kleine Gassen, vorbei an Straßenkindern deren Spiel darin bestand, Fahrradreifen mit Stöcken vor sich her zu schieben, bis zum „alten Ortskern“. Die Bevölkerung in diesem Teil der Stadt teilt sich in vier Partikel, 1 Teil Animisten, 1 Teil Moslems und noch 2 Teile mit jeweils einer anderen Religion wohnen hier. Männer und Frauen mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit dürfen hier auch nicht heiraten.
Spannend waren die verschiedenen „Fetisch-Plätze“, wo sie Hühner am Jahresende töten, um das nächste Jahr voraussagen zu können. Wie die Voraussage ausfällt ist davon abhängig, in welcher Position das Huhn seinen Tod findet. Am Fluss mit den heiligen Fischen gibt es einen Platz für ältere Männer, die Probleme zu lösen versuchen. Dort entnehmen sie Hühnern ihre Innereien und werfen sie in den Fluss, - je nach dem ob die Fische die Innereien fressen oder nicht – deuten sie dieses als gut oder schlecht.
Ein bisschen was Unheimliches hatte auch der Treffpunkt der dorfältesten Männer. Eine kleine selbstgebaute Hütte aus Stöcken und Lehm, worin früher der Dorfchef nach seinem Tod noch bis zum nächsten April aufgebahrt wurde. Heute machen sie das nicht mehr. Jetzt wird nur noch sein Stock hier aufbewahrt, bis zum nächsten April wenn die Masken kommen. Es gibt dort auch noch einen Fetisch-Platz, wo die Männer ihre Hand in ein Loch einer Lehmfassade stecken müssen und versprechen, dass sie die Wahrheit sagen - ansonsten könnte das ihr Leben kosten!
Um 17.30 Uhr sind wir bei Soeur Véronique in Banfora angekommen. Ein wunderschönes Gelände mit tollem Haus und gemütlichem Innenhof, wo kühle Getränke für uns vorbereitet waren…eine Oase! Aber wenn man Schwester Véronique so erlebt, könnte es hier gar nicht anders sein: eine warmherzige, liebevolle, fröhliche und offene Frau. Nach einem ganz leckeren Abendessen sitzen wir noch in großer Runde zusammen. Alle sind müde und kriechen früh in die Zelte, die direkt neben den Klassen aufgebaut wurden, in denen Mädchen im Nähen, Weben und Batiken unterrichtet werden.
18. 10.2006 – Mittwoch- Hans Vater
Die Fahrt zu dem Ort "an dem die Menschen
verschwinden" soll eigentlich mit Soeur Véronique stattfinden, denn sie macht
sich Sorgen und fährt normalerweise mit, damit ihren Gästen nichts passiert.
Diesen Anachronismus im Kopf, im Pick-up des Bischofs sitzend, geht die Fahrt bei
wunderschönem Wetter über eine Pistenstrasse Richtung Berge.
Die Strasse windet sich durch Hirsefelder und wird anschließend von alten Allee-Bäumen aus der Kolonialzeit besäumt. Vorbei an einem Camping-Platz-Schild endet sie an einem gebührenpflichtigen Parkplatz. Ein "Führer" und unser Pick-up-Chauffeur begleiten unsere kleine Truppe. Nun geht es zu Fuß zuerst unter uralten Bäumen, dann aufwärts über eine Felstreppe nach oben.
Das Rauschen des Wasserfalls der ersten
Terrassenstufe ist schon beeindruckend. Der Blick ins Tal ist frei und erweckt
die Vorstellung unendlicher Weite. Unsere Führer bringen uns dann über einen
Felspfad weiter nach oben und hier endet dann der Weg scheinbar auf einem
Vorsprung. Das Wasser rauscht in Kaskaden trommelnd nach unten, unterbrochen von
Vertiefungen im Fels oder Boden, was kleine Becken erzeugt. Das Klima ist
angenehm und lädt ein, sich unter das Wasser zu stellen und die Frische zu
genießen. Das Wasser prasselt auf die nackte Haut, kleine Sand- und
Steinpartikel mit sich führend, was wie eine angenehme Massage wirkt. Fast alle
probieren dieses Erlebn
is mehr oder weniger aus, einige klettern noch ein wenig
herum, wachsam beobachtet von unseren Führern, denen das manchmal wohl nicht
geheuer ist. Libellen und einige Vögel halten sich hier auf, - ein Platz zum
Verweilen und Picknicken. Bis auf zwei Bananen und ein paar Nüsse haben wir
nichts dabei, sodass irgendwann um die Mittagszeit sich der Hunger bemerkbar
macht und das Badevergnügen begrenzt. So erfolgt dann der Abstieg schnell und
zügig auf dem gleichen Weg. Im Tal zeigt uns noch der Führer, den es zu
entlohnen gilt, wie hoch das Wasser oft steht und reißend seinen Weg ins Tal
findet. An den Bäumen ist die Markierung in Hüfthöhe zu erkennen. Die
Vorstellung, dort durch die Kraft des Wassers mitgerissen zu werden, lässt die
Bezeichnung verständlich werden, die diesem Ort von den Bewohnern zugedacht ist.
Wir jedenfalls kommen wieder nach Banfora zurück, wo uns ein leckeres Essen erwartet. Véronique bildet im Foyer Sainte Monique Novizinnen aus. Außerdem leben 50 Mädchen im angeschlossenen Internat und gehen in Banfora auf die höhere Schule. Unter ihnen sind auch 19 mittellose Mädchen (Waise und Halbwaise), deren Ausbildung durch Pateneltern aus Deutschland finanziert wird. Ich habe die Aufgabe die Mädchen zu fotografieren, denn die Pateneltern sollen Fotos erhalten. Am Abend kommt eine tolle Trommler- und Balafongruppe mit einigen Mädchen, die begeistert tanzen. Auch die Mädchen aus dem Internat gesellen sich mit ihren Hockern zu uns und tanzen eifrig mit. Wer am besten mit dem Po wackeln kann, ist die Größte! In der Nacht werden wir durch ein Gewitter geweckt und wir müssen mit unseren Zelten in einen stickigen Klassenraum umziehen.
19.10.2006 – Donnerstag – Wolfgang Nieländer
Wie immer verbrachten wir bei der Schwester Véronique in Banfora einen sehr schönen und erholsamen Tag und befinden uns nun schon quasi auf der Rückfahrt nach Ouagadougou. Kurz vor Bobo-Dioulasso werden wir von einem eifrigen Forstwart mit der Waffe in der Hand angehalten. Nach kurzem Zögern verzichtet er auf eine eingehende Inspektion unserer Gepäckstücke und lässt uns passieren. Offenbar konnten wir ihn von unserer Harmlosigkeit überzeugen.
In Bobo frischen wir unsere Vorräte an Brot
und Käse auf und starten in Richtung Niamodougou. Dieser Ort liegt
unmittelbar an der stark befahrenen Fernstraße nach Ouagadougou. Infolge der
politischen Lage in der Elfenbeinküste wird diese Straße noch intensiver
genutzt als in der Vergangenheit. In dichter Folge donnern und rumpeln Busse und
überladene
Schwerstlastwagen in beiden Richtungen an uns vorbei. Gelegentlich
steht ein liegen gebliebenes Fahrzeug am Straßenrand, bewacht von seinem Fahrer
oder Beifahrer.
Der Unterbau der Straße war diesem starken Verkehr nicht gewachsen und deshalb wird ein größerer Streckenabschnitt gerade erneuert. Der gesamte Verkehr wird über lange Strecken auf notdürftig befestigte Ersatzpisten umgeleitet. Entgegenkommende Busse und LKWs wirbeln so viel Staub auf, dass unser einheimischer Fahrer hellseherische Fähigkeiten entwickeln muss, um nicht vom Weg abzukommen. Wer hier als Fußgänger oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, tut gut daran, sich einem Schutzengel mit nachgewiesener Afrikaerfahrung anzuvertrauen.
Schließlich kommen wir in Niamodougou an. Wir sehen die Schule schon vom weitem und die dichte Menschenmenge, die sich zur Einweihung versammelt hat. Ohne Umschweife beginnt das übliche Programm. Bezüglich der Reden verfügen wir inzwischen über einige Routine. Keineswegs Routine waren dagegen die Darbietungen zweier halbwüchsiger Schülerinnen, die in phantasievoller Kleidung als Chansonetten zu Playback Musik auftraten. So etwas hatten wir überhaupt noch nie gesehen, auch nicht bei vorangegangenen Rundfahrten. Die beiden Akteure ernteten großen Beifall. Wir bedauerten sehr, den Inhalt der Chansons nicht zu verstehen.
Im Anschluss daran fuhren wir nach Yéguéresso, einem nicht allzu weit entfernten Ort, wegen der Straßenbauarbeiten jedoch umständlich zu erreichen. An dieser Schule hat Götz Krieger, der 2. Vorsitzende von ASAO, für die Dauer seines mehrmonatigen Aufenthaltes in Burkina in einem leer stehenden Lehrerhaus sein Hauptquartier aufgeschlagen. Als wir mit dem Bus ankamen, war Götz noch mit dem Geländewagen unterwegs.
Nach seiner Ankunft waren wir alle neugierig, sein vorübergehendes Domizil zu inspizieren. Das Mobiliar und die Ausstattung waren auf die notwendigsten Dinge reduziert. Aber es ging in diesem Fall ja auch nicht darum, an einem Wettbewerb der Zeitschrift „Schöner Wohnen“ teilzunehmen.
Später warteten wir dann alle zusammen auf ein von der Dorfgemeinschaft versprochenes Abendessen und vertrieben uns die Zeit mit Rätseln. Wir unterhielten uns auch mit den Lehrern, die alle in Bobo Dioulasso wohnen und jeden Tag mit Mopeds anreisen. Sie erhalten vom Staat ein Wohngeld von monatlich 45 Euro, wenn sie nicht in einer Dienstwohnung wohnen. Mit diesem Geld können sie sich in Bobo eine gleichwertige Wohnung mieten und die Annehmlichkeiten einer Großstadt mit Elektrizität genießen. Unsere 4 Lehrerhäuser stehen nunmehr seit Jahren leer, sollen jedoch bald von Schülern, die weiter weg wohnen, benutzt werden .Der Solidaritätskreis hat dieses Jahr die Klassen der Hauptschule verdoppelt und in den bis jetzt belegten 5 Klassen werden 300 Kinder unterrichtet.
An diesem Abend war es besonders schwül. Als das Essen schließlich ankam, hatten sich mehrere von uns bereits zum Schlafen in die Zelte gelegt. Die Luft war so feucht, dass sie vom Zeltdach auf uns herabträufelte. Am nächsten Tag sollte es dann wieder zurück nach Ouagadougou gehen. Wir freuten uns schon auf die große Gastfreundschaft der Familie Sanou und auf die dort vorhandenen sanitären Anlagen.
20.10.2006 – Freitag – Veronika Jorch
Um ca. 6:30 Ortszeit sind wir aufgestanden. Wir frühstücken gemütlich. Es gibt sogar Schinken, den Götz uns aus seinen Vorratskisten spendet. Anselm, der die Nacht in Bobo bei seinen Eltern verbracht hat, kommt pünktlich zurück, so dass Charly, Götz und Hans-Günter mit ihm früh im Allrad zu weiteren Besprechungen in andere Dörfer aufbrechen können.
Der Rest duscht noch einmal mit Plastikbecher und Wassereimer und packt langsam alle Sachen zusammen. Beim Packen entdecken wir zahlreiche Frösche zwischen den Gepäckstücken. Wir fahren erst um ca. 10:45 Uhr ab. Wegen einer Baustelle müssen wir lange stehen bleiben und warten. Wir werden bald von Straßenverkäufern umlagert und Kinder fragen nach „cadeaux“ (Geschenken). An der großen Baustelle vorbei geht es weiter in Richtung Ouagadougou. Wir halten in Boromo, um essen zu gehen. Das Restaurant, in das uns Wolfgang führt, scheint ein Geheimtipp für Europäer zu sein. Die meisten Gäste sind weiße Männer. Wir bestellen Omelette und Pommes. Das Essen ist sehr gut, im Gegensatz zu den Keramiktoiletten mit Wasserspülung!
Auf der Weiterfahrt erzählt Wilfried auf der Rückbank noch einige Witze. Wir kommen zur abendlichen Rush-hour in Ouaga an. Ein Dunst aus Staub und Abgasen verringert die Sicht und beißt in den Augen. Überall fahren Menschen auf Mopeds und Fahrrädern von der Arbeit nach Hause. Links und rechts der Straße wechseln sich Verkaufsstände mit Gemüse, allerlei Plunder und Möbeln, freien, vermüllten Flächen, halbfertigen größeren Bauten, kleinen Buden und Mauern, hinter denen Prachtbauten mit teuren Autos vor der Tür versteckt sind, ab. Wir kommen an einem Viehmarkt und einem Schulbankhersteller, vor dem riesige Stapel Schulbänke stehen, vorbei und umfahren einen Kreisverkehr mit Springbrunnen und begrünten Verkehrsinseln.
Als wir bei Anselm angekommen sind, werden alle Pläne noch Auszugehen über Bord geworfen, da die Müdigkeit zu groß ist. Stattdessen unterhalten wir uns mit Marie-Thérèse über Frauen in Burkina Faso, wobei Wolfgang die Rolle des Dolmetschers übernimmt. Wir essen noch mal, da Marie-Thérèse gut gekocht hat. Anselm, Götz, Hans Günter und Charly kommen erst spät an. Sie sind auch erschöpft. Wir schlafen wieder in unseren Zelten in Anselms Hof.
21.10.2006 – Samstag – Heike Plein
Die Nacht im Zelt in Ouagadougou war nicht so heiß wie erwartet, denn oft sind die Nächte in der Stadt um einiges heißer als auf dem Land. Gut ausgeruht beginnen wir unseren letzten Tag in Afrika. Nach einem leckeren Frühstück werden zuerst die Zelte und Isomatten auf ihren Gesundheitszustand überprüft. Einige Teile haben den Aufenthalt im Busch nicht ganz so gut überstanden. Gebrochene Zeltstangen, fehlende Isomattenverschlüsse, defekte Reißverschlüsse und einiges mehr finden wir vor. Wir reparieren und tauschen aus, so weit es möglich ist, und legen die funktionstüchtigen Sachen in unser „afrikanisches Basislager“. Auch die Küchenkiste bedarf einer Generalüberholung.
Nach 14 Tage Buschaufenthalt müssen einige Dinge noch mal neu geordnet und entsorgt werden. Sie hat ja jetzt erstmal ein Jahr Pause.
Gegen 9.00 Uhr bringt ein Händler verschiedene afrikanische Souvenirs, Trommeln, Batikkarten und einiges andere, zu Anselms Haus, und wir können in Ruhe aussuchen und kaufen. Währenddessen empfangen Charly, Götz und Anselm zahlreiche Delegationen, die ihre Projektwünsche vortragen. Danach werden noch Gespräche mit Bauunternehmern und der Bauingenieurin geführt. Die Bauingenieurin möchte ab 2007 ordnungsgemäß angestellt werden. Dies bedeutet, dass wir für sie auch Steuern und Sozialabgaben abführen müssen, was die Kosten natürlich erhöht.
Anschließend fahren einige mit dem „ASAO-Chauffeur“ im vereinseigenen Pick-up zum Village Artisanale, einem modernen Gebäude, in dem man Kunsthandwerkern bei der Arbeit zusehen kann und die Kunstgegenstände auch kaufen kann. Es gibt einen Verkaufsraum, der sogar klimatisiert ist. Die Preise sind zwar deutlich höher als bei Straßenverkäufern oder auf Märkten, doch man kann sich hier in Ruhe umzuschauen und kaufen. Hinter dem Verkaufsraum befinden sich, kreisförmig angelegt, die offenen Werkstätten. Es ist sehr interessant den Künstlern bei der Arbeit zuzusehen und man erklärt uns gerne und freundlich, was wir alles wissen wollen. Das Angebot ist sehr umfangreich: Tischdecken, Kleider, Stoffe, Schmuck, Holzfiguren, Bilderrahmen, Lederwaren, Trommeln, Gemälde und vieles mehr. Leider drängt die Zeit mal wieder, da von 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr Mittagspause ist und wir müssen uns ein wenig beeilen. Nachdem wir all unser Geld unter die Leute gebracht haben geht’s wieder zu Anselm zurück. Da wir einiges an Souvenirs eingekauft haben, und jeder nur maximal 2 Gepäckstücke im Flugzeug mitnehmen darf, werden beim Verpacken sehr kreative Ideen entwickelt. Mit viel Fantasie bekommen wir alles bestens in den Griff. Mit dem Gewicht des Gepäcks haben wir keine Probleme, da jedes Gepäckstück bis zu 23 kg wiegen darf.
Nach dem Mittagessen besuchen wir das Waisenheim AMPO, das von der Deutschen Katrin Rhode gegründet und vorbildlich geleitet wird. Gegen 17 Uhr sind wir zurück und die ersten Gäste treffen zu unserer Verabschiedung ein. 7 junge Frauen haben den ganzen Tag gekocht und gebraten, um die zahlreichen Gäste zu bewirten. Sie werden nachher mit Geschenken und etwas Geld belohnt. Gegen 19.30 Uhr brechen wir zum Flughafen auf. Nun heißt es Abschied nehmen, einchecken und eine anstrengende, aber auch sehr interessante Reise geht zu Ende.