Unsere
Projekte 2000
Karl-Wilhelm Simonis
Liebe Freunde,
im Jahr 2000 konnten wir wieder für 577.960 DM Projekte in Burkina Faso durchführen. Die einzelnen Projekte und geplanten Vorhaben für das Jahr 2001 sind in "Projekte" aufgelistet.
Vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erhielten wir für unsere Projekte Zuschüsse in Höhe von insgesamt 422.580 DM und investierten aus eigenen Mitteln 155.380 DM.
Wir möchten uns bei unseren Spendern und bei den Damen und Herren im BMZ für das uns entgegengebrachte Vertrauen ganz herzlich bedanken. Die hohen Zuschüsse motivieren uns, uns noch mehr zu engagieren. Aus Anlass von Geburtstagen, goldenen Hochzeiten und einer Beerdigung wurden uns größere Geldbeträge gespendet. Der Ort Loogh stellte uns den Reinerlös seines Dorffestes in Höhe von 14.000 DM zur Verfügung, die kath. Pfarrei Gerolstein die Hälfte des diesjährigen Pfarrfestes und das Restaurant „ Der Teller“ den Erlös einer Sportveranstaltung. Wir freuen uns über jede gespendete Mark eines jeden Spenders.
Mit der Durchführung unserer Projekte waren wir sehr zufrieden. Unsere Kranken- und Entbindungsstation in Nohoungo leistet unter Leitung von Amadou Kaboré sehr gute Arbeit. Die Entbindungsstation und Apotheke haben wir dieses Jahr mit Solarbeleuchtung ausgestattet. Bernhard Thurner und Petra Simonis haben zwei Wochen dort mitgearbeitet und waren begeistert (s. Purda). Auch Erika und Marianne Froning, Stefanie Werntze sowie Winfried Plein besuchten die Krankenstation und konnten das außergewöhnliche Engagement der Krankenpfleger und der Hebamme bestätigen.
Mit einem Taxi-brousse (alter
Toyotabus) besuchten wir -teilweise mit bis zu 12 Personen-
14 Dörfer, in denen wir Schulprojekte durchgeführt haben. Ich
darf auf das lebhafte Reisetagebuch von
Marianne Bischoff verweisen. Die meiste Zeit hielten wir uns im Südwesten
von Burkina Faso auf und weihten die dortigen Projekte ein, denn in dieser
Gegend waren wir noch nicht gewesen. Die Gebäude waren einwandfrei und ohne Mängel
errichtet und von der Bevölkerung gut unterhalten worden. Die Schüler haben
zahlreiche Bäume gepflanzt, vor allem an den Schulen, wo wir Zäune zum Schutz
vor Tierverbiss mitfinanziert haben. Die Rücklagen von jeweils 300 DM pro Jahr
für die Unterhaltung der Pumpen waren in den Dörfern ordnungsgemäß
angesammelt worden.
In diesem Jahr bauten wir in Koro, Dafinso, Donsin und
Towogdou jeweils dreiklassige Grundschulen und in Bouroum-Bouroum und
Tenkodogo jeweils eine vierklassige Realschule. Alle Schulgebäude waren bei
Schulbeginn am 15. September fertiggestellt und mit 480 Schulbänken
ausgestattet. Der Staat hatte in alle Schulen Lehrer geschickt, so dass ca. 350
Kinder neu eingeschult werden konnten. Wenn alle dieses Jahr neu gebauten
Klassen voll belegt sind, gehen ca. 1200 Kinder mehr in eine Schule. Wir freuen
uns besonders darüber, dass fast genau so viele Mädchen wie Jungen
unterrichtet werden. Die 15 Lehrerhäuser waren fast ganz fertig und drei
Brunnen waren bereits gebohrt. Bis zum Ende dieses Jahres werden alle Projekte
fertiggestellt sein.
Wir haben festgestellt, dass die Schulen in den letzten zwei Jahren
von Wohltätigkeitsorganisationen bzw. vom Staat keine Nahrungsmittel
mehr für die Schulspeisung erhalten hatten und die von uns finanzierten Schülerkantinen
kaum benutzt wurden. Wir werden daher ab dem Jahre 2001 nur noch kleine Küchen
finanzieren und das dadurch eingesparte Geld dazu verwenden, zumindest jeweils
eine Klasse jeder Schule mit einer Solarbeleuchtung auszustatten. In Burkina
Faso wird es stets um ca. 18.30 Uhr dunkel und in den Dörfern gibt es keinerlei
Elektrizität.
In den beleuchteten Klassenräumen können die Schüler in Ruhe ihre
Hausaufgaben machen, und der Lehrer kann Erwachsenenkurse anbieten, denn noch
immer sind 80 % der Bevölkerung Analphabeten. Bereits gebaute Schulen, die sich
besonders engagieren und zahlreiche
Bäume pflanzen, werden wir nachträglich mit Solarbeleuchtung ausstatten.
In Zukunft werden wir für jede dreiklassige Schule nur zwei Lehrerhäuser bauen und die Dorfbevölkerung verpflichten, das dritte Lehrerhaus, das erst vier Jahre später beim Eintreffen des 3. Lehrers benötigt wird, selbst zu finanzieren. Sie haben genügend Zeit, sich darauf vorzubereiten und Gelder anzusammeln.
Wir genossen die Gastfreundschaft der Dörfer und wurden mit zahlreichen Geschenken beglückt. Es wurde viel gesungen und getrommelt und die Schüler führten viele Tänze auf. Der deutsche Botschafter Dr. Rau war mit seiner Frau in den 500 km von der Hauptstadt entfernten Ort Djigouéra gereist, um dort mit uns zusammen die neu erbaute Realschule einzuweihen. Das burkinische Fernsehen berichtete ausführlich über diese Veranstaltung und auch über die Eröffnung unserer Schule in Boussanra. Auf unserer Rundreise wurden wir des öfteren von Fernsehzuschauern wiedererkannt und auf unsere Projekte angesprochen.
Zum Schluss unserer Reise besuchte ich alleine mit Anselm Sanou noch
unsere Schulprojekte in Bondoudoum und Wogzoughin. In Bondoudoum haben wir im
Laufe dieses Jahres die Lehrerhäuser instandgesetzt und Aborte sowie eine
Viehtränke gebaut. Die Lehrer hatten mit dem von uns finanzierten 50 m x 50 m
großen Zaun das Schulgebäude eingefriedet und zahlreiche Bäume gepflanzt, so
dass die Schule später im Schatten steht, was bei der afrikanischen Hitze sehr
angenehm sein wird. Es ist die einzige Schule, die zu wenig Schüler hat.
Die Eltern konnten bisher nicht dazu motiviert werden, ihre Kinder zum
Unterricht zu schicken. Um dies zu verändern, verpflichteten wir uns, für alle
dieses Jahr eingeschulten Kinder (Jungen und Mädchen) drei Jahre lang die
Schulmaterialien zu bezahlen.
Dann fuhren wir nach
Wobzoughin und überzeugten uns davon, dass die Lehrerhäuser
und der Brunnen dort ordnungsgemäß fertiggestellt worden waren. Anschließend
sollten wir noch
das neu errichtete Schulprojekt in Towogdou besuchen. Es war schon dunkel
geworden und wir hätten noch 50 km auf „Pisten“ fahren müssen, die auf
keiner Straßenkarte verzeichnet waren. Da wir am Vortag erst von der
Marathontour nach Bouroum-Bouroum zurückgekehrt waren
und ich mir und unserem Auto
eine solche Tortur nicht mehr zumuten mochte, ließen wir diesen Besuch
ausfallen und fuhren stattdessen nach Donsin. In der Dunkelheit ging es
querfeldein durch die Savanne. Wir verfuhren uns mehrfach und folgten alten
Reifenspuren und Dank des guten Orientierungsvermögens von Anselm erreichten
wir schließlich das Dorf. Dort wurden wir von niemandem erwartet, denn wir
hatten uns erst für den nächsten Tag angekündigt. Wir bauten unser Igluzelt
im Freien vor der Schule auf und genossen den afrikanischen Sternenhimmel.
Zahlreiche Kinder schauten uns zu. Für sie waren wir Geschöpfe aus einer
anderen Welt! Morgens besuchten wir den Unterricht. Vor zwei Wochen hat die
Einschulung begonnen und bereits 31 Mädchen und 22 Jungen besuchten die erste
Klasse. Bis dahin war noch kein Kind dieser Gegend in die Schule
gegangen. Jeden Tag kamen nun weitere Kinder dazu, denn der Lehrer konnte die
Eltern dazu motivieren, ihre Kinder zum Unterricht zu schicken. Die Schüler
waren 6-8 Jahre alt, denn auch die Älteren sollten noch die Chance
einer Schulausbildung erhalten.
Es erfüllt uns immer wieder mit großer Genugtuung und Freude, wenn wir sehen,
wie unsere Hilfe dankbar angenommen wird und wie wir mit unseren Projekten die
Entwicklung eines ganzen Dorfes beschleunigen und durch die Bohrung eines
Tiefbrunnens viele Krankheiten verhindern können. Dieses gute Gefühl wird aber
sofort wieder dadurch getrübt, dass wir feststellen müssen, dass jede Frau 6-7
Kinder hat und wir gar nicht so schnell Schulen bauen
können wie die Bevölkerung anwächst. Nur durch eine Schulbildung -vor allem
von Mädchen- kann dieser „Teufelskreis“ durchbrochen werden und eine
Hungersnot wegen Übervölkerung vermieden werden!
Den Antrag für den Schulbau von
Donsin hatte eine Mme Hélène Sanwidi bei uns gestellt und
auch alle erforderlichen Unterlagen besorgt. Anselm Sanou verhandelte
auch mehrfach mit ihr über das Projekt. Als er ihr schließlich mitteilte, dass
wir keinerlei Geld an sie herausgeben, sondern die Bauunternehmer unmittelbar
bezahlen würden, lies sie sich nicht mehr blicken. Als Anselm dann allein in
das Dorf fuhr, kannte man dort die Frau überhaupt nicht. Sie hatte versucht, über
ein beantragtes Projekt Geld für sich privat abzuzweigen. Anselm bestätigte
mir, dass dies kein Einzelfall sei, sondern oft würden Projektanträge nicht
weiter verfolgt, sobald er die Antragsteller auf unsere unmittelbaren
Zahlungsmodalitäten hinweisen würden. Es ist also größte Vorsicht geboten!
Das Dorf Donsin freute sich aber über diese unerwartete Chance, es sammelte
begeistert Sand und Steine und half beim Bau. Bei der Schuleinweihung dankte der
Dorfchef Gott, der ihnen dieses von ihnen nicht beantragte Geschenk zugedacht
hatte!
Anschließend fuhren wir weiter
nach Tenkodogo. Dort haben wir für eine katholische private Mädchenschule
unter Leitung einer Ordensschwester einen vierklassigen Schultrakt finanziert
und mit Bänken ausgestattet, so dass die Realschule nun zweizügig geführt und
jedes Jahr zwei Klassen neu eingeschult werden können. Wir haben uns davon überzeugt,
dass die Mädchen - unabhängig von Religions- und Stammeszugehörigkeit - dort
unterrichtet wurden.
Mit 47.804 DM wurden ca. 220 neue Schulplätze geschaffen, d.h. jeder neue
Schulplatz hat lediglich eine einmalige Investitionssumme von 2.173 DM gekostet.
Lehrerhäuser brauchten nicht finanziert zu werden, da Tenkodogo eine größere
Stadt ist und die Lehrer dort privat wohnen. Jede Klasse hatte für uns ein Lied
bzw. einen Tanz einstudiert und die darin zum Ausdruck kommende Dankbarkeit hat
uns tief berührt.
Am letzten Tag unseres
Afrikaaufenthaltes besuchten wir in Ouagadougou den Markt, um noch einige
Erinnerungsstücke zu kaufen. Dies ist immer eine sehr anstrengende
Angelegenheit, denn man wird regelrecht von den Verkäufern bedrängt.
Schließlich zogen wir uns in ein Café zurück und ließen uns die Dinge
einzeln dorthin bringen, für die wir uns interessiert hatten. Anselm und
Chantal begleiteten uns und sorgten dafür, dass wir keine überhöhten Preise
zahlten.
Nachdem am Vortag schon 5 Personen unserer Reisegruppe nach Deutschland zurückgeflogen waren, hieß es nun auch für uns, unsere Sachen zu packen. Da jeder von uns in Djigouéra ein großes Ballaphon geschenkt bekommen hatte und wir auch sonst aus Dankbarkeit mit zahlreichen Geschenken bedacht worden waren, war dies ein größeres Unternehmen. Wir hatten zahlreiche große Gepäckstücke und erhebliches Übergewicht, aber man war bei der Gepäckabfertigung nicht kleinlich.
Zu unserer Verabschiedung waren mindestens 30 Personen aus vielen Dörfern zum Haus von Anselm Sanou gekommen. Es gab noch ein Abschiedsessen, und dann wurden wir mit 6 Autos im Convoy zum Flughafen begleitet. Der Abschied war sehr herzlich und bewegend. Wir dankten nochmals Anselm, der uns auf unserer Rundreise begleitet und die Hälfte seines Jahresurlaubs für uns geopfert hatte. Er ist ein großartiger , absolut zuverlässiger Organisator, und wenn wir ihn nicht hätten, könnten wir nicht so viele Projekte in dieser Größenordnung durchführen. Wenn Burkina Faso 1000 solch fähiger Menschen hätte, ginge es mit dem Land besser voran!
Unser Flugzeug startete rechtzeitig, aber beim Start ist wohl -ohne dass wir es merkten- ein Reifen unter der rechten Tragfläche geplatzt. Bei unserer Zwischenlandung in Bamako/Mali wurden zwei weitere Reifen unter der rechten Tragfläche unbrauchbar, so dass die Maschine fluguntauglich war. Wir wurden gebeten, mit unserem Handgepäck im Flughafengebäude zu warten. Nach 2 ½ Stunden wurden wir dann für die Nacht in verschiedenen (recht guten) Hotels in Bamako untergebracht. Air France sorgte dafür, dass während der Nacht eine für die Elfenbeinküste bestimmte Maschine in Bamako zwischenlandete und zwei eingeflogene Monteure 4 neue Reifen unter unserer rechten Tragfläche montierten. Mit 17 Stunden Verspätung starteten wir dann wieder und landeten mitten in der Nacht in Paris. Unsere Ballaphone wurden auf dem Autodach festgezurrt und um 9.00 Uhr morgens kamen wir -doch etwas erschöpft- in Hillesheim bzw. Gerolstein an.
Wir werden auch nächstes Jahr vom 01. - 14. Oktober wieder mir einer Gruppe nach Burkina Faso fliegen. Wer mitfliegen will und sich durch das Tagebuch von Marianne Bischoff und durch meinen Bericht nicht abschrecken lässt und sich körperlich und psychisch fit fühlt, kann gerne mit uns Kontakt aufnehmen.
Alle Interessierten laden wir
schon jetzt zur Vorführung unseres recht eindrucksvollen Videos
am Freitag, den 02.März 2001 um 20.00
Uhr in das Pfarrheim Hillesheim ein.
Um 19.15 Uhr findet dort auch die Mitgliederversammlung unseres Vereins statt,
zu der ich hiermit einlade.
Wer nicht kommen kann, möge sich bei mir melden, ich werde ihm eine Kopie des
Videos zuschicken.
Diejenigen, die eine E-Mail Adresse haben und regelmäßiger über unsere Arbeit
unterrichtet werden wollen, mögen sie uns bekannt geben, denn wir beabsichtigen
per E-Mail kostengünstig Berichte zu übermitteln.
Danken möchten wir hiermit unseren zahlreichen afrikanischen Freunden, die sich
für unsere Projekte tatkräftig eingesetzt und ihre Dorfbevölkerung jeweils
mobilisiert haben.
Unser größter Dank gilt aber unseren zahlreichen großzügigen Spendern, die uns die Realisierung solch zahlreicher Projekte ermöglichten und uns hoffentlich auch weiterhin unterstützen.
Es grüßt