Unsere Projekte 2004
Liebe Freunde,
zufrieden sind wir von
Burkina Faso zurückgekehrt. Wir haben 28 Dörfer besucht, in denen wir Schulen
gebaut haben bzw. neue Projekte durchführen wollen. Um dies zu bewältigen, sind
wir zeitweise in 2 Gruppen gefahren. Eine Gruppe fuhr mit dem vom BMZ (=
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung)
mitfinanzierten Allrad in die unzugänglichen Dörfer, die mit dem Bus nicht zu
erreichen waren - die andere Gruppe fuhr mit einem gemieteten alten Toyota-Bus
in die besser zugänglichen Orte.
Unsere Reisegruppe bestand
dieses Jahr aus acht Männern und vier Frauen, hinzu kamen unser Repräsentant
Anselm Sanou, unser Busfahrer und sein Helfer. Da wir letztes Jahr von
Straßenräubern überfallen worden waren, bekamen wir dieses Jahr - ohne unser
Wissen und Wollen - 4 Polizisten einer Spezialeinheit zugeordnet. Diese wurden
jedoch nicht mit einem eigenen Fahrzeug ausgestattet, sondern mussten bei uns
mitfahren, schliefen in den Lehrerhäusern bzw. wechselten sich bei der Bewachung
ab und wurden von der Bevölkerung mitbeköstigt. Sie waren sehr nett und
zuvorkommend, aber wir fühlten uns nicht gerade wohl, mit einer solchen
Bewachung durch die Lande zu reisen. Alle Mitreisenden wissen, welche
gesundheitlichen Risiken sie eingehen - wir wollen den Dörfern helfen und ihre
Gastfreundschaft genießen und wir haben keine Angst.
Da macht es sich nicht gut, wenn 2 Polizisten mit automatischen Waffen,
kugelsicheren Westen, Helmen und Gesichtsschutz im Freien auf unserem Pick up
mitreisen und zwei weitere Polizisten mit entsicherten Gewehren an den
Außentüren unseres Busses sitzen. Wir kamen uns teilweise wie Politiker beim
Staatsbesuch vor, aber gerade dies ist nicht der Stil, mit dem wir uns
anfreunden können.
Wir hatten den Dörfern und
staatlichen Behörden unseren Rundreiseplan geschickt, und viele Orte haben dies
zum Anlass genommen, große Einweihungsfeiern zu organisieren. Diese laufen wie
in Deutschland ab: Alle wichtigen Personen (die nichts zur
Realisierung
der Projekte getan haben) reisen an, Minister und Staatssekretäre kommen aus der
400 km entfernten Hauptstadt Ouagadougou, die Hohen Kommissare, Präfekten und
Schulräte dürfen nicht fehlen und alle werden einzeln sorgfältig gemäß der
Rangfolge ihrer Ämter begrüßt, was bekanntlich einige Zeit in Anspruch nimmt.
Bei 3 Veranstaltungen war das Staatsfernsehen da, und wir waren an mindestens 3
Tagen in der „Tagesschau“. Wie in Europa bekommt man von hübschen Damen eine
Schere gereicht und darf vor laufenden Kameras das weiße Band zur Schuleröffnung
durchschneiden.
Wir wissen, dass wir auf
unserer Rundreise die Bundesrepublik Deutschland vertreten, und wir legen großen
Wert darauf, dass das Engagement Deutschlands landesweit bekannt und gewürdigt
wird. Wir haben sogar 2 deutsche Flaggen gekauft und Götz Krieger hält
eindrucksvolle Reden, in denen er die Arbeit der Dorfbevölkerung beim Sammeln
von Sand und Steinen hervorhebt, sich bei den Schulräten für die sofortige
Entsendung der Lehrer bedankt und auf die 75 %-Beteiligung d
es
BMZ bei der Verwirklichung der Projekte hinweist. Anschließend gibt es
für alle „Honorationen“ und uns ein großzügiges Essen, mit Bier und Cola, was
die umliegenden Dörfer durch eine Umlage bezahlen müssen. Es mag sein, dass es
für die Dörfer wichtig ist, wenigstens einmal im Blickpunkt der Öffentlichkeit
zu stehen und dass auch ohne unsere Anwesenheit die Feiern durchgeführt werden,
aber für unsere Reisegruppe sind zu viele „förmliche Einweihungen“ unzumutbar
und werden langweilig. Deshalb wollen wir im nächsten Jahr nur noch 2-3 Orte
benennen, in denen dann die pressewirksamen Feiern stattfinden können, aber
ansonsten wollen wir ohne große Ankündigungen rund reisen, sodass unsere Fahrt
wieder mehr einen privaten Charakter bekommt und sich der burkinische Staat
nicht für eine lückenlose Absicherung verantwortlich fühlt. Für uns ist es
einfach schöner, wenn die Schulkinder für uns singen, Gedichte aufsagen und
Theater spielen bzw. die einheimischen Gruppen für uns tanzen und trommeln. In
den kleinen Orten war es auch dieses Jahr so und wir haben uns dort sehr wohl
gefühlt.
Mit den durchgeführten Projekten waren wir sehr zufrieden. Alle Schulbauten waren ordnungsgemäß durchgeführt worden, und wir haben keine Baumängel festgestellt. Seit diesem Jahr beschäftigen wir eine Bauingenieurin, die während der Bauphase 4-5 mal alle Baustellen besuchte, alles kontrollierte und den Bauarbeitern bzw. Bauunternehmen Weisungen erteilte. Sie war sehr häufig mit unserem Toyota Pick-up unterwegs, wobei sie von Anselms Chauffeur begleitet wurde. Sie wird tageweise bezahlt und kam durch den häufigen Einsatz auf ein bedeuten d höheres Einkommen als von mir kalkuliert. Im nächsten Jahr wollen wir ihre Entlohnung um 1/3 reduzieren. Sie wird dann für afrikanische Verhältnisse immer noch recht großzügig bezahlt.
Die geplante Erweiterung der
Hauptschule Yéguéresso konnte nicht durchgeführt werden, weil dazu die
staatliche Erlaubnis nicht erteilt wurde. Wir wollten alsdann in den
Ausweichorten Arra und Dampéla Schulen bauen, aber auch daraus wurde nichts,
weil diese Dörfer nicht genug Sand und Steine gesammelt hatten. Schließlich
haben wir mit Zustimmung des BMZ die so freigewordenen Gelder in den Bau
einer Grundschule und von 2 Lehrerhäusern in Tassé investiert, denn die dortige
Bevölkerung hatte sich sehr für den Bau engagiert. Bei meinem Besuch in Tassé
wurden 38 Jungen und 34 Mädchen in einem Lehmschuppen mit einem Strohdach
unterrichtet. Ich dachte evtl. keine neuen Bänke für die neue Schule kaufen zu
müssen und staunte nicht schlecht als ich sah, dass die Bevölkerung die Tische
und Hocker aus Steinen gefertigt hatte.
Die übrigen von uns finanzierten 6 Grundschulen waren fertig und die Lehrer
hatten mit dem Unterricht begonnen. In den 5 neu gebauten Hauptschulen beginnt
in diesen Tagen der Unterricht, die Lehrer sind angereist und haben die neuen
Schüler erfasst.
Unsere Projektgrundsätze sind auf der Rückseite des Deckblattes genau dargelegt. Die Durchführung der einzelnen Projekte wird jedoch nach jeder Rundreise neu festgelegt. Wir haben uns davon überzeugen können, dass bei vielen Schulen ordnungsgemäß Bäume gepflanzt wurden und die Instandhaltungsrücklagen für die Pumpe und die Batterie angesammelt worden waren. Es gab aber auch neue Schulen, die keine Bäume gepflanzt haben und bei denen der Mann mit dem Sparbuch „gerade auf Reisen“ war. Bisher haben wir bei Hauptschulen sofort die 100 Bänke für alle 4 Klassenstufen gekauft, obwohl bei einer Neueröffnung im 1. Jahr nur 25 Bänke benötigt werden. Auch bei Grundschulen haben wir die 75 Bänke für alle 3 Klassenstufen sofort anliefern lassen und bezahlt, obwohl dort meist nur alle 2 Jahre eingeschult wird und im 1. Jahr daher nur 25 Bänke, im 3. Jahr 50 Bänke und erst im 5. Jahr 75 Bänke benötigt werden.
Ab nächstem Jahr werden wir dies umstellen: Wir werden nur noch jeweils 50 Bänke pro Schule kaufen und die restlichen Bänke bezahlen wir erst nach 2 bzw. 4 Jahren, wenn bis dahin viele Bäume gepflanzt wurden, die Instandhaltungsreserve angesammelt und die Bänke in Ordnung gehalten wurden. So haben wir ein Druckmittel, um unsere berechtigten Forderungen durchzusetzen. Dies mag sich vielleicht etwas überheblich anhören, aber Druckmittel können ganz hilfreich sein. Alle Afrikaner halten sich gerne im Schatten von Bäumen auf, aber beim Pflanzen und Pflegen von Bäumen sind sie manchmal etwas träge. Auch mussten wir feststellen, dass sie sogar Bäume und Hecken abgeholzt haben, damit man von weitem die neue Schule besser sehen konnte !
Bisher hatten wir in den neu eröffneten Hauptschulen und bei Grundschulerweiterungen stets einen Klassenraum mit Solarenergie beleuchtet, damit die Schüler dort abends ihre Hausaufgaben machen können. Bei unserer Rundreise haben wir herausgefunden, dass nur ältere Kinder - vor allem vor dem Examen - abends in der Schule bleiben und in der beleuchteten Klasse lernen. Wenn wir aber neue Schulen bauen, gibt es dort erst mal nur jüngere Kinder und diese wollen, wenn es dunkel wird, bei ihren Eltern sein. Es ist also gar nicht sinnvoll, neu gebaute Schulen sofort mit Solarenergie auszustatten, denn die Batterien halten nur ca. 3 Jahre und müssen schon erneuert werden, bevor die Kinder die beleuchteten Räume intensiv nutzen. Also werden wir ab nächstem Jahr die neuen Schulen nicht mehr beleuchten, sondern erst 2-3 Jahre später eine Solarbeleuchtung bezahlen, vorausgesetzt es wurden genügend Bäume gepflanzt etc.
In unseren neu errichteten Hauptschulen unterrichten in den ersten Jahren maximal 3 Lehrer, da es bei Hauptschulen im Gegensatz zu Grundschulen einen Lehrermangel gibt. Dennoch haben wir bisher, weil es die staatlichen Vorschriften verlangten, stets 4 Lehrerhäuser errichtet, sodass 1 Lehrerhaus oft mehrere Jahre leer stand. Ab nächstem Jahr werden wir bei Hauptschulen deshalb nur noch 3 Lehrerhäuser finanzieren und wir sind uns sicher, dass die Schule dennoch sofort ordnungsgemäß eröffnet wird. Mit den so eingesparten Mitteln können wir weitere Schulbauten finanzieren, obwohl das im nächsten Jahr wegen einer Preissteigerung von ca. 5% kaum Auswirkungen hat.
Wenn wir im Jahr 2005 wieder Zuschüsse vom BMZ bekommen, wollen wir 15 Schulen und 30 Lehrerhäuser bauen:
1. Grundschule Arra, 2 Lehrerhäuser (BMZ) 31.091 EUR
2. Grundschule Dampéla, 2 Lehrerhäuser (BMZ) 31.091 EUR
3. Grundschule Belgou, 2 Lehrerhäuser (BMZ) 31.091 EUR
4. Grundschulerweiterung Arbadébéré, 1 Lehrerhaus (BMZ) 22.026 EUR
5. Grundschule Vara, 2 Lehrerhäuser (BMZ) 31.091 EUR
6. Grundschule Bamogodougou, 2 Lehrerhäuser (BMZ) 31.091 EUR
7. Grundschule Banakoro, 2 Lehrerhäuser (BMZ) 31.091 EUR
8. Grundschule Koulidio, 2 Lehrerhäuser (BMZ) 31.091 EUR
9. Hauptschule Guibaré, Verwaltungstrakt, 3 Lehrerhäuser (BMZ) 54.939 EUR
10. Hauptschule Banzon, Verwaltungstrakt, 3 Lehrerhäuser (BMZ) 54.939 EUR
11. Hauptschule Gogo, Verwaltungstraktakt 3 Lehrerhäuser (BMZ) 54.939 EUR
12. Hauptschule Yondé, Verwaltungstrakt, 3 Lehrerhäuser (BMZ) 54.939 EUR
13. Hauptschule Dandé, Verwaltungstrakt, 3 Lehrerhäuser (BMZ) 54.939 EUR
14. Hauptschulerweiterung Kouka, 4 Klassen (BMZ) 23.244 EUR
15. Hauptschulerweiterung Broum-Broum, 4 Klassen (BMZ) 23.244 EUR
16.
Projektüberwachung, Auslagenersatz, Repräsentant/Bauingenieurin (BMZ)
8.154 EUR
Projekte mit dem
BMZ insgesamt
569.000 EUR
17. Schulausstattung Mädchen 10.000 EUR
18. Unterhaltung Krankenstation 732 EUR, Frauenförderzentr. 1.525 EUR 2.257 EUR
19. AMPO Waisenheim 7.500 EUR
20.
Foyer
Sainte Monique, Internat der Ordensschwester Véronique
9.000 EUR
Projekte
insgesamt
597.757 EUR
- beantragter Zuschuss BMZ
-
443.820 EUR
2005 aufzubringende Spenden
153.937 EUR.
Als wir aus Burkina Faso zurückflogen, haben wir die Bevölkerung der 15 ausgewählten Dörfer und von drei Ersatzdörfern aufgefordert, sofort mit dem Sammeln von Sand und Steinen zu beginnen, damit wir Anfang Januar mit den Schulbauten anfangen und diese noch weitgehend vor der Regenzeit fertig stellen können.
Wir haben dies zu einem
Zeitpunkt getan, an dem wir noch keine Zusage des BMZ haben und auch noch
nicht die erforderlichen Spendengelder zur Verfügung haben. Wir gehen jedes Jahr
ein sehr erhebliches Risiko ein und uns fällt ein Stein vom Herzen, wenn uns die
Spender und das BMZ nicht im Stich lassen. Aber wir müssen so handeln,
denn sonst sind die Schulen beim Schuljahresbeginn nicht fertig und zahlreiche
Kinder verlieren ein weiteres Schuljahr.
Wenn alle 52 neu geplanten Klassen voll belegt sind, werden ca. 3.400 Kinder
dauerhaft neue Schulplätze haben.
Für das Land Burkina Faso mit seinen 13 Mil. Einwohnern ist dies schon eine bedeutende Investition, die auch von den Politikern gewürdigt wird. Die Hälfte aller neu eröffneten Hauptschulen im gesamten Land wird vom BMZ und unserem Verein finanziert und gebaut - und dies zu beispielhaft günstigen Preisen, da keinerlei Gelder im Sand bzw. Cliquen versickern!!!
Dies ist nun die Gelegenheit, uns bei unseren großzügigen Spendern und bei den Damen und Herren im BMZ für das entgegengebrachte Vertrauen ganz herzlich zu bedanken. Sie können sicher sein, dass Ihr Geld wirklich die Ärmsten der Armen erreicht, dass Tausende von Kindern Schulplätze erhalten und durch die Brunnenbohrungen ein wesentlicher Beitrag für die Gesundheitsvorsorge der gesamten Bevölkerung geleistet wird. Von vielen Freunden und Firmen erhalten wir regelmäßig Einzelspenden, die wir nicht im Einzelnen aufführen wollen. Zwei Familien haben die Patenschaft über jeweils 1 Schulprojekt übernommen (nämlich Meno-Diantio und Wéré) und jeweils den Betrag gespendet, der nach Abzug der BMZ-Zuschüsse als Eigenbeteiligung unseres Vereins übrig blieb. Einige verzichteten auf Geburtstagsgeschenke, andere auf Blumenschmuck bei Beerdigungen zu Gunsten unserer gemeinsamen Sache. Aber wir werden zunehmend auch von Gemeinschaften und Einrichtungen unterstützt. Die Sportveranstaltung des Restaurants „Der Teller“ und das Dorffest in Loogh erbrachten jeweils einen Erlös von über 5.000 Euro, die Grund- und die Hauptschule Hillesheim sowie das Berufskolleg Warendorf stellten uns die Gelder aus Schulfesten bzw. Lebensläufen zur Verfügung, die evangelische Kirchengemeinde Gerolstein, die katholische Pfarrgemeinde Freckenhorst, die Firmlinge des Dekanates Prüm sowie die Frauen des Kommunionkleiderbasars Uersfeld unterstützten uns mit erheblichen Beträgen und auch die Boerner Stiftung Köln lies uns eine hohe Spende zukommen. Wir freuen uns über jeden gespendeten Euro und wir sind darauf angewiesen, denn wir haben auch dieses Jahr wieder die Zahl unserer Projekte erhöht. Im Regelfall brauchen wir für den Neubau einer Schule nur 25% der Kosten aufzubringen, 75% der Kosten trägt das BMZ. So „vervierfacht“ sich jeder von Euch gespendete Euro und nur so können wir so viele Projekte verwirklichen.
Die Projekte des Jahres 2004 in Höhe von über 600.000 EUR sind auf der Umschlagseite aufgeführt - die genaue Abrechnung kann natürlich erst im Januar neu erfolgen.
Mich persönlich hat während unserer Rundreise die Dankbarkeit der Bevölkerung und die Begeisterung der zahlreichen Kinder am meisten beeindruckt und zur Weiterarbeit motiviert. Es ist immer wieder schön, in einen ganz anderen Kulturkreis einzutauchen, im Freien zu schlafen und den afrikanischen Sternenhimmel zu bewundern. Aber man sieht auch viel Leid und man macht sich Gedanken über die Gerechtigkeit in dieser Welt.
In Burkina Faso bekommt jede Frau durchschnittlich 6,8 Kinder und 49 % der Gesamtbevölkerung sind unter 15 Jahre alt!!! Wir können gar nicht so schnell Schulen bauen, wie sich die Bevölkerung vermehrt. Ohne eine Schulbildung bekommt man das Problem der Überbevölkerung aber nicht in den Griff und ohne Reduzierung der Geburtenrate wird es keine Entwicklung und keinen Fortschritt geben, da die Landwirtschaft die Menschen nicht mehr ernähren kann. Wir freuen uns aber, wenn wir feststellen, dass in unseren Grundschulen fast genauso viele Mädchen wie Jungen unterrichtet werden. In dieser patriarchalischen Gesellschaft zahlt es sich aus, dass wir für Mädchen in den ersten 4 Grundschuljahren die Schulmaterialien bezahlen.
Wir fuhren durch ein Gebiet, in dem viel Baumwolle und Zuckerrohr angebaut wird. Diese Bauern können ihre Produkte, obwohl sie konkurrenzlos billig produzieren, nicht zu angemessenen Preisen auf dem Weltmarkt verkaufen. Die USA und die EU verbilligen die eigenen Waren durch Steuermittel, werfen sie zu Dumpingpreisen auf den Weltmarkt und verdrängen so die armen Länder. Anschließend springt dann die Entwicklungshilfe ein, damit die verarmten Bauern nicht verhungern. Eine absurde und widersprüchliche Politik! Seit Jahren verlangen die Entwicklungsländer eine gerechte Weltwirtschaftsordnung, aber nichts geschieht, und es war kein Zufall, dass die Terroristen gerade das „World-Trade-Center“ zerstört haben.
Wir werden in Afrika als
Gäste und Freunde aufgenommen und die armen Bauern geben ihr letztes Huhn her,
damit wir gut beköstigt werden. Es berührt mich zutiefst, wenn ich dann im
Fernsehen verfolge, wie wieder ein Schiff mit Afrikanern, die im „Paradies
Europa“ Zuflucht suchen, aufgebracht wird und die Leute interniert werden.
„Festung Europa“ - mit militärischer Gewalt schützen wir uns vor den Armen
dieser Welt!!! Natürlich können wir nicht alle in unsere Länder aufnehmen, aber
wir können ihr Leben in ihren Heimatländern verbessern. Wer menschenwürdig leben
kann, flieht nicht in fremde Länder! Geld dazu ist genug vorhanden! Die
Entwicklungshilfe aller Staaten dieser Erde beträgt pro Jahr ca. 51
Milliarden Dollar - allein der Militärhaushalt der USA liegt pro Jahr über 400
Milliarden Dollar.
Wir werfen der Generation, die im 3. Reich gelebt hat, vor, vieles gewusst, aber
zu wenig unternommen zu haben. Wenn wir ehrlich sind, verhalten wir uns nicht
anders! Jeden Tag sterben 17.000 Kinder an Unterernährung und
vermeidbaren Krankheiten. Wir müssen unsere Politiker unter Druck setzen, sonst
passiert nichts! Deshalb schätze ich auch die Arbeit von Attac. Mit unseren
kleinen Projekten verändern wir nicht die Welt, aber sie sind von sehr großem
Einfluss für die von uns geförderten Dörfer.
Da ich morgens immer früh wach werde, bin ich oft „im Schlafanzug“ in die einzelnen Lehmgehöfte gegangen, habe mir das Alltagsleben angeschaut und wurde herzlich aufgenommen. Am beeindruckendsten für mich war jedoch jener Freitagmorgen, als ich in der Dunkelheit den Muezzin hörte, leise aus meinem Zelt schlich, den Gehilfen unseres Chauffeurs, der Moslem ist, an die Hand nahm und ihn bat, mit mir zur Moschee zu gehen. Wir tasteten uns durch die Dunkelheit und kamen dem Ruf des Muezzins immer näher. Wir zogen unsere Sandalen aus und betraten eine kleine Lehmmoschee, wo sich schon ca. 20 Männer versammelt hatten. Dort habe ich am Freitagsgebet teilgenommen und mich bemüht, alle Gebetsriten mitzumachen. Danach gingen wir vor die Moschee und tauschten den Friedensgruß aus. Da noch 4 Männer in der Moschee blieben und Suren sangen, setze ich mich zu ihnen. Die ständigen Wiederholungen erinnerten mich an die Gesänge in Taizé und bestärkten mich in meinem Glauben, dass Gott überall ist.
Am letzten Abend vor unserer Abreise waren mein Bruder, Anselm und ich wieder privat beim Deutschen Botschafter eingeladen und ich freute mich, seine Frau Ina, mit der ich vor 40 Jahren in Bonn Jura studiert habe, wiederzusehen.
Im nächsten Jahr werden wir vom 22. Oktober bis zum 5. November wieder nach Burkina Faso fliegen. Wer mitfliegen will, keine Angst hat und sich körperlich und psychisch fit fühlt, sollte bis Ende Januar mit uns Kontakt aufnehmen.
Alle anderen laden wir schon jetzt zu einem Diaabend am Freitag, den 18. Februar um 20.00 Uhr, in das Pfarrheim Hillesheim ein. Um 19 Uhr findet dort auch die Mitgliederversammlung unseres Vereins statt, zu der Gäste herzlich willkommen sind.
Neuigkeiten über unsere Arbeit erfährt man auf unserer Homepage „www.solidaritaetskreis.de“, die von Götz Krieger sorgfältig gepflegt wird.
Ich möchte noch auf die nachfolgenden Reiseberichte hinweisen, die unsere Rundreise lebendig werden lassen.
Nochmals ein ganz herzlicher Dank an unsere zahlreichen, großzügigen Spender, die uns die Realisierung solch zahlreicher Projekte ermöglichten und hoffentlich weiterhin unterstützen.
Es grüßt Euch
Charly Simonis