Unsere Projekte 2005
Liebe Freunde,
vom 22. Oktober bis zum 5. November 2005 waren wir wieder auf Rundreise in Burkina Faso. Diesmal bestand unsere Reisegruppe nur aus 5 Männern. Wir passten alle in
unseren vereinseigenen Allrad und brauchten keinen „taxi brousse“(alten Toyota-Bus) zu mieten. Unser Repräsentant Anselm Sanou steuerte souverän unseren Toyota Pick-up
in dem zum Teil sehr unwegsamen Gelände.
Es war ein ganz neues Reisegefühl: Im Auto war es zwar sehr eng, aber es hatte Klimaanlage und war staubdicht. Wir kamen relativ erholt und meist rechtzeitig in den Dörfern
an und mussten abends nicht duschen, um den roten Staub und den Schweiß abzuspülen. Es war luxuriöser als in früheren Jahren, aber dadurch waren wir auch leistungsfähiger,
schneller und wendiger. Insgesamt legten wir in den 13 Tagen 2.250 km zurück – die Hälfte der Luftlinie von Deutschland nach Burkina - und dies bei afrikanischen Straßenverhältnissen.
Wir besuchten 36 Dörfer in 12 Provinzen – ein neuer Rekord!
Der deutsche Botschafter hatte uns zwar von einer solchen Rundreise abgeraten, da es in Burkina öfter zu Straßenüberfällen mit tödlichem Ausgang kommt, aber es kann nicht sein,
dass wir unserem Repräsentanten, unserer Bauingenieurin nebst Chauffeur und unseren Bauunternehmen zumuten, ständig unsere Projektorte aufzusuchen, und dann selbst „kneifen“,
wenn wir im Lande sind. Es gehört zu den Grundsätzen unseres Vereins, unsere Projekte auch einzuweihen, den Dorfbewohnern die Möglichkeit zu geben, ihre Dankbarkeit und
Gastfreundschaft zu zeigen, und die neuen Projektorte zu besuchen. Unsere Schulen sollen für die Dörfer kein „anonymes Geschenk“ sein, sondern sie sollen mit ihnen auch bestimmte
Personen verbinden können, was in Afrika sehr wichtig ist. Die Bevölkerung weiß, dass wir wiederkommen werden, und allein deshalb wird sie sich bemühen, die Anlagen in
Ordnung zu halten.
Wir haben natürlich besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Unsere Reiseroute haben wir nur der Botschaft bekannt gegeben. Den Dörfern haben wir lediglich den Tag unseres
Besuchs und die ungefähre Ankunftszeit mitgeteilt, sodass niemand wusste, von wo wir anreisten und wohin wir anschließend fuhren. Nach unserer Reiseroute befragt, haben wir stets
falsche Angaben gemacht, denn die Straßenräuber werden per Handy unterrichtet. Wenn auf der Fahrt entlang der Grenze zu Ghana und Togo Autos bzw. Personen auf der Straße
anhielten, haben wir in schusssicherer Entfernung sofort angehalten, mit dem Fernglas die Situation beobachtet und sind erst weitergefahren, wenn wir davon überzeugt waren, in keine
Straßensperre zu gelangen.
Ich empfehle, erst den lebhaften Reisebericht von Hans-Günter Haase zu lesen, bevor man sich meinen mehr sachlichen Ausführungen widmet. Hans-Günter ist
Kapitän eines Lufthansa-Jumbos und kannte Afrika bis zum letzten Jahr nur aus der Luft auf dem Weg nach Südafrika. Er hat sich unter anderem als wahrer
Reifenwechselkünstler und Verlademeister unseres umfangreichen Gepäcks profiliert, wofür wir ihm sehr dankbar sind.
Der deutsche Botschafter Dr. Hochschild hat an der Einweihungsfeier unserer Hauptschule in Gogo teilgenommen und uns nach unserer Rückkehr in seine Residenz eingeladen. Mit der Durchführung unserer Projekte waren wir sehr zufrieden. Wir haben im Jahr 2005 rund 610.000 Euro in Burkina Faso investiert und unter anderem 8 Grundschulen, 7 Hauptschulen und 30 Lehrerhäuser gebaut und dank der Grabspende Kreuter, Nürburgquelle, 2 Brunnen gebohrt. Die genauen Einzelbeträge bitte ich der Rückseite dieses Jahresberichtes zu entnehmen. Es hat sich bewährt, dass wir während der Bauphase eine Bauingenieurin beschäftigen, die alle Baustellen mehrfach besucht und überwacht. In den 2 Jahren hat unser Toyota schon 81.240 km zurückgelegt. All dies kostet natürlich Geld, aber eine gute Bauüberwachung ist in Afrika unumgänglich. Wir arbeiten möglichst immer mit denselben Bauunternehmern zusammen, die uns konkurrenzlos günstige Preise bieten und gute Arbeit leisten, da sie auch in Zukunft Aufträge erhalten wollen. Wir haben keine Baumängel festgestellt.
Es gab jedoch auch Vorfälle, die weniger positiv waren und uns dazu zwingen, einen Abänderungsantrag für unsere Projekte 2006 beim Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) einzureichen. Alle Projektorte im Westen des Landes hatte unser Repräsentant bereits im Frühjahr besucht und die Angaben in den uns zugesandten Fragebögen kontrolliert. Die Kontrolle im Süden und im Norden des Landes wurde während unserer Rundreise vorgenommen. Dabei mussten wir folgendes feststellen:
ftsvereins mit dem Bau einer Hauptschule begonnen worden sei. Vor
Ort wurde dies von der Präfektin, dem Schulrat und weiteren 3o Personen
intensiv bestritten. Auf Nachfrage erklärte man schließlich, dass die
Bevölkerung mit dem Bau eines kleinen Unterstandes begonnen habe. Wir
bestanden darauf, sofort an den vorgesehenen Bauplatz zu fahren. Da sich die
Beteiligten nicht mehr absprechen konnten, fuhren wir los. Auf der Straße
bremste die Autokolonne öfter und fuhr dann doch wieder weiter. Als man
schließlich anhielt, war von einem Gebäude nichts zu sehen. Wir stiegen jedoch
auf eine Anhöhe und konnten mit unserem Fernglas hinter Bäumen ein lang
gestrecktes Gebäude ausmachen. Wir bestanden darauf, dieses zu besichtigen und
stellten vor Ort fest, dass 2 Klassen gerade angestrichen wurden und bei 2
weiteren Klassen nur der Innenausbau fehlte. Wir waren von der gesamten
Versammlung bewusst belogen worden.
Wir fuhren einen Tag früher als vorgesehen inkognito in die Präfektur des dortigen Départements und erklärten, wir müssten für Entwicklungsprojekte die genauen Einwohnerzahlen und die Entfernungen zu den nächsten Schulorten wissen. Der nichts ahnende Verwaltungsbeamte gab uns bekannt, dass Somdamesson nur 714 Einwohner hat und im Nachbarort Tiguintenga nur 341 Einwohner wohnen. Die nächste Grundschule sei 1,5 km entfernt. Wir besuchten die dortige 6-klassige Grundschule. Der Schulleiter erklärte uns, dass seine Schule nur 295 Schüler habe, die Kinder von Somdamesson dort hinkämen und noch Aufnahmekapazitäten für weitere Kinder vorhanden seien.
Für Romissi stellten wir fest, dass es laut Statistik nicht 3.253 Einwohner, sondern nur 935 Einwohner gab. Die Entfernung zur nächsten Schule betrug nicht 8 km, sondern nur 2 -3 km. Beide Orte haben also bewusst falsche Angaben gemacht und man versuchte uns zu täuschen und wollte die alten Schulen durch schöne Neubauten ersetzen. Dies kann jedoch nicht unsere Aufgabe sein, denn wir wollen die Einschulungsquote in Burkina Faso erhöhen und erreichen, dass mehr Kinder die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen.
Bei den Entfernungsangaben verlassen wir uns nicht mehr auf die Angaben der Bevölkerung, sondern wir haben satellitenunterstützte GPS-Geräte dabei, geben die Lage der Schule ein und lassen uns zur nächsten Schule bzw. zu dem nächsten Brunnen fahren und können auf diese Weise die genaue Luftlinie zwischen den Punkten ersehen. Dies ist manchmal auch die einzige Möglichkeit, ohne ortskundige Führer die entlegenen Dörfer mit dem Allrad selbst wieder zu finden. Diplomatisch – wie wir sind – lehnten wir die Durchführung der Projekte nicht schroff ab, sondern sagten, dass wir die Einzelumstände unserem Entwicklungsminister vortragen müssten, der dann eine Entscheidung träfe. Da wir das volle Vertrauen des BMZ genießen, haben wir jedoch die Entscheidung nun selbst gefällt.
Wir möchten nunmehr mit dem für Boura
vorgesehenen Geld eine Hauptschule in Loukoura (Provinz Bourgouriba)
bauen. Diesen Ort haben wir am 29.10.
05 besucht. Wir wurden von über 1000
Kindern empfangen, die alle deutsche und burkinische Fähnchen gebastelt hatten
und uns zuwinkten. Die Bevölkerung hatte das gesamte Baumaterial bereits
gesammelt und zeigte es uns stolz. Im Umkreis von 12 km gibt es 27
Grundschulklassen mit ca. 1.900 Schülern, die dringend eine weiterführende
Schule suchen. Die Hauptschüler kommen oft auch mit einem Fahrrad zur Schule und
12 km sind als Anreise durchaus üblich. Die Genehmigung zum Schulbau liegt uns
bereits vor.

Mit dem für Somdamesson vorgesehenen Geld wollen wir die Grundschule in Bozo (Provinz Sissili, unmittelbar an der Grenze zu Ghana) um 3 Klassen erweitern. Wir haben diesen Ort am 29. 10. 05 besucht. Es gibt dort nur 3 Klassenräume, obwohl 6 Klassen unterrichtet werden. Die 1. Klasse mit 85 Schülern und die 2. Klasse mit 93 Schülern werden im Freien jeweils unter einem Strohdach unterrichtet und die „ Tische und Bänke“ wurden aus Lehm gebaut. Ein ordnungsgemäßer Unterricht ist unter solchen Umständen wirklich unmöglich. Die behördliche Genehmigung für den Schulbau liegt uns vor.
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Mit dem für Romissi vorgesehenen Geld und den eingesparten Lehrerhäusern wollen wir eine Hauptschule in Yargatenga (Provinz Koulpélogo) unmittelbar an der Grenze zu Togo bauen. Wir haben uns am 26.10. 05 ohne Vorankündigung den dort vorgesehenen Bauplatz angesehen. Eine Brunnenbohrung ist dort nicht erforderlich, sodass das so gesparte Geld in die zusätzlichen Häuser investiert werden kann. Es gibt zahlreiche Grundschulen im Umkreis von 12 km und auch die staatliche Bauerlaubnis liegt uns vor. Die Bevölkerung ist hoch motiviert und besuchte uns an unserem Abreisetag gleich zweimal im Haus unseres Repräsentanten Anselm Sanou, um für ihren Ort zu werben.
Leider ist die Bevölkerung von anderen Vereinen bzw. Geldgelbern gewohnt, fertige Projekte hingestellt zu bekommen, ohne sich selbst engagieren zu müssen. Wir sehen jedoch nicht ein, dass nur wir Deutsche für die Projekte hart arbeiten müssen und die einheimische Bevölkerung nichts tut. Deshalb werden wir 2 weitere für 2006 nicht vorgesehene Projektorte zum Sammeln von Baumaterialien auffordern, damit wir notfalls Anfang Januar ohne Zeitverlust auf diese Ersatzorte zurückgreifen können.
Wir können versichern, dass wir mit den Steuermitteln und unseren eigenen Mitteln sehr sparsam umgehen werden. Alle Angaben unserer Projektpartner werden sorgfältig von uns bzw. unserem Repräsentanten überprüft und bei falschen Angaben wird die Projektplanung sofort eingestellt. Bis jetzt haben wir über 80 Schulen in Burkina Faso gebaut und mittlerweile so viel Erfahrung, dass man uns kaum mehr täuschen kann. Projekte von Deutschland aus durchzuführen, ohne die einzelnen Projektorte zu besuchen, ist – wie sich wieder gezeigt hat – recht risikohaft. Auch im letzten Jahr stellte Anselm bei seinem Besuch in Bossey, wo wir eine Schule bauen wollten, fest, dass der Staat – ohne uns zu informieren – mit dem Bau von Klassen begonnen hatte, sodass wir den Projektort austauschen mussten.
Wir möchten uns bei all unseren Spendern für ihr Vertrauen und ihre Großzügigkeit bedanken. Unser besonderer Dank gilt jedoch auch Frau Margret Junk von der Antragsvorprüfstelle BENGO. Als wir sie mit der Familie Sanou im August in Bonn besuchten, empfahl sie uns, unseren Projektantrag 2006 nicht erst Ende November, sondern noch im August einzureichen, um mehr Sicherheit und eine schnellere Auszahlung der Gelder zu erreichen. Noch vor unserer Abreise nach Afrika erhielten wir vom BMZ die Erlaubnis, ab 1.01.06 mit eigenen Mitteln auf eigenes Risiko und ohne verpflichtende Wirkung für das BMZ mit dem Bau der Projekte zu beginnen. Bereits am 7. 11. 05 erhielten wir die endgültige Zusage für einen Zuschuss von 475.800 Euro, der aus Mitteln des Haushaltsjahres 2005 bereitgestellt und 2006 auf Anforderung ausgezahlt wird. Für diese großzügige und sehr schnelle Zusage möchten wir uns bei den Damen und Herren des BMZ ganz herzlich bedanken.
Wir konnten dieses Jahr mit guten Gewissen während unserer Rundreise die Bevölkerung der 18 Orte, in denen wir nächstes Jahr Schulen bauen wollen, auffordern, sofort mit dem Sammeln von Sand und Steinen zu beginnen.
Im Laufe des Jahres 2006 wollen wir mit Unterstützung des BMZ 8 Grundschulen, 10 Hauptschulen, 5 Verwaltungsgebäude, jeweils mit Einrichtung und 16 Lehrerhäuser bauen und 7 Brunnen bohren:
| 1. Grundschule, 1 Lehrerhaus in Niamodougou bei Bobo | 26.240 EUR |
| 2. Grundschule, 1 Lehrerhaus in Sonsogona bei Bobo | 24.826 EUR |
| 3. katholische Grundschule in Fara | 18.561 EUR |
| 4. Grundschule und Brunnen in Dogoma bei Padéma | 26.240 EUR |
| 5. Grundschule in Soumorodougou bei Koundougou | 18.561 EUR |
| 6. Grundschule und Brunnen in Kibé bei Kokoroba | 24.826 EUR |
| 7. Grundschulerweiterung um 3 Klassen in Tiarako bei Satiri | 18.561 EUR |
| 8. Grundschulerweiterung um 3 Klassen in Bozo, Grenze Ghana | 15.761 EUR |
| 9. Hauptschule, Verwaltungsgebäude, 3 Lehrerhäuser in Yargatenga | 54.939 EUR |
| 10. Hauptschule, Verwaltungsgebäude, 3 Lehrerhäuser in Pensa | 54.939 EUR |
| 11. Hauptschule, Verwaltung, 3 Lehrerhäuser, Brunnen in Loukoura | 62.618 EUR |
| 12. Hauptschule, Verwaltung, 3 Lehrerhäuser, Brunnen in Di,Maligrenze | 62.618 EUR |
| 13. Hauptschule, Verwaltung, 2 Lehrerhäuser, Brunnen in Siby | 56.353 EUR |
| 14. Hauptschulerweiterung um 4 Klassen in Baskouré | 23.244 EUR |
| 15. Hauptschulerweiterung um 4 Klassen in Yéguérésso | 23.244 EUR |
| 16. Hauptschulerweiterung um 4 Klassen in Bittou | 23.244 EUR |
| 17. Hauptschulerweiterung um 4 Klassen mit Abort etc. in Garango | 26.044 EUR |
| 18. Hauptschulerweiterung um 4 Klassen mit Abort etc. in Padéma | 26.044 EUR |
| 19. Brunnenbohrung in Banakoro u. Koulidio, Schulbau aus 2005 | 15.358 EUR |
| 20. Repräsentant, Bauingenieurin, Allradkosten | 7.779 EUR |
| Projekte mit dem BMZ insgesamt | 610.000 EUR |
| Abzüglich Zuschuss des BMZ | - 475.800 EUR |
| Eigenanteil unseres Vereins an den Projekten mit dem BMZ | 134.200 EUR |
| 21. Schulausstattung Mädchen | 10.000 EUR |
| 22. Foyer Sainte Monique, Internat der Ordensschwester Veronique | 7.500 EUR |
| 23. AMPO Waisenheim für Straßenkinder | 9.200 EUR |
| 24. Unterhaltung Kranken- und Entbindungsstation Nohoungo | 372 EUR |
| 25. Brunnen Tien | 7.679 EUR |
| 26. Wasserleitung Banzon | 6.000 EUR |
| 25. Neue Pumpe in Kibé | 1.524 EUR |
| Erforderliche Spendensumme 2006 | 176.475 EUR |
| Gesamtinvestitionen 2006 | 652.275 EUR |
Sollten wir mehr Gelder erhalten, wollen wir damit den dringend benötigten Brunnen in Koulidio und die Wasserleitung für unsere Hauptschule in Banzon finanzieren - beide Projekte aus dem Jahre 2005, die wir finanziell zurückstellen mussten.
Seit nunmehr 2 Jahren erhalten wir viel mehr Schulbauanträge als wir realisieren können. Die Dörfer müssen den von uns entworfenen „Questionnaire“ = Fragebogen ausfüllen, in dem wir nach der Einwohnerzahl, der Zahl der schulpflichtigen Kinder, der Zahl der davon bereits eingeschulten Kinder, der Entfernung zur nächsten Schule und zum nächsten Brunnen etc. fragen und in denen sie sich zugleich zur Mitarbeit verpflichten und die staatliche Erlaubnis zum Schulbau beilegen müssen. Aufgrund dieser Angaben, die wir jedoch vor Baudurchführung alle selbst überprüfen, erstellen wir eine Prioritätenliste und versuchen jedes Jahr die Projekte, die am dringlichsten sind, zu verwirklichen. Um preiswert arbeiten zu können, sind wir aus logistischen Gründen bestrebt, möglichst mehrere Schulbauten in derselben Gegend zu verwirklichen. Die Auswahl fällt uns sehr schwer, denn wir wissen, wie wichtig unsere Entscheidungen für die einzelnen Dörfer sind.
Um mehr Schulen bauen zu können, haben wir im Jahr 2006 die Anzahl der von uns finanzierten Lehrerhäuser reduziert. Grundschulen, die ganz neu eröffnet werden, statten wir nur noch mit 1 Lehrerhaus aus, damit der neue Lehrer einziehen kann. Es kommt aber auch vor, dass Dörfer im Vertrauen auf eine spätere Finanzierung durch uns Sand und Steine sammeln und in einem Behelfsschuppen aus Lehm und Strohdach mit dem Unterricht bereits beginnen. In diesen Fällen ist ein Lehrer bereits im Ort und irgendwie – wenn auch notdürftig – untergebracht. Um Geld einzusparen, wollen wir in diesen Orten zumindest 2006 kein Lehrerhaus finanzieren. Das mag zwar ungerecht sein, aber unsere finanziellen Mittel sind in Anbetracht der Flut der Anträge sehr begrenzt und wir wollen sie möglichst vielen Orten und vielen Kindern zugute kommen lassen.
In Orten, die nahe an größeren Städten mit Elektrizität liegen, bauen wir gar keine Lehrerhäuser mehr. In Nohoungo, wo wir 2 Lehrerhäuser finanziert haben, mussten wir feststellen, dass sie beide leer standen, denn die 6 Lehrer wohnen alle in Koupéla und fahren jeden Morgen mit ihren Mopeds lieber die 10 km bis Nohoungo und kassieren einen Wohnzuschuss vom Staat.
Auf unserer Rundreise saßen wir ja eng zusammen und hatten so viel Gelegenheit, unsere Meinungen und Empfindungen auszutauschen. Unser Verein unterscheidet sich wesentlich von vielen anderen Vereinen.
Die meisten Vereine bzw. Städte haben eine Partnerschaft mit einem bestimmten Ort bzw. einer bestimmten Gegend. Dies hat große Vorzüge: man lernt den Ort und die Leute besser kennen und kann sich mehr mit ihnen anfreunden. Man erlebt, wie sich der Ort fortentwickelt und kann die Gastfreundschaft ausbauen. In manchen Orten gibt es sogar Partnerschaftshäuser, in denen die europäischen Gäste wohnen und sich auch länger aufhalten können.
Unser Verein hat keine Partnerschaft und wir wollen auch kein Gebiet in ein Paradies verwandeln, das von den benachbarten Orten beneidet wird. Wir haben uns auf den Bau von Grund- und Hauptschulen sowie Lehrerhäuser und Brunnen spezialisiert und können auf viele gute und schlechte Erfahrungen zurückgreifen. Im Jahr 2006 bauen wir unsere 99. Schule. Wir kennen alle Preise und arbeiten mit zuverlässigen Unternehmen zusammen. Mittlerweile sind uns auch die meisten afrikanischen Tricks bekannt und es dürfte schwer sein, uns hinters Licht zu führen.
Wir erhalten die großzügige Unterstützung des BMZ nur deshalb, weil wir in fast allen Regionen von Burkina Faso, besonders auch in den abgelegenen Grenzregionen, Schulen bauen, uns für die Einschulung der Mädchen engagieren und auf eine Mitarbeit der Bevölkerung und die Ansammlung von Rücklagen für Pumpen und Batterien bestehen.
Durch unsere Arbeit haben wir mit stets wechselnden Dorfbevölkerungen Kontakt und dieser Kontakt kann leider nicht so eng sein wie wenn man nur in einer Gegend aktiv ist. Dies empfinden wir selbst als sehr bedauerlich. Wir besuchen in kürzester Zeit sehr viele Dörfer, manchmal 3 Dörfer pro Tag und schlafen nie länger als 1 Nacht in einem Ort.
Was wir leisten, ist ein ganz spezielles Entwicklungshilfemanagement. Wir verstehen es mittlerweile mit sehr geringen finanziellen Mitteln eine große Anzahl von Schulen optimal zu bauen, den Bau sorgfältig zu überwachen und unsere Altprojekte auch immer wieder kurz zu besuchen, um nach dem Rechten zu schauen. Dabei kann ein intensiver persönlicher Kontakt nicht mehr gepflegt werden, vielmehr erlauben wir uns, Kontrollen durchzuführen und, falls notwendig, „zu meckern“ und da hört bei uns die vornehme Zurückhaltung auf.
Oft stellen wir fest, dass es für Schüler und Lehrer zu anstrengend ist, Bäume zu pflanzen und zu pflegen, obwohl dies für ein Überleben in der Sahelzone unabdingbar ist. Alle sitzen gerne im Schatten, aber im Schatten von Bäumen, die frühere Generationen gepflanzt haben. Wenn bei Bänken eine Schraube verloren geht, hat man oft keine Zeit und Energie, auf dem nächsten Markt eine neue Schraube zu kaufen, sondern die Schüler können sich dann halt nicht mehr anlehnen, die Bretter liegen lose auf den Stahlgestängen bzw. werden weggeworfen und man hofft darauf, dass die Weißen dann neue Bänke liefern. In nur 3 Stunden am Schuljahresbeginn könnten in einer Schule alle Bänke repariert werden, aber das ist für manche Lehrer schon zuviel Arbeit! Batterien für die Solarbeleuchtung werden unbrauchbar, weil man „einfach vergessen hat“ destilliertes Wasser nachzufüllen. Oft ist der Mann, der das Sparbuch mit den Geldreserven für die Pumpe hat, „zufällig“ gerade unterwegs, wenn wir es kontrollieren wollen. Dabei müssen die Afrikaner endlich lernen, dass man im 21. Jahrhundert nicht von der Hand in den Mund leben kann. Viele Getreidespeicher wurden aus dem Ausland finanziert, damit man Getreidereserven anlegen kann und eine schlechte Ernte überleben kann, ohne Hunger zu leiden. Sie werden gefüllt übergeben, aber oft werden sie nicht nachgefüllt und stehen unnütz herum, sodass man bei einer Hungersnot keine Reserven hat und um Hilfe schreien muss. Was in Afrika fehlt, ist vor allem ein gutes, solides und ehrliches Management. Hätte Burkina Faso 1000 Personen wie unseren Repräsentant Anselm Sanou und würde man diese Männer arbeiten und gestalten lassen, sähe der Fortschritt ganz anders aus.
Wir üben nun Druck aus, in dem wir zuerst nur die Hälfte der Bänke anliefern. Die 2. Hälfte und evt. eine Solarbeleuchtung gibt es erst zwei Jahre später, wenn mehr Kinder eingeschult sind und viele Bäume gepflanzt haben und alles in Ordnung gehalten wurde.
Bei großen Einweihungsfeiern schaue ich mir immer die Autos der Politiker und hohen Beamten an. Eine Hauptschule mit 4 Klassen, Verwaltungsgebäude, 3 Lehrerhäuser und Brunnen kostet uns 62.618 Euro – jede der zahlreichen Staatskarossen der Politiker kostet soviel wie das gesamte Schulprojekt! Unverschämt empfand ich es, dass man in Guibaré, obwohl man genau unsere Ankunftszeit kannte, die große Einweihungsfeier mit Außen- und Bildungsminister und Fernsehaufzeichnung ohne uns gemacht hat und uns in keiner Weise informiert hat. Wir kamen um die Mittagszeit an, aber da war alles schon vorbei und die Politiker saßen beim Festmahl. Diejenigen, die nichts getan haben, haben sich im Fernsehen feiern lassen – es war damals Wahlkampf – und für uns musste dann nachträglich noch „ein Hühnchen gerupft“ werden.
Soweit es in unserem Zuständigkeitsbereich liegt, sagen wir sehr deutlich, was wir denken, auch wenn wir dadurch manchmal überheblich und unfreundlich wirken. Selbst Anselm, dem das etwas peinlich ist, kann uns da nicht zurückhalten. Wir können die Missstände nicht einfach hinnehmen, denn dann werden wir krank und frustriert. Ab und zu genehmigen wir uns in solchen Situationen einen guten Schluck von dem in Burkina so preiswerten Pastis.
Ich erlaube mir in diesem Rundbrief auch auf Missstände deutlich hinzuweisen, weil ich mir sicher bin, dass unsere Spender sich dadurch nicht entmutigen lassen.
Die positiven Seiten überwiegen jedoch bei weitem. Wir schaffen jedes Jahr Tausende von neuen Schulplätzen und Tausende von Kinder winken mit selbst gebastelten Deutschlandfähnchen uns zu und singen für uns Begrüßungs- und Dankeslieder. Viele Mütter kommen zu uns, um sich zu bedanken und schenken uns selbst getöpferte Gefäße und selbst gewebte Stoffe. Die Einweihungsfeiern sind immer wieder ergreifend und manchmal haben wir auch Tränen in den Augen.
Mit dem Schulbau verändern wir ein ganzes Dorf bzw. eine Region – ab diesem Zeitpunkt kann eine Entwicklung beginnen. Hans-Günter hat dies in seinem Reisetagebuch ganz toll beschrieben, und ich möchte dem beipflichten und nichts wiederholen. Die Rundreisen sind für uns persönlich auch enorm wichtig, denn wir haben das Ergebnis unserer Arbeit unmittelbar vor Augen, wir vergessen alle Schwierigkeiten und den Stress und verlassen Afrika hoch motiviert um weiter zu machen. Wir wollen mit Eurem Geld die Welt ein wenig gerechter machen und zur Entwicklung der armen Länder beitragen.
Mich persönlich haben die Berichte über den Ansturm der Afrikaner auf die spanischen Absperranlagen in Ceuta und Melilla tief bewegt und traurig gemacht. Wir bauen an einer „Festung Europa“ und versuchen uns und unseren Reichtum durch Zäune vor den Armen zu schützen. Jedes Jahr ertrinken Hunderte von Afrikaner im Mittelmeer, wenn sie in ihrer Not versuchen, nach Europa zu gelangen. Irgendwie geht es zurzeit nicht anders, aber dies ist unmenschlich, und wir müssen, wenn wir selbst überleben wollen, schnellstens dafür sorgen, dass die Welt gerechter wird, alle genug zu essen haben und in ihrer Heimat bleiben können. Wir müssen die Schulden erlassen und für eine gerechtere Weltwirtschaftsordnung sorgen, denn sonst werden wir irgendwann überrannt werden.
Ich werde morgens immer mit dem ersten Hahnenschrei wach und kann dann nicht mehr im Zelt liegen. Während Anselm noch tief schläft, besuche ich in meinem schicken Frotteeschlafanzug einzelne Lehmgehöfte. Dort werde ich liebevoll aufgenommen und bekomme zu essen und zu trinken. Ich setze mich ruhig hin, schaue mir das Leben an und mache mir meine Gedanken darüber, wer eigentlich im Leben zufriedener ist. In Dialgay hörte ich morgens um 5.30 Uhr das Läuten einer Missionskirche. Nach Gehör machte ich mich auf den Weg durch die 3 m hohen Hirsefelder. Es waren nicht viele Leute in der Kirche, die Messe wurde in der Landessprache Moré gehalten. Die rhythmischen Kirchenlieder berührten mich in meinem Inneren und ich fühlte mich angenommen und beschützt – dasselbe Gefühl, das ich voriges Jahr beim Freitagsgebet in der kleinen Lehmmoschee von Faramana hatte. Der afrikanische Priester bat mich zu sich und übersetzte mir das Evangelium -
es war die Geschichte von dem Weizenkorn, das auf die Erde fiel und hundertfache Frucht brachte. Das gemeinsame Gebet der Christen und Muslime bei der anschließenden Einweihungsfeier hat mich tief beeindruckt. In Meno-Diantio besuchten wir die Gesangsprobe der protestantischen Gemeinde in der nur mit einer Öllampe beleuchteten Kapelle. Die Lieder ergriffen uns und im anschließenden Gebet rief jeder laut seine Lobpreisungen und Fürbitten in den Raum – alle schrieen durcheinander - für uns gewöhnungsbedürftig, aber sehr beeindruckend.
Im nächsten Jahr fahren wir vom 07. - 21. Oktober wieder nach Burkina Faso. Wir werden das landschaftlich schöne Gebiet im Westen besuchen und auch bei Soeur Véronique vorbeifahren. Wer mitfliegen will, keine Angst hat und sich körperlich und psychisch fit fühlt, sollte bis Ende Januar mit uns Kontakt aufnehmen.
Schon jetzt laden wir herzlich zu einem Diaabend am Freitag, den 3. März 2006, in das Pfarrheim Hillesheim ein. Um 18.30 Uhr finden dort auch die Mitgliederversammlung unseres Vereins und die Neuwahl unseres Vorstandes statt, zu der Gäste herzlich willkommen sind.
Unser Repräsentant Anselm Sanou besuchte uns mit seiner Frau und seinen beiden Kindern im Sommer. Sein Sohn Davy musste an den Mandeln operiert werden. Das Krankenhaus Daun und die Ärzte haben dies kostenlos gemacht, worüber wir uns sehr gefreut haben.
Ich möchte mich ganz ausdrücklich bei unserem 2. Vorsitzenden Götz Krieger bedanken. Im Laufe des Jahres muss er unendlich viele Briefe ins Französische übersetzen und manch ein Telefonat nach Burkina Faso führen. Da ich ungern Reden halte und mein Französisch miserabel ist, übernimmt er diese wichtige Aufgabe während unserer Rundreise. Er beginnt nächstes Jahr seinen Vorruhestand und will sich 1 Jahr lang in Burkina Faso aufhalten und eine Evaluierung aller Projekte vornehmen. Er hat die schönen Fotos in diesen Bericht eingefügt und pflegt sorgfältig unsere Homepage.
Nochmals ein ganz herzlicher Dank an unsere zahlreichen, großzügigen Spender, die uns die Realisierung solch zahlreicher Projekte ermöglichten und hoffentlich weiterhin unterstützen.
Es grüßt Euch
Charly Simonis