Unsere Projekte 2006

 

 

Liebe Freunde,

 

vom 7. – 21. Oktober 2006 waren wir wieder auf Rundreise in Burkina Faso. Unsere Reisegruppe bestand diesmal aus 13 Personen, 8 Männer und 5 Frauen. Von Paris aus flogen wir mit 12 Personen nach Ouagadougou und trafen dort Götz Krieger, der im August mit seinem Allrad von Deutschland aus dorthin gefahren war und ein Jahr dort bleiben will. Da wir sehr viele Dörfer besuchen mussten, fand die Rundreise in 2 Gruppen statt.

 

Unser Repräsentant Anselm Sanou hatte wieder einen „Taxi brousse“ gemietet. Es handelte sich dabei um einen alten Toyotabus, der in Deutschland nicht mehr zugelassen würde. Er kostete inklusiv unserem tollen Chauffeur Issa und seinem afrikanischen Helfer 38 Euro pro Tag, allerdings musste man die Dieselkosten zusätzlich bezahlen. Dort fanden wir mit 12 Personen einigermaßen Platz. Es war natürlich sehr staubig und heiß und der Bus musste während der Tour 3 x in Reparatur.

Eine Federung gab es nicht mehr, sodass Hans und Wilfried bei einem Schlagloch mit dem Kopf kräftig gegen die Decke stießen, was sehr unangenehm war. Mit dem Bus haben wir 22 Dörfer besucht, die nahe an den Pisten lagen. Im Bus herrschte stets beste Stimmung und es wurden viele Witze erzählt und Süßigkeiten sorgten für Abwechslung.

 

Die 2. Gruppe fuhr mit Götz Krieger im Allrad, der Klimaanlage und Kühlschrank hat. Diese Gruppe musste bedeutend weitere Strecken zurücklegen, sie kam aber auch schneller voran. Sie besuchte entlegene Orte an der Grenze zu Mali und all die Dörfer, in die man mit dem Taxi Brousse wegen der Straßenverhältnisse nicht fahren konnte. Diese Delegation legte in nur 14 Tagen 2.600 „afrikanische Kilometer“ zurück und besuchte 30 Dörfer, wobei sie an 7 Orten mit der Bus-Gruppe zusammen war. Wie man dem Reisebericht entnehmen kann, war es eine sehr anstrengende und strapaziöse Reise, die zum Teil äußerste Anstrengungen abverlangte.

 

Ich empfehle erst die lebhaften Reiseberichte zu lesen, bevor man sich meinen mehr sachlichen Ausführungen widmet. Um die Arbeit aufzuteilen, wurde morgens jeweils festgelegt, welcher Mitreisende den Tag beschreibt. So kamen viele recht unterschiedliche Berichte zustande, denn jeder erlebt eine solche Rundreise auf andere Weise.

 

Wir haben im Jahre 2006 zusammen mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) 647.590 Euro in Burkina Faso investiert und unter anderem 8 Grundschulen, 10 Hauptschulen, 5 Verwaltungsgebäude und 23 Lehrerhäuser gebaut sowie 7 Brunnen gebohrt. Insgesamt wurden 64 Klassen neu gebaut. Da durchschnittlich mindestens 70 Kinder in einer Klasse sind, wurden, wenn alle Klassen belegt sind,  für rund 4.500 Kinder neue Schulplätze errichtet – eine enorme Zahl. Jeder neue Schulplatz kostete somit nur 144 Euro, eine sinnvolle Investition in die Zukunft.

Die genauen Einzelbeträge bitte ich der Rückseite dieses Jahresberichtes zu entnehmen.

 

Wir möchten uns bei all unseren Spendern für ihr Vertrauen und ihre Großzügigkeit bedanken. Unser besonderer Dank gilt auch Frau Margret Junk von der Antragsvorprüfstelle Bengo. Sie hatte uns geraten, unseren Projektantrag 2006 bereits im August und nicht erst im November beim BMZ einzureichen, um 2006 eine Auszahlung vor der Haushaltsverabschiedung zu erreichen. Bereits am 07.11.2005 erhielten wir die endgültige Zusage des BMZ. Für die sehr großzügige und schnelle Zusage sowie die Mittelaufstockung im Laufe des Jahres 2006 für 6 weitere Lehrerhäuser bedanken wir uns bei den Damen und Herren des BMZ ganz herzlich.

 

Wir können versichern, dass wir mit den Steuermitteln und unseren Spenden sehr sparsam umgehen. Alle Angaben unserer Projektpartner werden sorgfältig von uns bzw. unserem Repräsentanten überprüft und gegebenenfalls beantragen wir Abänderungen bzw. Umschichtungen beim BMZ, die auch vom zuständigen Sachbearbeiter sehr schnell und unbürokratisch genehmigt werden.

Wir haben mittlerweile 63 Grundschulen, 36 Hauptschulen und 216 Lehrerhäuser in Burkina Faso gebaut und 58 Tiefbrunnen gebohrt. Wir haben uns auf den Bau von Schulen spezialisiert und mittlerweile so viel Erfahrung, dass man uns kaum mehr täuschen kann.

Es hat sich bewährt, dass wir während der Bauphase eine Bauingenieurin beschäftigen, die alle Baustellen mehrfach besucht und überwacht. In den letzten 3 Jahren hat unser Toyota-Allrad über 120.000 km zurückgelegt. All dies kostet natürlich Geld, aber eine gute Bauüberwachung ist in Afrika unumgänglich. Erfreulicherweise spendet uns die Firma Reifen Meyer Lissendorf jedes Jahr einen Satz neuer Reifen. Wir arbeiten möglichst immer mit denselben Bauunternehmen zusammen, die uns konkurrenzlos günstige Preise bieten und gute Arbeit leisten, da sie auch in Zukunft von uns Aufträge erhalten wollen. Die vom Staat gebauten Schulen sind doppelt so teuer wie unsere Schulen! Bei unserer Rundreise haben wir fast keine Baumängel festgestellt.

 

Wir wollen ab Dezember 2006, wenn wir Zuschüsse des BMZ erhalten, 18 Grundschulen,  7 Hauptschulen, 4 Verwaltungsgebäude, jeweils mit Einrichtung, und 24 Lehrerhäuser bauen

sowie 4 Brunnen bohren:

 

1.  Grundschule in Bazoulé, 30 km von Ouaga 19.370 €
2.  Grundschule, 2 Lehrerhäuser in Tandatenga, Kouritenga 32.370 €
3.  Grundschule, 2 Lehrerhäuser in Kware-Tocksel, Sourou 32.370 €
4.  Grundschule, 2 Lehrerhäuser in Komgnessé bei Zorgho 32.370 €
5.  Grundschule, 2 Lehrerhäuser in Marabagasso bei Péni 32.370 €
6.  Grundschule, 2 Lehrerhäuser in Bené-Dof-Tew bei Koper 32.370 €
7.  Normalisation der Grundschule, 2 Lehrerhäuser in Sampogrétinga 29.370 €
8.  Normalisation der Grundschule, 2 Lehrerhäuser in Béka, Boulgou 29.370 €
9.  Grundschule, 1 Lehrerhaus in Kounamo bei Silly 22.870 €
10. Normalisation der Grundschule in Diontala bei Kouka 16.370 €
11. Normalisation der Grundschule in Bah, Département von Léna 16.370 €
12. Normalisation der Grundschule in Wérou, Département von Satiri 16.370 €
13. Normalisation der Grundschule in Kadoumba, Département von Satiri 16.370 €
14. Normalisation der Grundschule in Tio bei Tenado, Sanguié 16.370 €
15. Grundschule in Sérékéni-Kouano 16.370 €
16. Grundschule in Sinfara, Département von Banzon 16.370 €
17. Grundschule in Seezon/Doria, Département von Banzon 16.370 €
18. Normalisation der Grundschule in Sifarasso, Département von Koloko 13.700 €
19. Collège in Dialgay 24.100 €
20. Collège in Bagré 24.100 €
21. Collège in Kouka 24.100 €
22. Collège mit Verwaltungsgebäude und Brunnen in Logofourousso bei Bobo 45.600 €
23. Collège mit Verwaltungsgebäude, 3 Lehrerhäuser in Koti bei Dano 57.100 €
24. Collège mit Verwaltungsgebäude, 3 Lehrerhäuser, Brunnen in Kangala 65.100 €
25. Collège mit Verwaltungsgebäude, 3 Lehrerhäuser in Salogo 57.100 €
26. Brunnen in Fofara und Banzon 16.000 €
27. Koordination, Bauingenieurin, Allrad, Chauffeur 8.110 €
Gesamtbetrag 740.000 €
Zuschuss des BMZ - 577.200 €
Eigenanteil unseres Vereins 162.800 €
28. Schulausstattung Mädchen 10.000 €
29. Schulgeld Mädchen 11.500 €
30. AMPO, Waisenheim für Straßenkinder 5.000 €
Erforderliche Spendensumme 189.300 €
Gesamtinvestition ab Dezember 2006 766.500 €

 

Unseren Zuschussantrag an das BMZ haben wir auf Empfehlung von BENGO bereits Anfang September 2006 gestellt. Am 17.10.2006 erhielten wir vom BMZ die Erlaubnis, ab dem 1. November mit den Bauten auf eigenes Risiko mit eigenen Mitteln zu beginnen.

 

Bei einer Überprüfung der Angaben in den Fragebögen, die die Dörfer bei uns eingereicht haben, haben wir festgestellt, dass wir entgegen unserem Zuschussantrag keine Brunnen in Kwaré-Tocksel, Marabagasso und Koti bohren müssen, da in unmittelbarer Nähe der geplanten Schulgebäude bereits Tiefbrunnen vorhanden sind. Umgekehrt haben wir auf unserer Rundreise gesehen, dass in den Orten Banzon und Fofara unbedingt eine Bohrung vorgenommen werden sollte, da die Kinder kein sauberes Trinkwasser haben. Bei unserem Besuch in Kounamo erfuhren wir, dass es in der dortigen Gegend weniger Schulkinder – als angenommen – gibt. Wir haben daher die für Kounamo vorgesehene Investitionssumme halbiert und wollen erst mal die Entwicklung der Schule abwarten. Der Dorfchef von Lebda kam am Abreisetag in Anselms Haus und teilte uns mit, dass Lebda im nächsten Jahr nicht die erforderlichen Baumaterialien sammeln und auch nicht die Handlangerdienste erbringen könne, da die Bevölkerung Hunger leide und deshalb nicht mitarbeiten könne. Diese Begründung leuchtet mir zwar nicht ein, denn die Bevölkerung kann wohl kaum die ganze Trockenzeit untätig im Schatten unter den Bäumen verbringen, aber mit Dörfern, die nicht arbeitswillig sind, wollen wir grundsätzlich nicht zusammenarbeiten.

 

Bei unserer Rundreise haben wir festgestellt, dass rund 50 % der in den Jahren 2003 und 2004 installierten Solaranlagen nicht mehr funktionieren. Zum Teil war man einfach zu faul, destilliertes Wasser in die Batterien nachzufüllen, zum Teil hat man mit den Drähten herumgespielt und Kurzschlüsse verursacht.

Außerdem waren oft die Solarplatten vom Schuldach abmontiert worden und befanden sich bei den privaten Wohnhäusern der Schuldirektoren. Diese erzählten uns zwar, dass die Solaranlage abends in der Schule angeschlossen würde, damit die Kinder auch bei Dunkelheit lernen können, aber wir befürchten, dass die Anlagen hauptsächlich von den Lehrern genutzt werden und dafür haben wir sie eigentlich nicht installiert. Bevor wir neue Solaranlagen installieren, wollen wir die Evaluierung von Götz Krieger abwarten, der alle von uns gebauten 99 Schulen innerhalb des nächsten halben Jahres besuchen wird. Die 10.800 Euro, die wir für den Kauf von Solaranlagen für das Jahr 2007 vorgesehen hatten, wollen wir zunächst für den Neubau von weiteren Grundschulen verwenden und erst im Jahr 2008 nach Abschluss der Evaluierung endgültig entscheiden, ob die Einrichtung von Solarbeleuchtungen an Schulen in Burkina Faso langfristig sinnvoll ist.

 

Im Laufe des Jahres werden sich noch weitere Verschiebungen ergeben, insbesondere wenn einzelne Dörfer nicht ausreichend Sand und Steine sammeln oder keine Arbeitskräfte bereitstellen. Unser Repräsentant Anselm Sanou besucht seit dem 15. November alle Dörfer, die mit uns Projekte durchführen wollen. Die Orte, die sich nicht engagieren, werden von unserer Projektliste gestrichen, denn es ist nicht einzusehen, dass nur wir Deutsche für die Projekte hart arbeiten und die Afrikaner untätig zuschauen.

 

Erst wenn alle Orte kontrolliert wurden, werden wir beim BMZ einen Abänderungsantrag stellen. Das eingesparte Geld wollen wir dann ausschließlich in neue Schulbauten - wie in der Liste bereits aufgeführt - investieren, damit möglichst viele Kinder davon profitieren. Ich halte zwar auch den Bau von Lehrerhäusern und Zäunen für sehr sinnvoll, aber auf unserer Rundreise haben wir so viele dringende Neuanträge bekommen, dass wir wenigstens die notwendigsten Schulbauten noch 2007 durchführen wollen.

In Burkina Faso hat man in den letzten Jahren mit dem Unterricht in vielen Dörfern begonnen, obwohl es weder eine Schule noch Lehrerhäuser gab. Der Unterricht findet dann oft in einem Hangar statt. Es handelt sich dabei um stroh-gedeckte Lehmbauten ohne ordentliche Fenster. In der 1. Klasse von Sinfara sind beispielsweise 60 Jungen und 63 Mädchen eingeschult und sie werden unter einem Strohdach unterrichtet. Im Lehmschuppen von Doria werden in der 1. Klasse 69 Jungen und 64 Mädchen unterrichtet. Weitere Kinder können nicht eingeschult und auch keine neuen Klassen mehr eröffnet werden, da kein Schulgebäude vorhanden ist. Um diese Missstände schnellstens zu beseitigen, wollen wir noch 2007 dort drei klassige Schulen errichten. Im Département Tenado hat das Dorf Tio und im Département Satiri haben die Dörfer Wérou und Kadomba jeweils 3.000 – 3.500 Einwohner und jeweils über 600 schulpflichtigen Kinder, von denen aber nur ca. 200 Kinder in den vorhandenen drei Klassen eingeschult werden können. Wir wollen dort die Klassenzahl verdoppeln, damit ab Oktober 2007 mehr Kinder die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen.

 

Dieses Jahr haben wir erfahren, dass Lehrer, die nicht in einem Lehrerhaus wohnen, einen Mietzuschuss vom Staat in Höhe von 30 – 45 Euro erhalten. Mit diesem Zuschuss können sie, wenn sie in der Nähe von größeren Städten wohnen, dort eine gleichwertige Wohnung mieten und die Annehmlichkeit der Stadt und der Elektrizität genießen. Sie fahren jeden Tag mit ihrem Moped zur Dorfschule, wohnen jedoch mit ihrer Familie in der Stadt. Wegen dieses Mietzuschusses stehen in Yégueresso 4 und in Nohoungo 2 der von uns finanzierten Lehrerhäuser leer. Nach den Richtlinien des Staates mussten wir damals dort Lehrerhäuser bauen, aber nunmehr halten wir uns nicht mehr an diese Vorschriften. Im Umkreis größerer Städte finanzieren wir nicht mehr den Bau von Lehrerhäusern, da dies unsinnig ist.

 

In den meisten von uns besuchten Orten waren viele Bäume gepflanzt und die Schulbänke in Ordnung gehalten worden. Es gab aber auch Orte, wo man einfach zu faul war, Bäume zu pflanzen und zu gießen bzw. Schrauben zu kaufen, um defekte Bänke zu reparieren. Manchmal gab es auch keine Geldreserven, um die Pumpe zu reparieren bzw. eine neue Batterie zu kaufen. Der Mann, der das Sparbuch besaß, war „zufällig“ unterwegs. Wenn wir so etwas feststellen, sind wir immer sehr enttäuscht und bringen unseren Unmut auch deutlich zum Ausdruck. Man verspricht uns dann, innerhalb der nächsten 4 Wochen die Missstände zu beheben, wobei man darauf vertraut, dass in nächster Zeit niemand mehr kontrollieren kommt. Da jedoch unser 2. Vorsitzender ein Jahr in Burkina lebt, wird er in Kürze diese Schulen nochmals besuchen und auf Abhilfe drängen. Außerdem üben wir bei Neubauten Druck aus. Wir liefern zuerst nur die Hälfte der Bänke – die 2. Hälfte gibt es erst 2 Jahre später, wenn mehr Kinder eingeschult sind und sie viele Bäume gepflanzt haben und alles in Ordnung ist.

 

Wir haben festgestellt, dass viele Afrikaner mit öffentlichem Eigentum nicht sehr sorgsam umgehen und insbesondere keine Rücklagen für eventuelle Reparaturen anlegen. Man lebt von der Hand in den Mund! Hier muss sich die Grundeinstellung ändern, wenn es in Afrika vorwärts gehen soll. Vielleicht ändert sich dadurch etwas, dass nunmehr Bürgermeister für die einzelnen Départements gewählt wurden, die ihren Einfluss geltend machen können. Vor allem muss die Bevölkerungsexplosion gestoppt werden, denn wenn jede Frau weiterhin durchschnittlich 6,7 Kinder bekommt, ist ein Fortschritt kaum möglich. Wegen der hohen Kinderzahl erhöht sich kaum die prozentuale Einschulungsquote von 40 % der schulpflichtigen Kinder und die Ernährung der Gesamtbevölkerung wird immer schwieriger. Wir vertrauen darauf, dass durch die vermehrte Einschulung von Mädchen die Geburtenzahlen zurückgehen. Daher bezahlen wir für die Mädchen in den ersten 4 Grundschuljahren die Schulmaterialien.

 

Was in Afrika auch fehlt, ist vor allem ein gutes, solides und ehrliches Management. Jeder wirtschaftet möglichst in die eigene Tasche bzw. für die eigene Großfamilie. Hätte Burkina Faso 1.000 Personen wie unseren Repräsentanten Anselm Sanou und würde man diese Personen arbeiten und gestalten lassen, sähe der Fortschritt ganz anders aus. Ich erlaube mir in diesem Rundbrief auch auf Missstände hinzuweisen, weil ich mir sicher bin, dass unsere Spender sich dadurch nicht entmutigen lassen.

 

Wir sind vom Erfolg unserer Arbeit überzeugt und Ihre Spenden sind gut angelegt.

 

Wir können zwar nicht die Welt verändern, aber mit dem Schulbau verändern wir ein ganzes Dorf bzw. eine Region. Wir haben uns das Ziel gesetzt, die Einschulungsquote zu erhöhen und möglichst viele neue Schulplätze zu schaffen. Dieses Hauptziel erreichen wir und tragen damit zur Entwicklung des Landes bei. Das Pflanzen von Bäumen etc. ist demgegenüber nur zweitrangig. Seit 16 Jahren bauen wir Schulen in Burkina Faso und mussten Geduld lernen. Entwicklungshilfe braucht Ausdauer und Verständnis für andere Kulturen. Es dauert lange, bis sich Einstellungen und Lebensgewohnheiten ändern. Auch in unserem Land ist nicht alles optimal – wir leben durch Kredite auf Kosten zukünftiger Generationen. Unsere familiären und sozialen Verhältnisse lassen sehr zu wünschen übrig. Die Familien in Burkina Faso sind demgegenüber weitgehend intakt und alte und arme Menschen werden in der Großfamilie mitversorgt.

 

Die Einweihungsfeiern sind immer wieder ergreifend. Tausende von Kinder singen für uns Begrüßungs- und Dankeslieder. Die Rundreisen sind auch für uns persönlich enorm wichtig, denn wir haben das Ergebnis unserer Arbeit unmittelbar vor Augen, wir vergessen die Schwierigkeiten und verlassen Afrika mit dem Gefühl, dass sich die Arbeit lohnt. Die Rundreisen sind zwar sehr anstrengend, aber wir verhindern dadurch Fehlinvestitionen und pflegen die Gastfreundschaft. Die Projekte sind für die Dorfbevölkerungen keine anonymen Geschenke, sondern sie können damit optisch bestimmte Personen verbinden, was in Afrika sehr wichtig ist. Sie wissen, dass wir wieder kommen und allein deshalb bemühen sie sich, die Anlagen in Ordnung zu halten.

 

Unsere Rundreise wurde im nachfolgenden Tagebuch ausführlich beschrieben. Mir ist besonders die Begrüßung in Bozo in Erinnerung geblieben. Als wir kurz vor der Dunkelheit dort ankamen, rannten 300 Schüler hinter unserem Bus her und klatschten begeistert Beifall. Als wir dann unsere Zelte vor der Schule aufbauten, kamen wir ihnen sicherlich vor wie Menschen von einem anderen Stern.

 

Kleine Kinder, die noch nie einen Weißen gesehen haben, rennen vor uns weg, denn sie glauben, dass wir Gespenster sind. In Afrika erzählt man den Kindern, dass Gespenster weiß sind und man vor ihnen Angst haben muss. Als Kind erinnere ich mich noch an das Spiel „Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann“.


Ich war nun schon 14 x in Burkina Faso. Bei den Mopedtouren nach Bene-Tow-Tew und Kouakrouma  habe ich mich an meine ersten Reisen erinnert. Damals fuhren wir noch mit öffentlichen Kleinbussen, in die 20 und mehr Leute sowie Federvieh hereingequetscht wurden. Unsere Mopeds wurden auf dem Dach festgebunden. Wenn wir in die Gegend kamen, wo wir Dörfer besuchen wollten, wurden sie herab geholt und es ging mit Rucksack quer durch die Prärie. Mopeds sind zumindest in der Regenzeit auf Sandpisten das schnellste Verkehrsmittel. Viele Dörfer können auch nur mit Mopeds erreicht werden, weil es nur Pfade gibt. Man fühlt sich wieder jung, wenn man auf einem Moped sitzt, und alle Leute bleiben stehen, wenn sie einen Weißen mit einem afrikanischen Chauffeur durch die Landschaft rasen sehen. Man versucht Pfützen und Schlammlöcher zu vermeiden, aber immer gelingt es nicht und dann heißt es absteigen und schieben.

 

Von den Gebäuden in Loukoura war ich besonders begeistert. Sie lagen wunderschön in einem Park, der mit hohen Bäumen bestanden war. Wir haben in Deutschland 150 Aluminiumschilder fertigen lassen, die wir an unseren Schulen befestigen und die auf die deutsch-burkinische Zusammenarbeit hinweisen. Auf diese Weise wird auch für die Zukunft klargestellt, dass unsere Schulbauten mit deutschen Steuergeldern gebaut wurden, was ich für recht wichtig halte.

 

Vor 2 Jahren waren wir in derselben Gegend und haben viele Pisten ohne Probleme befahren. In diesem Jahr waren wir 2 Wochen früher und die Regenzeit war noch in vollem Gange. Die Pisten waren so durchweicht und zerstört, dass man sie teilweise gar nicht befahren konnte bzw. viel länger brauchte. Einige Orte, die für die Taxi-Brouse-Gruppe vorgesehen waren, waren für den Bus nicht erreichbar, sodass kurzfristig Götz mit seinem Allrad dort hingeschickt wurde. Oft kamen wir zu spät an, sodass die Leute stundenlang auf uns warten mussten. 3 Orte konnten wir gar nicht besuchen und wir konnten noch nicht einmal absagen, weil es kein Telefonnetz gab. Nachträglich waren wir sehr froh, auf der Fahrt nach Tiarako kapituliert und unangemeldet in der Schule von Yéguérésso übernachtet zu haben. Wenn wir dies nicht getan hätten, hätte uns bei dem tropischen Gewitter das gleiche Schicksal wie die Allrad-Gruppe vor Fofara erreicht, als diese hoffnungslos stecken blieb.

 

Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass in Soumourodogou und Banzon engagierte Lehrer waren, die sehr viele Bäume gepflanzt haben. Ich konnte mir vorstellen, wie diese beiden Schulen in 4 -5 Jahren in einem kleinen Wald stehen, wo es Schatten gibt und ein gutes Kleinklima herrscht. Bei unserer Rundreise können wir nachträglich feststellen, wo unbedingt noch Tiefbrunnen gebohrt werden müssen. In Fofara gibt es im ganzen Ort keinerlei Tiefbrunnen und die Bevölkerung trinkt das Wasser aus verseuchten Bohrlöchern. In Banzon ist der nächste Tiefbrunnen 1.000 Meter entfernt und hat kein gutes Trinkwasser. Wenn wir bei unserer Hauptschule einen Brunnen bohren, haben gleichzeitig die 350 Kinder der benachbarten katholischen Grundschule sauberes Wasser. Ich halte es für unmöglich, Projekte in Entwicklungsländern durchzuführen, ohne selbst dorthin zu reisen und alles zu kontrollieren!

 

Auf dieser Rundreise musste ich viele Reden halten, was nicht gerade meine Stärke ist. Götz, der Französischlehrer ist und der mir diese Aufgabe meist abnimmt, war ja mit der anderen Gruppe unterwegs. Auf der Schule hatte ich 2 Jahre lang Französisch als 4. Fremdsprache und so hört sich das Ganze auch an. Besonders ungern spreche ich vor „hochgestellten Persönlichkeiten und Politiker“, die sich selbst für besonders wichtig halten, obwohl sie für das Projekt keinen Finger gekrümmt haben, aber in dicken Staatskarossen anreisen, die oft mehr kosten als das ganze Schulprojekt. Mittlerweile habe ich eine besondere Sprachtechnik entwickelt. Ich lese einen französischen Satz vor und bestehe darauf, dass dieser Satz sofort in die entsprechende Stammessprache übersetzt wird. Während der Übersetzung habe ich dann genug Zeit, mir den nächsten Satz anzusehen.

Bei unseren Reden heben wir besonders Anselm Sanou hervor und danken ihm für sein Engagement. Uns ist ganz wichtig, dass Anselm im ganzen Land bekannt wird und von den Politikern geachtet wird. Im kleinen Kreis macht es mir Spaß mich mit Afrikanern zu unterhalten. Ich kenne die wichtigsten mit dem Schulbau zusammenhängenden Vokabeln und ich kann auch schon gut französisch schimpfen, wenn man zu wenige Bäume gepflanzt oder keine Geldreserven angesammelt hat. In Faramana habe ich mich lange mit den Lehrern und Lehrerinnen der Hauptschule unterhalten. Ich habe Frauen gefragt, ob sie mehr für Monogamie oder mehr für Polygamie seien. Es gab unterschiedliche Meinungen – einige waren für Polygamie, da man dann nicht so viel Stress mit dem Mann habe. Als ich nach meinem Alter gefragt wurde, gab ich scherzhaft 40 Jahre an. Ein neben mir sitzender Mann fragte mich in allem Ernst, ob ich nicht seine Tochter als afrikanische Frau zusätzlich heiraten wolle. Die Tochter, die neben mir saß, war jung und hübsch, verstand aber kein Wort Französisch. Als ich ihm mein wirkliches Alter mitteilte, meinte er, dass dies kein Hinderungsgrund sei. Anselm und ich erzählten von Deutschland und wie viel und wie lange wir am Tag arbeiten müssen. Die meisten wollten dann lieber doch in Afrika bleiben. Nur einer wollte unbedingt nach Deutschland, um dort zu arbeiten, und er konnte nicht verstehen, dass ich ihm dies nicht ermöglichen kann. Wir diskutierten auch über das Thema der Überbevölkerung. Ich wies darauf hin, dass wir gar nicht so schnell Schulen bauen können wie die Afrikaner Kinder zeugen.

 

Als ich erzählte, dass eine deutsche Frau durchschnittlich weniger als 2 Kinder bekommt und der Staat Kindergeld zahlt, machten sie große Augen. Unsere Ernährung bzw. Altersversorgung ist nicht sichergestellt, weil wir zu wenige Kinder haben, und in Afrika ist die Ernährung nicht sichergestellt, weil sie zu viele Kinder bekommen. Auch Begriffe wie „Altersheim“ und „Überproduktion von Lebensmitteln“ waren kaum zu vermitteln. So hat jeder Kontinent seine eigenen Probleme. Von Wolfgang habe ich gelernt, die Afrikaner aufzufordern, auch eigene Fragen an uns zu stellen. Sie fragten dann verschiedentlich, aus welcher Motivation heraus wir Entwicklungshilfe leisten.

Hühner und Hähne bekamen wir dieses Jahr weniger geschenkt, was uns sehr lieb war. Aber es gab kein Tag, an dem wir nicht Hühner serviert bekamen. Wenn wir im Lokal aßen, bestellten wir meist Omelette. Wir haben sehr viele schöne handgewebte und gestickte „Dorfchef-Anzüge“ bekommen. Sie sind aus dickerem Material, die Hosen sind sehr weit und werden mit einer Schnur festgehalten. Gerne geben wir sie gegen eine Spende an Interessierte weiter. Dasselbe gilt auch für 3 schöne alte Eifeler Haustüren und eine alte Takenplatte.

 

Für mich sind auch immer Gottesdienste in afrikanischen Kirchen wichtig. Es ist schon beeindruckend, wie begeistert die Leute sind. Meist gibt es einen Chor, der vorsingt und dabei hin und her wiegt und von einer Trommlergruppe begleitet wird. Es herrscht eine tolle Stimmung, die uns mitreißt. Afrikanische Priester sind hoch angesehen und die Gläubigen übernehmen alles, was sie verkündigen. In Banfora bin ich morgens früh auch gerne mit den Novizinnen in die kleine Kapelle des Foyer Sainte Monique gegangen und habe mich von ihrem Gesang bzw. der Stille in den Tag geleiten lassen. Mein Glaube ist jedoch von Taizé geprägt und viel freiheitlicher.

 

Wir haben über 15 Schafe bzw. Ziegen geschenkt bekommen. Es sind wertvolle Geschenke, denn ein Tier kostet ca. 30 Euro. Wahrscheinlich glauben viele, wir könnten die Schafe mit nach Deutschland nehmen. Zum Teil konnten wir sie Leuten mitgeben, die nach Ouaga zurückfuhren und zum Teil muss sie Götz noch in den Dörfern abholen und zu Soeur Véronique bringen.

 

Es steht noch nicht fest, ob wir nächstes Jahr in den rheinland-pfälzischen Herbstferien (6. - 21.10.2007 ) oder wegen der günstigeren Klimaverhältnisse erst im Januar 2008 nach Burkina Faso fahren. Wir werden den Norden und den Osten des Landes besuchen, wo es weniger regnet. Wer mitfliegen will und nach Lektüre der Reiseberichte keinerlei Angst hat und sich körperlich und psychisch fit fühlt, sollte bis Ende Februar mit mir Kontakt aufnehmen.

 

Schon jetzt laden wir herzlich zu einem Treffen am Freitag, den 2. März 2007, um 20 Uhr in das Pfarrheim Hillesheim ein. Wir werden Fotos oder eine DVD über unsere Rundreise zeigen. Wer sich mehr für unsere Arbeit interessiert, ist auch in der Mitgliederversammlung unseres Vereins um 19 Uhr gern gesehen.

 

Ich möchte mich ganz ausdrücklich bei unserem 2. Vorsitzenden Götz Krieger bedanken. Er ist seit August in Burkina Faso und will alle von uns gebauten 99 Schulen besuchen und eine Evaluierung durchführen. Ich rufe ihn fast täglich auf seinem Handy an und er besucht bereitwillig die Dörfer, in denen wir im nächsten Jahr Schulen bauen werden. Er kontrolliert die Einwohner- und Schülerzahlen und die Entfernung der Schulbaustellen vom nächsten Tiefbrunnen. Er spricht mit den Schulräten und Lehrern und versucht unsere Projekte zu optimieren. Wer die Reiseberichte durchgelesen hat, weiß welch körperliche Strapazen mit dieser Aufgabe verbunden sind. Ich selbst wäre weder bereit noch körperlich in der Lage, 1 Jahr in Afrika zu verbringen. Götz wurde in Anerkennung seiner Verdienste vom burkinischen Staat mit dem Orden „Chevalier de l' Ordre National“ ausgezeichnet. Götz betreut auch unsere Homepage, wo man  Neuigkeiten erfährt.

Ein großes Dankeschön gilt auch Ursula Berg, einer Französischlehrerin an der Realschule Schleiden. Während der Abwesenheit von Götz schicke ich ihr per E-Mail alle Briefe, die ich nach Burkina schreiben will und bekomme binnen Stunden die Übersetzungen zurück.

 

All unsere Projekte wären ohne unseren Repräsentanten Anselm Sanou nicht durchführbar. Er war im August auf Einladung der Welternährungsorganisation der Uno (FAO) auf einer Fortbildungstagung in Paris und kam von dort für 1 Woche nach Hillesheim. Von hier aus haben wir die Verantwortlichen der Projekte 2007 angerufen und über die Projektdurchführung diskutiert. Ich war mit ihm in Bonn bei der  Projektvorprüfungsstelle BENGO, um den Zuschussantrag an das BMZ zu besprechen. Zur Zeit besucht er alle Projektorte, um zu kontrollieren, ob die Dörfer genug Sand und Steine gesammelt haben und die Körnung richtig ist. Der Wert des gesammelten Baumaterials beträgt über 100.000 Euro und dies ist der Beitrag, den die Afrikaner leisten müssen.

Es ist gut, wenn ein Afrikaner – und nicht ein Weißer – dazu auffordert, endlich selbst Energie zu entfalten und nicht nur Bettelbriefe nach Europa zu senden. Viele Organisationen, z.B. PLAN, bestehen nicht auf einer Mitarbeit der Bevölkerung, und wir mussten bei dem von Plan finanzierten Neubau der Hauptschule Tiankoura feststellen, dass 5 Lehrerhäuser mitfinanziert wurden, obwohl sie wahrscheinlich wegen der Nähe zur Großstadt Diébougou gar nicht benutzt werden.

 

Danken möchte ich auch der Dorfbevölkerung von Loogh, die uns den Reinerlös des diesjährigen Dorffestes in Höhe von 6.000 Euro wieder zur Verfügung stellte, und dem Tellerteam unter Leitung von Ben Schauster, das mit dem Tellerfest einen Reinerlös von 5.000 Euro erwirtschaftete. Mein Dank gilt auch dem Lyons-Club Bingen, der uns 10.000 Euro spendete und damit für 2 Schulen die nicht vom BMZ finanzierten Beträge zur Verfügung stellte und dem Ehepaar aus Bonn, das schon seit Jahren jeweils die Finanzierung einer Schule übernimmt.


Ohne die großzügige Unterstützung des Ehepaares Lepper und ihrer Firmen TECHNISAT und TPS wäre es nicht möglich, im nächsten Jahr 24 Schulen zu finanzieren und damit über 5.000 neue Schulplätze zu schaffen.


Die Realschule Hillesheim hat durch ihren Sponsorenlauf 7.000 Euro erwirtschaftet, mit denen die Erweiterung der Realschule Yéguérésso um 4 Klassen finanziert werden konnte. 5 Personen hatten runde Geburtstage und haben zugunsten unseres Vereins auf Geschenke verzichtet, sodass mehrere Tausend Euros unserem Verein zugute kamen.

 

Wir sind ein kleiner Verein, aber wir haben eine Vielzahl von Spendern, die uns regelmäßig großzügig unterstützen. Ihnen gilt unser besonderer Dank und wir hoffen auch in diesem Jahr wieder auf zahlreiche Spenden.

 

Es grüßt herzlich

 

Charly Simonis