Unsere Projekte

Liebe Freunde

 

Das Jahr 2008 ist für unseren Verein außergewöhnlich erfolgreich verlaufen. Das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)  hat am 23.04.2008 den Zuschuss für unsere Projekte von   707.000 Euro um 113.058 Euro auf 820.058 Euro erhöht. Dadurch ist es uns möglich, dieses Jahr erstmals die Grenze von  1 Million Euro zu durchbrechen und insgesamt rund 1.062.000 Euro in Burkina Faso zu investieren. Die Einzelprojekte sind auf der Rückseite dieses Jahresberichts aufgeführt.

 

Wir haben im Jahre 2008 insgesamt 20 Grundschulen, 16 Collèges und 26 Lehrerhäuser gebaut. Außerdem bohren wir 3 Tiefbrunnen. Wenn alle 124 neu gebauten Klassen belegt sind, stehen für rund 9.300 Kinder dauerhaft neue Schulplätze zur Verfügung. Durchschnittlich sind 75 Kinder in einer Klasse und jeder neue Schulplatz kostete nur 114 Euro.

 

In Burkina Faso ist bei Einschulungen in Collèges ein akuter Notstand aufgetreten. Man hat in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Grundschulen eröffnet, aber den Neubau von Collèges (Klassen 7 bis 10) vollkommen vernachlässigt. Nun verlassen zahlreiche Kinder im Alter von 12 Jahren die Grundschulen und suchen dringend nach einer Weiterbildung. Durch die Großzügigkeit des BMZs wurde es uns möglich, im Jahre 2008 den Bau von 16 Collèges zu finanzieren und damit die Not zumindest etwas zu lindern. Im Laufe des Jahres sind in Burkina Faso die Preise für Eisen, Aluminium, Zement und Diesel stark gestiegen und durch die Zuschusserhöhung konnten wir auch diese Preiserhöhung bezahlen.

 

In Oualdéguédé, Foura und Tampour haben wir keine Grundschulen und in Boni und Yondé keine Collèges gebaut, da die Bevölkerung dieser Orte sich nicht engagiert hat und keinen Kies und keinen Sand gesammelt hat. Es ist nicht einzusehen, dass die Schulen nur mit deutschen Spenden- und Steuergeldern errichtet werden und die einheimische Bevölkerung im Schatten unter den Bäumen sitzt. Durch das so eingesparte Geld haben andere arbeitswillige Dörfer noch dieses Jahr eine neue Schule finanziert bekommen. Die Dörfer Oualdéguédé und Tampour erhalten jedoch 2009 neue Schulen, wenn sie bis dahin genug Material gesammelt haben.

 

Generell ist es schwierig, die Bevölkerung im Norden Burkinas zu einer Mitarbeit zu bewegen. In der Sahelzone leben Nomadenvölker, die eine Schulbildung für nicht so wichtig erachten. Wir hatten schon überlegt, alle Projekte im Norden abzusagen, aber wir wollen nun doch 3 Projekte zu Ende führen, denn dort werden Schulen am dringendsten gebraucht. Wenn man nicht mit einer Schulbildung anfängt, kann sich die Einstellung der Bevölkerung auch nicht verändern! Erst im August konnten wir dort mit den Schulbauten beginnen, aber wegen der Regenzeit gingen die Bauten nur sehr langsam voran. Kein LKW konnte mehr die Dörfer erreichen und man versuchte, den Zement etc. von Aribinda aus mit Eselskarren in die Orte zu transportieren. Auch die Brunnenbohrungen konnten nicht mehr rechtzeitig stattfinden. Zum Schuljahresbeginn waren die Schulen noch nicht fertig. Dennoch begann der Unterricht und es wird, bis alles fertig ist, in Behelfsunterkünften unterrichtet.

 

Unser 2. Allrad, mit dem unser(e) „Animateur/in“ Aufklärungsarbeit in den von uns gebauten Schulen leisten soll, ist bereits im Februar in Burkina Faso eingetroffen, aber es dauerte 3 Monate bis er den Zoll verlassen konnte. Für die Zollfreiheit mussten 3 Minister unterschreiben und diese Herren hatten dafür keine Zeit. Man braucht viel Geduld, wenn man von afrikanischen Behörden eine Erklärung haben will. Da das Schuljahr bereits im Juni zu Ende ging, kam unser Animateur/in nicht mehr zum Einsatz. Wir haben einen Beamer, einen DVD-Player, große Lautsprecher, ein Stromaggregat und eine Leinwand nach Burkina verschickt, damit Aufklärungsfilme gezeigt werden können, denn in unseren Collèges gibt es viele ungewollte Schwangerschaften. Wir wollen auch den Film „Maimouna-la vie devant moi“, der in Burkina gedreht wurde, in den Dörfern zeigen und damit unseren Beitrag gegen die Frauenbeschneidung leisten. Es wird um 18.30 Uhr dunkel und dann freuen sich die Leute, wenn sie einen Film schauen können. Unser 2. Vorsitzender Götz Krieger ist mit seinem Allrad wieder in Burkina und wird dort bis zum Frühjahr bleiben. Er wird eine geeignete Person aussuchen und sie in die Techniken einweisen und mit ihr überlegen, wie man die Schüler und die Bevölkerung am besten ansprechen und motivieren kann.

 

Mit der Einstellung des Animateurs beginnt für uns eine neue Phase. Bisher ging es im Wesentlichen um die Verbesserung der schulischen Infrastruktur, sozusagen um „Hardware“. Nun begeben wir uns in den Bereich des  Angebotes von pädagogischen Inhalten, d.h. von „Software“. Dies bedeutet eine wesentliche inhaltliche Erweiterung unseres Wirkungsspektrums. Es handelt sich um eine sehr anspruchsvolle Aufgabe mit hoher Verantwortung und es wird sicherlich einige Zeit dauern, bis sich alles eingespielt hat.

 

Mein Freund Werner Ohlert, dem ich viele gute Ratschläge verdanke und der die Partnerschaft Piéla-Bad-Münstereifel leitet, wurde von seinem Pfarrer Thomas Bahne (vorher Domvikar in Köln!) wegen des von ihm finanzierten Aufklärungsunterrichts an den Schulen scharf angegriffen und das Erzbistum Köln strich ihm den jährlichen Zuschuss von 1.000 Euro. Aus Solidarität mit Herrn Ohlert wurde kürzlich eine Menschenkette durch die Altstadt von Bad-Münstereifel gebildet und zur Weiterarbeit ohne Unterstützung der katholischen Kirche aufgefordert. Ich bin der Auffassung, dass solche „Seelsorger“ erst ein Praktikum in einem Heim für aidskranke Kinder in Afrika absolvieren sollten, bevor sie weit reichende Entscheidungen treffen.

 

Mit Sorge erfüllt uns die Tatsache, dass die Lebensmittelpreise weltweit enorm angestiegen sind. Auch in Burkina haben sich die Preise für Hirse und Reis verdoppelt. Welche langfristigen Auswirkungen dies für das Land mit sich bringen wird, kann ich noch nicht beurteilen. Zu diesem Thema wollte ich kurze Artikel aus „Spiegel Online“ veröffentlichen, aber dafür wollte man von uns Geld kassieren, was ich ablehnte. Ich habe „ein komisches Gefühl im Magen“, wenn ich mir vorstelle, dass die Kinder zwar in unsere neu gebauten Schulen gehen können, aber nichts zu essen haben. Erfreulicherweise gab es eine gute Regenzeit, sodass wir hoffen, dass die Bevölkerung im kommenden Jahr nicht hungern muss. Übrigens beginnt in der Sahelzone die Regenzeit durch die Klimaerwärmung oft später und  manchmal regnet es so unregelmäßig oder heftig, dass die ganze Ernte  vernichtet wird und viele Lehmhütten zerstört werden.

 

Wir möchten uns bei all unseren Spendern für ihr Vertrauen und ihre Großzügigkeit bedanken. Unser besonderer Dank gilt auch Frau Margret Junk von der Antragsvorprüfstelle BENGO. Sie hatte uns geraten, unseren Projektanträge bereits Ende August und nicht erst im November beim BMZ einzureichen, um eine Auszahlung noch vor Jahresschluss zu erreichen. Bereits am 30.10.2007 bzw. 20. 10. 2008 erhielten wir die endgültigen Zusagen des BMZ. Für die sehr großzügigen und schnellen Zusagen bedanken wir uns bei den Damen und Herren des BMZ ganz herzlich.

 

Wir können versichern, dass wir mit den Steuermitteln und unseren Spenden sehr sparsam umgehen. Alle Angaben unserer Projektpartner werden sorgfältig von uns bzw. unserem Repräsentanten überprüft. Gegebenenfalls beantragen wir Abänderungen bzw. Umschichtungen beim BMZ, die auch vom zuständigen Sachbearbeiter sehr schnell und unbürokratisch genehmigt werden.

Anselm Sanou scannt am Monatsanfang den Kontoauszug unseres Vereinskonto in Ouagadougou ein und mailt ihn mir zu. In meinem Büro wird noch am selben Tag „das afrikanische Buchungsjournal“ auf den neuesten Stand gebracht, die Ausgaben den einzelnen Schulbauprojekten zugeordnet und am Abend erhält Anselm eine genaue Aufstellung, welche Beträge für welche Schulbauten noch offen stehen. Nur so ist eine genaue Überwachung möglich und nur so können Doppelzahlungen vermieden werden!

 

Wir haben mittlerweile 97 Grundschulen, 45 Collèges und 277 Lehrerhäuser in Burkina Faso gebaut und 58 Tiefbrunnen gebohrt. Wir haben uns auf den Bau von Schulen spezialisiert und mittlerweile so viel Erfahrung, dass man uns kaum mehr täuschen kann. Wir arbeiten möglichst immer mit denselben Unternehmen zusammen, die uns konkurrenzlos günstige Preise bieten und gute Arbeit leisten, da sie auch in Zukunft von uns Aufträge erhalten wollen. Die vom Staat gebauten Schulen sind fast doppelt so teuer wie unsere Schulen! In diesem Jahr wurde auch ein neuer zeitlicher Rekord aufgestellt: Innerhalb von 5 Wochen wurde eine Grundschule samt dem Lehrerhaus bezugsfertig errichtet. Übrigens verdient ein Vorarbeiter an unseren Schulen 3,81 Euro und ein normaler Maurer 2,29 Euro pro Tag.

 

Es hat sich bewährt, dass wir eine Bauingenieurin beschäftigen, die alle Baustellen mehrfach besucht und überwacht. Ich habe auf der gesamten Rundreise keinerlei Baumängel festgestellt. Ich finde es toll, dass wir eine junge Frau gefunden haben, die in dieser patriarchalischen Gesellschaft in der Lage ist, den Bauarbeitern auf die Finger zu schauen und auch deutlich ihre Meinung zu sagen. Als Anerkennung erhalten sie und ihr Chauffeur ab sofort zusätzlich das jährliche Schulgeld für ihre jeweils 2 Kinder in Höhe von jeweils 190 Euro. In den letzten 4 Jahren hat unser Toyota-Allrad über 220.000 „afrikanische“ Kilometer zurückgelegt und muss nun immer häufiger repariert werden. Wir planen ihn noch im Jahre 2009 durch ein neues Fahrzeug zu ersetzen. All dies kostet natürlich Geld, aber eine gute Bauüberwachung ist in Afrika unumgänglich. Erfreulicherweise spendet uns die Firma Reifen Meyer aus Lissendorf jedes Jahr neue Reifen

 

Unser Verein ist in den meisten Gegenden von Burkina Faso bekannt und in 32 der 45 Provinzen findet man unsere Schulbauten. Burkina Faso hat die Größe der alten Bundesländer und über 13 Millionen Einwohner (Ruanda ist nur so groß wie Rheinland-Pfalz). Mittlerweile fordern auch staatlichen Behörden die Dörfer auf, sich bei uns um eine Finanzierung der benötigten Schulen zu bemühen. Jede Woche erreichen uns neue Projektanträge. Wir haben einen Fragebogen entwickelt, der von den Dörfern ausgefüllt werden muss. Darin muss man angeben, wie viel Leute im Umkreis von 4 km um die geplante Grundschule wohnen, wie viele grundschulpflichtige Kinder es dort gibt (erfahrungsgemäß 20 % der Gesamtbevölkerung!), wie viele von diesen Kindern eine Schule besuchen und wie weit die nächste Grundschule und der nächste Tiefbrunnen entfernt ist. Gleichzeitig muss der Verein und der Ansprechpartner benannt werden, der sich vor Ort um den Schulbau kümmern wird. Mit der Unterschrift unter dem Fragebogen erkennt man unsere Bedingungen an: Man verpflichtet sich Sand und Steine zu sammeln, 5 Personen unentgeltlich für Handlangerdienste während der Bauphase zur Verfügung zu stellen, zahlreiche Bäume zu pflanzen und 150 Euro pro Jahr für die Unterhaltung einer Pumpe einzusammeln.

 

In meinen Unterlagen befinden sich Anträge für mehr als 80 Grundschulen und für mehr als 35 Collèges. Alle Angaben übertragen wir in eine „Prioritätenliste“, um sie miteinander vergleichen und um die Dringlichkeit der einzelnen Projekte erkennen zu können. Da wir immer nur einen Teil der Anträge finanzieren können, müssen wir hier in Deutschland entscheiden, welche Schulen wir im neuen Jahr bauen wollen. Oft werden in den Fragebögen Handynummern angegeben und Götz Krieger versucht, die Verantwortlichen in den Dörfern zu erreichen und sich mit ihnen über das geplante Projekt zu unterhalten. Wir wollen im nächsten Jahr 39 Schulen bauen. Aus logistischen Gründen ist es nicht möglich, einzelne Schule in weit abgelegenen Teilen zu bauen, sondern wir müssen uns auf einzelne Provinzen konzentrieren, damit die Realisierung so vieler Projekte überhaupt noch möglich ist. Im darauf folgenden Jahr werden dann andere Gegenden bevorzugt. Bereits im Februar haben wir über 20 Dörfer aufgefordert, mit dem Sammeln von Sand und Steinen zu beginnen, denn dann ist Trockenzeit  und die Leute haben viel Zeit, sich für das Projekt zu engagieren. Mittlerweile haben wir an alle 39 Dörfer Verträge gesandt, in denen in Deutsch und Französisch die genaue Durchführung der Projekte festgelegt wird.

 

Bereits am 20.10.2008 wurde unserem Verein vom BMZ ein weiterer Zuschuss von 913.029 Euro bewilligt. Im Rahmen unserer Rundreise haben wir erfahren, dass das vorgesehene Collège Samogohiri vom Staat gebaut und eine Erweiterung der Grundschule Wangré nicht erforderlich ist. Umgekehrt haben wir festgestellt, dass 3 von uns finanzierte Collèges dringend erweitert und zumindest 3 weitere Grundschulen gebaut werden müssen. Wenn das BMZ mit unsere Abänderungswünsche einverstanden ist, werden wir 30 Grundschulen, 9 Collèges, jeweils mit Einrichtung, 4 Verwaltungsgebäude und 34 Lehrerhäuser bauen. Wir wollen mindestens 2 Brunnen bohren lassen. Während des Jahres werden mit Sicherheit weitere Abänderungen erforderlich werden. Im Durchschnitt bauen wir 2009 alle 9 Tage eine neue Schule und beglücken damit ein weiteres Dorf und über 200 Kinder!

 

1.      Grundschule Oualdéguédé, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke, Brunnen                       35.776 EUR

2.      Grundschule Yasmindé Yarcé, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke,                                  26.776 EUR

3.      Grundschule Teonsogo, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                              26.776 EUR

4.      Grundschule Tansablogo, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                           26.776 EUR

5.      Grundschule Noatenga, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                               26.776 EUR

6.      Grundschule Gounghin, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                               26.776 EUR

7.      Grundschule Gandaogo, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                             26.776 EUR

8.      Grundschule Paspanga, 1 Lehrerhaus, Bänke                                                                                23.697 EUR

9.      Grundschule Oueffin, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                   26.776 EUR

10.   Grundschule Rana, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                                               19.837 EUR

11.   Grundschule Kodara, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                   26.776 EUR

12.   Grundschule Mouhoun III, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                                     19.837 EUR

13.   Grundschule Fara, Secteur 5, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                             19.837 EUR

14.   Katholische Privatschule Fara, Bänke                                                                                              16.758 EUR

15.   Grundschule Hiéla, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                      26.776 EUR

16.   Grundschule Loum, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                     26.776 EUR

17.   Grundschule Tampour, Bänke                                                                                                           16.758 EUR

18.   Grundschule Sourkoudougou, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                    26.776 EUR

19.   Grundschule Ramatoulaye, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                         26.776 EUR

20.   Grundschule Dioctoto, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                 26.776 EUR

21.   Grundschule Diolé, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                      26.776 EUR

22.   Grundschule Teledougou, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                           26.776 EUR

23.   Grundschule Nafanasso, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                             26.776 EUR

24.   Grundschule Sindo, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                     26.776 EUR

25.   Grundschule Tomikorosso, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                         26.776 EUR

26.   Grundschule Torika, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke, Brunnen                                     35.776 EUR

27.   Grundschule Doutié, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                     26.776 EUR

28.   Grundschule Kolokolo, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                 26.776 EUR

29.   Grundschule Dangouindougou, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                   26.776 EUR

30.   Grundschule Diongolo, 1 Lehrerhaus, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                 26.776 EUR

31.   Collège Ouahabou, Verwaltungstrakt,  Abort, Zaun, Küche, Bänke                                                39.948 EUR

32.   Collège Toné, Verwaltungstrakt, 3 Lehrerhäuser, Abort, Zaun, Küche, Bänke                              59.281 EUR

33.   Collège Pé, Verwaltungstrakt, 3 Lehrerhäuser, Abort, Zaun, Küche, Bänke                                  59.281 EUR

34.   Collège Bonou, Verwaltungstrakt, 3 Lehrerhäuser, Abort, Zaun, Küche, Bänke                            59.281 EUR

35.   Collège Silly, Bänke                                                                                                                               25.490 EUR

36.   Collège Ourgou-Manéga, Bänke                                                                                                          25.490 EUR

37.   Collège Satiri, Bänke                                                                                                                             25.490 EUR

38.   Collège Dandé, Bänke                                                                                                                           25.490 EUR

39.   Collège Koundougou, Bänke                                                                                                                 25.490 EUR

40.   Restliche Bänke für die 4 Collèges des Jahres 2007 (4 x 2.881 EUR)                                            11.524 EUR
Investitionssumme                                                                                                                            1.134.113 EUR

41.   Auslagenersatz des Koordinators, der Bauingenieurin, des Animateurs und der Chauffeure        16.439 EUR

42.   Ersatzfahrzeug für Bauingenieurin                                                                                                          20.000 EUR

Projekte mit dem BMZ insgesamt                                                                                                        1.170.552 EUR

Abzüglich Zuschuss BMZ                                                                                                                        913.029 EUR

Eigenanteil unseres Vereins an den Projekten mit dem BMZ                                                         257.523 EUR

Schulgeld, Unterkunft der Mädchen im Foyer Sainte Monique und von Studentinnen             14.479 EUR

Erforderliche Spendensumme für die Projekte 2009                                                                         272.002 EUR

Gesamtinvestition in Burkina Faso 2009                                                                                            1.185.031 EUR

 

Wenn alle 126 neu gebauten Klassen belegt sind, werden wir im Jahre 2009 für rund

9.500 Kinder dauerhaft neue Schulplätze schaffen. Da durchschnittlich 75 Kinder in einer Klasse sind, kostet jeder neue Schulplatz nur ca. 120 Euro.

 

 

Rundreise

 

Mit unserer diesjährigen Rundreise waren wir sehr zufrieden. Wir wurden im Flughafen von Anselm schon vor der Passkontrolle abgeholt und als Gruppe durchgeschleust. Dies war auch gut so, denn 3 Mitreisende hatten ihre Impfausweise vergessen. Unser Gepäck brauchten wir beim Zoll nicht zu zeigen. Vor dem Flughafen warteten schon die Delegationen vieler Dörfer auf unsere Ankunft. Mit zahlreichen Fahrzeugen ging es durch das nächtliche Ouagadougou zu Anselms Haus. 23 Delegationen aus verschiedenen Dörfern – über 100 Personen - waren zu unserer Begrüßung erschienen. Den ganzen Tag über hatte Anselms Frau mit 8 weiteren Frauen gekocht und alles zubereitet. Bänke und Tische waren ausgeliehen worden und man nahm im großen Innenhof Platz. Alle stellten sich vor und bekamen etwas zu trinken und zu essen. Dennoch waren wir froh, als alles vorbei war, Ruhe einkehrte und wir unsere Zelte aufstellen konnten.

 

Wir haben in den ersten 2 Wochen in 2 Reisegruppen 37 Dörfer im Westen Burkinas und in der 3. Woche hat eine Gruppe noch weitere 14 Dörfer in der Sahelzone besucht. In vielen Ortschaften fanden Einweihungen statt, aber wir besuchten auch Dörfer, in denen wir bereits früher Schulen gebaut haben bzw. im nächsten Jahr Schulen bauen wollen. Von den 36 Schulen, die wir dieses Jahr finanzieren, waren 27 Schulen fertig gestellt und voll bezahlt und in ihnen fand auch schon Unterricht statt. Weitere  6 Projekte werden bis Ende November 2008 fertig sein. Nur die 3 Projekte in der Sahelzone sind noch nicht fertig und machen uns Sorgen.

 

Wir waren dieses Jahr mit 2 bzw. 3 Allrads unterwegs. Dies war auch gut so, denn die Pisten waren für normale Fahrzeuge oft unpassierbar. Für uns war dies natürlich angenehm, denn alle Fahrzeuge hatten eine Klimaanlage. Die jüngere Generation fuhr mit dem älteren Allrad unseres Verein, Götz fuhr mit seiner Frau und 3 französischen Freunden in seinem Allrad und Anselm, Hans-Günther Haase und ich fuhren in dem neuen Allrad. Anselm hatte „Sekurité“ beantragt, d.h. 2 bzw. 4 Polizisten einer Spezialeinheit saßen mit Helm, Visier, kugelsicheren Westen und Kalaschnikows im Freien auf den Pick-ups und hatten somit einen guten Überblick. Wir selbst hätten für die Fahrt in den Westen auf den Schutz verzichten können, aber Anselm betonte, dass er erhebliche Schwierigkeiten bekäme, wenn uns etwas passieren würde, falls er trotz des kostenlosen Angebotes der Regierung Personenschutz ablehnen würde. Jeweils 1 Polizist blieb die ganze Nacht wach und passte auf uns auf.

 

Wir bauten– wie üblich – die Innenzelte als Moskitoschutz im Freien auf und genossen den Blick in den afrikanischen Sternenhimmel. Wir erlebten auch eine Vollmond-Periode und verfolgten den Lauf der Weltraumstation. Viele Afrikaner haben solche „Iglus“ noch nie gesehen und mancher Dorfbewohner glaubt nun, dass Europäer stets in solchen Zelten wohnen. Nur in 2 Nächten mussten wir wegen Regen die Zelte in leeren Klassenräumen aufstellen. An die „Plumpsklos“ (viereckiges Loch in einer Betonplatte, die zum Sichtschutz mit einer Mauer umgeben ist) hatten sich auch die „Neuafrikaner“ schnell gewöhnt. Die Kakerlaken beißen niemand und nachts muss man darauf achten, dass man nicht auf einen Frosch tritt. Besonders bewährt hat sich der Kauf einer transportablen Dusche, die man wie ein Zelt aufbaut. In Westafrika ist es unschicklich, sich im Freien in Badekleidung zu waschen. Die von uns finanzierten Lehrerhäuser, die eine Innendusche haben, waren fast alle belegt. So stellten wir unser Duschzelt auf dem überdachten Absatz vor der Schule auf und jeder besorgte sich einen Wassereimer, mit dem er sich in die Dusche zurückzog. Abends bekamen wir immer etwas zu essen und auch Bier gebracht und morgens brachte man uns heißes Wasser, damit wir uns Kaffee, Tee bzw. Gemüsebrühe machen konnten. Brot, Schmierkäse etc. hatten wir in unserem Reiseproviant.

 

Dieses Jahr besuchten wir im Regelfall nur 2 Dörfer an einem Tag. Dies war sehr angenehm und wir hatten im Gegensatz zu früheren Jahren keinen zeitlichen Stress und konnten alle Dörfer mit den Allrads erreichen. In den von uns gebauten Grundschulen waren oft mehr Mädchen als Jungen eingeschult – in den Collèges ist dies noch nicht der Fall, denn früher waren die Jungen in den Grundschulen in der Überzahl und dies wirkt sich jetzt natürlich auf die Collèges noch einige Jahre aus. Es gab normalerweise pro Tag zwei Einweihungsfeiern. Wenn wir in ein Dorf fuhren, stand die ganze Bevölkerung am Straßenrand und sang und klatschte. Für die Dorfbevölkerung war es ganz wichtig, uns ihre Dankbarkeit zu zeigen. Oft traten zu unserer Ehre Masken auf, es wurden Reden gehalten, getanzt, gesungen und Gastgeschenke ausgetauscht. In Bah mussten wir uns besonders lange Reden von Politikern anhören. Aber auch dies hatte seinen Grund: Über die Einweihungsfeier wurde in der „Tagesschau“ von Burkina Faso berichtet. Dies ist wichtig für Deutschland und unseren Verein und macht unser Engagement landesweit bekannt. Oft bekamen wir handgewebte Anzüge, Masken, Schafe, Bananenstauden und Süßkartoffeln geschenkt. Die Schafe ließen wir an das Collège Yégueresso transportieren, wo Götz wohnt. Er wird sie später dem Foyer Sainte Monique in Banfora schenken. Die Bananen und Süßkartoffeln konnten wir nicht alle transportieren und schenkten sie den Schulkantinen.

 

Wir hielten stets dieselbe Rede, bedankten uns für die Gastfreundschaft, hoben Anselms Leistungen hervor und betonten die Wichtigkeit der Einschulung von Mädchen und dem Pflanzen von Bäumen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass Susanne und Anja sich bereit erklärten, an meiner Stelle die Rede zu halten. Sie können besser Französisch und haben mich damit entlastet. Außerdem konnten wir dadurch demonstrieren, dass in Europa auch Frauen „etwas zu sagen haben“. Wir wiesen darauf hin, dass unser Hauptgeschenk an die Region der Bau der Schule und des Lehrerhauses sei, da es die Entwicklung voranbringe. Wir überreichten dem Schulleiter einen Fußball mit Pumpe, eine Weltkarte des BMZs und den Frauen gute Hautcremes der Firma WELEDA, die uns jedes Jahr großzügig mit Cremes und Ölen ausstattet. Für die Lehrer, Schulräte und Bürgermeister gab es solarbetriebene Taschenrechner und für die Dorfchefs und Elternvertreter Taschenmesser.

 

An vielen Schulen hatte man schöne Bäume gepflanzt, aber einige Orte haben sich gar nicht angestrengt und wurden entsprechend ermahnt. Alle Afrikaner sitzen gerne im Schatten, aber viele sind zu faul, Bäume zu pflanzen und zu pflegen. Von uns werden am Anfang immer nur Schulbänke für 2 Klassen geliefert. Die restlichen Schulbänke liefern wir erst 2 Jahre später, wenn sie wirklich benötigt werden und auch dann nur, wenn bis dahin genug Bäume gepflanzt wurden. Die Schulbänke waren im Gegensatz zu früheren Jahren alle repariert und die neuen Schulbänke wurden mit unserem afrikanischen Vereinsnamen „ASAO“ beschriftet. Die Schrauben können von den Kindern nicht mehr abgedreht werden, weil ein Schweißtropfen auf dem Gewinde dies unmöglich macht.

 

Wenn man über eine Woche rund gefahren ist und schon viele Einweihungsfeiern erlebt hat, wird man etwas abgestumpft und empfindet das ganze als nicht mehr so aufregend. Irgendwie wiederholt sich alles. Man wird der Bevölkerung, die sich so über unser Kommen gefreut hat, nicht mehr gerecht. Ich weiß nicht, wie viele weiße Bänder ich zur Eröffnung von Schulen durchschnitten habe, wobei mir die Scheren von den schönsten Frauen des Dorfes überreicht wurden. Nach Besichtigung der Klassen gab es in einem Klassenraum dann für uns stets etwas zu essen und zu trinken. Meist gab es Reis, Kuskus, Süsskartoffeln und Hähnchen, manchmal auch etwas Gemüse und Soße. Vor unserer Ankunft wird im Dorf Geld eingesammelt und jeder gibt etwas, um die Gäste bewirten zu können. Erschreckend für uns war, dass im Regelfall nur Männer, vor allem Politiker und Beamte, mit uns zusammen aßen und reichlich beim Bier zugriffen und es sich auf Kosten der Dorfbevölkerung gut gehen ließen. Aber wir müssen Gegebenheiten akzeptieren, auch wenn sie uns nicht gefallen. In Deutschland geht es bei der Einweihung von neuen Projekten auch nicht anders zu. Die Leute, die auf den Baustellen gearbeitet haben, werden zur Einweihung gar nicht erst eingeladen! Wir hoffen, dass sich durch die Einschulung von Mädchen in Zukunft daran etwas ändert.

 

Rückblick

 

Mein Studienfreund Michael Geier war von 1984-1987 Botschafter in Burkina Faso. Er war von dem Land und seiner Bevölkerung tief beeindruckt und fragte mich, ob meine Familie nicht etwas für das Land tun könne. In den ersten Jahren übernahmen wir von Misereor Projektpatenschaften über den Bau von Kleinstaudämmen. Im Januar 1988 wollte ich mit Michael zum Abschluss seines Aufenthaltes eine Rundreise durch Westafrika unternehmen, aber dazu kam es nicht, weil sein Freund, der Regierungschef Thomas Sankara, ermordet worden war und Ausnahmezustand herrschte.

 

Zum Jahreswechsel 1988/1989 flog ich mit Manfred Hillebrandt zur Côte Yvoire, und wir besichtigten 1 Woche lang als Gäste der deutschen Holzfirma Danzer die tropischen Urwälder. Dann fuhren wir mit der uralten Bahn „RAN“  24 Stunden landeinwärts nach Burkina Faso und übernachteten in der Mission von Bobo Dioulasso. Dort erfuhren wir, dass Pater Bideaux, den wir in Dori besuchen wollten, in der Wüste verdurstet war. Mit dem Bus fuhren wir nach Ouagadougou und das Hotel, in dem wir schliefen, entpuppte sich in der Nacht als „Freudenhaus“. Am nächsten Tag versuchten wir mit einem Taxi Brousse nach Kaya zu fahren. Wir mussten 4 Stunden warten, bis der letzte Platz besetzt war und es losging. Wir saßen im Freien auf Holzbrettern, eng zusammen gepfercht, und alle paar Kilometer wurden wir angehalten und unsere Pässe kontrolliert. Auf das Eisengestell über uns hatte man tief gefrorene Rinderhälften gelagert, die langsam auftauten. So wurden wir allmählich braun von dem Staub der Piste und rot von dem Blut, das vom Dach herunterträufelte. Meinen Kopf hatte ich auf meine Knie gelegt und als wir endlich in Kaya ankamen, war ich erschöpft und sagte nur „Ich habe die Schnauze voll“. Da es kein Hotel gab, gingen wir zur Mission und wurden dort vom Katechisten Sawadogo gastfreundlich aufgenommen. Er hatte eine nette Tochter „Marie Thérèse“, die uns im nächsten Dorf herumführte und uns dem Dorfchef vorstellte. Die Silvesternacht verbrachten wir bei lauter Musik in der benachbarten Kneipe, und es war das erste mal, dass ich mit Männern auf der Bühne getanzt und meine Essensreste hungernden Kindern gegeben habe. Am nächsten Tag wollten wir zurück nach Ouagadougou. Der Katechist lies für uns das Taxi Brousse vorfahren, und wir bezahlten ein wenig mehr und durften vorne in der Fahrerkabine Platz nehmen. In Ouaga wollten wir auch in der Mission übernachten, aber alle Betten waren belegt. Als wir an der Kathedrale vorbeigingen, sprach uns ein Afrikaner an und fragte, ob er etwas für uns tun könne. Als wir ihm sagten, dass wir eine Unterkunft suchten, lud er uns ein, in seinem Haus zu schlafen. Es stellte sich heraus, dass er in Deutschland - wie Manfred - das Holzfach studiert hatte und Direktor einer Technischen Schule war. Am Neujahrstag kamen alle Verwandte und Freunde vorbei, um Glück zu wünschen. Wir waren von der Gastfreundschaft begeistert. Später als wir wieder in Deutschland waren, fragte Maurice Pouya, ob ich nicht in seinem Dorf einen Brunnen bohren könne. Dies geschah dann im Jahr 1990 und Maurice wurde unser 1. Repräsentant. Ich habe das alles als eine „Fügung“ empfunden.

 

Zur Einweihung des Brunnens fuhren Manfred und ich wieder nach Burkina. Es wurden 2 Mopeds auf das Dach eines uralten Taxi brousse (Toyotabus) geladen und ab ging es Richtung Koupéla, wobei ich in der Enge des Busses zusätzlich ein Huhn auf meinen Beinen festhalten durfte. Es war schon dunkel als wir in Saponé die Mopeds vom Bus holten und mit den Rucksäcken auf den Schultern Richtung Bollé aufbrachen. Maurice verfuhr sich und wusste schließlich nicht mehr, wo wir waren. Ich hatte aber keine Angst und war voller Gottvertrauen und auch die Bemerkung, ich müsse mich vor Schlangen in Acht nehmen, konnte daran nichts ändern. Als wir schließlich das Dorf erreichten, schliefen schon alle. Der Dorfchef wurde geweckt und hieß uns herzlich willkommen und es war schon toll, im Mondschein die vielen weißen Augäpfel zu sehen. Wir hörten, wie ein Huhn geschlachtet wurde, und es dauerte dann noch eine Zeitlang, bis wir etwas zu essen bekamen. Es war das einzige Mal in meinem Leben, das ich ein „ungelegtes Ei“ gegessen habe, denn das geschlachtete Huhn war noch nicht zum Eierlegen gekommen. Als Manfred nach unserer Rückkehr in Ouagadougou die große Moschee fotografierte, wurden wir von Geheimpolizisten abgeführt und in der Gendarmerie fest gesetzt, da wir ja Spione sein könnten. Mit Angst beobachteten wir, wie die Angehörigen den anderen Gefangenen das Essen brachten, damit sie nicht verhungerten. Schließlich wollten die Polizisten sehen, was wir denn alles fotografiert hätten. Ich sagte ihnen, dass wir einen Diafilm im Apparat hätten und wir ihn nur in Südafrika oder in Europa entwickeln könnten. Man glaubte mir aber nicht und so fuhr ich auf dem Rücksitz eines Mopeds mit einem Polizisten zu allen Fotogeschäften in Ouaga, um den Film entwickeln zu lassen. Da dies aber nicht möglich war, wurde der Film schließlich herausgezogen und zerstört und wir wurden zu Maurice entlassen. Nach unserer Rückkehr wurde am 11. Januar 1991 in Hillesheim der Solidaritätskreis Westafrika gegründet und wir waren richtig stolz, als wir in  den Jahren 1991/1992 in Paspanga unsere 1. Schule bauten.

 

Kurz vor Weihnachten 1996 bekam ich von einem Afrikaner aus München einen Anruf: „Ich bin Anselm, der Mann von Marie Thérèse, die du 1990 in der Mission Kaya kennen gelernt hast. Kann ich zu euch zu Weihnachten kommen?“ Wir entschlossen uns kurzfristig, ihn zu diesem „trauten Familienfest“ einzuladen. Anselm eroberte im Sturm die Herzen meiner 4 Kinder und beim Spiel „Scotland Yard“ erkannte man sofort, dass er gut denken konnte. Im Frühjahr bekam ich einen Anruf von einem deutschen Freund unseres Repräsentanten Maurice Pouya und dieser teilte mir mit, dass die Projektleitung für Maurice zu anstrengend sei, aber er es mir aus Höflichkeit nicht sagen wolle. Als Anselm uns kurz vor seiner Rückkehr das letzte Mal besuchte, fragte ich ihn, ob er unser neuer Repräsentant werden wolle. Er sagte spontan zu und so habe ich auch die Wahl unseres 2. Repräsentanten als „Fügung“ empfunden. Mit Anselm haben wir eine sehr engagierte, absolut zuverlässige Person gefunden. 1997 sorgte er bereits dafür, dass wir in Burkina Faso als gemeinnütziger Verein anerkannt wurden und damit bei Materialeinkäufe die 19 % Mehrwertsteuer einsparen konnten. Er ist ein toller Manager, der sich für sein Land einsetzt, und der es schafft, 36 Schulbauten in nur einem Jahr im chaotischen Westafrika zu organisieren. Wenn Burkina 1.000 solche integre Manager hätte und sie arbeiten ließe, sähe es in diesem Land heute schon ganz anders aus.

 

Ich denke gerne an die Zeit zurück, als wir noch auf dem Rücksitz von Mopeds in die Dörfer fuhren.

Dieses Jahr fuhr ich mal wieder allein auf dem Rücksitz eines Mopeds nach Kouakrouma, da dieser Ort auch mit dem Allrad kaum zu erreichen ist. Anschließend versuchten Ingo und ich auf 2 Mopeds den abgelegenen Ort Fofara von Faramana aus zu erreichen, denn ich hatte einfach keine Lust mehr auf Einweihungsfeiern und es ist einfach toll, durch die Gegend zu sausen und sich durch die Schaf- und Kuhherden durchzudrängen. Wenn Weiße auf dem Rücksitz von Mopeds an abgelegenen Gehöften vorbeifahren, bleiben alle vor Staunen stehen und trauen ihren Augen nicht. Früher waren wir immer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen und brauchten viel Zeit, um unsere Ziele zu erreichen. Heute ist alles anders: Schon im Mai informierten wir die ca. 40 Dörfer, die wir besuchen wollten, über die ungefähre Tageszeit, wann wir im Oktober ankommen würden (damit sie noch rechtzeitig Bäume pflanzen können). Wir fuhren dieses Jahr mit 3 klimatisierten Allrads von Ort zu Ort und bauten 36 Schulen. Aus der Realisierung eines Einzelprojektes ist ein Projektmanagement entstanden und ohne die Hilfe meiner Mitarbeiter wäre das Ganze nicht mehr realisierbar. Es ist gut so wie es ist, denn auf diese Weise können wir viel mehr Kindern helfen, auch wenn es für uns stressig ist. Wir hoffen, dass wir diese Arbeit noch einige Jahr bewältigt bekommen und Anselm Sanou als Repräsentanten behalten.

 

 

Weitere Projektentwicklung

 

Mit 39 Schulprojekten und damit 39 verschiedenen Baustellen in allen Teilen von Burkina Faso ist unsere derzeitige Kapazitätsgrenze für 2009 erreicht. Ursprünglich hatte ich vor, in der Sahelzone 5 Schulen zu bauen. Da aber die dortige Bevölkerung so schlecht mitarbeitet, werden wir  auf Anraten von Anselm dort wahrscheinlich nur noch 1 Grundschule bauen. Wir wollen dort sofort einen Brunnen bohren lassen, denn in der Trockenzeit ist dort ein Schulbau mangels Wasser nicht möglich. Die Schulbauten beginnen im Regelfall ab November und müssen Ende Juni vor Beginn der Regenzeit weitgehend abgeschlossen sein. Unser Repräsentant und unsere Bauingenieurin können nicht noch mehr Baustellen in so kurzer Zeit besichtigen und überwachen. Wir hoffen, dass es im Jahre 2009 nicht zu weiteren Preiserhöhungen kommt.

 

Wenn wir weitere Gelder bekommen, wollen wir unsere Schulprojekte jedoch besser ausstatten. Normalerweise sollte man pro 3-klassige Grundschule auch 3 Lehrerhäuser bauen. Wegen der vielen Neubauanträge bauen wir jedoch im nächsten Jahr maximal 1 Lehrerhaus pro Grundschule. Würden wir jeweils 1 weiteres Lehrerhaus bauen, bräuchten wir zusätzlich 208.170 Euro und, wenn wir 20 Brunnen bohren wollten, weitere 162.000 Euro. Eine bessere Ausstattung der Projekte käme den Dörfern zugute und würde die Arbeitsbelastung unseres Repräsentanten und der Bauingenieurin nicht wesentlich erhöhen. Allerdings ist das Ganze vorerst Utopie, da wir nicht die 25 % Eigenbeteiligung an Spenden aufbringen können.

 

Wir schicken jedes Jahr im Januar an alle unsere Schulen und an die Bürgermeister und Schulräte der betroffenen Orte unseren „Lettre Circulaire“. Darin informieren wir über unsere Rundreise, den Ablauf unserer Projekte und die beabsichtigten Schulbauten. Wenn wir über eine Schule, insbesondere die Baumpflanzungen, unzufrieden oder besonders begeistert waren, erwähnen wir dies ausdrücklich und üben damit einen gewissen Druck aus. Über 300 staatliche Stellen in Burkina Faso, inklusiv der zuständigen Minister, Hohe Kommissare und Gouverneure, erhalten also von uns Post.

 

Wir haben hier in Deutschland dreifarbige Aluminiumschilder in der Größe von 50 x 40 cm mit der Inschrift: „ Fruit de la Coopération Germano- Burkinabè“ produzieren lassen. Alle Schilder tragen die beiden Landeswappen und sind mit unserem Logo und der Inschrift „Association Solidarité Afrique de l`Ouest“ versehen. Sie werden mit Spezialdübeln an allen von uns finanzierten Schulen angebracht und sollen dauerhaft darauf hinweisen, dass wir Deutsche uns nachhaltig für die Bildung in Burkina Faso einsetzen. Vom BMZ bekommen wir für unsere Rundreise Weltkarten zur Verfügung gestellt, die wir in den Schulen verteilen. Sie leisten dort sehr gute Dienste, denn es gibt kaum Unterrichtsmaterial. Viele Kinder haben keinerlei Vorstellung, wo auf der Welt Afrika liegt und wo sich Burkina Faso bzw. Deutschland befinden.

 

 

 

Personelle Entwicklung

 

Wir sind ein kleiner Verein mit 66 Mitgliedern. Im Jahr 2007 haben wir Projekte in Höhe von 770.000 Euro realisiert und lediglich 0,7 % dieser Summe als Verwaltungskosten verbraucht, nämlich 3.373 Euro hauptsächlich für Briefmarken und 2.319 Euro für die Spendenwerbung (u.a. Druck des Jahresberichts).

 

Götz Krieger hält sich mehrere Monate im Jahr auf eigene Kosten in Burkina Faso auf und bekommt nur die Autokosten für seine Projektbesuche vom Verein erstattet. Ich rufe ihn oft auf seinem Handy an, und er kann dann unmittelbar mit unseren Projektpartnern Kontakt aufnehmen und die anstehenden Fragen klären. In diesem Jahr will er sich besonders um eine gute Ausbildung des Animateurs kümmern. Er wohnt in einem leer stehenden Lehrerhause bei unserem Collège Yéguéresso, ca. 12 km von Bobo Dioulasso entfernt. Bobo Dioulasso ist die 2. größte Stadt Burkinas und liegt im Westen, wo es häufiger regnet und das Klima angenehmer ist. Götz ist 62 Jahre alt und man kann nicht abschätzen, wie lange er seine Arbeit noch leisten kann. Ich selbst bin nicht in der Lage und auch nicht bereit, mich längere Zeit in Burkina Faso aufzuhalten. Ich bin immer froh, wenn ich nach Deutschland zurückkehren und die schöne Eifellandschaft genießen kann. Außerdem spreche ich nur sehr schlecht Französisch.

 

Ich bin 64 ½ Jahre alt, noch voll berufstätig und hoffe, weiterhin meinen Beitrag leisten zu können. Bei dieser Arbeit werde ich von Carmen Rieder sehr wirkungsvoll unterstützt, die viele Arbeiten sehr sorgfältig und selbstständig abwickelt. Die eingehenden Spenden werden von Karin Leuschen im Journal erfasst und sie schreibt auch die Spendenquittungen. Die Rundreise brauche ich auch für meine eigene Motivation. Wenn ich sehe, dass Tausende von Kindern durch unsere Schulbauten eine Ausbildungsmöglichkeit erhalten, wie dankbar sie und ihre Eltern sind, wie sie tanzen und singen und glücklich sind, fahre ich hoch motiviert wieder nach Deutschland zurück. Es ist etwas vollkommen anderes, ob man die Zustände im Fernsehen oder direkt vor Ort erlebt. Wenn man Fehlinvestitionen vermeiden will, muss man sich die Projekte persönlich anschauen und die gemachten Angaben vor Ort überprüfen.

 

Es gibt Orte, in denen ich mich ärgere, dass zu wenig Bäume gepflanzt wurden bzw. Bänke nicht repariert wurden, aber ich sage mir immer wieder, dass unser Verein Afrika nicht aufforsten will und dass Kinder wichtiger als Bäume sind. Wenn ich mir das vor Augen halte, gelingt es mir, meine positive Einstellung beizubehalten. Wir wollen nicht – wie die Kolonialherren – auftreten, die alles besser wissen. Dennoch haben wir das Recht und auch die Pflicht, Missstände anzusprechen und auf eine Änderung zu drängen. Seit 18 Jahren bauen wir Schulen in Burkina Faso und mussten Geduld lernen. Entwicklungshilfe braucht Ausdauer und Verständnis für andere Kulturen. Es dauert lange, bis sich Einstellungen und Lebensgewohnheiten ändern. Manchmal sind wir aber auch von der Schnelligkeit der Veränderungen überrascht. Wir brauchen nicht mehr wie früher die Einschulung von Mädchen an den von uns finanzierten Schulen durch den Kauf der Schulmaterialien zu fördern, denn mittlerweile werden genauso viele Mädchen wie Jungen in den Grundschulen eingeschult. Bei den Collèges dauert dies noch etwas länger. Es ist auch erstaunlich, wie schnell sich die Handys in Burkina verbreitet haben und dass fast alle größeren Orte erreichbar sind.

 

Wir haben den Vorteil und die Genugtuung, dass unsere Projekte am Ende eines jeden Jahres fertig sind und dem Staat übergeben werden, der dann die Lehrer schickt und für einen reibungslosen Schulunterricht sorgt. Wenn wir unsere Arbeit beenden, werden wir keine „Ruinen“ zurück lassen, sondern die von uns finanzierten Schulen werden ohne uns weiterbetrieben und zum Wohl der Kinder beitragen. Wir haben also keine laufenden Projekte, die jedes Jahr auf eine Unterstützung durch unseren Verein angewiesen sind. Unsere Arbeit wird fortwirken, auch wenn wir selbst nicht mehr so umfangreich tätig sind. Daher lassen wir die Zukunft auf uns zukommen, ohne uns große Sorgen zu machen.

 

 

Ausblick

 

Wir gehen davon aus, dass wir nächstes Jahr wieder in den Herbstferien, also vom 10.10. – 25.10.2009 , nach Burkina Faso fahren. Da wir dann 2 Allradfahrzeuge in Burkina haben, werden wir eventuell mit diesen beiden Fahrzeugen die Rundreise unternehmen und keinen Bus mieten. Möglicherweise muss dann die Anzahl der Mitreisenden auf 10 Personen begrenzt werden. Wer mitfliegen will, keine Angst hat und sich körperlich und psychisch fit fühlt, sollte bis zum 1. März mit mir Kontakt aufnehmen, da wir die Flüge schon sehr früh buchen müssen.

 

Schon jetzt laden wir herzlich zu einem Treffen am Freitag, den 06.März 2009, um 20 Uhr in das Pfarrheim Hillesheim ein. Wir werden Fotos und ein DVD über unsere Rundreise zeigen. Wer sich mehr für unsere Arbeit interessiert, ist auch in der Mitgliederversammlung unseres Vereins um 19 Uhr gern gesehen.

 

Ich bin auch gerne bereit, Interessierten eine Kopie des DVDs zuzusenden. Wer über unsere Arbeit öfter unterrichtet werden will, kann mir seine E-Mail-Adresse mitteilen oder sich auf unserer Homepage www.solidaritaetskreis.de unterrichten.

 

Ich möchte mich bei all unseren Spendern ganz herzlich für ihre Großzügigkeit bedanken. Es ist schon erstaunlich, dass wir ein Spendenaufkommen von ca. 240.000 Euro im Jahr haben. Wir haben nicht sehr viele Spender, aber die Personen, die uns unterstützen, tun dies oft regelmäßig seit vielen Jahren. Im Regelfall brauchen wir für den Neubau einer Schule nur 25 % der Kosten aufzubringen. 75 % der Kosten trägt das BMZ. So „vervierfacht“ sich jeder gespendete Euro und nur so können wir derart viele Projekte verwirklichen.

 

Immer mehr Gelder bekommen wir dadurch, dass Personen auf private Geburtstagsgeschenke oder auf Blumen und Kränze bei Beerdigungen verzichten und stattdessen ihre Freunde bitten, unserem Verein eine Spende zukommen zu lassen. Ben Schauster hat mit seinem Team auch dieses Jahr wieder das Tellerfest ausgerichtet und das Dorf Loogh hat uns den Reinerlös aus dem Dorffest wieder zur Verfügung gestellt. Die Realschule Hillesheim hat uns durch einen Sponsoren-Lauf mit einem Betrag von 4.750 Euro unterstützt.

 

Ohne die großzügige Unterstützung des Ehepaares Lepper und ihrer Firmen TECHNISAT und TPS, der IbR Gesellschaft für Geoinformationen mbH und der Annemarie und Helmut Börner-Stiftung wäre es nicht möglich, im nächsten Jahr 39 Schulen bzw. 126 neue Klassen zu finanzieren.

 

Wir danken für das Vertrauen, das Sie uns entgegenbringen. Sie können sicher sein, dass wir das gespendete Geld sehr sorgfältig und effektiv investieren werden.

 

Es grüßt herzlich

 

Charly Simonis