Unsere Projekte
Liebe Freunde,
wir sind wieder gesund und sehr zufrieden von unserer Rundreise durch Burkina Faso zurückgekehrt. Wir haben 22 neue Schulen feierlich eingeweiht und 6 Dörfer besucht, in denen wir schon vor einigen Jahren Schulen errichtet haben.

Ich war nun zum 14. Mal in Burkina Faso. Die Reise war für mich nicht mehr so aufregend wie früher und auch nicht mehr so anstrengend. In den ersten Jahren benutzte ich öffentliche Verkehrsmittel und fuhr im Taxi Brousse (Buschtaxis) zu den Dörfern. Dies sind uralte Toyotabusse, in die 20 Leute hereingequetscht werden. Auf dem Dach wurde unser Moped festgebunden, damit wir auch die abgelegenen Orte erreichen konnten. Später mieteten wir für unsere Gruppe einen eigenen Taxi Brousse an, damit wir möglichst viele unserer Projekte besichtigen konnten. Diese Busse haben keine Klimaanlage und der Staub kommt durch alle Ritzen. Oft haben sie Pannen oder müssen im unwegsamen Gelände angeschoben werden.
Dieses Jahr
fuhren wir mit den beiden Allradfahrzeugen unseres Vereins in die Dörfern.
Dies war sehr angenehm, denn sie haben Klimaanlagen und sind staubdicht.
Sie sind so hoch gelegt, dass man auch Bäche durchfahren und größere
Unebenheiten meistern kann. Oft gibt es nur Fußpfade zu den Dörfern und diese
sind weitgehend zugewachsen. Da jedoch beim Bau der Schulen Lastwagen zu den
Dörfern gefahren sind, wissen wir, dass die größeren Bäume gefällt wurden und
man mit einem PKW den Ort erreichen kann. Natürlich gibt es bei solchen
Geländefahrten enorm viele Kratzer am Auto, aber dies ist unvermeidbar.
Mittlerweile kann man in fast ganz Burkina Faso mit einem Handy telefonieren.
Anselm rief meistens einen Dorfbewohner per Handy an, der uns dann
mit seinem Moped an der Piste abholte und uns den Weg zum Dorf zeigte. Notfalls
benutzte Anselm sein GPS-Gerät, um die Schulen in dem unwegsamen Gelände wieder
zu finden.
Ein Allrad wurde von Anselm gesteuert und der 2. Allrad von Hans Günther Haase. Hans Günther ist bei der Lufthansa Kapitän eines Jumbo-Jets. Es ist aber wohl viel einfacher einen Jumbo zu fliegen als mit einem Allrad auf den chaotischen Wegen von Burkina Faso ein abgelegenes Dorf zu erreichen. Hans Günther hat diese Aufgabe phantastisch gemeistert. Er war auch für das fachmännische Beladen unserer Pick-ups zuständig, denn alles musste seinen festen Platz haben und so angeordnet sein, dass noch 2 Personen bequem Platz auf der Ladefläche nehmen konnten. Da unsere Projekte zu 75 % aus deutschen Steuermitteln finanziert werden, legen wir Wert darauf, dass die Bevölkerung und die Politiker dies auch gebührend wahrnehmen. Hans-Günther und Harry haben daher bei allen Einweihungsfeiern die deutsche Flagge aufgehängt und an allen Schulen ein Schild mit dem Logo unseres Vereins und den Flaggen von Burkina und Deutschland befestigt, das die Inschrift trägt „ Frucht der deutsch-burkinischen Zusammenarbeit“. Über zwei unserer Einweihungsfeiern wurden an 2 verschiedenen Tagen ausführlich in der burkinischen „Tagesschau“ berichtet und auf die Unterstützung Deutschlands im Rahmen der Schulbildung hingewiesen. Viele Personen, die wir anschließend trafen, erkannten uns wieder und bedankten sich für unser Engagement.

Wir waren wieder mit 4 Polizisten unterwegs, die mit Helm und kugelsicheren Westen und schussbereiten Kalachnikows im Freien auf den beiden Pick-ups saßen. Wir selbst haben keine Angst und fänden es besser, als Helfer unbewaffnet durch das Land zu reisen. Aber seitdem wir vor 6 Jahren überfallen und ausgeraubt wurden, ist der Staat sehr um unser Wohl besorgt. Wir werden wie Staatsgäste geschützt. Die 1.Woche unserer Rundreise war vollkommen ungefährlich, und wir wollten daher auf die „Sécurité“ verzichten. Anselm bestand jedoch darauf, dass wir sie mitnahmen, mit dem Hinweis, dass er als Ministerialbeamter erhebliche Schwierigkeiten bekäme, wenn er die angebotenen Sicherheitsbeamten ablehne und uns dann etwas passieren würde. Auch in den Dörfern, wo wir Projekte durchgeführt haben, sind wir in keiner Weise gefährdet. Daher wollen wir bei unserer nächsten Rundreise darauf drängen, dass die Polizisten sich dort unauffällig verhalten, ihre Gewehre im Auto lassen und eventuell in Trainingsanzügen auftreten. Nachts wechseln sie sich übrigens mit der Bewachung ab. Für 3 Polizisten gab es Luftmatratzen und einer war stets wach, schaute in die Runde und beleuchtete mit einer starken Taschenlampe alles, was sich bewegte. Sie begleiten uns übrigens sehr gern, denn eine solche Rundreise ist interessanter als der Dienst in der Kaserne. Man sieht neue Gegenden, kann an Einweihungen teilnehmen und bekommt immer leckeres Essen und viele gute Getränke.

Ich persönlich halte die Rundreisen für absolut notwendig. Es ist wichtig, dass die Afrikaner die Leute kennen lernen, die die Schulen finanziert haben. Sie haben dann eine Vorstellung von uns, können uns ihre Dankbarkeit zeigen und halten die Gebäude besser in Ordnung, weil sie wissen, dass wir wiederkommen. Manchmal sind wir die ersten Weißen, die das Dorf besuchen, und man ist schon ganz aufgeregt, wenn wir kommen. Alle schauen zu, wenn wir im Freien unsere Zelte (Moskitodome) aufschlagen und mancher wird wohl denken, dass wir in Europa immer in Zelten leben. Für mich ist die Rundreise auch persönlich wichtig, denn, wenn ich Tausende von Kinder und Eltern sehe, die sich über die von uns finanzierten Schulen freuen, ist dies ein großer Motivationsschub. Es ist psychisch etwas vollkommen anderes, ob man die Not der Menschen im Fernsehen sieht oder unmittelbar miterlebt. Ich selbst stehe nicht gerne im Mittelpunkt und ich rede auch nicht gerne vor einem großen Publikum, besonders nicht auf Französisch. Ich habe auf dem Gymnasium Latein, Altgriechisch und Englisch gelernt und an Französisch nur als freiwilliger Unterrichtsveranstaltung teilgenommen. Deshalb war ich dankbar, dass Sjef und Jana mich bei den Ansprachen abgelöst haben. Anselm legte jedoch Wert darauf, dass ich bei allen Großveranstaltungen, besonders wenn sie im Fernsehen übertragen wurden, selbst sprach und dabei einen einheimischen Festanzug trug. Da viele Bewohner Analphabeten sind und kein Französisch können, bestand ich darauf, dass meine Worte Satz für Satz in die jeweilige Stammessprache übersetzt wurden.

Wir hielten stets dieselbe Rede, bedankten uns für die Gastfreundschaft, hoben Anselms Leistungen hervor und betonten die Wichtigkeit der Einschulung von Mädchen und dem Pflanzen von Bäumen. Wir wiesen darauf hin, dass unser Hauptgeschenk an die Region der Bau der Schule und des Lehrerhauses sei, da es die Entwicklung voranbringe. Dem Schulleiter überreichten wir einen Fußball mit Pumpe, Weltkarten des BMZs und den Frauen gute Hautcremes der Firma WELEDA, die uns jedes Jahr großzügig mit Cremes und Ölen ausstattet. Für die Lehrer, Schulräte und Bürgermeister gab es solarbetriebene Taschenrechner und für die Dorfchefs und Elternvertreter Taschenmesser.
Unsere
Rundreise ist in den nachfolgenden Reiseberichten sehr ausführlich beschrieben.
Ich will daher nur auf die Punkte eingehen, die mich persönlich berührt haben.
Die ersten Projekte, die wir in Burkina Faso durchgeführt haben, waren die
Brunnenbohrung in Bollé und der Bau der Grundschule in Paspanga.
Dieses Jahr waren wir wieder in Paspanga, denn wir haben diese Schule um 3
Klassen erweitert. Ich erinnerte mich an die damalige Einweihungsfeier, die ich
zusammen mit Birgit Huber 1992 erlebt habe. Nach der Feier war ich vollkommen
erschöpft, ich zog mich sofort in ein Lehrerhaus zurück und lies mich den Rest
des Tages nicht mehr blicken. Entweder war dies eine Auswirkung des
Malariamittels Lariam oder ein Anzeichen von Burnout. Erst als wir mit den
Mopeds wieder die asphaltierte Straße erreicht hatten, kamen die Kräfte wieder.
Da der Chef von Bollé, in dessen Familie ich früher öfter gelebt habe, nicht
nach Paspanga gekommen war, fragte ich einen Mann mit einem Moped, ob er nicht
mit mir mal kurz nach Bollé fahren könne. Das war kein Problem, ich stieg zu
ihm aufs Moped, winkte unseren entsetzten Sicherheitsbeamten noch zum Abschied
zu, und los ging es wie in alten Zeiten. Der Chef von Bollé, der
mittlerweile fast erblindet ist, freute sich riesig über diesen unerwarteten
Besuc
h.
Am nächsten Tag besuchten wir das Collège in Baskouré. Dort haben wir 8 Klassenräume, einen Verwaltungstrakt und 5 Lehrerhäuser gebaut. Bei unserem letzten Besuch hatte ich moniert, dass man keine Bäume gepflanzt habe. In der Zwischenzeit hatte ich Post vom Präfekten bekommen, der mir mitteilte, dass sie zwischenzeitlich viele Bäume gepflanzt hätten. Ich erwartete also einen kleinen Wald rund um die Schulgebäude. Als wir jedoch dort ankamen, musste ich feststellen, dass wirklich sehr viele, recht große Bäume gepflanzt worden waren, aber fast alle eingegangen waren. Die toten Bäume hatte man aber sorgfältig gegossen. Als ich das sah, wurde ich richtig wütend und hielt auch meine Enttäuschung nicht zurück, denn der nächste Brunnen ist nur 100 Meter entfernt. An der nächsten Einweihungsfeier in Kokossin war zufällig der Bürgermeister von Baskouré anwesend. Als ich mich bei ihm beschwerte, behauptete er, der Boden am Collège sei so schlecht, dass keine Bäume wachsen könnten. Als ich darauf hinwies, dass es doch ältere Bäume gäbe, meinte er, dass eben früher der Boden noch besser gewesen sei. Ich weiß nicht, ob ich das glauben soll, aber als Zeichen der Versöhnung haben wir am nächsten Tag doch noch die Gastgeschenke ausgetauscht. Da ist es mir angenehmer, wenn ein Lehrer – wie in Fara – ehrlich erklärt, dass man die falschen Bäume zur falschen Zeit gepflanzt und nicht gepflegt habe und dass man deshalb bei Beginn der nächsten Regenzeit neue Bäume setzen werde.
Umso erfreulicher war unser Besuch in Tandatenga. Diese Grundschule nebst 2 Lehrerhäusern haben wir im Jahr 2007 gebaut und die Bevölkerung hatte sehr schlecht mitgearbeitet. Als wir sie am Morgen des 10. Oktobers 2007 einweihen wollten, war kaum jemand von der Bevölkerung erschienen und auch der Präfekt kam mit einer Stunde Verspätung. Wir waren damals richtig sauer! Dieses Jahr wurden wir von der gesamten Bevölkerung stürmisch begrüßt und gefeiert. 97 Mädchen und 80 Jungen besuchen die Schule und haben zwei sehr engagierte Lehrer. Auf dem Schulhof grünen die verschiedensten Baumarten, sorgfältig in Reih und Glied gepflanzt und regelmäßig gegossen.
Die Einweihungsfeier wurde nachgeholt und wir verließen sehr glücklich diesen Ort.
Wir übernachteten in Dialgay und besuchten am nächsten Morgen den Sonntagsgottesdienst in der katholischen Missionskirche. Wir waren angetan von der Frömmigkeit der Bevölkerung und der Begeisterung des Chors, der von Trommlern begleitet wurde. In Ouahabou, einem muslimischen Dorf, kam der Imam vor unserer Abreise mit großem Gefolge zu uns, wir (nur Männer) saßen in einer Runde und alle beteten lange im Freien für ASAO (so wird unser Verein in Burkina abgekürzt), Anselm und mich. Es ist schon enorm, wie das Leben auf dieser Erde durch die verschiedenen Religionen im Positiven und im Negativen mitgeprägt wird. Im Januar war ich mit der Missionszentrale der Franziskaner 3 Wochen in Südindien. Es handelte sich um eine interkulturelle und interreligiöse Kennenlernreise unter dem Leitwort „ Der eine Geist und die Vielfalt der Religionen “. Wir haben Tempel der Hindus, Sikhs und Buddhisten und auch christliche Ashrams besucht und viele Vorträge gehört. Ferner haben wir die Entwicklungshilfeprojekte der Franziskaner besichtigt. Auch hier war die Bevölkerung sehr dankbar und erfreute uns durch viele Tänze. Meist haben wir in Ordens- und Missionshäuser übernachtet und gegessen. Ich muss aber sagen, dass mir die Dörfer in Westafrika viel besser gefallen – die unzähligen Menschen, der unmögliche Verkehr und die Umweltverschmutzung haben mich emotional sehr belastet und meinen Glauben, dass die Welt sich positiv entwickelt, doch ziemlich erschüttert. Wir können in Europa soviel Treibhausgase sparen wie wir wollen – wenn in Indien und China jeder ein Auto fährt, wird dies alles nichts nützen. In Indien hat die Ausbildung höchste Priorität, in Burkina Faso sind die Schulen fast 5 Monate im Jahr wegen der Schulferien geschlossen. Indien und China hatten schon vor Europa und Afrika eine hohe Kultur und auch eine Schrift und können sich daher viel schneller als Afrika entwickeln. Entwicklung braucht Zeit, auch wenn wir oft ungeduldig werden, und ohne Bildung gibt es keine Entwicklung.

Seit August arbeitet Jana Marxen im Rahmen eines freiwilligen sozialen Jahres in dem Mädcheninternat der Ordensschwester Véronique in Banfora. Matthias Boll hat über den Entsendungsverein Sophia des Bistums Trier diesen Aufenthalt ermöglicht. Jana hat gerade ihr Abitur gemacht und ist voller Tatendrang und offen für alles Neue. Damit Jana sinnvoll arbeiten kann, hat unser Verein das Internat mit 5 neuen Computern ausgestattet. Jana zeigt nun den Mädchen des Internats und auch interessierten Frauen aus Banfora den Umgang mit einem Computer. Dies erscheint mir viel sinnvoller, als Frauen das Nähen und Sticken beizubringen, denn Schneider gibt es genug in Burkina.
Eine weitere Aufgabe von ihr ist es, Aufklärungsunterricht zu erteilen. An unseren Collèges werden von den 12 – 16 Jahre alten Mädchen sehr viele ungewollt schwanger und brechen ihre Ausbildung ab. Sie sind einfach nicht aufgeklärt und niemand spricht über dieses „heiße“ Thema. Selbst in dem Mädcheninternat wird fast jedes Jahr eine Schülerin schwanger. Auch in Deutschland war die Sexualität vor nicht allzu langer Zeit ein Tabu und viele Eltern regten sich auf, als in den Schulen mit dem Aufklärungsunterricht begonnen wurde. Wir haben einen Beamer, Verstärker, Lautsprecher, eine Leinwand und ein Stromaggregat nach Burkina geschickt und die Firma TECHNISAT hat uns einen sehr großen und einen kleinen Flachbildfernseher nebst DVD-Playern geschenkt. Jana wird nun den Schülerinnen ein in Burkina Faso aufgenommenes DVD zeigen und sie auf die Problematik hinweisen. Auf unserer Rundreise haben wir zu Demonstrationszwecken schon eifrig auf den Märkten Kondome gekauft, denn auch Aids spielt in Burkina Faso eine Rolle.
Die Ordensschwester Véronique hat sich bereit erklärt, auf diesem Gebiet mit uns zusammenzuarbeiten. Sie hat die 26 Jahre alte Schwester Celine, die Abitur hat, für diese Aufgabe freigestellt. Jana und Celine haben mit der Aufklärungsarbeit erst einmal im Internat begonnen. Alles ist sehr schwierig, denn Begriffe wie Scheide, Sperma, Erektion...sind unbekannt und die Mädchen hatten unzählige Fragen, was die Menstruation betrifft. Mit Veronique habe ich vereinbart, dass ich damit einverstanden bin, dass Celine den Mädchen Enthaltsamkeit empfiehlt, aber ihnen auch sagt, dass sie, wenn sie dies nicht sind, verhüten sollten und Kondome dafür ein geeignetes Mittel sind. Wir haben unseren älteren Allrad nach Banfora gebracht und dem Foyer für die Aufklärungsarbeit zur Verfügung gestellt. Wir werden Celine mit 10 Euro pro Tag für ihre Arbeit entlohnen und den Diesel bezahlen. Wir sind gespannt, ob dies alles so klappt, wie wir es erhoffen. Sie sollen nach Absprache mit den Schulleitern zu den von uns finanzierten Collèges fahren und in Anwesenheit des Biologielehrers und einer Lehrerin die Mädchen aufklären. Anselm meint, dass könne nicht gut gehen, denn in Burkina dürfe eine katholische Ordensschwester das Wort „Verhütung“ nicht in den Mund nehmen. Erst wenn ich sicher bin, dass eine langfristige Aufklärungsarbeit gewährleistet ist, werde ich einen neuen Allrad bestellen und nach Burkina verschiffen lassen, denn der alte Allrad hat bereits über 250.000 „afrikanische Kilometer“ hinter sich und ist fast schrottreif.
Wie man auf der Rückseite des Deckblattes lesen kann, haben bzw. werden wir im Jahre 2009 über 1,2 Millionen Euro in Burkina Faso investieren. Vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) haben wir einen Zuschuss von 913.029 Euro erhalten und ca. 291.000 Euro werden wir aus Spendengeldern dort ausgeben. Wir haben 31 Grundschulen, 9 Collèges und 34 Lehrerhäuser gebaut bzw. werden sie noch fertig stellen und 2 Brunnen gebohrt. In den Orten Oueffin und Rana konnten wir keine Schulen bauen, da die Bevölkerung nicht rechtzeitig Sand und Kies gesammelt hatte. Beide Orte erhalten aber 2010 eine neue Chance. Nur wenn die Bevölkerung selbst mitarbeitet, führen wir Projekte durch. Nur dann wird sie sich mit dem Projekt identifizieren und die Gebäude auch in Ordnung halten. Es kann nicht sein, dass nur wir in Europa allein für die afrikanischen Schulen arbeiten und schuften, während die afrikanischen Männer unter dem Palaverbaum sitzen.
Wenn alle 129 neu gebauten Klassen belegt sind, stehen für rund 9.000 Kinder dauerhaft neue Schulplätze zur Verfügung und jeder neue Schulplatz hat nur 130 Euro gekostet.
Wir möchten uns bei all unseren Spendern für ihr Vertrauen und ihre Großzügigkeit bedanken. Bei den Damen und Herren des BMZs bedanken wir uns für den sehr hohen Zuschuss und die sehr zügige Bearbeitung unseres Antrags.
Margret Junk von der Antragsvorprüfstelle BENGO hatte uns geraten, unseren Projektantrag bereits Ende August und nicht erst im November beim BMZ einzureichen, um die Auszahlung eines Teilbetrages noch vor Jahresschluss zu erreichen und nicht von der Verabschiedung des Bundeshaushalts abhängig zu sein.
Wir können versichern, dass wir mit den Steuermitteln und unseren Spendengeldern sehr sparsam umgehen. Unsere Verwaltungskosten betragen nur 0,46 % unserer Investitionsausgaben in Burkina Faso und werden fast ausschließlich für den Kauf von Briefmarken und den Druck des Jahresberichtes ausgegeben.
Alle Angaben unserer Projektpartner werden sorgfältig von uns bzw. unserem Repräsentanten überprüft. Das BMZ hat uns sogar erlaubt, Projektorte ohne besondere Genehmigung auszutauschen, falls die Bevölkerung nicht mitarbeitet und der Finanzierungsrahmen im alten Umfang erhalten bleibt.
Anselm Sanou scannt am Monatsanfang den
Kontoauszug unseres Vereinskonto in Ouagadougou ein und mailt ihn mir zu. In
meinem Büro wird noch am selben Tag „das afrikanische Buchungsjournal“ auf den
neuesten Stand gebracht, die Ausgaben den einzelnen Schulbauprojekten zugeordnet
und am Abend erhält Anselm eine genaue Aufstellung, welche Beträge für welche
Schulbauten noch offen stehen. Nur so ist eine genaue Überwachung möglich und
nur so können Doppelzahlungen vermieden werden!
Mittlerweile haben wir 128 Grundschulen (388 Klassen), 51 Collèges (266 Klassen) und 311 Lehrerhäuser in Burkina Faso gebaut und 60 Tiefbrunnen gebohrt. Wir haben uns auf den Bau von Schulen spezialisiert und mittlerweile so viel Erfahrung, dass man uns kaum mehr täuschen kann. Wir arbeiten möglichst immer mit denselben Unternehmen zusammen, die uns konkurrenzlos günstige Preise bieten und gute Arbeit leisten, da sie auch in Zukunft von uns Aufträge erhalten wollen. Die vom Staat gebauten Schulen sind fast doppelt so teuer wie unsere Schulen! Übrigens verdient ein Vorarbeiter an unseren Schulen 3,81 Euro und ein normaler Maurer 2,29 Euro pro Tag.
Es hat sich bewährt, dass wir eine Bauingenieurin beschäftigen, die alle Baustellen mehrfach besucht und überwacht. Ich habe auf der gesamten Rundreise keinerlei Baumängel festgestellt. Ich finde es toll, dass wir eine junge Frau gefunden haben, die in dieser patriarchalischen Gesellschaft in der Lage ist, den Bauarbeitern auf die Finger zu schauen und auch deutlich ihre Meinung zu sagen. Sie verdient am Tag 25 Euro und unser Chauffeur ist fest angestellt zu einem Monatsentgelt von 94 Euro.
Wir haben einen Fragebogen entwickelt, der von den Dörfern ausgefüllt werden muss. Darin muss man angeben, wie viel Leute im Umkreis von 4 km um die geplante Grundschule wohnen, wie viele grundschulpflichtige Kinder es dort gibt (erfahrungsgemäß 20 % der Gesamtbevölkerung!), wie viele von diesen Kindern eine Schule besuchen und wie weit die nächste Grundschule und der nächste Tiefbrunnen entfernt ist. Gleichzeitig muss der Verein und der Ansprechpartner benannt werden, der sich vor Ort um den Schulbau kümmern wird. Mit der Unterschrift unter dem Fragebogen erkennt man unsere Bedingungen an: Man verpflichtet sich Sand und Steine zu sammeln, 5 Personen unentgeltlich für Handlangerdienste während der Bauphase zur Verfügung zu stellen, zahlreiche Bäume zu pflanzen und 150 Euro pro Jahr für die Unterhaltung einer Pumpe einzusammeln.
Unsere Projekte für das Jahr 2010
Wenn ein Collège (Klassenstufen 7 – 10) neu eröffnet wird, verlangt der Staat den Bau eines Verwaltungsgebäudes mit einem Lehrerzimmer, jeweils einem Büro für den Direktor, die Sekretärin und für den Ökonom (die Person, die das Schulgeld einzieht und verwaltet). Ein solches aufwendiges Verwaltungsgebäude kostet uns 10.500 Euro - 4 Schulklassen mit Bibliothekraum kosten 21.300 Euro. Bei einer Neueröffnung gibt es aber meist nur 3 Lehrer und der Verwaltungstrakt wird fast nicht genutzt. Erst wenn das Collège zweizügig geführt wird und es 8 Klassen gibt, wird Platz für die Verwaltung benötigt.
Wir wollen nun im nächsten Jahr vorerst bei Neueröffnungen keine Verwaltungsgebäude mehr finanzieren, sondern stattdessen mehr Klassenräume bauen, denn diese werden dringend benötigt. Den Bibliotheksraum, der meist auch leer stand, haben wir – ohne die überbaute Fläche zu verändern - an die Außenseite des Klassentraktes verlegt, durch eine Zwischenwand unterteilt und mit 2 Türen von außen versehen. So entstehen 2 getrennte Büroräume von 25 qm bzw. 23 qm und dies reicht nach unserer Auffassung aus, die „Verwaltung“ unterzubringen. Unser Vereinsmitglied und Architektin Heike Plein hat maßstabsgerechte Ausführungspläne erstellt, die wir nach Burkina Faso geschickt haben, damit die neuen Collèges nach diesen neuen Plänen gebaut werden können.
In meinen Unterlagen befinden sich Anträge für mehr als 90 Grundschulen und für mehr als 50 Collèges. Alle Angaben übertragen wir in eine „Prioritätenliste“, um sie miteinander vergleichen und um die Dringlichkeit der einzelnen Projekte erkennen zu können. Aus logistischen Gründen ist es nicht möglich, einzelne Schule in weit abgelegenen Gebieten zu bauen, sondern wir müssen uns auf einzelne Provinzen konzentrieren, damit die Realisierung so vieler Projekte überhaupt noch möglich ist. Im darauf folgenden Jahr werden dann andere Gegenden bevorzugt.
Am Tag unserer Abreise besuchte uns der Bürgermeister von Tongomayel im Norden von Burkina Faso, einer großen Stadt, 18 km von Djibo entfernt zusammen mit dem Schulleiter des dortigen Collèges. Dort hat man, obwohl es keinerlei Schulgebäude gibt, 2008 95 Kinder eingeschult. 2009 hat man zwei weitere Eingangsklassen mit jeweils 120 Kindern pro Klasse eingeschult. Alle 335 Kinder werden notdürftig in anderen Gebäuden bzw. leer stehenden Hallen unterrichtet und im Herbst 2010 kommen wieder rund 240 Kinder dazu. Der Staat kümmert sich nicht um diesen Ort, der in der Sahelzone liegt, obwohl er dort den Bau eines Collèges seit geraumer Zeit vorgesehen hat!!
Auch von Boena, einem großen Ort in der Provinz Ganzourgou, kam eine 6-köpfige Delegation. Im Umkreis von 10 km leben über 30.000 Menschen. Es gibt dort 12 Grundschulen mit über 2.200 Schülern, d.h. über 350 Schulabgänger pro Schuljahr. Diese Kinder haben nicht die Möglichkeit, sich nach dem Grundschulabschluss weiterzubilden. Die Grundschule dauert 6 Jahre und mit 12 Jahren verlassen die Kinder die Schule. Ihnen fehlt ein guter Schulabschluss, mit dem man anspruchsvolle Berufe erlernen kann. Das nächste Collège ist in Nédogo, 25 km entfernt. Es wurde von uns im Jahr 2008 finanziert und ist mit 2 Eingangsklassen von jeweils 120 Schülern schon jetzt überfüllt.

Wir wollen daher im nächsten Jahr den Bau von 7 Verwaltungsgebäuden absagen und stattdessen in Tongomayel und Boena jeweils 4 Klassen und 1 Lehrerhaus bauen.
Wir haben beim BMZ einen Zuschuss von insgesamt 969.852 Euro beantragt und wollen mit einer Investitionssumme von 1.243.400 Euro 14 Collèges, 28 Grundschulen und 35 Lehrerhäuser wie folgt errichten:
1. Grundschule Tagho, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.754 EUR
2. Grundschule Daffolé, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.754 EUR
3. Grundschule Tamidou, Zaun, Abort, Schulküche, Bänke 19.815 EUR
4. Grundschule Noatenga, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.754 EUR
5. Grundschule Oueffin, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.754 EUR
6. Grundschule Leda, Zaun, Abort, Schulküche, Bänke 19.815 EUR
7. Grundschule Bazoulé, Bänke 16.736 EUR
8. Grundschule Rana, Zaun, Abort, Schulküche, Bänke 19.815 EUR
9. Grundschule Tiogo, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.754 EUR
10. Grundschule Panassin, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.754 EUR
11. Grundschule Kovri, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.754 EUR
12. Grundschule Poé, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.754 EUR
13. Grundschule Pâ, Zaun, Abort, Schulküche, Bänke 19.815 EUR
14. Grundschule Kopolé, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.754 EUR
15. Grundschule Kayao, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.776 EUR
16. Grundschule Wara – nur 2 Klassen, Bänke 10.401 EUR
17. Grundschule Boborola, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.776 EUR
18. Grundschule Borodougou, Zaun, Abort, Schulküche, Bänke 19.837 EUR
19. Grundschule Satiri, Zaun, Abort, Schulküche, Bänke 19.837 EUR
20. Grundschule Silmimossi, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.776 EUR
21. Grundschule Bama F., Zaun, Abort, Schulküche, Bänke 19.837 EUR
22. Grundschule Soungalodago – nur 2 Klassen, Bänke 10.401 EUR
23. Grundschule Lerasso, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.776 EUR
24. Grundschule Koumandara, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.776 EUR
25. Grundschule Gnafango, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.776 EUR
26. Grundschule Diarabakoko, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.776 EUR
27. Grundschule Kitombama-Marébama, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.776 EUR
28. Grundschule Mouroukoudougou, Zaun, Abort, Schulküche, 1 Lehrerhaus, Bänke 26.776 EUR
29. Collège Ingané, Zaun, Abort, Küche, 3 Lehrerhäuser, Bänke 48.369 EUR
30. Collège Tongomayel, Zaun, Abort, Küche, 1 Lehrerhaus, Bänke 35.480 EUR
31. Collège Bemasilmi-Mossi, Zaun, Abort, Küche, 3 Lehrerhäuser, Bänke 48.369 EUR
32. Collège Tanghin, Zaun, Abort, Küche, 3 Lehrerhäuser, Bänke 48.369 EUR
33. Collège Boena, Zaun, Abort, Küche, 1 Lehrerhaus, Bänke 35.480 EUR
34. Collège Ouaregou, Zaun, Abort, Küche, 3 Lehrerhäuser, Bänke 48.369 EUR
35. Collège Bissiga, Bänke 25.436 EUR
36. Collège Yargatenga, Bänke 25.436 EUR
37. Collège Balavé, Bänke 25.490 EUR
38. Collège Tierkou, Zaun, Abort, Küche, 3 Lehrerhäuser, Bänke 48.369 EUR
39. Collège Kroukan, Zaun, Abort, Küche, Bänke 29.090 EUR
40. Collège Kayan, Bänke 25.490 EUR
41. Collège Farako-bâ, Zaun, Abort, Küche, Bänke 29.090 EUR
42. Collège Soubakaniedougou, Bänke 25.490 EUR
43. restliche Bänke für 14 Hauptschulen aus 2008 40.334 EUR
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Investitionssumme:
1.196.794 EUR
44. neues Fahrzeug 22.760 EUR
45. Personal- und Fahrzeugkosten, Überweisungskosten, 23.900 EUR
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Projekte mit dem BMZ
insgesamt
1.243.400 EUR
Abzüglich Zuschuss des
BMZ
969.852 EUR
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Eigenanteil unseres Vereins an den Projekten mit dem
BMZ 273.548EUR
46. Schulgeld, Unterkunft der Mädchen im Foyer Sainte Monique und Studentinnen 13.000 EUR
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Erforderliche Spendensumme
2010
286.548 EUR
Gesamtinvestition in Burkina
Faso
1.256.400 EUR
Ausblick
Wir gehen davon aus, dass wir nächstes Jahr wieder in den Herbstferien, also vom 09.10. – 24.10.2010, nach Burkina Faso fahren. Wer mitfliegen will, keine Angst hat und sich körperlich und psychisch fit fühlt, sollte bis Ende Februar mit mir Kontakt aufnehmen, da wir die Flüge schon sehr früh buchen müssen.
Schon jetzt laden wir herzlich zu einem Treffen am Freitag, den 26. Februar 2010, um 20 Uhr in das Pfarrheim Hillesheim ein. Wir werden ein DVD über unsere Rundreise zeigen. Wer sich mehr für unsere Arbeit interessiert, ist auch in der Mitgliederversammlung unseres Vereins um 19 Uhr gern gesehen.
Ich bin auch gerne bereit, Interessierten eine Kopie des DVDs zuzusenden. Wer über unsere Arbeit öfter unterrichtet werden will, kann mir seine E-Mail-Adresse mitteilen oder sich auf unserer Homepage www.solidaritaetskreis.de unterrichten.
Ich möchte mich bei all unseren Spendern ganz herzlich für ihre Großzügigkeit bedanken. Es ist schon erstaunlich, dass wir ein Spendenaufkommen von ca. 250.000 Euro im Jahr haben, aber im nächsten Jahr brauchen wir noch mehr Geld. Wir haben nicht sehr viele Spender, aber die Personen, die uns unterstützen, tun dies oft regelmäßig seit vielen Jahren. Im Regelfall brauchen wir für den Neubau einer Schule nur 25 % der Kosten aufzubringen. 75 % der Kosten trägt das BMZ. So „vervierfacht“ sich jeder gespendete Euro und nur so können wir derart viele Projekte verwirklichen.

Immer mehr Gelder bekommen wir dadurch, dass Personen auf private Geburtstagsgeschenke oder auf Blumen und Kränze bei Beerdigungen verzichten und stattdessen ihre Freunde bitten, unserem Verein eine Spende zukommen zu lassen. Ben Schauster hat mit seinem Team auch dieses Jahr wieder das Westafrika-Festival ausgerichtet und uns den Reinerlös zur Verfügung gestellt. Die Lions-Clubs von Daun und Bitburg, die Soroptimisten von Bitburg und Round Table Daun haben uns hohe Beträge überwiesen.
Ohne Ihre Spende und die großzügige Unterstützung des Ehepaares Lepper und ihrer Firmen TECHNISAT und TPS, der IbR Gesellschaft für Geoinformationen mbH und der Annemarie und Helmut Börner-Stiftung wäre es nicht möglich, im nächsten Jahr 42 Schulen bzw. 140 neue Klassen zu finanzieren und dadurch für rund 10.000 Kinder neue Schulplätze zu schaffen.
Wir danken für das Vertrauen, das Sie uns entgegenbringen. Sie können sicher sein, dass wir das gespendete Geld sehr sorgfältig und effektiv investieren werden.
Es grüßt herzlich