Unsere Reise

 

Sonntag, den 05.10.2008  -  Susanne Steuer

 

Nachdem wir uns in der ersten Nacht unserer Reise den Speck von den Knochen schwitzten, den wir uns am Abend zuvor angegessen hatten,  gab es am Morgen gleich wieder ein ausgedehntes, reichhaltiges Frühstück bei Familie Sanou. Wir schlugen uns den Magen voll (nicht zum letzten Mal auf dieser Reise!) mit Kaffee, Tee, Brot, Omelette, Marmelade, Melone und Papaya, während vor dem Haus ein Polizeikonvoi anrückte. Aha, unsere Leibgarde. Vier junge, sportliche, attraktive Männer, bepanzert und bewaffnet bis an die Zähne. Gemischte Reaktionen folgten: einerseits Erleichterung, dass uns mit denen ganz sicher nichts passieren könne; andererseits die Befürchtung, dass schon der reine Anblick von diesen Jungs Banditen anziehen würde. Schließlich könnten wir ja auch ein Goldtransporter sein…

Nach einer kleinen Abschiedszeremonie durfte Bernhard seine Fahrkünste  bei  burkinischen Straßenverhältnissen unter Beweis stellen: Fahrräder und Motos, die immer wieder gefährlich und unerwartet auf die Fahrbahn ausscherten, Hühner und Ziegen, die plötzlich aus dem Nichts auftauchen und riesige, überladene LKWs, die kurz vorm Kippen waren. Und dazu afrikanische Verhältnisse im Auto: zu dritt vorne, einer halb auf dem Schoss vom Fahrer und eine Bullenhitze im hinteren Teil des Autos.

 

Nach einem kurzen Besuch des CEG in Siby, das in einem guten Zustand vorgefunden wurde (Charly, das hab ich für dich notiert), gab's noch ein viel besseres Mittagessen beim Bürgermeister.  Unser erstes Hühnchen schmeckte ausgezeichnet. Und als dann noch das Sparbuch der Communauté ein Plus aufwies, konnten wir uns getrost einer teilweise vom guten burkinischen Bier durchtränkten Mittagsdösigkeit hingeben.

 

Auf der Weiterfahrt nach Kalembouly durfte dann Ingo mal ans Steuer und fand es wahnsinnig gut, den wahnsinnig tiefen Fluss zu durchqueren und in schnellem Tempo über die Sandpiste zu preschen- natürlich alles in wahnsinnig schöner Natur mit netten Mitfahrern. Ingo, du hast uns immer wieder gezeigt, wie schön Burkina doch ist und wie eindrucksvoll. Manchmal vergisst man das zu schnell. Es hat echt wahnsinnig viel Spaß gemacht, mit dir/euch zusammen das Land zu erkunden.

  

Der Empfang in Kalembouly raubte uns dann allen ein bisschen die Sprache. Es gab ein großes Willkommensfest mit Maskentanz, Trommeln und traditionellem Frauentanz. Es schien, als ob mindestens das ganze Dorf plus sonstiger Verwandten, Bekannten und Freunde anwesend war und ihre Freude und Aufregung lag spürbar in der Luft. Auch Charly schloss sich dieser freudigen Menge an und vollführte eine seiner legendären afro-germano Tanzeinlagen. Charly, so fit wie du bist, kannst du nochmal vierzehnmal nach Burkina fahren. Einheizen kannst du ja und steife Atmosphären auflockern auch.
Ja, und auch Frau „haute commissaire“ durfte sich über ein wie es schien extra für sie angefertigtes XXXXL- T-Shirt von ASAO freuen.

 

Nach dem Banddurchschneiden und dem Baumpflanzen gab es mal wieder Essen und Trinken für alle. Ich hatte keine Lust, schon wieder meinen Magen zu belasten und drehte lieber eine Runde durch das Dorf. Enge Gassen und alte verfallene Häuser prägten das Bild.
Wir wurden in dem Haus vom Colonel des Dorfes untergebracht und mussten, wie mir schien, eine Ewigkeit auf Wasser zum Waschen warten. In dem Moment schien mir, als würden wir immer nur essen, sitzen, palavern, essen, sitzen, palavern…  In den nächsten Tagen schloss ich mich deshalb des Öfteren Charly an und tanzte ein- zwei Runden mit der Bevölkerung.

 

Auch an diesem Abend gingen wir noch ein bisschen auf die Piste. Zuvor diskutierten wir jedoch noch intensiv mit dem Dorfbewohnern über Themen wie Europa, Auswanderung, Polygamie und ob man zwei Menschen gleichzeitig  lieben kann und das dann vorzugsweise noch in der gleichen Intensität. Die Meinungen fielen gemischt aus und regten zum Nachdenken an.

 

Um 21:30 Uhr war dann Abmarsch in Richtung Dorfdisko angesagt. Ingo, Matthias und ich staunten nicht schlecht über den vielen Betrieb im Dorf um diese Zeit. Und nachdem wir uns eine halbe Stunde auf der Tanzfläche den afrikanischen Rhythmen angepasst hatten, war neben uns derweil das Gedränge so dicht, dass man fast keinen Platz mehr fand. Wir drei Europäer haben uns angemessen präsentiert und sind neben den Afrikanern gut abgegangen.  Unter einem so schönen Sternhimmel bei warmen Temperaturen zu tanzen machte einfach Freude. Und verschwitzt ins Zelt geschlüpft wäre man auch ohne zu tanzen.

 

 

Montag, den 06.10.2008  -  Matthias Boll

 

Die Nächte Burkinas sind kurz – zumindest für diejenigen, die das offizielle Programm noch durch den Besuch auf Festen der Dorfjugend ausdehnen, oder Susanne und Ingo? – denn nicht nur in unserer deutsch-französischen Zeltstadt erwacht man bereits mit den ersten Sonnenstrahlen. Und in den nächsten Tagen werden wir auch zu schätzen lernen, welche Vorteile ein Leben im Einklang mit den Zeiten der Natur bietet. Denn nur als Hintergrundinfo: wer halbwegs erträgliche Temperaturen sucht, der bewege sich zwischen 5 und 9 Uhr morgens und wer sein Zelt nicht im Dunkeln aufbauen möchte, der suche sich seinen Schlafplatz vor 18 Uhr.

Zurück nach Kalembouly: Nach einem europäischen Frühstück (von der Ortsbevölkerung aufgetischte Hühnchen mit Reis wurden zur Stärkung an unsere vier Sicherheitskräfte weitergereicht) trennen sich heute die Wege unserer Großgruppe. Um möglichst viele von ASAO unterstützten Projekte in der Kürze der 14-tägigen Reise besichtigen zu können, fahren zwei Fahrzeuge mit Charly, Anselm & Co. weiter Richtung Bah, während sich Götz & Co. nach Yéguéresso aufmachen. Am Donnerstag sollen sich in Faramana, an der Grenze zu Mali, dann wieder beide Wege kreuzen.

 

Im Team von Charly, Anselm & Co. geht es für uns über eine Sandpiste zurück nach Boromo, einen etwas größeren Ort auf halber Strecke zwischen Ouagadougou und Bobo-Dioulasso, der zweitgrößten Stadt Burkina Fasos, die zugleich Wirtschaftszentrum des Landes ist. Hier in Boromo, wo sich in der Trockenzeit (aktuell befinden wir uns am Ende der Regenzeit) Elefanten und andere exotische Tiere beobachten lassen, legen wir einen ersten Zwischenstopp ein, um über den Markt zu schlendern und unsere Vorräte an Wasser, Bananen und guter Musik (Kassetten burkinischer Fetenhits) für die kommenden Pistenkilometer aufzufüllen.   

 

Um 10 Uhr 30 geht es dann im Konvoi von Boromo auf der gut ausgebauten, asphaltierten Straße weiter Richtung Westen zum nächsten Etappenort: Ouahabou. In Ouahabou, eine fast ausschließlich muslimische Einwohner zählende Gemeinde, soll zum 1. November dieses Jahres mit dem Bau eines Collèges begonnen werden. Grundsätzlich wird von ASAO bei der Realisierung der Schulprojekte immer ein (Mindest)Engagement der Ortsbevölkerung gefordert. Dies umfast insbesondere die Vorbereitung der Baustelle, d.h. es müssen Sand, Kies und große Wackersteine am Bauplatz bereitgestellt werden. Leider finden wir in Ouahabou zwar emsige Männer, aber sonst nur blühende Landschaften. Nach unserer Ansicht konnten die Vorbereitungen erst in den letzten Tagen begonnen haben und sind in keinem Falle ausreichend, um einen Baubeginn in 3 Wochen zu ermöglichen. Angesichts der Tatsache, dass alle Verantwortliche bereits vor mehreren Monaten informiert und mit den Arbeiten beauftragt worden waren, steht Charly für diese Reise erstmals ein gewisser Ärger ins Gesicht geschrieben. Um sicherzustellen, dass unser Besuch ein Umdenken bzw. mehr Engagement von Seiten der Einwohner Ouahabous bewirkt, verlangen wir nach dem Dorfältesten. In der folgenden durch Anselm in die Lokalsprache übersetzten Unterredung nimmt Charly schließlich auch kein Blatt vor den Mund, um ASAOs Erwartungen und Bedingungen an eine fruchtbare Zusammenarbeit deutlich zu machen. Es wird nochmals unterstrichen, dass ASAO viele weitere Projekte in gleichem Stadium betreut und natürlich dort zuerst gebaut wird, wo alle Bedingungen der Zusammenarbeit erfüllt sind. Es ist für uns natürlich nur sehr schwer verständlich, warum in einem Land, das zur Zeit eine Einschulungsquote von gerade einmal 40% aufweist, es manchmal problematisch ist, die Mithilfe zur Errichtung der Gebäude sicherzustellen.

 

Der Dorfälteste erklärt uns den Verzug mit „altbekannten“ Argumenten wie z.B. dass aktuell die Arbeit auf den Feldern im Vordergrund stünde und alle Männer ausgelastet seien. Mit Blick auf die bereits vor Monaten gefassten Absprachen, treffen diese Argumente nicht auf Charlys Verständnis und es wird ein neuer Besuchstermin zur Fortschrittsbetrachtung durch Anselm beschlossen. Anschließend konnte die Stimmung jedoch mit einem gemeinsamen Tee und einer Führung durch die prächtige Moschee Ouahabous wieder aufgelockert werden. Es handelte sich um eine sehr, sehr alte Lehmmoschee. Auch unsere Frauen durften mit in die Moschee, nachdem sie versicherten, dass sie nicht ihre Tage hatten. In der Moschee gab es viele Zwischenwände und es war sehr dunkel. Wir durften sogar auf das Dach der Moschee steigen, von dem man eine herrliche Aussicht auf die Umgebung hatte. Zum Schluss verabschiedeten wir uns im Guten von den zahlreichen Dorfbewohnern, die durch die spontan einberufene Versammlung alle angelockt wurden.

 

Zurück auf der breiten Nationalstraße Richtung Bobo-Dioulasso fahren wir an dichten Hirsefeldern entlang. Die mannshohen Hirsepflanzen sehen aus wie hochgewachsener Mais, an dem die Kolben fehlen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, das durch eine früh einsetzende Dürre gekennzeichnet war, fallen die Prognosen der diesjährigen Ernte sehr gut aus und das ganze Land wartet auf die neue Hirse, um die eigenen Vorräte aufzufüllen. Parallel zur asphaltierten Straße verläuft eine Sandpiste, wahrscheinlich der alte Teil der Nationalstraße. Diese ist jetzt für die zahlreichen Fußgänger, Fahrräder und Eselskarren reserviert.

 

Nach knapp 2 Stunden Fahrzeit empfängt uns eine kleine Delegation des Dorfes Bah, unserem heutigen Etappenziel, an der Nationalstraße, um uns per Moped den Weg über die verbleibenden 15 Pistenkilometer zu zeigen. Wir verlassen also den „goudron“ (Asphalt - wie man landestypisch alle befestigten Hauptstraßen bezeichnet) und bahnen uns den Weg „en brousse“ (in den Busch – allgemein wird „brousse“ als Gegensatz zu „ville“ gesehen). Plötzlich, vielleicht zwei Kilometer vor dem eigentlichen Ort, bemerken wir, wie immer mehr Leute und insbesondere Kinder aus den im Umland liegenden Häusern zur Straße strömen und sich unserem Konvoi Richtung Schule anschließen. Es ist für uns unglaublich zu sehen, wie viele Menschen hier in kleinen, versteckt gelegenen Siedlungen wohnen und alle von unserer Ankunft informiert sind oder gerade per Mundpropaganda davon erfahren. Jetzt macht man sich ein Bild davon, wie viele Kinder ein afrikanisches Dorf haben kann (mit durchschnittlich 6,5 Kindern pro Frau liegt Burkina Faso in der weltweiten Spitzengruppe, was die Geburtenrate angeht). Es entwickelt sich zu einem wahren Ansturm hinter unseren beiden Fahrzeugen. Selbst die beiden Sicherheitskräfte sind von der Begeisterung mitgerissen und lassen zwei Jungs auf unseren Wagen steigen. Man glaubt seinen eigenen Augen nicht, ich sehe sicherlich mehrere hundert Kinder und Jugendliche, die singend und winkend unsere Einfahrt in diesen Ort zu einem unvergesslichen Volkslauf werden lassen. (Und auch im Rückblick nach Ende der Rundreise, wird mir dieser Empfang als etwas ganz besonderes in Erinnerung bleiben.)

 

In Bah angekommen nehmen wir uns 5 Minuten Zeit zum Verschnaufen. Charly und Anselm werfen sich ihre Boubous, das traditionelle Gewand der Burkiner, über und die Einweihungszeremonie kann beginnen...Neben den Festreden der örtlichen Vertreter aus Politik und Verwaltung, können wir wieder besonders tolle Tänze und musikalische Darbietungen kennen lernen. Schon in den ersten Minuten merken wir, dass hier eine ganz andere Begeisterung und ein anderes Engagement herrschen als wir es noch heute Morgen in Ouahabou erleben durften. Besonders eindrucksvoll ist wiederum der Maskentanz, den ich als Europäer aufgrund seiner Ausdruckskraft und Exotik einfach nur bestaunen kann, mir aber für ein wirkliches Verständnis die Kenntnis über die spirituelle Bedeutung der Tänze in der Kultur der Burkinabè fehlt.

 

Neben seinem schon erwähnten danse afro-germano kann Charly heute mit einem Ritt auf dem Ziegenbock das Protokoll der Zeremonie auflockern und die Zuschauer mit deutscher Spontaneität und Herzlichkeit begeistern. Auch wenn die Festreden der einzelnen Repräsentanten sehr formell waren und mir weit weniger in Erinnerung blieben als die übrigen Programmpunkte, so möchte ich kurz eine häufig zu hörende Schlussformel herausgreifen. Nicht nur in Bah, sondern auch an anderen Orten hieß es einige Male am Ende der Rede: „Dieu vous remercie“ – Gott danke euch. Hiermit möchte ich nicht unser Engagement oder den Beitrag ASAOs in göttliche Sphären heben. Nein – ich möchte dies nur als kleines Beispiel für die große Spiritualität und starke Verwurzelung des Glaubens im burkinischen Alltag nennen, wie sie mir auch während meines weiteren Aufenthaltes in Burkina Faso häufig begegnete.

 

 

Montag, den 6.10.08 – Rita Krieger (Gruppe Götz Krieger)

 

Nach vier Jahren Pause nehme ich wieder an der Herbstreise des Solidaritätskreises nach Burkina Faso teil. Zwischendurch habe ich andere Länder besucht, z.B. Ruanda. Ein bisschen mulmig ist mir schon zumute, denn bei meinem letzten Aufenthalt im Land anno 2003 wurden wir von drei bewaffneten Straßenräubern überfallen. Damals hatte ich Todesangst und konnte mich erst wieder beruhigen, als wir merkten, dass sie „nur“ unser Geld wollten.

Aber während der gesamten diesjährigen Reise hatte ich ein gutes Gefühl, keinerlei Angst und als wir am ersten Abend in Anselms großem Hof saßen und ich viele Bekannte wieder sah und herzlich willkommen geheißen wurde,  hatte ich das Gefühl „nach Hause zu kommen“. Gleiches erlebte ich in Banfora, zumal wir mit Véronique, Elise und Cécile diesen Sommer eine schöne Zeit bei uns in Hillesheim erlebt und eigentlich auch ständigen Kontakt haben.

 

Zum vorerst  letzten Mal übernachten alle drei Gruppen zusammen  in Kalembouly , dann trennen wir uns, die beiden anderen Allradfahrzeuge fahren mit jeweils zwei bis an die Zähne bewaffneten Sécurité-Leuten (entspricht  etwa unserem Grenzschutz) eine andere Strecke, damit wir es zeitlich schaffen, in den 14 Tagen unsere etwa 30 bis 40 Schulen zu besuchen.

Yves und Claudine, unsere Freunde aus Orléans, Jeannine aus der Bretagne und ich fahren mit Götz ohne Sécurité, da in unserem  Fahrzeug kein Platz mehr frei ist.

 

Nach dem Aufwachen trete ich (unbeabsichtigt) ins Fettnäpfchen, indem ich die Polizisten (ohne Hintergedanken) frage, ob sie gut geschlafen hätten! Über Boromo  und Yéguéresso , wo wir uns in der „Buvette Centrale“ am Markt – Götz' Stammkneipe – mit Flagbier und Fanta erfrischen, geht’s nach Léguéma. Von „fliegenden Händlerinnen“ kaufen wir Bananen und Guaven und sind übereinstimmend der Meinung, dass wir noch nie so gute Früchte gegessen haben.

 

Über eine zerfurchte Piste rumpeln wir nach Léguéma, wo ASAO eine neue dreiklassige Grundschule gebaut hat, zusätzlich zu der alten sechsklassigen, in der inzwischen 90 Kinder in einem Klassenraum sitzen. Das Dorf hat etwa 5000 Einwohner, hat sich gut organisiert, so dass die Schule bis auf letzte Anstreicherarbeiten an Türen und Fenstern fertig gestellt ist, obwohl mit dem Bau erst am 15. Juni 2008 begonnen wurde. Wir statten dem Dorf nur eine „petite visite“ ab, einen „Kontrollbesuch.“ Eine Einweihungsfeier findet nicht statt.

Ein Dorfbewohner hatte die Grube für die Latrine eigenhändig ausgehoben, etwa 2 x3 x2 Meter. Er stieg hinein, um uns die Ausmaße des Lochs zu verdeutlichen. Im Schulhof waren viele Bäume gepflanzt und ordentlich gegossen.

 

Den Schulleiter der „alten“ Schule kennen wir. Es ist Traoré Nouhoun, der früher die Schule in  Kékélesso leitete. Wir sitzen uns schweigend gegenüber und beobachten uns gegenseitig. Nach einiger Zeit höflichen Abwartens rücken die Verantwortlichen  mit ihren Wünschen raus: In der Nähe der Krankenstation wollen sie einen Tiefbrunnen gebohrt haben. Lange wird palavert,  bis Götz kategorisch erklärt, dass er nichts versprechen könne, er müsse erst mit unserem Minister Rücksprache halten, denn der zahle schließlich ¾ der erforderlichen Summe. Auch der Wunsch nach Sonnenkollektoren und Beleuchtung der Klassenräume wird abgelehnt, da der Verein in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht hat, dass diese entweder geklaut, nicht gewartet oder mutwillig zerstört werden.

 

Das ganze Dorf sitzt um uns herum, wie immer Frauen und Kinder getrennt von den Männern. Eine Musikgruppe mit Sprech- und Kalebassentrommeln tritt auf, der Vortrommler setzt Akzente mit der Sprechtrommel, die Mädchen legen einen rasanten Tanz hin.

Muskulöse Jungen zeigen eine schöne Darbietung: Salto rückwärts und seitwärts aus dem Stand. Essen wird serviert: Reis, Hähnchen, Trockenfisch und Kohlgemüse, dazu natürlich ein erfrischendes Getränk. Wie viel sich doch in den Jahren seit 1997 verändert hat: Heute gibt’s im kleinsten Dorf Essen und Getränke, damals haben wir oft den ganzen Tag von „Gummibaguette“ und Tiefbrunnenwasser gelebt. Auch die Telefonzentren sind wie Pilze aus dem Boden geschossen. Man kann inzwischen fast überall billig nach Europa telefonieren. Das freut mich sehr, denn ich hatte meiner 85jährigen Mutter versprochen jeden zweiten Tag anzurufen.

 

Endlich geht’s zurück nach Yéguéresso. Wir sind ganz gespannt auf Götz` “Residenz“, ein leer stehendes Lehrerhaus, in dem er ein Jahr gewohnt hat. Auf dem Markt des Dorfes kaufen wir Tomaten, Paprika, Papaya, Schuppenäpfel, Guaven und Orangen. Götz zaubert aus dem Autokühlschrank Sekt und Rotwein und so feiern wir bis spät in die Nacht„Hauseinweihung“.

Die Räume sind einfach, aber zweckmäßig eingerichtet: im Schlafzimmer ein Moskitodom, im Wohnzimmer schlichte Holzmöbel. Sogar ein kleiner Generator ist da. Anderen Strom gibt’s ja hier nicht und fließendes Wasser auch nicht. Götz holt sein Wasser vom Tiefbrunnen.

Die Nachbarn und der Sohn des Dorfchefs kommen und wünschen uns „Bonne arrivée“.

Götz stellt fest, dass sich in der zum Lehrerhaus gehörenden Küche während seiner Abwesenheit drei Mädchen häuslich niedergelassen haben und bittet den Schulleiter, ihnen eine andere Unterkunft zu besorgen, damit es nicht zu irgendwelchen „Missverständnissen“ kommt.

In der dörflichen Stille und dem Haus kann man sich  sicher gut von den anstrengenden Fahrten erholen, sieht man einmal von den zahlreichen „Mitbewohnern“ ab: Termiten, deren Hauptnahrung die Fliegengittertür ist, Geckos, die die Hauswände als Toilette benutzen,  Käfer, Kakerlaken und Myriaden von Insekten.

 

 

Dienstag, den 07.10.2008  -  Anja Geiger

 

Die Nacht in Bâh wird vor allem für Bernhard und mich eher zu bäh...! Die Entscheidung, unser Zelt mit minimalem Abstand (ca. 3m) zu den anderen Zelten aufzubauen, beschert uns eine reichlich unruhige Nacht, da uns nicht neugierige Blicke, sondern vielmehr indiskrete Halogen-Lampen bis in unser Zelt begleiten – das ganze Dorf scheint fasziniert davon, mit Lampen direkt das Zelt auszuleuchten. Ob die Schatten von Weißen wohl auch grau sind? Die ganze Nacht über schrecken wir immer wieder hoch und würden uns in dieser Situation nun doch über den Einsatz unserer Wachleute und das Errichten einer „Bannmeile“ um die Zelte herum freuen – unsere Beschützer scheinen aber in aller Ruhe zu schlafen...

 

Nach dem üblichen Frühstücks-, Pack- und Verabschiedungsprozedere fahren wir nach Bobo Dioulasso, wo wir in der örtlichen Polizeizentrale unsere vier Bewacher der ersten Tage gegen neue austauschen: Ein schwergewichtiger Klotz, den man sich nur mit größter Mühe in einer Überfallsituation vorstellen kann und ein sonnenbebrillter „Man-in-Black“-Typ, der wirklich Furcht erregend ausschaut und das Gewehr die ganze Fahrt über in Habachtstellung im Arm hält. Ob wir diesen „Schutz“ wohl tatsächlich brauchen? Oder provoziert ein solches Auftreten unsererseits nicht eher? Die Meinungen darüber gehen auseinander - mir ist anfangs jedenfalls nicht klar, ob wir diese Kerle mitnehmen müssen, dürfen oder können und wer sie eigentlich abgeordnet bzw. auf uns angesetzt hat. Im Gespräch mit Charly klärt sich dann, dass Anselm persönlich nach Personenschutz für unsere Gruppe angefragt hat – er als Burkinabè fühlt sich offenbar nicht nur für den Verein an sich, sondern auch für das Wohlergehen unserer gesamten Reisegruppe verantwortlich. Seit die A.S.A.O. Reisegruppe des Jahres 2003 in einen bewaffneten Überfall geraten ist, haben Anselms Befürchtungen leider realen Hintergrund. Mit gemischten Gefühlen verlassen wir daher die Polizeistation, die auf den ersten Blick eher wie ein verstaubtes Pionier-Camp aus DDR-Zeiten wirkt und weniger wie ein Stützpunkt einer Eliteeinheit. Ein solcher scheint es nämlich tatsächlich zu sein – zumindest haben unsere Beschützer eine spezielle Ausbildung im Bereich Personenschutz gemacht. Das lässt hoffen. Im Gegensatz zu ihrem Furcht einflössendem Äußeren mit kugelsicherer Weste und Knarre, erweisen sie sich jedoch als umgänglich und sehr freundlich.

 

Von Bobo Dioulasso aus geht es Richtung Nordwest und gegen Mittag treffen wir in Sala ein. Dort erwartet uns ein absolutes Kontrastprogramm zu den letzten beiden Tagen. Obwohl das Programm bei den Einweihungen im Großen und Ganzen immer relativ gleich abläuft, könnten die Unterschiede zwischen den einzelnen Empfängen nicht größer sein und so sind wir hier äußerst positiv überrascht: Statt endlosen Reden, die in den zuvor besuchten Dörfern meist hauptsächlich daraus bestanden, die wichtigen (sowie am Projekt meist unbeteiligten!) Präfekten und Schulräte zu begrüßen, hält man die Ansprachen in Sala knapp, ohne jedoch wichtige Botschaften zu vernachlässigen. Alle Beteiligten – vom Dorfchef, über den Lehrer bis zur gesamten Bevölkerung - wirken engagiert und aufgeschlossen. Die Atmosphäre hier ist entspannt und unaufgeregt, was gerade im Vergleich zu unserer gestrigen Schuleinweihung, bei der aggressive Kerle mit Peitschen die Frauen und Kinder des Dorfes völlig unnötigerweise zu Ruhe und Disziplin erziehen wollten, sehr angenehm ist. Die Frauen führen Tänze auf und der Schulsprecher darf sich im Namen aller Schüler bei Charly bedanken. Das Schulgelände ist vorbildlich mit Bäumen bepflanzt, die auch tatsächlich ordentlich gegossen zu sein scheinen. Auch kulinarisch stellt Sala für uns einen Höhepunkt vor allem für die Frischkostfanatiker unter uns dar: Bergeweise frische Tomaten und Gurken, dazu Hühnchen und Brot – willkommene Abwechslung im Einerlei der täglichen Reis-Portionen. Weniger als 20 km Luftlinie von Bâh entfernt wirkt dieses Dorf für mich wie aus einer komplett anderen Welt – die Hierarchien scheinen flacher, die Frauen weniger eingeschüchtert und unterwürfig, und das ganze Dorf scheint hier wirklich an einem Strang zu ziehen. Auch werden wir hier beim Essen zum ersten mal von einem Mann bedient, was in den bisherigen Dörfern undenkbar gewesen wäre. Zwar ist es sicher nicht möglich, sich durch diesen kurzen Besuch einen umfassenden Eindruck der komplexen Strukturen dieses Dorfes zu machen, jedoch denke ich noch lange über diese intuitiv wahrgenommenen kulturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Dörfern nach. Eigentlich liegt es nahe, dass Burkina Faso, welches über 50 verschiedenen Ethnien und Sprachengemeinschaften, sowie Menschen verschiedenster Religionen Heimat bietet, keinen homogenen Kulturraum darstellt – wie jedoch die komplexen sozialen Gefüge im Dorf tatsächlich funktionieren, bleibt dem Fremden leider weitgehend verschlossen.

 

In diesem Zusammenhang möchte ich mich nochmals ganz herzlich bei Anselm Sanou, dem Repräsentanten von A.S.A.O. bedanken, und zwar ganz unabhängig von seinem unermüdlichen Einsatz für den Verein. Vielmehr war seine Funktion als Begleiter und kultureller Global Player, der sowohl die hiesigen wie auch die unsrigen Gegebenheiten kennt, erklären und interpretieren kann für uns Burkina-Reisende unbezahlbar. Ohne die vielen Antworten, die Anselm auf noch mehr Fragen geben konnte, wäre die gesamte Rundreise nicht halb so interessant gewesen. Danke, Anselm!

 

Von der schönen Atmosphäre in Sala und dem Vitaminstoss beschwingt, machen wir uns am Nachmittag ins nur wenige Kilometer entfernte Satiri auf, wo wir uns nur kurz aufhalten, um einen groben Blick auf das Collège zu werfen. Der Bürgermeister des Dorfes gibt uns noch einen Drink aus und die amerikanische Freiwillige, die im Dorf für zwei Jahre als Lehrerin arbeitet, bekommt von Charly Unterrichtsmaterialien zum Thema Familienplanung ausgehändigt. Noch gibt es zwar kein Gesamtkonzept, in welchem Umfang und auf welche Art der Verein sich diesem Thema widmen will, unumstritten ist jedoch die zentrale Bedeutung des Themas Familienplanung. In Burkina Faso, wo jede Frau im Durchschnitt 6,5 Kinder zur Welt bringt, zugleich aber die Kindersterblichkeit bei ca. 19% liegt, werden die Zusammenhänge zwischen Kinderreichtum, Armut, mangelnder Gesundheit und Hygiene, fehlenden Bildungs- und Aufstiegschancen direkt ersichtlich. Frauen, die zumindest die sechsjährige Grundschule abgeschlossen haben, bringen weniger Kinder zur Welt und weisen einen besseren Gesundheitszustand auf. Charly, der sich nun schon seit Jahren intensiv im Bereich der Bildung für die Entwicklung Burkina Fasos engagiert, ist personell zwar nicht in der Lage, sich in großem Stil auch noch im Bereich Familienplanung/Bevölkerungspolitik einzubringen, allerdings wird einem hier im Anblick der vielen, vielen Kinder immer wieder deutlich vor Augen geführt, dass zu einer dauerhaften Entwicklungsperspektive viele Faktoren beitragen, von denen die Bildung nur einer, wenn auch ein sehr wichtiger Faktor ist. Ich persönlich finde es jedenfalls sehr mutig von Charly, sich im Angesicht der vielfältigen Probleme und Möglichkeiten auf einen ganz konkreten Bereich, nämlich den des Schulbaus zu konzentrieren. Je mehr „Baustellen“ man wahrnimmt – desto mehr resigniert und überfordert wendet man sich ab und unternimmt stattdessen gar nichts. Charly hingegen engagiert sich genau in einem Bereich, in dem der sich zutraut, vorzeigbare Erfolge hervorzubringen – und die hat er zweifelsohne!

 

Unsere letzte Station für heute - Kadoumba, wo wir eine Normalisation, d.h. die Erweiterung einer Grundschule von drei auf sechs Klassen einweihen, erweist sich für uns Europäer mit unserem kulturspezifischen Gewohnheiten, bzgl. Distanz und in weiterem Sinne Privatsphäre als Herausforderung: Duzende von Frauen stürmen in dem Moment, in dem wir das Auto verlassen auf uns ein, schreien und drücken uns ihre Tücher ins Gesicht. Ganz eindeutig eine Willkommensgeste, die uns Ehre erweisen und zugleich den Schweiß aus dem Gesicht wischen soll – aber für uns hart an der Grenze dessen, was man ohne einen Panikanfall überstehen kann. Die Tücher drücken sich fest von oben und unten und allen Seiten gleichseitig über Nase, Mund und Gesicht, so dass einem beinahe die Luft wegbleibt. Sich in interkultureller Kompetenz zu üben ist eben nicht immer ein Zuckerschlecken...! Schließlich

Überstehen wir alle diese stürmische Begrüßung und der restliche Teil der Einweihungsfeier verläuft in gewohnten Bahnen. Abends wird uns die Ehre zuteil, Maskentanz, artistischen Einlagen und einem Initiationsritus beizuwohnen und auch wir selbst werden vom Sprechtrommler aufgefordert und zu behaupten, was alle Gruppenmitglieder zwar auf sehr unterschiedliche, wenn auch durchweg souveräne Art meistern.

 

Die Nacht bleibt es angenehm ruhig, da wir unsere Zelte in einiger Entfernung vom Festplatz aufgestellt haben und unsere neu eingewechselten Freunde von der Securité ihre Aufgabe definitiv ernster nehmen, als unsere letzte Truppe – sie patrouillieren nachts sogar ab und an zwischen den Zelten und bescheren uns eine friedliche Nachtruhe.

 

Dienstag, den 07.10.08 – Claudine Vidal (Übers. Rita Krieger)

 

Mit Bedauern verlassen wir Yéguéresso. Götz hat sich wirklich einen idyllischen Ort als „Zweitwohnsitz“ ausgesucht und ich hätte gerne mehr Zeit gehabt um in der Morgenkühle einen Spaziergang in die Umgebung zu machen. Aber wir müssen aufbrechen, um unser Tagespensum zu bewältigen. Wir fahren durch Bobo, nehmen eine asphaltierte Straße Richtung Nordosten, die der Eisenbahnlinie Abidjan – Ougadougou folgt, dann rumpeln wir über eine bucklige Piste, die uns an wundervollen Landschaftsbildern vorbeiführt, nach Wérou. Aber: Leider keine Zeit zum Fotografieren, man erwartet uns!

 

Die offizielle Einweihungsfeier zur „Normalisation“ der Schule von Wérou fand bereits statt, aber ohne  ASAO, und das jetzt organisierte Fest soll ein „Danke“ an den Verein sein.

Der Empfang ist herzlich. Wir sehen hier zum ersten Mal ein gebogenes Balafon, das der Spieler wie ein Akkordeon an einem Band um den Hals trägt und bekommen unsere ersten lebenden Tiere geschenkt: fünf Hähne. Die Lehrer sind sehr sympathisch und überschwänglich, vor allem die beiden Lehrerinnen, die uns ein leckeres Essen zubereitet haben: Spaghetti mit Brathähnchen. Trotz einer Schülerzahl von mehr als hundert  Kindern pro Klasse beschweren sie sich nicht.

 

Unser zweites Ziel an diesem Tag ist Kéra, am Rand der Teerstraße. Aber wir müssen die Piste nach Wérou noch mal zurückfahren, was von Götz besonders viel Konzentration und Geschicklichkeit verlangt. Bei unserer Ankunft in Kéra erwartet uns eine sonderbare Stimmung: Fast nur Männer haben sich versammelt, Balafon und Trommeln spielen pausenlos die gleiche Melodie mit vier „Noten“ und wir müssen lange auf den Präfekten von Boundoukui warten, damit die Einweihungsfeier endlich beginnen kann.

Trotz alledem: Es werden bewegende Dankesworte gesprochen, acht Mädchen stimmen ein Lied an über die ASAO, wir erhalten einen wundervollen gewebten Teppich mit der Inschrift: „Amitié Kéra-ASAO“ und Götz bekommt  eine Harke geschenkt, um seinen Garten zu bearbeiten

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Mit einer Stunde Verspätung erscheint der Präfekt, weil er erst am Abend zuvor eingeladen wurde. Obwohl er deswegen beleidigt ist,  hat er es sich nicht nehmen lassen hier zu erscheinen, um sein Interesse am Bau von Schulen zu bekunden. Er bedauert, dass die Bevölkerung so spärlich vertreten ist. Als bekannt gegeben wurde, dass am Ende der Zeremonie eine Informationsveranstaltung zum Thema „Genitalverstümmelung“ stattfinden soll, ergreift er die Gelegenheit um der Bevölkerung eindringlich vor Augen zu halten, dass jeder Mann, jede Frau verpflichtet sei, jegliche Genitalverstümmelung, von der er/sie Kenntnis erhalte, zu melden, ansonsten machten sie sich  unterlassener Hilfeleistung schuldig.

Der Abend läuft in der benachbarten Bar aus in einer ebenso entspannten wie herzlichen Atmosphäre.

 

Nachdem wir uns miteinander bekannt gemacht hatten, bekundet der Präfekt sein Erstaunen über die guten Französischkenntnisse von Götz und wünscht Yves ein langes Leben, da er der einzige Militärangehörige sei, den er jemals kennen gelernt habe, der sich für soziale Dinge interessiere. Götz verabredet sich mit dem Bürgermeister und dem Präfekten von Boundoukui für den  nächsten Morgen: Zusammen wollen sie eine Schule in der Gemeinde besichtigen, die in einem Behelfsschuppen untergebracht ist. Spät in der Nacht bauen wir dann die Zelte in einem sechseckigen Schulbau auf  und schlafen ein zu Gesängen, die aus weiter Ferne zu hören sind.

 

 

Mittwoch, de 08.10.2008  -  Ingo Schuster

 

Um 5:30 Uhr erwachte ich im Zelt, das ich mir mit Matthias teilte, in der afrikanischen Morgendämmerung in Kadoumba. Die Temperaturen waren über Nacht ein wenig abgekühlt, aber es war immer noch sehr warm.

Ich konzentrierte mich auf die Geräusche, die uns umgaben. Vogelzwitschern, Grillenzirpen, Hühnerschreie und viele andere Laute, die zusammen den Klang der afrikanischen Wildnis ausmachten, drangen durch die Zeltwände.

Da sonst offensichtlich noch keiner wach war, drehte ich mich um und schlief wieder ein. Um 6:30 Uhr waren alle auf den Beinen und wir genossen unser Frühstück unter freiem Himmel mit Baguette, Schmelzkäse, Marmelade sowie frischer Papaya und Melone, die wir am Vortag auf dem Markt erstanden hatten.

Auch das Duschzelt leistete treue Dienste und schützte uns vor den neugierigen Blicken der einheimischen Kinder, die sich in einiger Entfernung um das Zelt gesellten. Die Dusche bestand aus einem Eimer mit einer Plastiktasse als Schöpfkelle.

 

Nachdem wir das Lager abgebaut und die Sachen wieder auf den Allradfahrzeugen verstaut hatten und ein Burkinabè mir seine Flip-Flops gegen meine Turnschuhe zum Tausch angeboten hatte - was ich zu seinem Bedauern jedoch leider ablehnte - brachen wir gegen 9:00 Uhr nach Diontala auf. Die Sonne hatte zwischenzeitlich auch wieder an Kraft gewonnen und das erfrischende Gefühl der Dusche war schon wieder verflogen.

Mit dem Allradfahrzeug ging es dann abwechselnd über rote Sandpisten und gut ausgebaute, geteerte Straßen zwischen Kuhherden, Hirsefeldern und Eukalyptusbäumen in Richtung Diontala. Auf der Fahrt kam uns ein Pickup entgegen, der auf seiner hinteren Ladefläche einen 2 Meter hohen Metallgestängeaufbau besaß. Wir staunten über die Ladekünste der Einheimischen. Der Fahrer des uns entgegenkommenden Pickups transportierte neben diversen anderen Dingen unter anderem eine ausgewachsene lebende Kuh auf dem 2 Meter hohen Aufbau. Wie die Kuh auf diese 3 Meter über dem Boden befindliche Konstruktion gekommen sein mag, konnte sich keiner von uns so richtig vorstellen.

 

Um 12:00 Uhr kamen wir in Diontala an. Dort wurden wir herzlich von der dortigen Bevölkerung mit Trommelklängen empfangen. Die Einheimischen führten traditionelle Tänze auf und bewegten sich im Rhythmus der Trommelschläge. Mich faszinierte am meisten die Schnelligkeit, die Kraft und das Gefühl, mit denen sich die Tänzer und Tänzerinnen bewegten. Während wir Deutschen mehr mit unseren Köpfen versuchen starr eingeübte Tanzschritte in den Rhythmus der Musik einzufügen, so scheinen sich die Burkinabè beim Tanz allein von ihrem Gefühl und den Trommelklängen leiten zu lassen, was in ihren beeindruckenden Tanzdarbietungen Ausdruck findet.

Um 13:30 Uhr wurde die vom Solidaritätskreis Westafrika e. V. neu errichtete Schule eingeweiht. Nachdem wir die Schule mit ihren einzelnen Klassenräumen besichtigt hatten, wurden wir um 14:00 Uhr von den Einheimischen zum Essen eingeladen.

Es gab Reis, To (ein Maisbrei von weißer, fester Konsistenz mit neutralem Geschmack) und einen Topf mit Hühnchen. Während alle aus unserer Reisegruppe nur die Hühnerbrust und -schenkel zu dem Reis bzw. To aßen, nahm sich ein Einheimischer, der gegenüber von uns saß, den mitfrittierten Hahnenkopf, durch den noch ein Hühnerfuß durch Hals und Mund gezogen war, aus dem Topf und begann, nachdem er den Fuß aus dem Mund des Kopfes gezogen und den Hahnenkamm gegessen hatte, beherzt auf dem Hahnenkopf herumzukauen.

 

Zum Glück waren wir schon alle satt und so ging es, nachdem wir uns von der Bevölkerung verabschiedet hatten, um 15:00 Uhr weiter nach Lanfiéra.

Unterwegs legten wir einen kurzen Zwischenstopp in Soumorodougou ein, wo der Solidaritätskreis vor 2 Jahren eine neue Schule errichtet hatte. Wir waren begeistert von dem Zustand der Schulanlage. Die Bevölkerung hatte die Schulanlage in bester Ordnung gehalten und sich intensiv um die Pflege und Bewässerung der kleinen Bäume, die vor 2 Jahren vor der Schule gepflanzt wurden, gekümmert, sodass die Bäume bereits jetzt beachtlich gewachsen waren.

Um 16:15 Uhr erreichten wir Lanfiéra.

 

Wieder wurden wir von der Bevölkerung herzlich empfangen. Die Leute aus dem Dorf hatten sich diesmal ausgesprochene Mühe mit der Tonanlage gegeben. Der “Toningenieur bzw. Tontechniker” des Dorfes demonstrierte bei den Ansprachen die Leistungsfähigkeit der aufgebauten Anlage und hatte zwei Lautsprecher im Abstand von 2 Metern vor unseren Sitzplätzen positioniert, die es sicherlich auch den umliegenden Dörfern erlaubten, die Begrüßungsrede mit jedem Wort zu verstehen.

Anselm Sanou blieb nach seiner Rede mit einem Fuß am Kabel eines Lautsprechers hängen und brachte diesen - da die Lautsprecher auf hohen Metallständern angebracht waren - genau vor unseren Füßen zu Fall. Die Tontechniker waren sehr aufgeregt und alle neuen Positionen, an denen der Lautsprecher wieder aufgebaut wurde, brachten unsere Trommelfelle noch stärker zum vibrieren. Wir konnten uns nicht mehr zurückhalten und mussten über die ganze Situation und die vielen hektischen Versuche des Tontechnikers, die Lautsprecher in eine für alle Zuhörenden angenehme Position zu bringen, lachen. Es war wirklich urkomisch.

 

Nach Abschluss der offiziellen Reden und schönen Tänze wurde die neue Schule eingeweiht. Wir waren enttäuscht über den Zustand der äußeren Schulanlage. Obwohl der Bau der Schule bereits im März dieses Jahres abgeschlossen war, sah es auf dem Schulgelände immer noch aus wie auf einer Baustelle. Kein einziger Baum war gepflanzt und so wurde dies gegenüber den Verantwortlichen vor Ort gerügt. Die Schule in Soumorodougou war dagegen eine wirkliche Vorzeigeschule.

Da wir in Lanfiéra auch übernachteten, schlugen wir auf dem Schulgelände unsere Zelte auf.

 

Als wir abends in einer gemütlichen Runde draußen zusammen saßen, sprach Charly begeistert vom Sternenhimmel Afrikas. Ich erwiderte, dass ich ihm da nur zustimmen könne und vorgestern viel Gelegenheit hatte, mir den Sternenhimmel anzuschauen, da es mich nachts drei Mal aus dem Zelt unter den afrikanischen Sternenhimmel getrieben hatte, weil ich tagsüber mit Matthias an einem Marktstand ein landestypisches Getränk namens “jamjam” (bestehend aus Wasser, Mehl und Ingwer) getrunken hatte. Anne meinte daraufhin: “Ich hätte nachts viel zu viel Schiss um Durchfall zu haben!”. Die Gespräche wurden immer ausgelassener und Charly erklärte einigen Einheimischen zum Spaß, die schon verwundert beim Zeltaufbau zugeschaut hatten, dass die Deutschen das ganze Jahr über in Zelten schlafen und im Winter frieren müssten.

 

Auch an diesem Abend wurden wir wieder von der Dorfbevölkerung bekocht. Es gab wieder Reis mit Hühnchen. Hahnenköpfe lagen diesmal keine im Topf, dafür aber stachen zwei kleine helle weiße Eier (Hahnhoden) aus dem Hühnertopf hervor.

Um 22:30 Uhr, während ein Teil der Gruppe schon in die Zelte schlafen ging, schauten sich Matthias, Susanne, Anne und ich noch den weißen Maskentanz der Einheimischen an.  Dieser Tanz hatte etwas mystisches und geheimnisvolles, da die Bewegungen der Tänzer in ihren weißen Kostümen im silbernen Mondlicht eine ganz besondere Atmosphäre ergaben. Eine Stunde später gingen auch wir zu den Zelten zurück, während die Einheimischen weiter tanzten und ein weiterer eindrucksvoller und erlebnisreicher Tag zu Ende ging.

 

Mittwoch, den 08.10.08 – Jeannine Cabelduc (Übers. Rita Krieger)

 

Wir brechen auf in Richtung Kouka. Der Besuch des CEG von Solenzo wird gestrichen, weil die Straßen wegen der Nachregenzeit immer noch unpassierbar sind. Wir legen einen Stopp in Bondoukui ein. Der Präfekt lädt uns in die Mairie ein,  von wo aus wir zum Treffen mit der Bevölkerung gehen. Götz trifft sich mit den Autoritäten, um in der Umgebung ein Dorf zu besuchen, welches eine Schule haben will.

 

Dann fahren wir wieder auf der Teerstraße Richtung Bobo. Diese ist mit Hindernissen jeglicher Art förmlich übersät: liegen gebliebene Lastwagen, schwer beladene Esel mit oder ohne Karren, Frauen mit riesigen Lasten auf dem Kopf und einem Baby auf dem Rücken.(Anmerkung der Übersetzerin: Kann man letztere als „Hindernisse“ bezeichnen?)

Wir fahren durch Bobo-Dioulasso an einem sehr schönen Bahnhof vorbei. Während Götz am Busbahnhof ein Päckchen abholt, kümmern wir uns ums Mittagessen: Brot mit hart gekochten Eiern und Bananen.

 

Wir müssen möglichst schnell weiterfahren, denn wir treffen die beiden anderen Gruppen in Diontala wieder. Hier werden wir von Tänzern und  Musikern empfangen. Charly erhält Geschenke und  übergibt seine eigenen: Fußball mit Pumpe, Weltkarte, Messer und Solarrechner. Wir besichtigen die Schule, Hans schraubt die Plakette an. Charly pflanzt einen Baum vor den Klassenräumen. Wir bekommen zu essen und zu trinken (Hähnchen mit Reis oder Hirse).

 

Auf einer sehr langen und schlechten Piste voller Wasserlöcher fahren wir nach Kouka zurück und werden von den Honoratioren des Dorfes empfangen, die angeblich nichts von unserem Besuch wussten. Trotzdem wird alles rasch für die Gäste hergerichtet. Das Fest beginnt mit Tänzen von Hexern, Frauen usw. Wir sehen uns das Collège an, das vor 2 Jahren eingeweiht wurde und müssen feststellen, dass es nicht in sehr gutem baulichem Zustand ist. Götz tut seine Unzufriedenheit kund.

 

Es geht weiter mit Maskentänzen. Wir erfahren, dass die Affenmaske den Sexualakt darstellt.

Essen und Getränke werden serviert in einem sehr staubigen Raum, jedoch das geschmorte Hähnchen mit Gemüse ist lecker. Im Mondenschein bauen wir auf einer Wiese die Zelte auf.

Mitten in der Nacht erhebt sich plötzlich ein heftiger Wind: Panik!! Nach einer halben Stunde ist alles vorbei und wir können ruhig weiterschlafen. Vier Polizisten wurden abgestellt, um unser Lager in der Nacht zu bewachen. Bereits um 6 Uhr 30 sind die ersten Schüler da, ein neuer Tag beginnt.

 

 

Donnerstag, den 09.10.2008  -  Bernhard Thurner

 

Zunächst war mir nicht sehr wohl dabei, ständig von schwer bewaffneten Polizisten begleitet zu werden. Dies änderte sich in der Nacht in Lanfiéra. Ein Polizist bemerkte gegen fünf Uhr morgens eine Viper, die sich nur wenige Meter von unseren Zelten entfernt befand. Er tötete sie mit einem Stein. Am Morgen bedankten wir uns bei ihm. Die Viper war zwar nur ca. 50 cm lang, ein Biss kann jedoch tödlich sein. Charly´s Kommentar: „Ihr braucht keine Angst zu haben – es kann gar nichts passieren. Wenn jemand gebissen wird, dann ist immer noch genug Zeit, bei mir sein Testament zu machen.“

 

Am Morgen hat Charly zusammen mit einigen Schulkindern Wasser geholt, um die Baumsetzlinge zu gießen, die wir am Vortag mit Steinkreisen geschützt haben. Wir haben dem Lehrer einen Eimer mit daran befestigtem Seil gekauft, damit er sich zusammen mit seinen Schülern gut um die Bäume kümmern kann. Zudem soll jedem Schüler sein persönlicher Baum zugeteilt werden, für den er seine gesamte Schulzeit verantwortlich ist. Mal sehen, ob das klappen wird. Jedenfalls fand ich es gut, dass Charly, der als Präsident des Solidaritätskreises vor Ort hohes Ansehen genießt, sich persönlich zusammen mit den Schulkindern um die Bäume gekümmert hat. Das bleibt bestimmt im Gedächtnis von vielen Menschen haften und trägt vielleicht ein bißchen zur Schaffung eines Bewußtseins für die Wichtigkeit von Bäumen bei.

 

Kurzer Zwischenstopp in Dawera, in unmittelbarer Nähe zu Lanfiéra. Die Bevölkerung wünscht sich die Erweiterung ihrer Grundschule von 4 auf 6 Klassen. Es seien aktuell 90 Schüler in der ersten Klasse, 30 weitere Schüler hätten wegen mangelnder Kapazität abgewiesen werden müssen. Wir empfehlen, dass die abgewiesenen Kinder in die gerade eingeweihte Schule in Lanfiéra gehen sollen, da dort nur 50 Kinder in der ersten Klasse sind und somit noch genügend Platz für alle ist.

 

Weiterfahrt nach Béna. Ingo ist heute unser Chauffeur und hat eine riesige Freude daran, mit dem Jeep kleinere Flüsse und Wasserläufe zu durchqueren. Anne hat nach mehreren Tagen mit Hühnchen und muffig riechendem Reis Gelüste nach einem Salat mit Tomaten, Zwiebeln, Feta und Oliven. Auch uns läuft das Wasser im Munde zusammen...

 

In Béna hat der Solidaritätskreis eine Grundschule mit drei Klassen errichtet, zuvor gab es hier gar keine Schule. Im Vergleich zu anderen Dörfern erscheint uns die Bevölkerung sehr diszipliniert. Es werden keine „Ordner“ benötigt, die für Ruhe sorgen und Kinder  zurückdrängen, welche zu weit auf den Versammlungsplatz vorgerückt sind. Der Dorfchef, ein älterer, großer und schlanker Mann in weißem Gewand mit weißer Kopfbedeckung, spricht ganz leise, ohne Megaphon. Er muss eine große Autorität sein. Das ganze Dorf - mehrere hundert Menschen, von ihnen bestimmt die Hälfte Kinder - hört ihm gespannt zu. Es herrscht eine unglaubliche Stille. Er sagt, dass es sein größter Lebenstraum sei, dass sein Dorf eine Schule bekommt. Heute sei ein großer Freudentag. Sollte ihm nun etwas zustoßen, so könne er in Frieden sterben. Alle klatschen, jubeln und freuen sich mit ihm. Heute hält Anja unsere Rede, die Satz für Satz übersetzt wird. Auch in Béna stellen wir wieder mit Hilfe von vielen Kindern und einigen Erwachsenen Steinkreise um die Baumsetzlinge vor der Schule auf und gießen die Setzlinge. Hans wird wie ein Außerirdischer bewundert, als er mit dem Akkubohrer das Schild des Solidaritätskreises an der Schule befestigt. Zum Abschied bekommt Anja eine auf Sperrholz gemalte afrikanische Frau und Charly einen Ziegenbock geschenkt.

 

Gegen Mittag geht es weiter nach Faramana, einer Stadt unmittelbar an der Grenze zu Mali im Nordwesten von Burkina Faso. Der Solidaritätskreis hat hier das schon bestehende College auf die doppelte Größe erweitert. Wir kommen gegen 13:00h an, zwei Stunden früher als geplant. Kurz darauf kommt Götz mit Rita, Yves, Claudine und Jeanine an. Wir haben ziemlichen Durst – zum Glück gibt es reichlich gekühlte Getränke. Solch einen Luxus lernt man in Afrika schnell zu schätzen. Später werden grüne Orangen gereicht, welche geschält und an der Oberseite etwas angeschnitten sind. Man kann sie förmlich aus dieser Öffnung heraus aussaugen. Sie schmecken säuerlicher als bei uns gewohnt, aber sehr erfrischend. Am Nachmittag fahren wir dann zum eigentlichen Versammlungsplatz, wo die Einweihungsfeier stattfinden soll. Die Feier fällt kleiner aus als in den Dörfern zuvor. Es werden keine Vorführungen gezeigt, nur die obligatorischen Reden gehalten. Auffällig ist auch, dass kein Geschenk an Charly oder Götz überreicht wird. Faramana ist eben eine mittelgroße Stadt mit viel Durchgangsverkehr und scheinbar sind wir hier keine solche Attraktion wie anderswo. Das habe ich aber nicht negativ erlebt. Bislang waren wir täglich bei ein oder zwei Einweihungsfeiern und ein gewisses Sättigungsgefühl machte sich bei mir schon breit. In Faramana hatten wir ein bisschen mehr Freiraum und nutzten dies für einen Spaziergang an die Grenze zu Mali, wo man einen verbogenen Schlagbaum bewundern konnte.

 

Später erzählt uns Ingo, dass er am Nachmittag zusammen mit Charly versucht hat, das Dorf Fofara zu erreichen. Dazu haben sie drei Mopeds mit Fahrern gemietet. Einer kennt angeblich den Weg – ihm geht schon nach kurzer Zeit der Sprit aus. Er beschreibt den anderen den Weg in zwei Sätzen. Im Weiteren stellt sich heraus, dass es doch nicht ganz so einfach ist, Fofara zu finden. Es gibt mindestens zehn Abzweigungen, wo nach dem Weg gefragt werden muss. Schließlich liegt ein großes Sumpfgebiet vor ihnen, das unmöglich durchquert werden kann. Also geht es unverrichteter Dinge wieder zurück nach Faramana. Unterwegs geht dem zweiten Moped der Sprit aus. Scheinbar tanken viele Leute in Burkina nur immer für einen kleinen Betrag, damit es nicht zu teuer wird. Der Fahrer weiß aber, was zu tun ist: er legt sein Gefährt schräg auf die Seite, so dass sich die Benzinleitung noch einmal mit den letzten Tropfen des Tanks füllt. So kommen sie noch einige hundert Meter weiter, das letzte Stück gehen die beiden zu Fuß.

 

Donnerstag, den 09.10.08 – Rita Krieger (Gruppe Götz Krieger)

 

Das Collège in Kouka wurde vor zwei Jahren um 8 Klassen erweitert. Die „Sixième“ (5.Klasse) ist inzwischen dreizügig mit 210 Schülerinnen und Schülern und noch einmal so viele mussten zurückgewiesen werden.

Etwa 1000 Kinder besuchen das CEG in Kouka, die Schule beginnt um 7 Uhr. Was für uns besonders beeindruckend ist: Bereits um 6.30 Uhr sind die meisten Schüler  da, stehen im Halbkreis um uns herum, rücken immer dichter heran und sehen uns beim Frühstück und anderen morgendlichen Verrichtungen zu. Erstaunlich: Es herrscht eine unglaubliche Ruhe und Disziplin, die Kinder unterhalten sich flüsternd. Keinerlei Gebrüll und Gekreische wie  in unseren Schulen in Deutschland. Der Schulleiter von Kouka meint, dass es den Afrikanern imponiert, wie einfach wir auf unseren Reisen leben, im Zelt schlafen etc.

Große Probleme gibt es an der Schule. Im letzten Schuljahr waren 10 Schülerinnen schwanger und 30 haben abgetrieben. An Markttagen oder wenn eine Straße neu gebaut wird, wollen sich manche Mädchen ein Taschengeld verdienen.

 

Unsere nächste Station ist Koundougou. 2003 wurde hier ein Collège mit 4 Klassen gebaut.

Den Schulleiter, Kaboré Adama, erkenne ich wieder. Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Dorfbevölkerung bei unserem Besuch 2003 auf Holzkarren die „cailloux sauvages“ heranschleppte. Empfang und Vorstellung sind herzlich. Uns erstaunt, dass in der Eingangsklasse 120 Schülerinnen und Schüler sitzen. Man stelle sich das einmal bei uns in Deutschland vor!

 

Wir sehen, dass keine Bäume gepflanzt sind, angeblich aus Angst vor Tierverbiss. Götz schlägt den Verantwortlichen jedoch vor, dass sie eine Art Metallkorb oder Dornengeflecht wie in Banzon um die Setzlinge ziehen könnten und dass Eigeninitiative gefragt sei.

Wir erfahren, dass die Schulbücher den Schülern auf Leihbasis vom Staat zur Verfügung gestellt werden, gegen eine Leihgebühr von 500 CFA (ca. 75 Cent) pro Schuljahr, wobei davon ausgegangen wird, dass sie 5 Jahre benutzbar sind. Zum Mittagessen gibt es Hähnchen und Hammelfleischsuppe mit Gemüse.  Ich spreche lange mit Margot, einer richtig dicken, humorvollen, gemütlichen afrikanischen Mama, einer „Maman Baleine“ (Baleine= Wal). Sie gibt mir den burkinischen Namen „Madame Sanou Yampégué“.

 

Um 12 Uhr erreichen wir Soumorodougou für einen kleinen Kontrollbesuch. Hier ist 2006 eine dreiklassige Grundschule errichtet worden. Sämtliche Dorfhonoratioren sind anwesend:  Dorfchef, Sicherheitschef, eine Abordnung  „erziehender Mütter“ usw.

 

Mir wird noch mal bewusst, welche Schwierigkeiten die Schülerinnen und Schüler bei Schuleintritt haben: Sie müssen gleich eine Fremdsprache lernen, nämlich Französisch, in der alle Fächer unterrichtet werden. Die Stammessprachen Moré und Dioula, die hier geläufig sind, spricht man in der Schule nicht. Für die Dorfbevölkerung, die keine Schule besucht hat, wird immer übersetzt.

 

Wir freuen uns, dass viele Bäume – vor allem Akazien – gepflanzt wurden und erhalten als Geschenk einen Schafsbock, den wir „Alfred“ taufen. Den binden wir auf dem Autodach fest, wobei wir Anselms Rat, ein Bein freizulassen, befolgen, sonst werde er nämlich sterben! Aber wir beherrschen offensichtlich die afrikanische Fesseltechnik noch nicht so richtig oder Alfred gebärdet sich so unruhig, dass er mehrere Male vom Dach rutscht, am Kopf herunterhängt. Weil  er so traurig kuckt und uns schon halbtot erscheint,  beschließen wir, ihn im nächsten Dorf abzusetzen. Zufällig ist die Nutznießerin dieser Aktion eine Krankenstation. Alfred springt überglücklich davon und die Krankenpfleger freuen sich über das Geschenk. Erleichtert setzen auch wir unseren Weg fort.

 

Denn wir müssen  nach Faramana an der malischen Grenze, wo wir auch die anderen beiden Gruppen wieder treffen. Wir werden herzlich im Dorf empfangen, der Naba kommt mir allerdings etwas schlitzohrig vor. Unter einem riesigen Dach auf dem Dorfplatz findet die Zeremonie mit der Bevölkerung statt. Götz hält seine übliche Rede, die in Dioula übersetzt wird. Der Naba lädt uns zu einem Maskentanz ein,  sagt aber gleich, dass Fotografieren  verboten sei. Mir kommt dieser Maskentanz vor wie eine Art Voodoo-Zauber. Vielleicht ist es aber auch ein Initiationsritus: Junge Männer mit weißgekalkten Gesichtern tanzen und halten  schwarze Puppen, die auf Bambusstangen gespießt sind, in den Händen.

 

 

Freitag, den 10.10.2008  -  Anne Krütten

 

Nach einer erholsamen Nacht untermalt mit afrikanischen Geräuschen und einer

kalten, erfrischenden Dusche nahmen wir unser Frühstück ein. Währenddessen filmte Wahnsinns-Ingo die Gruppe bei ihrer letzten gemeinsamen Mahlzeit. Nach dem Frühstück kamen Dorfbewohner mit ihren Kameras, um unsere Reisegruppe zu fotografieren. Nach der Fotoaktion mit der Securité kamen auch noch junge afrikanische Männer und haben sich mit uns Frauen fotografieren lassen. Anschließend verabschiedeten wir Anja, Bernhard, Ingo und Matthias. Sie fuhren nach Banfora. Dort übernachten sie im Kloster bei Soeur Veronique und am Samstag, den 11. Oktober 2008, fahren Anja und Bernhard mit dem Bus weiter nach Ouagadougou und fliegen nach Hause.

 

Um 9.00 Uhr reiste die restliche Gruppe ab. Unser Ziel war Bobo und Banzon. Wie die anderen Autofahrten war auch diese Fahrt sehr unterhaltsam. Trotz Platzmangel und Hitze im Auto haben wir doch immer viel Spaß. Während der Fahrt tauschten Charly und Anne die Sitzplätze, da Anne auf der Sonnenseite gesessen hatte und es ihr zu warm wurde. Nach einiger Zeit fragte sie Charly, ob er  den Platz noch mal tauschen möchte. Daraufhin sagte Charly: „Nein, danke, ich habe ein Eisbonbon, mir ist kalt genug.“

 

In Dandé legten wir einen Zwischenstopp ein, um ein Collège zu besichtigen. Die Schule war sowohl innen als auch außen in einem guten Zustand und es waren zahlreiche Bäume gepflanzt. Charly war mit der Situation sehr zufrieden. Wir setzten die Fahrt fort nach Bobo. Dort erledigten wir einige Dinge. Wir kauften Brot und Käse und betankten unser Auto. Während Charly telefonierte, warteten wir im Auto. Anselm kaufte für alle einen Mangosaft, worüber wir uns sehr freuten, und Hans kommentierte in dieser Zeit afrikanische Frauen.

Auf der Weiterfahrt nach Sinfora meinte Charly zu Anne, dass sie auch mal die Rede halten könnte, was sie aufgrund ihrer fehlenden französischen Sprachkenntnisse ablehnte. Zitat von Anne: „ Bei meiner nächsten Reise nach Burkina Faso halte ich die Rede auf Französisch“.

 

Auf dem Weg zu unserem nächsten Dorf sind wir mit unserem Auto im Schlamm stecken geblieben. Drei junge Afrikaner, die uns mit ihren Motorrädern vorausgefahren sind, stiegen ab und halfen uns, das Auto aus dem Schlamm zu schieben. Einer der jungen Männer ist bei dieser Aktion an uns vorbei gelaufen und er roch sehr gut, was Anne den anderen Mitreisenden sofort mitteilte.  

 

In Sinfara angekommen wurden wir von den Dorfbewohnern herzlich mit Klatschen und Gesang empfangen. In der Schule, die eingeweiht wurde, unterrichten 2 Lehrer und 1 Lehrerin in 3 Klassen, 101 Mädchen und 100 Jungen. Bei der Einweihungsfeier wurden uns 2 afrikanische Gewänder, 1 Ziege und eine selbst geschnitzte Hacke überreicht. Nach der Geschenkübergabe tanzten die afrikanischen Frauen zu Ballafonmusik und forderten uns zum Mitmachen auf. Charly, Susanne und Anne tanzten den Kreistanz und versuchten sich so gut wie möglich zu den afrikanischen Rhythmen zu bewegen. Die Frauen waren beeindruckt und legten ihnen ihre Tücher um den Hals. Das tun sie immer, wenn die Tänzer gut tanzen. Auf der Weiterreise nach Banzon fuhren wir auf einer Straße, die an beiden Seiten Straßenbeleuchtung hatte. Charly ärgerte sich ein bisschen über diese Verschwendung und wettete mit Anselm um 3000 CFA, dass diese Beleuchtung nicht funktioniert. Er verlor die Wette.

Wieder etwas tiefer im Busch begegneten uns zwei ältere Männer auf der „Straße“, die jeweils eine Hacke auf der Schulter trugen. Anne sagte: ,,die kommen bestimmt von der Feldarbeit.“ Darauf antwortete Susanne: ,,nein Anne, die kommen aus dem Busch……!“

Abends in Banzon, als die Zelte schon aufgestellt waren und Götz duschen ging, meinte Charly, dass das Duschzelt durchsichtig  sein müsste, da wir dann einen Fernseher hätten.

Abends wurde es sehr schnell dunkel und es kühlte auch mehr ab als die Abende davor. Ein Gewitter zog auf.

 

Freitag, den 10.10.08 – Claudine Vidal (Übers. Rita Krieger)

 

Bevor wir Faramana verlassen, erhalten wir Besuch von der Vorsitzenden der „Genossenschaft für Karité-Verarbeitung“. Sie sucht eine Möglichkeit mehr Karitébutter zu exportieren. Bernhard, Anja, Matthias und Ingo werden uns heute verlassen und deswegen schießen wir noch ein Gruppenfoto.

 

Wir fahren zurück nach Bobo-Dioulasso, kaufen unterwegs leckere Bananen und knuspriges frisches Brot, dann nehmen  wir die Piste nach Banzon. Diese 50 km sind jetzt am Ende der Regenzeit eine „harte Prüfung“, aber die Schönheit der Landschaft entschädigt uns für das Rütteln und Schütteln des Autos:  Bananenhaine, wunderschöne Dörfer versteckt im Grün, Netzfischen im Wehr eines Stausees. Plötzlich huschen Affen über die Piste und wir können beobachten, wie sie im Busch verschwinden.

 

Obwohl wir mit zwei Stunden Verspätung ankommen, ist der Empfang in Seezon (in der Nähe von Banzon) unglaublich. Die Zeremonie ist sehr feierlich, die Menge zahlreich. Für diesen Anlass haben sich viele Erwachsene und Kinder Kleidungsstücke aus dem gleichen Stoff nähen lassen. Eine Gruppe von sieben Trommlern musiziert, die Frauen tanzen dazu.

In diesem Dorf haben die Bewohner im Jahr 2003 selbst eine Schule gebaut (eine Klasse für 80 Schüler und eine Wohnung) Heute besuchen hier 212 Kinder die Schule und die Dankesbekundungen für das neue Gebäude sind überschwänglich: ein Lied für ASAO, freundliche Worte des Dorfältesten, Geschenke (Ziegenbock, zwei Büschel Bananen, eine schwere Holzskulptur, die den Schädel eines Büffels darstellt, ein Tier, das Kraft und Stärke symbolisiert, soll die Stärke von ASAO darstellen.)

 

Plötzlich verfinstert sich der Himmel, so verabschieden wir uns rasch, damit wir die Zelte vor Nacht und Regen aufbauen können. Als wir das Collège von Banzon erreichen, sehen wir schon von weitem nicht ohne Schrecken – denn wir sehnen uns nach etwas Ruhe – eine große Menschenmenge, die uns erwartet. Aber zum Glück sind es nur die Schülerinnen und Schüler des Collèges, die lange auf uns gewartet haben, um uns zu begrüßen, ehe sie nach Hause gehen. Gerührt gehen wir zwischen den zwei Reihen Schülern hindurch.

Bald ist der Platz  ruhig, ein Gewitter zieht auf und wir sitzen noch lange draußen,  um die Kühle der Nacht zu genießen und die Blitze am Himmel zu beobachten.

 

 

 Samstag, den 11.10.2008  -  Charly Simonis

 

Nach dem Frühstück kamen 8 Mädchen zu unserem Haus, um unsere Wäsche zu waschen. Wir waren dankbar, dass wir es nicht selbst machen mussten, und die Mädchen freuten sich über die WELEDA-CREME und das Geld, das sie geschenkt bekamen. Die Wäsche wurde anschließend zum Trocknen über den Zaun der Schule gelegt.

 

Susanne, Hans, Anselm und ich fuhren vormittags zu dem Dorf Nianwéré, ca. 30 Minuten von Banzon entfernt. Eine sehr gute, große Ballafonkapelle  empfing uns. Susanne und ich fühlten uns richtig beschwingt und reihten uns sofort in die Tanzenden ein. Alle waren begeistert und klatschten im Rhythmus. Es waren keine Politiker erschienen und wir fühlten uns unbeschwert und frei. Zu unserer Begrüßung sang ein Kinderchor, der von einem „Gitarrenspieler“ begleitet wurde. Er hatte zu diesem Anlass eigene Texte gedichtet und mit den Schülern eingeübt. Die Schülersprecherin trat vor und bedankte sich im Namen ihrer Mitschüler. Wir waren ganz ergriffen.

 

Ich war dankbar, dass Susanne bereit war, an meiner Stelle die Rede zu halten. Sie machte es ausgezeichnet und ging auf die Kinder ein. Früher hieß es in unserem Redetext „Wir, die Europäer, können viel von euch lernen, denn eure Familien sind intakt“. An diesem Satz haben unsere jungen Mitreisenden Anstoß genommen, denn immer noch werden junge Mädchen zwangsweise verheiratet, Frauen haben nichts zu sagen und immer noch gibt es die Klitorisbeschneidungen. Daher wurde der Satz gestrichen und Susanne betonte, wie wichtig eine frühzeitige Aufklärung und eine Familienplanung sei.

 

Hans hing derweil die Deutsche Fahne an der Schule auf und befestigte mit unserem Akkubohrer das Schild „Fruit de la Coopération Germano-Burkinabé“, das dauerhaft auf das deutsche Engagement in Burkina Faso hinweisen soll. Ich bewundere Hans, mit welcher Energie er sich für unsere Gruppe einsetzt. Nach dem Frühstück räumt er alles wieder sorgfältig in die diversen Kisten ein, denn sonst findet man nichts mehr wieder. Danach lädt er unser gesamtes Gepäck auf unseren Pick-up. Dabei achtet er darauf, dass die Zelte und Luftmatrazen hinten verstaut werden, damit unsere Polizisten bequem darauf sitzen können. Anschließend muss alles mit einer Plane gegen Regen abgedeckt und mit Gurten verspannt werden. Hans, der Kapitän eines Lufthansa-Jumbos ist, hat handwerkliches Geschick und kann trotz der enormen Hitze körperlich hart arbeiten. Was wären wir ohne ihn?

 

Vor unserem Zaun hat die Bevölkerung einen großen offenen Brunnen ausgehoben, aus dem man mit Eimern Wasser schöpfen kann. Eigentlich ist das Wasser nicht trinkbar und es wäre wichtig, einen Tiefbrunnen zu bohren, mit dem aus 50 m Tiefe durch dünne Aluminiumrohre sauberes Trinkwasser gefördert werden kann. Aber leider reichen unsere finanziellen Mittel dazu nicht aus. Ein deutscher Verein hat mit unserer Brunnenbohrfirma Kontakt aufgenommen, denn er will im Westen Burkinas 15 Brunnen bohren lassen. Nunmehr will Götz diesen Verein dazu bewegen, bevorzugt an unseren Schulen Brunnen zu bohren.

 

Man hat innerhalb des Zaunes einige Bäume gepflanzt, aber es müssen noch viele Bäume gepflanzt und auch bewässert werden. Wenn die Pflanzen 50 cm hoch sind und morgens und abends gegossen werden, sind die Bäume nach 2 Jahren schon 2,50 m hoch und können tollen Schatten spenden und brauchen dann nicht mehr bewässert werden. In Soumorodougou, das direkt an der Straße Bobo nach Faramana liegt, kann man dies deutlich bewundern.

 

Wir haben in Nianwéré 3 Klassen, 1 Lehrerhaus, Schüleraborte, Schülerkantine und einen Zaun errichtet. Zusätzlich hat der burkinische Staat eine weitere Klasse gebaut. Alle Klassen sind belegt und die Kinder werden von 4 Lehrern unterrichtet. 101 Mädchen und 81 Jungen besuchen diese Grundschule und sind glücklich.

 

Am Nachmittag wird unter Beteiligung unserer gesamten Gruppe die Erweiterung des Collèges in Banzon  gefeiert. Wir hatten dort 2005 vier Klassen, drei Lehrerhäuser und einen Verwaltungstrakt errichtet und einen Brunnen bohren lassen. Nunmehr wurden 4 weitere Klassen dazu gebaut, denn es wird seit vorigem Jahr zweizügig eingeschult. In den beiden Eingangsklassen werden 95 Mädchen und 87 Jungen unterrichtet – eine Seltenheit, denn in den Collèges sind im Regelfall die Jungen noch in der Überzahl. Insgesamt werden in 6 Klassen 230 Mädchen und 259 Jungen unterrichtet und man wünscht sich für 2010 den Neubau von 4 weiteren Klassen, denn dann will man das Collège dreizügig führen. Der Direktor der Schule, Monsieur Sanogo Ahmed (Handy 76 69 84 45) ist sehr engagiert. Er hat den Zaun um das alte Schulgebäude abmontiert, da die Bäume dort schon groß sind und von den Ziegen nicht mehr beschädigt werden können, und anschließend um das neue Gebäude wieder aufgebaut und dort schon viele Bäume neu gepflanzt. In Kürze wird das gesamte Schulgelände in einem Wald stehen, denn auch um alle Lehrerhäuser und um das Verwaltungsgebäude wurden Bäume gepflanzt. Es macht Spaß mit solchen Leuten zusammenzuarbeiten.

 

Zum Beginn der Einweihungsfeier sang ein Chor von 30 Mädchen zu unserer Begrüßung. Ich bedankte mich bei ihnen, in dem ich jedem Mädchen eine Weleda-Creme überreichte. Danach gab es einige kurze Reden und anschließend tanzten die älteren Frauen, wobei viele von ihnen ihre Kinder auf den Rücken gebunden hatten. Alle Schüler waren versammelt und saßen diszipliniert in den Bänken, die man ins Freie geschafft hatte. Danach führte die Theatergruppe „Atelier Theatre Sayon“ ein Theaterstück gegen die Beschneidung in der Stammessprache auf. Wir verstanden zwar nicht viel, aber das Stück war wohl recht lustig, denn alle Schüler lachten viel und waren begeistert. Am Schluss mussten die Zuschauer darüber entscheiden, welche Personen positiv und welche negativ zu bewerten seien. Der Verein „Intakt“ aus Saarbrücken, der von der Lebensgefährtin des Herrn Lafontaine, Frau Müller gegründet wurde, hat die Aufführung bezahlt. Die Gruppe tritt auch noch an 14 weiteren von uns finanzierten Schulen auf. Götz Krieger hat die Kontakte geknüpft und kümmert sich um die Abwicklung. Ich selbst dachte während der Aufführung an die anwesenden Mädchen, die schon beschnitten sind, und nun mit ansehen mussten, dass die ganze Beschneidung unsinnig und mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist. Was mögen sie wohl gedacht haben und wie traurig mögen sie sein, weil ihnen sexuelle Lust für den Rest des Lebens vorenthalten wurde?

 

Samstag, den 11. Oktober – Jeannine Cabelduc (Übers. Rita Krieger)

 

Besuch der Schule B in Banzon.

Es hatte in der Nacht geregnet, aber da wir in einem Klassenraum schliefen, störte uns das nicht weiter. Am Morgen ist es jedenfalls wieder schön. Götz und Yves besichtigen die Grundschule B, die der Solidaritätskreis um 2 Klassen erweitert hat. Wir nützen das aus um durchs Dorf zu streifen: Frauen und Kinder arbeiten bei den Hütten, trocknen Reis im Hof, stampfen ihn mit den Füßen um ihn zu reinigen. Wir machen Fotos, natürlich nicht, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Von fern hört man die Kinder in den Klassen singen.

Andere Kinder laufen hinter uns her. Anne und ich bringen ihnen das französische Kinderlied „Frère Jacques“ bei. Sie hätten gern Brieffreunde und fragen nach unserer Adresse. Götz warnt uns: Spätestens im dritten Brief würden sie um Geld betteln für sich oder ihre Familie.

 

Am Abend dann das große Einweihungsfest. Das ganze Dorf hat sich versammelt mit den üblichen Autoritätspersonen. Willkommenslied, Danke an ASAO und viele Reden, die Schüler des CEG erscheinen nach und nach.

Wir sehen ein Stück, von einer Gruppe Jugendlicher aufgeführt, das die Bevölkerung gegen die Genitalverstümmelung von Mädchen sensibilisieren soll. [Anmerkung der Übersetzerin: Was Jeannine lapidar in einem Satz abhandelt, war für mich einer der beeindruckendsten Momente der ganzen Reise: Es war keine „Gruppe Jugendlicher“, die dieses Theaterstück gegen die „excision“(Ich weigere mich, dass mit dem Euphemismus „Beschneidung“ zu bezeichnen, sondern nenne es stets „Genitalverstümmelung“). Das Stück wurde von einer hochprofessionellen Theatergruppe aus Bobo-Dioulasso aufgeführt, dem „Atelier Théatre Sayon“ in Zusammenarbeit mit „(I)ntact“, einem Verein, gegründet von Christa Müller, der weltweit gegen die Verstümmelung von Mädchen aufruft. Das Stück wurde in Dioula gesprochen, damit es die einfache, nicht schulisch gebildete Bevölkerung erreicht, deswegen habe ich nicht alles verstanden, aber mein afrikanischer Sitznachbar hat mir das Wichtigste übersetzt. Eine Szene ging mir besonders unter die Haut: Der Auftritt der beschnittenen Frau, ganz in Weiß (Trauerfarbe) gekleidet, die ein Lied singt von ihren Schmerzen, ihrer Pein und ihrer Trauer. Aber wie Charly frage ich mich auch: Was mögen die vielen verstümmelten Mädchen und Frauen empfinden, wenn sie so ein Theaterstück sehen? Jedenfalls habe ich mir fest vorgenommen an „(I)ntact“ zu schreiben und mitzuteilen, was für gute Arbeit hier mit dem Geld des Vereins geleistet wird.]

 

Am Abend hatten Susanne und ich noch Lust mit der Bevölkerung zu feiern. Anselm und der Schuldirektor begleiteten uns. Wir tanzten mit den Frauen des Dorfes.

 

 

Sonntag, den 12.10.2008  -  Hans-Günther Haase

 

Götz mit seiner Gruppe startete um  8:00 Uhr etwas früher, da Susanne und Rita von Orodara aus mit Mathias nach Bobo-Dioulasso und Rita von dort aus mit dem Bus weiter nach Banfora zu Soeur Veronique fahren wollten.  Etwas später gab es für uns noch eine offizielle Verabschiedung durch einen kleinen Chor von 14 Mädchen des   Collège. Charly bedankte sich bei allen mit einigen Tuben Weleda-Creme und für die Firma wurden einige Beweisfotos gemacht. Das Gepäck wurde heute Morgen besonders gut verstaut, da uns eine sehr schlechte Wegstrecke bis Orodara bevorstand.  Zuerst ging es noch durch die weiten, in unterschiedlichem Grün leuchtenden Reisfelder von Banzon aus in Richtung Süden. Dann holperten wir auf wirklich schlechter Piste weiter nach Orodara. Plötzlich rief Charly ganz aufgeregt „ein Affe“. Es handelte sich bei näherem Hinsehen aber lediglich um eine Ziege von hinten, die von einem zerfallenen Mauerrest sprang. Gegen Mittag erst erreichten wir dann Orodara. Hier verließen uns Susanne in Richtung Bobo-Dioulasso und Rita nach Banfora. Jetzt waren wir nur noch 8 Personen. Da Götz ja vor uns angekommen war, hatte die Einweihung des Collège – Gebäudes schon angefangen. Die etwas älteren Schüler hier waren alle einheitlich in dunkelblauen Röcken / Hosen und hellblauen Blusen / Hemden gekleidet. Eine große Balafon – Kapelle war aufgeboten.

 

Nachdem Anselm unsere ganze Gruppe kurz vorgestellt hatte, fuhren Anselm, Charly, Anne und Hans weiter nach Samogohiri. Der Ort hatte einen Antrag für ein Collège gestellt. Niemand erwartete uns, der Ort lag ganz verschlafen da. Schließlich fanden wir in der Ortsmitte den Stellvertreter des Bürgermeisters. Weder dieser noch andere wussten etwas darüber, dass der Solidaritätskreis hier eine Schule bauen sollte. Nach einigem Palaver wurde dann nach einem Lehrer geschickt und wir fuhren zur Präfektur, um zu erfahren, ob dort das Projekt bekannt sei. Im Ganzen machten alle einen sehr des-interessierten Eindruck. Schon im Februar hatte Charly geschrieben, dass Sand und Steine gesammelt werden sollte und im Mai wurde ein Treffen für heute angekündigt. Die Briefe sind anscheinend, wie so oft, laut Aussage der Leute nicht angekommen. Kopien der Briefe wurden noch einmal dem Präfekten überreicht, damit die darin gestellten Fragen beantwortet und der entsprechende Vertrag unterschrieben werden kann. Alles muss schnellstens nach Deutschland zurückgeschickt und die darin enthaltenen Voraussetzungen geschaffen werden. Falls nicht, kann auch nicht gebaut werden. Eine Grundschule ist in Samogohiri vorhanden und es gibt auch schon 2 Klassen des Collèges, die 6ième mit 70 Schülern und 5ième mit 30 Schülern, die jetzt in irgendwelchen leer stehenden Gebäuden untergebracht sind. Ein Direktor und eine hübsche Lehrerin mit einem Baby sind auch schon vorhanden. Der Präfekt gab uns abschließend noch eine Cola aus und es gab auch noch klein gehackte Ziegenstücke zu essen. Brot dazu hatten wir in Orodara gekauft. Auf der Rückfahrt zur Hauptstraße  konnten wir noch einen riesigen, ca. 4 Meter hohen Termitenhügel bewundern.

 

Der Ort Diolé, direkt an der Straße gelegen, soll eine Grundschule bekommen. Hier besichtigten wir das zukünftige Gelände und informierten uns über die gesammelte Menge an Sand und Steinen. In Kangala angekommen, hatte die Einweihungsfeier  mit Götz und seiner Gruppe schon angefangen. Mindestens 1300 Einwohner waren zusammengekommen. Alle waren in guter Kleidung erschienen, die Frauen in sehr bunten Farben, auch die Männer in ihrem besten Kaftan. Eine Kapelle von 8 Balafon und 12 Trommeln sorgte für ausgelassene Stimmung. Gegen Ende der Zeremonie bekamen wir einige traditionelle Gewänder geschenkt. Zusätzlich 3 große Säcke Orangen und ca.1 Zentner Yamswurzeln,  die in dieser Gegend besonders gut wachsen. Anschließend verteilte Charly wieder  unsere „traditionellen“ Geschenke, einen Fußball mit Pumpe und eine Weltkarte für die  Schule, Solarrechner und Taschenmesser für die Lehrer, Dorfchef, Bürgermeister etc. Nach dem nun auch schon traditionellen „weißen Band durchschneiden“ und der Besichtigung der Räumlichkeiten gab es in einem leeren Klassenraum ein ebenso traditionelles Abendessen für uns und die anwesenden offiziellen Persönlichkeiten. So fand unser Zeltaufbau vor den unzähligen, neugierigen  Augen diesmal wieder in nur vom Mondschein erhellter Nacht statt. Erschwerend kam heute die große Distanz vom Zauntor bis zu dem für uns leer geräumten Klassenraum dazu; aber die Kinder halfen uns gerne unsere Zelte, Ausrüstung und Taschen zu tragen. Etwas später gab es extra für uns ein Konzert vor der Schule mit Balafon und Trommel. Auch wir tanzten kräftig mit der Bevölkerung zur lebhaften Musik im Kreis. Yves und Claudine hatten ihr Zelt im Schulraum aufgestellt und waren früh zu Bett. Götz` und Hans` Zelt stand unter dem Dach vor dem Schulraum, was sich in der Nacht als sehr vorteilhaft herausstellen sollte. Anne und Jeanine hatten sich nun zusammengetan und ihr Zelt stand vor dem Gebäude im Freien, genauso wie das von Charly und Anselm. Große, in die Nacht lodernde Fackeln auf dem Dorfplatz zogen einige von uns erwartungsvoll an. Die Fackeln waren angezündete Strohgarben mit denen die Tänzer herumfuchtelten und sich auch schnell über die nackte Haut streiften und zum Schluss auch noch die Glut in den Mund nahmen. Nach der spektakulären Vorstellung zogen wir uns bald in unsere Zelte zurück und aus der Ferne hörte man noch lange diesen monotonen Rhythmus durch die mondhelle Nacht. Gegen morgen fing es dann leicht an zu regnen und Charly / Anselm und Anne / Jeanine flüchteten mit ihren Zelten in den Schulraum.

 

 

Sonntag, den 12.10.08 – Claudine Vidal (Übers. Rita Krieger)

 

Am frühen Vormittag fahren wir durch Banzon. Heute ist hier Markttag , es wird Reis verkauft, der in den angrenzenden Reisfeldern angebaut wird. Wären wir in Europa, würde unser Fahrzeug sicher viel Aufmerksamkeit erregen:  Auf dem Dach transportieren wir zwei Büschel Bananen und einen Ziegenbock. Aber hier in Afrika ist das normal. Der Ziegenbock randaliert ununterbrochen  und erledigt seine großen und kleinen Geschäfte vom Dach herunter. Schließlich tut er uns so leid, dass wir ihn im erstbesten Dorf einer Krankenstation schenken . Der Doktor, in weißem Kittel und einem Stethoskop um den Hals, zieht mit dem Tier an der Leine von dannen.

 

Unser heutiges Ziel ist das Collège von Orodara, wo vier zusätzliche Klassen gebaut wurden und somit die Klassenzahl auf 20 erhöht wurde.

Hier treffen wir Matthias, Ingo und Schwester Elise wieder, die von Banfora gekommen sind, um Rita und Susanne abzuholen.

Die Zeremonie ist sehr feierlich: Alle Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums sitzen in Schuluniform im Halbkreis auf ihren Bänken und lauschen in absoluter Stille den Reden. Die Dankesworte werden unterstrichen durch Sprichwörter, die ausdrücken sollen,  daß die Schule weiterhin die Unterstützung von ASAO braucht, und zwar für die Ausstattung der Klassenräume und den Bau von Wohnungen. „Bei ASAO wird immer zu Ende gebracht, was angefangen wird.“. Oder: „Die Ziege dankt niemals der Wasserstelle, weil sie immer wieder zum Trinken zurückkehrt.“

Die musikalischen Beiträge sind hervorragend und die Geschenke besonders üppig: Wir erhalten ein kleines Balafon, ein dreidimensionales Holzbild, das alle Musikinstrumente der Region in Miniatur enthält, Erdnüsse, Orangen und den unvermeidlichen Ziegenbock.

Bei der Besichtigung der Schulräume entdecken wir großartige Tafelanschriften in Deutsch zu unserer Begrüßung und auch einen Schüleraufsatz in deutscher Sprache. In  den Tischgesprächen beim anschließenden Essen erfahren wir, dass im naturwissenschaftlichen Bereich vieles im Argen liegt: Es fehlt an Mathematiklehrern und  an Material im Fach Physik.

Das nächste Ziel dieses Tages ist das CEG in Kangala. Wir fahren erst ein Stück Teerstraße Richtung Koloko, dann biegen wir ab auf eine  Piste, die sich im Grün der Landschaft verliert.

Das Fahrzeug der „direction régionale“ folgt mit unserem Ziegenbock. Weiter schließen sich  an Bürgermeister und Präfekt, die zusammen auf einem Moped fahren.

Plötzlich tauchen wir in einen Kreis von Musikern ein (Balafon, Trommeln), die ununterbrochen spielen, während Frauen und Jäger tanzen und wir unzählige Hände schütteln.

Die Präsentationen der Schüler sind sehr bewegend, vor allem die Rede des Schülersprechers (seiner Größe nach zu urteilen ein Schüler der „Sixième“!) und ein Lied, in dem es heißt: „Afrikanische Solidarität., das ist der einzige Weg um zu zeigen, dass man unter Menschen lebt.“ 118 Schülerinnen und Schüler singen dieses Lied, indem sie sich an der Hand halten.

Der Bürgermeister erläutert in seiner Rede, woher der Name „Senufo“ stammt. Das ist die Ethnie, die in dieser Region lebt. Geschenke werden gebracht, alles was in der Region angebaut  und hergestellt wird: Säcke voller Apfelsinen, Yams, Erdnüsse und ein Balafon.

Das Fest ist ein Spiegelbild für die Motivation der Bevölkerung, die sich in außergewöhnlicher Weise am Bau der Schule beteiligt hat: In 3  ½  Monaten konnten so 4 Klassen, 3 Lehrerhäuser, 1 Küche, 5 Latrinen und eine Wasserleitung zum Wasserturm verwirklicht werden.

Für den Abend wurde uns eine „folkloristische Darbietung“ in Aussicht gestellt. Doch es wird immer später und nichts passiert. Plötzlich läuft  ein magisches Schauspiel vor unseren Augen ab mit Tänzern, die sich in den Flammen bewegen. Leider sind einige von uns, des Wartens überdrüssig, schon zu Bett gegangen.

Die Afrikaner tun alles, um uns Freude zubereiten, kennen jedoch keine Zeit, wenn ein Fest ansteht, und man kann nur hoffen, dass wir sie nicht kränken, wenn wir  Ruhe und Schlaf suchen.

               

Montag, den 13.10.2008  -  Charly Simonis

 

Am Abend hatten wir einen herrlichen Mond und genossen den afrikanischen Sternenhimmel. Während der Nacht kam jedoch Wind und Regen auf, und wir transportierten unsere Zelte schnell in eine leer geräumte Schulklasse, wo wir ruhig weiter schliefen. Zum Frühstück wurde uns wieder heißes Wasser gebracht, sodass wir unsere Gaskocher nicht anzünden mussten. Anschließend fuhr unsere Reisegruppe von Kangala aus nach Kagnabougou, das ½ Stunde entfernt liegt. Eine junge Amerikanerin vom Peace-Corps, die an unserem Collège unterrichtet, fuhr mit uns. Das ganze Dorf bildete zu unserer Begrüßung Spalier und klatschte in die Hände. Offensichtlich hatte die Bevölkerung einen großen Posten Stoff gekauft und sich ein einheitliches Outfit zugelegt. Mehrere Balafongruppen spielten zu unserer Begrüßung. Anschließend sang der Schulchor ein Dankeslied zugunsten unseres Vereins. An der Feier nahmen viele Jäger teil. Sie tanzten zu unserer Ehre zusammen mit 3 Masken und schossen ab und zu aus Vorderladern in die Luft. Auch eine Gruppe aus dem Stamm der Peul (Nomaden) führte einen speziellen Tanz auf. Wir bekamen ein schönes Balafon, eine runde Trommel und handgewebte Anzüge geschenkt. Außerdem fanden auf unserem Pick-up außer unseren Polizisten noch große Stauden Bananen und eine Ziege Platz.

 

In der von uns finanzierten Schule sind in 3 Klassen 66 Mädchen und 62 Jungen eingeschult und werden von 3 Lehrern unterrichtet. Innerhalb des Schulzauns befand sich ein 10 m tiefer Ziehbrunnen und ein Schulgarten, und es waren auch schon viele Bäume gepflanzt worden. Man wünschte sich von uns die Finanzierung von 2 weiteren Lehrerhäusern, was wir jedoch ablehnten, denn statt 2 Lehrerhäuser können wir auch eine Grundschule bauen und damit für über 100 Kinder neue Schulplätze schaffen. Beim Essen im Klassenraum waren wieder nur Männer anwesen, die sich beim Bier, Rotwein und Sangria gerne bedienten. Aber auch vor der Schule gab es Essen für das ganze Dorf und alle Schüler bekamen Reis und Fleisch in die mitgebrachten Töpfchen.

 

Auf der Rückfahrt besichtigten wir noch die Kranken- und Entbindungsstation von Kangala. Anne war entsetzt, dass der „Kreissaal“ wie eine „Metzgerei“ aussah, denn die Frauen müssen sich auf einen gekachelten Tisch legen. Ein Hund wartete im Wartezimmer und im Operationsraum war ein Moped untergestellt. Krankwerden darf man in Burkina nicht! Wir verabschiedeten uns von der Amerikanerin und überreichten ihr noch einen Satz Aufklärungsmaterial, das uns der deutsche Verein „Lebenschancen International“ zur Verfügung gestellt hatte.

 

Und weiter ging es nach Koloko, das unmittelbar an der Hauptverkehrsstraße nach Mali liegt, nur 8 km von der Grenze entfernt. Hier haben wir 4 weitere Klassen für ein bereits bestehendes Collège gebaut. Unsere Arbeiter waren damit beschäftigt, die Klassen zu verputzen. Sie müssen auch noch die Dachbleche, die bei einem Sturm beschädigt wurden, ausbessern. In 3 Wochen werden aber alle Räume fertig sein. Auch der burkinische Staat ist dabei, 3 weitere Klassen zu bauen. Dieses Jahr gibt es 3 Eingangsklassen mit 236 Schülern. Auch im vorigen Jahr wurden 3 Klassen eingeschult mit insgesamt 171 Schülern. Die vorletzte Klassenstufe ist zweizügig und hat 135 Schüler und in die Abschlussklasse gehen 72 Kinder. Insgesamt besuchen also 614 Kinder in 9 Klassen das Collège. Es gibt aber nur 6 alte Klassenräume, die zum Teil in schlechtem Zustand sind. Die 3 übrigen Klassen werden außerhalb der Schule in sonstigen Gebäuden unterrichtet. Sie können nach Fertigstellung in die von uns finanzierten 4 Klassen umziehen. Wenn alle Klassen fertig gestellt sind, hat das Collège 13 Klassenräume und kann dreizügig betrieben werden. Bänke brauchen wir nicht zu liefern, denn es standen genug Bänke für alle 7 neu gebauten Klassen im Freien herum. Der Brunnen an der Schule funktioniert, die Elektrizität nicht. Nach Fertigstellung der Neubauten müssen zwischen den 3 Gebäudekomplexen noch zahlreiche Bäume gepflanzt werden, um ein besseres Mikroklima zu erreichen.

 

Am Nachmittag spazierten wir über den großen Markt, auf dem es jedoch für Touristen nichts zu kaufen gab. Die Märkte sind dennoch sehr interessant und bunt und es macht Freude, den Leuten zuzuschauen. Anschließend gab ich unsern Begleitern und auch den Polizisten in der Dorfkneipe eine Cola aus und danach bauten wir unsere Zelte im Bürgermeisteramt auf. Abends wurden wir von dem Bürgermeister und dem Präfekten zu einem Essen im Lokal eingeladen. Die Unterhaltung fand ich sehr schleppend. Als es dunkel war, fand zu unseren Ehren auf dem Dorfplatz ein „Tanzfestival“ statt. Männer und Kinder haben unheimlich schnell und geschickt zur Balafonmusik getanzt. Jeanine versuchte mitzuhalten, während kleine Mädchen die langen glatten Haare von Anne liebevoll streichelten.

 

Montag, 13. Oktober  - Jeannine Cabelduc (Übers. Rita Krieger)

 

Wir fahren nach Kokouna  zur Einweihungsfeier einer Grundschule mit drei Klassen, einer Küche, einem Lehrerhaus und einer Latrine. Jäger empfangen uns mit Salutschüssen aus  Vorderladern. Die Schüler und Schülerinnen, alle gleich gekleidet, singen uns ein Willkommenslied. Die üblichen „Offiziellen“ sind anwesend: Der Bürgermeister, eine Dame von der Schulaufsicht, der Grundschulinspektor von Koloko, der Dorfchef, Schulleiter, Präfekt von Koloko.

 

An der Schule gibt es mehr Mädchen als Jungen – bravo! Dankeshymnen an die ASAO für die Hilfe beim Bau der Schule, Geschenkeaustausch. Götz ergreift das Wort um zu danken (für den Schafsbock, die Trommel, das afrikanische Dorfchefgewand) und die Bevölkerung an ihre Verpflichtung zu erinnern, Gebäude und Bänke in Ordnung zu halten und ihre Kinder – Mädchen und Jungen – in die Schule zu schicken.

 

Der Bürgermeister von Koloko weist uns das Nachtlager zu. Wir bauen die Zelte in einem Klassenraum auf. Als Götz ein benachbartes Dorf besucht, schlendern wir über den Markt von Koloko. Wir lassen uns dazu verführen schöne Stoffe zu kaufen. Am Abend treffen wir uns mit den „Honoratioren“ in einer kleinen Bar am Dorfeingang zu einem gastlichen Mahl bei künstlicher Beleuchtung, die von einem Stromaggregat erzeugt wird.

 

 

 

Dienstag, den 14.10.2008  -  Anne Krütten

 

An diesem Morgen, nach einer nicht so ruhigen Nacht, da Anne einen starken Husten hatte, nahmen wir unser Frühstück gegen 6.30 Uhr ein. Anschließend wuschen wir uns und packten unsere Sachen zusammen. Währenddessen fragte Anne: ,,Götz, heute fahren wir wieder zusammen oder?“

Götz: ,,Wenn ich dich sehe, fahr ich immer zusammen!“ Nachdem unser Gepäck aufgeladen war, machten wir uns auf den Weg nach Sifarasso. Das ist der zweitgrößte Ort im Département Koloko. Dort fand um 10 Uhr die Einweihungsfeier statt. Diese Feier war ähnlich wie die zahlreichen anderen. Auch hier gab es viele Reden, schöne Tänze und Ballafonmusik. Wir bekamen von den Afrikanern 4 Gewänder und ein Ballafon geschenkt. Nach der Besichtigung der Schule gingen wir zu dem gemeinsamen Essen in ein älteres Schulgebäude. Als Charly sich dort umsah, wurde er sehr wütend, da eine Klasse komplett voll war mit ,,kaputten“ Bänken, an denen teilweise nur zwei oder drei Schrauben fehlten.

 

Anschließend machte unsere Reisegruppe sich weiter auf den Weg nach Loumana. Die Fahrt war etwas lang, jedoch landschaftlich sehr schön. Die Straßen erwiesen sich als gut und somit hatte unser Fahrer eine nicht zu anstrengende Fahrt. Die restlichen Autoinsassen nutzten die längere Fahrt um einen Mittagsschlaf zu halten. In Loumana angekommen wurden wir von den Schülern herzlich empfangen. Hier trafen wir auch einen deutschen Priester, der schon seit dreißig Jahren in Afrika lebt. Nach einer von uns nicht erwartetet kleinen Einweihungsfeier gingen wir zum gemeinsamen Essen. Zu unserer aller Freude gab es frischen Salat, also Gurken, Tomaten und Zwiebeln.

Abends, nachdem wir unsere Zelte aufgeschlagen und geduscht hatten, wurden für uns Theaterstücke und Tänze aufgeführt. Da Charly und Anne sehr müde waren, legten sie sich schon etwas früher hin.

 

An dieser Stelle möchte ich mich ganz herzlich bei allen Teilnehmern dieser Reisegruppe bedanken. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit euch diese Reise zu unternehmen. Bei euch war immer gute Stimmung und wir haben viel gelacht. Außerdem bedanke ich mich bei denjenigen, die mir die Reden, Theaterstücke, Lieder und Gespräche übersetzt haben.

Ganz besonders möchte ich mich bei Anselm und seiner Familie bedanken. Bei Anselm, da er ein super guter Chauffeur war, uns viel erklärt hat und für ein Späßchen immer zu haben war. Bei seiner Familie bedanke ich mich, da sie mich, nachdem mein Pass verschwunden war, liebevoll aufgenommen hat. Mit Anselms Sohn Davy hatte ich noch viel Spaß.

 

Aber auch ein ganz besonderer Dank geht an Charly. Er war in den letzten zwei Tagen vor meiner Heimreise eine moralische Unterstützung. Er hat mich nie alleine gelassen. Auch als es darum ging einen neuen Reisepass zu besorgen und es überall so ewig lang dauerte, da die Afrikaner wie Schnecken im Geschwindigkeitsrausch arbeiten, hat er mich immer wieder beruhigt und mir gut zugeredet. Ohne ihn wären die beiden letzten Tage ein Alptraum gewesen. 

 

Mittwoch, den 15.10.2008  -  Hans-Günther Haase

 

Nachdem wir unsere Morgenrituale, Toilette, Dusche (im neuen Duschzelt), Stehfrühstück, Einpacken, Gepäck verstauen erledigt hatten, besuchten wir bei der Abfahrt noch den Bürgermeister von Loumana in seinem Gehöft, der gestern bei der Feier nicht anwesend war. Sein Sohn (erst 33 Jahre alt) war kurz zuvor gestorben. Wir kondolierten ihm und seiner Familie. Anschließend fuhren wir weiter nach Sindou. Hier gibt es einige größere Erhebungen mit bizarren Gesteinsformationen, die wir mir einem Führer besichtigen konnten. Dort oben gab es vielfältige Pflanzen zu bestaunen und wir hatten von den „Pic du Sindou“ einen großartigen Fernblick auf bis zum Horizont reichende Reisfelder und auf den Ort Sindou. Nach diesem touristischen Ausflug ging es auf guter Piste weiter nach Banfora, wo wir gegen Mittag im Foyer St. Monique eintrafen. Von Soeur Veronique, ihren Nonnen und Rita, die ja schon seit Sonntag hier war, wurden wir - wie immer -  ganz herzlich begrüßt und zur Erfrischung gab es erst einmal eine gut gekühlte, selbst gemachte Zitronenlimonade. Die Fahrzeuge wurden entladen und alles im Gästehaus deponiert. Unser Obst, Orangen, Bananenstauden, 1 Sack Süßkartoffeln, und den Yams, teilweise schon einige Tage auf dem Dach von Götz` Auto transportiert, gaben wir in der Küche des Foyer ab. Die Ordensschwestern revanchierten sich mit einem köstlichen Mittagessen. Im Freien unter einem Schatten spendenden Strohdach an einem Tisch mit Tischdecke, richtigen Tellern und ausreichend Besteck gab es einen frischen Salat mit Thunfisch, Tomaten, Reis, Avocados mit Zitrone, Zwiebeln, Bohnen, Kartoffeln und frischem Baguette. Danach folgte Obstsalat von Orangen, Papaya und Mango. Kaffee und ein selbst gemachter Likör dazu. Es kam uns vor wie im Paradies. Susanne, die während der ersten Woche mit uns unterwegs war, kam von Bobo-Dioulasso ins Foyer, um ihre Arbeit zu vervollständigen. Götz und Anselm fuhren anschließend mit den Repräsentanten des Dorfes nach Tiéfora, um dort das neue Collège einzuweihen. Der Rest der Gruppe machte sich auf die„les Cascades du Karifiguéla“, 13Km westlich von Banfora zu besichtigen. Der Fluss Koba fällt hier ungefähr 70 Meter über unzählige Felsvorsprünge in immer wieder anderen Kaskaden und Felsformationen in die Tiefe. Nach einem Aufstieg an der Seite erschließen sich malerische Ausblicke auf die in vielen Stufen herabfließenden Wasserfälle. Weiter oben kann man dann in ruhigen Felsbecken baden oder sich in den vielfältigen kleineren Fontänen den Rücken massieren lassen. Die Felsen sind sehr rutschig und jeder ist mindestens einmal ausgerutscht, so dass man sich anschließend oft „auf allen vieren“ weiterbewegte. Auf dem Rückweg nach Banfora durch riesige, beregnete Zuckerrohrfelder, schnitten wir uns einige Rohre ab und unser Führer servierte uns später die Zuckerrohrstücke als Aperitif. In einem Restaurant wurde dann noch genügend Bier, Fanta und Cola für die nächsten 2 Nächte besorgt. Inzwischen war es dunkel geworden, Götz und Anselm trafen kurz nach uns von ihrer dienstlichen Mission im Foyer St. Monique ein, wo uns ein ausgezeichnetes Abendessen, wieder mit allem Komfort, erwartete. Große Aufregung: kurz nachdem sich Soeur Veronique mit Charly und Anselm zu dienstlichen und finanziellen Gesprächen zurückgezogen hatten, ertönte der Schreckensruf „Schlange“ durchs Foyer. Alles war zum Ort des Geschehens unterwegs. Einer der Wächter hatte innerhalb des Konvents eine 120 cm lange Schlange, die sich in ein Schlafzimmer verkrochen hatte, erschlagen. Nachdem sich die Aufregung gelegt hatte, alle Einzelheiten des Vorfalles des öfteren erörtert worden waren und die tote Schlange schließlich entsorgt war, kehrte langsam wieder die sprichwörtlich paradiesische Ruhe ein. Kurz danach war nur noch das Zirpen der  Grillen zu hören. Anne und Susanne stellten ihr Zelt vor dem Haus auf, Charly und Hans bevorzugten auch hier, im Zelt auf dem Vorplatz zu schlafen, alle anderen nahmen die vorhandenen Betten im Gästehaus des Foyer in Anspruch. Dusche mit Wasser von oben, richtige Toiletten mit Wasserspülung, Waschbecken mit fließendem Wasser und elektrische Beleuchtung komplettierten das Komfortangebot. Nach den vielen Tagen der Entbehrungen im Busch fühlte sich jeder ein wenig in der Zivilisation zurück und genoss diese kleinen Annehmlichkeiten

 

 

Donnerstag, den 16.10.2008  -  Charly Simonis

 

Gestern Abend habe ich mich mit Soeur Véronique und Anselm in der Klausur der Ordensgemeinschaft zusammengesetzt, und wir haben die Kosten des Foyer Sainte Monique ausgerechnet. Sie bekam von uns  für die 30 Patenkindern, die 3 Studentinnen und die gefertigten Tischdecken 9.000.000 CFA = 13.720 Euro. Sie teilte uns mit, dass sie mit diesem Geld nicht auskommen könne (Einzelheiten bitte ich dem nachfolgenden Bericht von Rita Krieger zu entnehmen). Plötzlich gab es auf dem Hof ein großes Geschrei. Eine der Ordensschwester hatte eine große Schlange gesehen und alle waren in hoher Aufregung, denn Schlangen sind lebensgefährlich. Alle 7 Ordensschwestern bewaffneten sich mit einem Stock und suchten den Innenhof ab. Der Hausmeister wurde gerufen und schaute in einem offen stehenden Zimmer nach. Tatsächlich entdeckte er dort unter dem Bett eine fast 1,2 m lange Schlange. Ihr Kopf wurde mit dem Stock zertrümmert und die Schlange auf den Hof geworfen, wo sie sich immer noch bewegte. Um die Stimmung wieder aufzulockern, stimmt ich das passende Lied „Le coq est mort, le coq est mort, il ne chantera plus co-co-di, co-co-da“ an und alle lachten.

 

Zum Tagesabschluss setzte ich mich zu den Schwestern in die kleine Kapelle und lauschte ihren Gesängen und Gebeten. Genauso begann der nächste Morgen. Um 6 Uhr war eine heilige Messe und danach beteten, sangen und schwiegen die 7 Schwestern bzw. Novizinnen.

Es tut gut, mit Menschen, die glauben, zusammen zu sein. Dies habe ich auch am Freitagmorgen in Faramana gespürt, wo ich um 6 Uhr morgens mit Ingo und Bernhard am Freitagsgebet in der Moschee teilnahm. Wir wurden dort freudig aufgenommen und versuchten die Gebetsabläufe mitzumachen. Danach wurden wir vom Imam freundschaftlich begrüßt. Er zeigte uns seine Koranschule, die wie die Moschee von Saudi-Arabien finanziert worden war,  und lud uns zum Tee ein.

Ich war 9 Jahre lang in einem Jesuiteninternat in Godesberg, wurde jeden Tag zur Teilnahme an der heiligen Messe gezwungen und uns wurde täglich der strafende Gott vor Augen geführt, der uns Angst machen sollte und der selbst unter die Bettdecke schauen konnte. Seit 25 Jahren fahre ich jedes Jahr für 1 Woche nach Taizé – heute weiß ich, was ich nicht mehr glaube, und dass ich mir von keiner Religion mehr vorschreiben lasse, was ich zu glauben habe. Ich bin auf der Suche und diese Suche wird mich vom 4.01. – 23.01.09 nach Südindien führen, wo ich an einer Begegnungsreise des Franziskanerordens mit dem Thema „Der eine Geist und die Vielfalt der Religionen“ teilnehmen werde.

 

Nach dem Gottesdienst gab es vor dem Gästehaus ein leckeres Frühstück: frisches Baguette und richtige Butter, Marmelade und Obst. Anselm, mit dem ich mein Zelt teile, hatte im Gästehaus geschlafen. Ich zog das Zelt im Freien vor, denn dort war es kühler und auf meiner Luftmatratze fühle ich mich wohl.

 

Hans, Anselm und ich machten uns anschließend nach Mangodara auf, das im äußersten Süden von Burkina Faso, ca. 30 km von der Grenze zur Elfenbeinküste liegt. Die Piste war von der Regenzeit ziemlich zerstört und wir brauchten 2 Stunden, um die 82 km zu bewältigen. Ohne Allrad wäre dies nicht möglich gewesen und unsere 2 Polizisten wurden auf der Ladefläche ganz schön hin- und hergeschleudert. In Mangodara gab es 2 Eingangsklassen mit jeweils 110 Schülern. Im vorigen Jahr hatte man ebenfalls 2 Klassen mit jeweils 70 Schülern eingeschult und außerdem gab es noch ein 3. bzw. 4. Schuljahr mit 90 bzw. 87 Kindern. Nachdem wir nunmehr 4 weitere Klassen gebaut haben, gibt es 10 Klassenräume und das Collège kann nun durchgehend dreizügig geführt werden. Zur Zeit sucht man noch Lehrer, damit man die beiden Eingangsklassen mit insgesamt 220 Schüler auf 3 Klassen aufteilen kann. Hier funktionierte der Brunnen und seit 10 Jahren funktioniert hier auch die Solaranlage in 3 Klassen. Die Aborte sind jedoch total verdreckt und werden anscheinend kaum benutzt. Ich wies den Schulleiter darauf hin, dass er die Kinder auch zur Hygiene erziehen muss. Außerdem müssten noch zahlreiche Bäume um die von uns finanzierten Klassen gepflanzt werden. Die Einweihungsfeier war weniger schön – die Lautsprecheranlage funktionierte mal wieder nicht und ich sprach „für die Katz“. Am „Festessen“ im Klassenraum nahmen nur Männer teil, und alle Beamten, die nichts für das Projekt getan hatten, hauten sich auf Kosten der Bevölkerung den Bauch voll.

 

Uns wurde der zukünftige Pfarrer von Bérégadougou vorgestellt. Mein Freund Manfred Hillebrandt versucht zwischen seiner Pfarrei Freckenhorst und der Pfarrei Bérégadougou eine Partnerschaft aufzubauen, hat dort eine Apotheke finanziert und schon Pfarreimitglieder zum Weltjugendtag nach Köln eingeladen. Der jetzige Pfarrer hat jedoch das ihm anvertraute Geld unterschlagen. Er wird nun versetzt und man versucht, das Ganze geheim zu halten.  Unser Verein händigt Pfarrern keinerlei Geld aus, denn auch sie sind Menschen und haben eine große Ursprungsfamilie, die an ihren Einkommen teilhaben will.

 

Als wir nach unserer Rückkehr in Banfora dem Schulrat für Collègs unsere Aufwartung machten, erreichte uns auf dem Handy ein Hilferuf von Götz. Dieser war mit Yves nach Marabagasso gefahren, aber auf der Rückfahrt wurde der Kühler defekt und es lief Wasser aus. Wir schleppten ihn ca. 10 km ab und in einer Werkstatt in Banfora wurde der Kühler innerhalb von 2 Stunden geschweißt, sodass alles wieder o.k. war. 

 

Das Abendessen im Gästehaus des Foyer Sainte Monique war wieder toll. Es gab Nudeln, gute Soße, frisches Obst und selbst gemachten Likör. Danach überraschten uns die Mädchen aus dem Internat mit einer großartigen, kreativen Aufführung. Sie veranstalteten für uns eine Modenschau, sie sangen und trommelten und wir alle mussten mittanzen. Es wurde ein Theaterstück uraufgeführt: ein Mädchen erläuterte Soeur Véronique, die von einem Mädchen nachgespielt wurde, ihre missliche Lage und bat um Aufnahme im Internat. Veronique rief dann Anselm, der von einem anderen Mädchen dargestellt wurde, per Handy an und bat um die Finanzierung. Anselm rief darauf Götz an und Götz rief Charly an, der dann die Entscheidung traf. Die Mädchen stellten uns richtig gut dar, und wir hatten alle unsere Freude daran. Danach bedankten sie sich bei uns als Vertreter des Vereins für die Finanzierung des Internats. Wir nahmen den Dank gerne an und versprachen ihn an die Pateneltern, die wirklichen Geldgeber des Foyers, weiterzuleiten.

 

Freitag, den 17.10.2008  -  Hans-Günther Haase

 

 

Nach dem Frühstück, diesmal mit Spiegeleiern, frischem Baguette, Butter usw. ging es wieder ans einpacken. Unsere Balafone wurden mit den Tüchern und Decken, die Charly für den Verein eingekauft hatte, gut gepolstert in den Taschen für den Flugzeugtransport verpackt. Götz` Fahrzeug war nun, wieder mit Rita, mit 5 Personen besetzt; im zweiten Allrad mussten 6 Personen untergebracht werden, da wir Susanne nach Bobo-Dioulasso mitnahmen und Soeur Veronique mit uns bis Ougadougou fuhr. Das zusätzliche Gepäck wurde verstaut und unsere zwei Polizisten mussten auch noch auf der Ladefläche Platz haben. Nach einem kurzen Besuch und Gespräch mit dem Chef der Grundschulen in der Region Banfora machten wir uns auf den  Weg nach Bobo-Dioulasso. Unterwegs holten wir Götz mit seinem Allrad ein. Es wurde Wasser in den Kühler nachgefüllt. Sein Auto hatten wir gestern Abend mit leckem Kühler in eine Werkstatt abgeschleppt. Die Reparatur war zwar erfolgreich, aber der Kühlerventilator machte nun nicht mehr mit und der Motor wurde in regelmäßigen Ab-ständen zu heiß. Nur bei konstant etwa 100 Km/h kam genügend Kühlluft von außen; bei den Straßenverhältnissen war dies aber immer nur für kurze Zeit möglich. Wir versprachen auf jeden Fall zum Ort seiner Feier, kurz vor Boromo, zu kommen, um gegebenenfalls Hilfestellung zu leisten. Auf dem weiteren Weg kreuzten dann doch tatsächlich einige Affen die Straße, die ersten, die Charly in all den Jahren in Burkina gesehen hatte. In Bobo haben wir zuerst Susanne in der Nähe ihrer Wohnung abgesetzt und anschließend unsere Polizisten in ihrem Quartier verabschiedet. Kurz hinter Bobo besuchten wir dann die 2006 gebaute, nur 100 Meter von der Straße entfernte, aber durch die schon hoch gewachsenen Bäume kaum mehr sichtbare Grundschule von Niamadougou. Anselm klagte über Übelkeit und Unwohlsein und blieb nach der Begrüßung durch den Dorfchef, die Ältesten, den Direktor und weiteren Verantwortlichen beim Auto. Die Schüler sangen und tanzten ausgelassen für uns. Charly war sehr zufrieden. Die Schule war in sehr gutem Zustand, viele Bäume waren schon groß geworden, die Bänke waren repariert und in Ordnung, die Schulküche in Betrieb, der Tiefbrunnen funktionierte. Der Verantwortliche für die Pumpenrücklage war allerdings auch hier nicht aufzutreiben. Die Freude war auf allen Seiten deutlich sichtbar, Charly verteilte unsere „traditionellen“ Geschenke an die Verantwortlichen und mahnte zum baldigen Aufbruch wegen der noch weiten Fahrt nach Ouaga. Anselm ging es nun wirklich nicht gut, er vermutete einen Malaria – Schub. Hans fuhr nun den Allrad, zuerst ein paar Kilometer zurück nach Yéguéresso, um in der Apotheke Medikamente für Anselm zu besorgen, dann weiter Richtung Ouagadougou, um kurz vor Boromo nach Hérédougou abzubiegen. Dort war Götz gerade mit seiner Ansprache zu Ende, als wir die Einweihungsfeier erreichten. Der Ort war als „Nachrückerprojekt“ eingesprungen für ein Dorf, in dem die Organisation und das Sammeln von Sand und Steinen nicht erfolgreich waren. Trotz dieser Erschwernisse dauerte es nur 1 Monat + 10 Tage bis das 3-klassige Schulgebäude, 1 Lehrerhaus und die Toiletten komplett fertig gestellt waren. Bis jetzt ein einsamer Rekord. Nach der Feier füllte Götz noch einmal Wasser im Kühler nach und dann ging es in gemächlichem Tempo im Konvoi weiter nach Ouagadougou. Noch 3 Mal wurde angehalten und Wasser nachgefüllt. Im Dunkeln schließlich erreichten wir Ouaga. Matthias, der uns die erste Woche begleitet hatte, stieg in der Nähe seiner Wohnung zu, und wir fuhren zusammen direkt zum Weisenhaus AMPO, das von Katrin Rhode betrieben wird. Charly hatte dort für uns ein Abendessen bestellt. Wir genossen ein kühles Bier, etwas Salat, eine leckere Lasagne und hinterher noch Wassermelone. Anselm ging es immer noch schlecht und er fuhr sofort nach Hause, um sich auszuruhen. Ein Fahrer kam uns später abholen und die Begrüßung bei Anselms Haus durch Marie Therese, Augustine, David etc. war wie immer sehr herzlich. Alle waren froh uns gesund wieder zu sehen. Anselm war schon zu Bett gegangen. Schnell wurden die Zelte im Hof aufgestellt. Anne und Jeanine hatten in der Eile gewohnheitsmäßig jeder ein eigenes Zelt aufgebaut. Kurz danach kehrte Ruhe ein. Nach diesem anstrengenden Tag und rund 400 Km Fahrt auf afrikanischen Straßen waren alle sehr schnell eingeschlafen. Außerdem hatten sich für Samstag rund 20 verschiedene Gruppierungen mit Anträgen für diverse Schulen und Collèges angesagt, mit denen Charly, Götz und Anselm noch reden mussten. Jetzt erhellte nur der Mondschein ein wenig die 5 schläfrigen Zelte. 

 

Sonntag, den 19.10.2008  - Charly Simonis

  

Anne hat ihren Pass am Samstagabend im Flughafenbereich verloren. Die burkinischen Behörden wollten sie zwar ausreisen lassen, aber Air France weigerte sich, sie mit zu nehmen. Da Anne fix und fertig war, kaum Französisch kann und noch nicht alleine geflogen und umgestiegen ist, entschloss ich mich, nicht mehr für die 1 Woche mit nach Norden zu fahren, sondern sie auf dem Heimflug zu begleiten. Generell genügt mir auch eine zweiwöchige Rundreise, denn die Fahrt ist doch recht anstrengend.

 

Am Sonntagvormittag waren wir mit Marie-Thérèse in einem Gottesdienst, der 2 Stunden dauerte, und haben danach mit unserem früheren Repräsentanten Maurice Pouya und seiner Frau Chantal sowie mit Felicien (Tambaga) und seiner Frau etwas getrunken. Nach der Mittagspause holte uns unser Chauffeur Sidiki um 15 Uhr ab. Wir gingen zur Flughafenpolizei und fragten nach, ob der Pass abgegeben worden sei. Dies war jedoch nicht der Fall. Dann buchten wir die Flüge auf Montagabend um, was ohne weiteres möglich war, wobei jedoch Air France eine Umbuchungsgebühr von 2 x 100 Euro erhob. Da wir Zeit hatten, besuchten wir die Familie von Sidiki, die sich darüber sehr freute. Alsdann haben wir in aller Ruhe AMPO besichtigt. Alle erinnerten sich noch an Claudia, Petra und Martin und wir wurden in beiden Heimen herumgeführt. Wir ließen noch Passbilder für Anne machen. Leider lief kein guter afrikanischer Film, der sehenswert gewesen wäre. Abends habe ich mich noch lange mit Marie-Thérèse über ihre Zukunftspläne (Ausbildung zum Inspecteur) unterhalten, während Gussi für Anne eine aparte Bluse nähte.

 

Montag, den 20.10.2008  -  Charly Simonis

 

Am Montagmorgen fuhren wir mit Sidiki zur deutschen Botschaft, die aber erst um 9 Uhr öffnete. Wir kamen in den Warteraum und die ersten 40 Minuten wurde niemand bedient. Erst als Sidiki Herrn Michel Gnanou getroffen hatte, der vor 10 Jahren mal bei uns in Hillesheim war, ging es weiter. Wir wurden jedoch noch zur Hauptpolizeibehörde geschickt, um eine offizielle Verlustmeldung abzugeben, Ohne Sidiki hätten wir dies nie geschafft! Er kannte jemand, der bereit war, das vorgeschriebene Formblatt auszufüllen. Selbstverständlich wollte man wissen, welche Passnummer denn der verlorene Pass hatte und wann und wo er ausgestellt war. Hätten wir nicht eine Kopie dabei gehabt, hätten wir wohl viel Phantasie entwickeln müssen! Der ausfüllende Polizist war aber nicht unterschriftsberechtigt und hatte keinen Stempel. Also musste er, nachdem wir eine Gebührenmarke erstanden hatten, zu seinem Vorgesetzten. Dieser brauchte eine halbe Stunde, bis er unterschrieben hatte. Schließlich waren wir noch vor der Mittagspause (12 Uhr) wieder in der Botschaft und bekamen einen Passersatz, der nur für die Ausreise galt.

 

Danach gönnten wir uns eine Cola und fuhren dann zur Firma Transmétal, die unsere Bänke herstellt. Es war recht interessant dort zuzuschauen. Wir fuhren weiter über das „Frankfurter Autobahnkreuz“ Richtung Ouaga 2000 und schauten uns den neuen Präsidentenpalast und das große Monument mit dem riesigen Kreisverkehr an. Über unsinnige Ausgaben kann man sich ärgern, aber dies ist kein Grund die Entwicklungshilfe einzustellen.

Das Projekt des deutschen Botschafters stand alsdann auf unserer Besichtigungsreise. Es ist angemessen ausgestattet, verursacht aber erhebliche ständige Unterhaltungskosten. Es gibt 3 Schlafhäuser, in denen jeweils 24 Jungen schlafen, je 6 Jungen in Doppelstockbetten. Insgesamt können 72 Kinder dort unterkommen. Es ist ein Internat, in die Jungen aufgenommen werden, die sich schon durch gutes Fußballspiel ausgezeichnet haben und bedürftig sein sollten. Sie werden von 2 Frauen in einer Kantine versorgt, besuchen aber ein öffentliches Collège in der Nähe. Neben ihrem Schulunterricht absolvieren sie 2 x am Tag ein Fußballtraining. Wir wurden vom Leiter sehr nett empfangen und rund geführt.

 

Alsdann fuhren wir noch mal zu AMPO und haben einen Salat gegessen. Das Patenkind von Claudia mit dem Namen Samuel habe ich leider nicht angetroffen und daher habe ich dem Zivi Geld für das Patenkind überreicht. Dieser bat uns wiederum ein Paket für den Sahel e.V. nach Deutschland mitzunehmen. Nach einer Ruhepause spazierte ich alleine auf den Markt in der Gegend von Anselms Haus und sagte viele male „Bon soir“ und wunderte mich, dass doch noch viele Kleinkinder Angst vor Weißen haben. Gegen 19 Uhr brachte uns Marie-Thèrèse zum Flughafen, wo wir die ersten waren, die eincheckten. Der Passersatz, der nur ein einfaches Stück Papier war, war für die Polizisten und Zollbeamten unbekannt, sodass ich mein ganzes Französisch aufwenden musste, ihnen zu erklären, dass er für die Ausreise gültig sei. Wir waren froh, als wir schließlich im Flugzeug saßen. Dieses war nur 1/3 voll, sodass jeder mehrere Sitzplätze hatte und sich halbwegs hinlegen konnte. Der Flug war gut, das Umsteigen unproblematisch und in Luxemburg wurden wir von meinem Bürovorsteher abgeholt. Wir wurden vom Zoll wegen unseres vielen Gepäcks angehalten, aber als ich ihm erklärte, dass wir ein Entwicklungshilfeverein wären und nur Decken für Spender und Souvenirs mitgebracht hätten, verzichtete man darauf unser Gepäck zu sehen.